Älpeleskopf - Heiterberg - Weißer Schrofen, und als Bonus der Widderstein


Publiziert von Nik Brückner , 14. September 2015 um 21:11. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:12 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 9:30
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 1900 m
Strecke:20km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Nach Baad mit dem Auto durchs Kleinwalsertal
Unterkunftmöglichkeiten:In Baad

Judith7 und ich können einfach nicht genug kriegen! Kaum sind wir von einer 103tägigen Durchquerung der Alpen zurück, müssen wir schon wieder los, T6-Touren gehen...

Diesmal Damenwahl: Die Überschreitung von Gamsfuß, Älpeleskopf, Heiterberg, Weißem Schrofen und Höferspitze. Einer der schönsten Grasgrate der Allgäuer! Hätten wir vorher gewusst, dass wir danach noch auf den Widderstein steigen würden...


Los ging's morgens gegen 9 auf dem Parkplatz in Baad, am Ende des Kleinwalsertals. Von dort aus auf dem Fahrweg hinter zu Bärgunthütte (1391m), und weiter zur Talstation der Materialseilbahn der Stierlochalpe. Hier verlässt man den markierten Wanderweg und steigt hinauf zur Stierlochalpe. Ziemlich matschig war's hier.

An der Stierlochalpe (1562m) angelangt könnte man dem Weg links des Baches folgen, wir haben uns allerdings rechts gehalten. Dort war schon die Sonne, der Boden also trockener, und man muss sich nicht durch Erlen schlagen. Einfach auf Kuhpfaden hinauf in den Üntschenpass (1854m).

Baad - Üntschenpass: teils markierte Wege, Kuhpfade, T3, 1:30


Hier beginnt der weglose Teil der Tour. Auf dem Pass nun nach links, immer auf der Kante hinauf Richtung Gamsfuß. Das ist im Grunde nur ein unscheinbarer grüner Kopf unterhalb des von hier aus höchsten sichtbaren Gipfels, des Älpeleskopfs. Im Pass muss man achtgeben, sich nicht an altem Stacheldraht zu verletzen. Sonst geht's einem so wie mir...

Durch ein paar Latschen, und dann einfach irgendwie den ersten Hang hinauf. Ist steil, aber nicht sehr, geht ein bisschen auf die Lunge, aber nicht auf die Psyche. Unter dem Gamsfuß gelangt man an erste Felsen, die man von rechts nach links oben ersteigt (kaum I).

Der nächste, felsige Kopf ist dann schon anspruchsvoller. Es geht zu den ersten Felsen, die man rechts umgeht. Oben auf dem Grasrücken nun an die Felsmauer heran, und auf guten Trittspuren unter ihr nach rechts, bis man kurz darauf eine geeignete Stelle zum Aufstieg findet. Hier hinauf (T5/I) und hinaus auf den letzten Kopf unterhalb des Älpeleskopfes.

Hier sieht man, dass der Weiterweg auf den Älpeleskopf nicht ganz ohne ist. Ein paar Meter hinunter und hinüber, dann geht es äußerst steil und ausgesetzt hinauf. Die beste Route ist etwas rechts der Kante im grünen Bereich. Hier steigt man im Grasschrofengelände auf, das immer wieder gute Tritte bietet. Dennoch ist Vorsicht geboten: Auch bei günstiger Routenwahl muss man durch 60° steiles Gras. Wir sind im unteren Teil die Grasrampe hinauf, dann unter einem überhängenden Felsen nach rechts gequert, und oben auf guten Grasbändern wieder nach links zur Kante gegangen. Von dort aus geht es dann in weniger steilem Gelände wieder über rechts zum Gipfel (T6).

Auf dem Älpeleskopf (2161m) bietet sich eine tolle Aussicht auf den Weiterweg: Direkt vor uns der Heiterberg, der schwerer ist, als er von hier aussieht, und links davon der gesamte Grat bis zum Weißen Schrofen, über den wir weitergehen wollen.

Zunächst geht es in einfachem Gelände hinüber zum Gipfelgrat des Heiterbergs. Dieser zieht sich dann schnell zu einer messerscharfen Schneide zusammen. Doch das geht noch, im Vergleich zu der nun folgenden Schlüsselstelle der Tour: Eine etwa acht Meter hohe, äußerst steile Stufe im Grat, die unten noch felsig ist, oben allerdings lediglich ein paar erdige Absätze als Griffe zu bieten hat. Hier heißt es nicht auspsychen, und schnell, sicher, und mit ein bisschen Gewalt hinauf (T6/II). Von hier aus sind es dann nur noch wenige Schritte zum höchsten Punkt des Grates, dem Heiterberg (2188m).

Üntschenpass - Heiterberg: weglose Gratüberschreitung, T6/II und leichter, 1:30


Hierher bin ich vor etwa einem Jahr von der anderen Seite gekommen, vom Hochtannbergpass aus über die Höferspitze. Damals bin ich aber in ein Gewitter gekommen und bin kurz entschlossen auf dem scharfen Südwestgrat abgestiegen. Der sieht heute sehr freundlich aus!

Während einer kurzen, aber gemütlichen Gipfelrast schauen wir hinüber ins Lechquellengebirge. Direkt auf der anderen Seite ist der Hochberg. Wie der Heiterberg kein namhafter Gipfel, aber einer, der ebenfalls mit erlesenen Grasgraten aufwarten kann. Dann betrachten wir den Weiterweg: Es geht nun im Hang, ein Erosionsfeld umgehend, hinunter zum Grat und auf diesem zu einem felsigen Kopf vor dem Weißen Schrofen hinüber. Also vorsichtig im Gras das Ersosionsfeld rechts umgehend hinunter und auf dem ausgesetzten Grat spaßig über einige scharfkantige Köpfe (T4). Bald gelangt man zu den dem Weißen Schrofen vorgelagerten Felsen. Die ersten überklettert man, steigt dann in einem kleinen Linksbogen hinunter in eine Scharte, und drüben über zwei schräge Grasbänder wieder hinaus (I). Hier bin ich vor einem Jahr mangels Sicht nicht besonders klug gegangen, bei strahlendem Sonnenschein ist die Route sonnen(!)klar.

Aus der Scharte heraus geht man über alles rüber, bis sich links eine Steilrinne auftut, über die man in die Scharte direkt vor dem Weißen Schrofen absteigen kann. Oben hält man sich an einem festen Felszacken fest, dann geht es einen nach unten schmaler werdenden Riss hinunter zum oberen Ende der Steilrinne (I-II). Die nun hinunter in die Scharte.

An den Steilaufschwung des Weißen Schrofens gelangt man am besten nicht direkt auf der felsigen, zerborstenen Kante, sondern ein wenig links davon. Man geht bis an die senkrechte Nordwand des Weißen Schrofens und wendet sich dann nach rechts, wo man die Kante leicht ersteigen kann. Von dort aus wechselt man in die Südflanke und steigt am besten gleich in der ersten, gut gestuften Grasrinne empor (T6/II).

Der Gipfel des Weißen Schrofens (2145m) ist harmlos, ein breiter, waagrechter Rücken. Aber der Abstieg hat's nochmal in sich. Die Route ist leicht zu finden, man orientiert sich einfach an den vielen Bohrhaken hier. Der Abstieg ist im oberen Teil steil, aber mit mehr als genug Tritten und Griffen ausgestattet (I-II). Bald steht man unten in einer Scharte, von wo aus es nun im Gras weitergeht. Bis zur Höferspitze sind noch einige mehr oder weniger ausgesetzte Auf- und Abschwünge zu überwinden, schwieriger als T4 wird's aber nicht.

Heiterberg - Höferspitze: weglose Gratüberschreitung, T6/II und leichter, 1:30


Die Höferspitze (2131m) wird öfters bestiegen, meist wohl vom Hochtannbergpass aus. Hierher führt ein schmales Weglein, auf dem wir nun hinunter zum Hochalppass (1938m) wandern (T3).

Höferspitze - Hochalppass: unmarkiertes Weglein, T3, 30min


Dort stellt sich heraus: Es ist erst drei, und wir sind noch nicht ausgelastet. Schnell entscheiden wir uns für eine Erweiterung, die wir seit 2, 3 Stunden eh schon diskutieren: Den Widderstein! Nicht unbedingt ein Berg, der mich reizt, aber Judith meint, der Berg würde einem hier in der Gegend immer wieder ins Auge fallen, da könnte man ihm doch wirklich mal einen Besuch abstatten. Recht hat sie.

Nicht dass der Berg zu wenig Besuch hätte... An diesem wunderbaren Samstag sind ganze Völker auf Wanderschaft dort hinauf. Und wir wundern uns zunächst, ist der Aufstieg über eine unüberschaubare Menge an schotterigen Steilstufen doch im Grunde alles andere als schön - erst recht im Vergleich zu der Traumroute, die wir hinter uns haben. Doch wir wühlen uns die 600 Meter zum Gipfel hinauf (T4 und I, wenn uns auf der Normalroute langweilig war), wo uns dann klar wird, warum die Leute hier hinaufgehen: Der Widderstein ist ein grandioser Aussichtsberg! Kein Wunder, ist er doch der höchste weit und breit. Klar, sein kleiner Bruder unter uns auf der Nordseite ist schöner, aber die Aussicht ist wirklich atemberaubend. Und so bleiben wir denn auch eine ganze Dreiviertelstunde auf dem Gipfel.

Hochalppass - Widderstein: markierter Weg mit etwas Kraxelei, T4/I, 1:45


Als wir uns an den Abstieg machen sind wir fast ganz allein. Ein Paar ist noch oben, ein anderes begegnet uns weiter unten, auf dem Weg zu einer - bestimmt herrlichen - Gipfelübernachtung. Einen lieben Gruß von hier aus an Euch alle, falls Ihr das jemals lesen solltet.

Gegen sieben sind wir dann am Hochalpsee (1968m), von wo aus wir auf einem alten Weg hinunter zum Wanderweg queren. Auf dem geht es dann in der Dämmerung hinunter  zum Auto. Am nächsten Tag war Sonntag, da stand dann ein Kirchgang auf dem Programm.

Widderstein - Baad: markierte Wege, am Widderstein I, T4 und leichter, 2:45


Fazit:

Fantastische Grattour mit Grasgraten und ordentlicher Kraxelei. Die Schlüsselstellen sind anspruchsvoll, aber man wird mit einem der schönsten Grate der gesamten Allgäuer Alpen belohnt. Ein echtes Schmankerl. Der Aufstieg auf den Widderstein hat sich gelohnt, wegen der Aussicht, nicht wegen der Route. Und der Abstieg in der Abendsonne hatte eine ganz eigene, wundervolle Atmosphäre.


Anforderungen:

Erfahrung in ausgesetztem IIer-Gelände, Steilgraserfahrung, keine Angst auf schmalen Graten. Feste Schuhe und Stöcke haben ausgereicht. Ein Pickel ist ratsam, auch wenn wir ihn nicht gebraucht haben.


Tipp:
Hier ist ein schönes Video von Chris Koala, das die gleiche Tour zeigt.

Tourengänger: Nik Brückner, Judith7


Galerie


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