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Schattenberggrat


Published by Nik Brückner , 29 August 2013, 13h42.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Date of the hike:13 August 2013
Hiking grading: T4+ - High-level Alpine hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: D 
Time: 6:30
Height gain: 1550 m 5084 ft.
Height loss: 1550 m 5084 ft.
Route:17km

Man kann in den Allgäuer Alpen ein paar sehr schöne Grattouren machen. Eine der schönsten ist die Umrundung des Kars der Gaisalpseen über Entschenkopf, Geißfuß, Gaisalphorn und Rubihorn. Von dort aus hat man durchgehend einen sehr guten und aufschlussreichen Überblick über den Schattenberggrat, der das Tal des Faltenbaches auf der gegenüberliegenden Südseite begrenzt. Diesen Grat hatte ich seit meiner Tour um die Gaisalpseen auf meiner Liste. Dieses Jahr stand er nun als erste Tour des Sommerurlaubs an.


Im Auto lief UK Album "Live in Tokyo" - ihr Reunion-Album, das gerade für Furore sorgte. Die beste Einstimmung für diese Tour! Geparkt habe ich am Parkplatz des Eisstadions, Abmarsch war gegen 9.30 Uhr. Man folgt von den Schanzen aus der Fahrstraße ins Oytal bis zum Wirtshaus am Kühberg (908m). Hier zweigt bald ein breiterer Weg in spitzem Winkel links über eine Wiese zurück zu den Schanzen ab. Diesem folgt man einige Zeit bis zu einer Bank auf der Wiese, rechts am Wegrand. An der Bank geht es hoch. Man hält, ansteigend, rechts auf eine Baumgruppe zu und stößt so ein paar Meter nach der Bank auf den Weg zum Schattenbergkreuz. Diesem folgt man nun ansteigend über die Wiese bis zum Waldrand.

Im Wald geht es nun die Hänge des Schattenbergs Richtung Süden querend, auf gutem Weg bergan. Der Weg hier hinauf ist deutlich ausgeprägt und hat Wanderwegcharakter. Dennoch wird er nur wenig begangen, er ist nicht ausgeschildert. Bald quert man im Wald ein paar Rinnen in steilem Gelände, dann wendet sich der Steig an der Kante des Kühbergs nach links (Norden), um nun steil hinaufzuziehen. Gegen Viertel vor zehn erreichte ich eine felsige Aussichtskanzel, schon hoch über Oberstdorf. Von dort aus wendet sich der Weg nun ziemlich genau ostwärts und weiterhin steil direkt den Hang hinauf bis zum Schattenbergkreuz (1685m) , das ich gegen 11.15 erreichte.

Oberstdorf - Schattenbergkreuz: Wanderwege bis T2, 1:45


Am Kreuz traf ich lediglich einen langjährigen Allgäu-Urlauber und ein einheimisches Pärchen. Als wir auf den Grat zu sprechen kamen, warnte mich der Einheimische, die geschätzte Gehzeit von zwei Stunden bis zum Zeigersattel sei sicherlich zu niedrig angesetzt. Na, das würden wir noch sehen.

Das Schattenbergkreuz steht am Rücken des Schattenbergs und nicht etwa auf einem Gipfel, weil man von Oberstdorf aus keinen Gipfel sehen kann (dafür kann man von hier oben aus einen ganz berühmten Gipfel sehen, der wiederum von Oberstdorf aus nicht zu sehen ist - oder nur ganz unscheinbar wirkt: die Höfats. Gleich daneben: Die scharfe Nadel der Kleinen Höfats). Man folgt also hinter dem Kreuz dem Rücken weiter hinauf durch Latschengassen. Der Weg ist hier zwar spürbar weniger deutlich ausgeprägt, stellenweise hat man die Wahl, die laut AV-Karte namenlosen Gipfel (allesamt um die 1800m hoch) mirzunehmen oder südseitig im Gras zu umgehen, Orientierungsprobleme hat man aber nicht.

Der Schattenberggrat ist zweigeteilt: Vom Kreuz bis zur Fischerrinne hinter dem Seeköpfle (1920m, nicht verwechseln mit den gegenüberliegenden Seeköpfen!) geht man über Hauptdolomit, nach der Scharte der Fischerrinne wechselt man in den Fleckenmergel, das bedeutet: erst üppig bewachsener Fels, dann messerscharfe Grastgrate. Da ist es gut, dass man vom Seeköpfle aus (und auch danach noch) problemlos über mäßig steile Grashänge zum Seealpsee notabsteigen könnte.

Bis zum Seeköpfle geht es aber weitgehend einfach zu. Es gibt allerdings eine kurze Einserstelle, an der an einem Felsblock am Grat luftig abgeklettert werden muss, nur durch einen dicken Latschenast vom Abgrund getrennt., eine ausgesetzte Stelle, an der man ein paar Meter zwischen Abgrund (nordseitig) und Latschenwurzeln balancieren muss, und ein Schartl, in das über unangenehmn rutschigen Schotter abgestiegen werden muss (siehe Fotos), abgesehen davon handelt es sich aber um gutes Gehgelände. Nur bei Nässe sollte man die Füße von der Tour lassen, weil es doch recht oft (auch auf der ersten Hälfte des Grates) steil über grasige Tritte auf und ab geht. Die Ausblicke sind toll! Links und recht geht es steil in die Täler hinunter, darüber nordseitig Geißfuß, Gaisalphorn und Rubihorn und südseitig die Rieffenköpfe, das Hahnenköpfle, und der Rauhenhalsgrat.

Eine Stunde nach Aufbruch am Kreuz langte ich am Seeköpfle (1920m) an. Kurz vorher hatte ich doch noch einen weiteren Geher aufgegabelt, einen netten Burschen aus St. Uttgart, der wie ich in der Gegend alles Markierte schon kennt und sich nun an die weglosen Touren macht. Wir beschlossen, gemeinsam zum Zeigersattel zu gehen.

Schattenbergkreuz - Seeköpfle: gute Wegspuren, T3/T4, eine Stelle I, 1 Stunde


Am Seeköpfle legten wir aber erstmal eine Pause ein.

Der Blick ist toll: Nebelhorn, Großer Daumen, der schöne Grat zum Laufbacher Eck, der Hochvogel, der Schneck - und natürlich die Höfats.

Hier wagte ich den Übergang nach Südosten zu dem recht ausgesetzten Pt. 1893m, steil über dem Seealpsee. Die Passage ist im Grunde einfach, aber luftig und dementsprechend spektakulär.

Nach einer halben Stunde, gegen 13.00 Uhr, verließen wir das Seeköpfle. Es geht etwa 90 Meter hinunter in die Scharte der von Norden hier heraufziehenden Fischerrinne. Wer hier angesichts der nun anstehenden scharfen Gratschneide auspsycht oder in schlechtes Wetter gerät, könnte von hier völlig unproblematisch zum Seealpsee und von dort über den Gleitweg ins Oytal absteigen. Das geht auch noch 15, 20 Minuten später, solange die Hänge noch nicht so steil sind, dass sich ein Abstieg verbietet.

Nach dem Abstieg hat man zwei Möglichkeiten: entweder aus der Scharte der Fischerrinne gleich wieder zurück zum Grat, der sich hier noch eine Weile felsig und latschenbesetzt fortstetzt. Hier muss stellenweise die Hand an den Fels (höchstens I). Eine Felspassage wird zudem luftig und im kleinteiligen Schutt ein wenig rutschig auf der Nordseite des Grates umgangen.

Die weniger anspruchsvolle und ausgesetzte, und deshalb hier empfohlene Variante führt südseitig am grasigen Hang entlang in eine deutliche Wanne und danach steil über Gras hinauf zu einem deutlichen Sattel am Grat, östlich von Pt. 1879 und damit nach der Passage in der Nordseite des Grates.

Vom Sattel aus geht es dann steil einen grashang hinauf - und ab hier gibt es kein Halten mehr: Bis kurz vor den Zeigersattel ist der Grat nun eine Slackline. Nur ganz selten wendet sich der Steig von der Schneide in die Südseite ab, die meiste Zeit muss man direkt über den Grat balancieren. Ist ja auch logisch, immerhin ist der die einzige Waagrechte in diesem Gelände. Besonders viel Spaß bereitet der markante scharfe Zacken des Hüttenkopfs (1940m). Auch dort braucht man nicht auszupsychen, denn dahinter wird der Grat gleich spürbar breiter, bis er am Zeigersattel (1922m) an ein paar Bänken in einem Gelände ausläuft, dass auch Seilbahntouristen zugänglich ist. Wir waren um 14.00 am Zeigersattel.

Seeköpfle - Zeigersattel: Schwache Wegspuren, T4+, 1 Stunde


Mein Tourenplan sah nun den Weiterweg über das Nebelhorn und den Abstieg über den Gundkopf (und evtl. den Gaisfuß) vor. Als ich gegen 15.00 am Nebelhorn ankam, machte dieser vermaledeite Berg aber mal wieder seinem Namen alle Ehre (ich war noch nie bei klarer Sicht dort oben!) und an diese Abstiegsvariante war nicht mehr zu denken.

Zeigersattel - Nebelhorn: Wanderwege, T2, 45 Minuten


Also runter über das Tal des Faltenbaches. In 20 Minuten war ich wieder wieder am Höfatsblick, und von dort auf der Fahrstraße in 1 3/4 Stunden zurück in Oberstdorf.

Nebelhorn - Oberstdorf: Wander- und Fahrwege, T2, 2 Stunden.


Gehzeiten:

Oberstdorf - Schattenbergkreuz: 1 3/4 Stunden
Schattenbergkreuz - Seeköpfl: 1 Stunde
Seeköpfl - Zeigersattel: 1 Stunde


Charakter:

Der Schattenberggrat ist eine wunderbare Grattour. Von den weglosen Grattouren der Allgäuer Alpen, die ich kenne, ist er die leichteste. Wer keine Probleme mit der Ausgesetztheit am Hüttenkopf hat, hat besonders hier großen Spaß. Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind natürlich unabdingbare Voraussetzung, die Orientierung ist nicht problematisch. Stöcke helfen beim Balancieren. Bei Nässe bleibt man weg. Oh, und die Tour geht auch im Abstieg gut, besonders wenn's heiß ist. Viel Spaß beim Nachgehen!

Hike partners: Nik Brückner


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Comments (4)


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Nyn says:
Sent 28 May 2020, 15h12
Wie immer von Dir ausführlich und bildhaft beschrieben!

Nik Brückner says: RE:
Sent 28 May 2020, 16h01
Danke Dir, das freut mich sehr. ;o}

Nyn says: RE:
Sent 28 May 2020, 17h47
Hoffe, mein Bericht gefällt auch ein paar Leuten, wenn er denn dann iwann fertig ist. Bin bzw tue mich bei fast 200 Fotos schwer am/beim Aussortieren

Nik Brückner says: RE:
Sent 29 May 2020, 09h45
Das kenn ich.... Geht mir genauso...


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