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Hoher Riffler (Verwall) - als Tagestour


Published by Nik Brückner , 24 July 2013, 11h14.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Verwallgruppe
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 8:00
Height gain: 2130 m 6986 ft.
Height loss: 2130 m 6986 ft.
Route:19,5km
Access to start point:Arlberg - Bundesstrasse Abfahrt Pettneu - kostenlose Parkmöglichkeit an der Kirche
Accommodation:In Pettneu

Ab und zu mal beschäftigt mich die Frage, was eigentlich eine Tagestour ist. Damit begonnen, der Antwort nachzuspüren, habe ich dann vor ein paar Jahren im Tannheimer Tal, gleich eine der nächsten Touren war die auf den Hohen Riffler im Verwall (es gibt noch einen in den Zillertalern). Der Berg ist eigentlich für eine Zweitagestour gebaut worden, mit Aufenthalt in der tollen Edmund-Graf-Hütte, in der ich schon mehrfach gut aufgehoben war. Diesmal aber wollten wir sie links liegenlassen.

King Crimsons "Red" eingelegt - und los ging's nach Pettneu!

Früh aufgestanden sind wir, meine Begleiterin und ich, und dann ins Malfontal hineingelaufen. Man geht lang auf einem Schotterweg, etwa eine Stude, eine Stunde fünzehn. Dabei kommt man an der Malfonalpe (1687m) vorbei, wo uns der Wirt schon aus dem Fenster heraus gesehen hat. Der wusste: Wer so früh losgeht, der kehrt später noch bei ihm ein...

Nach ein paar Kehren gelangt man an einen großen Felsblock mit Bank. Dort zweigt der Steig zur Edmund-Graf-Hütte nach Osten ab. Nun geht's erstmals so richtig bergauf, zunächst über Wiesen, dann in eine breite Rinne hinein, die man entweder rechtsseitig oder linksseitig am Hang ersteigt. Schnell ist man dann an der Edmund-Graf-Hütte (2408m), ich bin schon dreimal hier heraufgelaufen (einmal auch von Landeck aus) und habe von Pettneu aus nie länger als zwei Stunden gebraucht.

Schwierigkeiten gibt es bis hierher keine, selbst der Schnee, der um den Monatswechsel Juni/Juli herum gefallen war (am Anreisetag hat es bis auf den Arlbergpass heruntergeschneit), machte uns keine Probleme. Nach der Hütte wird das Gelände sogar flacher, man steigt über ein paar gemütliche Kuppen an einem Seelein vorbei hinauf zu einem Rücken nördlich der Hütte, der vom Blankahorn nach Westen hinunterzieht. Dort könnte man rasten - wenn's da keinen Schnee hat.

Hier wendet man sich nach Osten - und ab jetzt merkt man, dass man es mit einem richtigen Dreitausender zu tun hat. Sofort ändert sich das Landschaftsbild: Wir schauen in die hohe Rinne, die zwischen Blankahorn und kleinem Riffler beginnt und zu uns hinunterzieht. Die müssen wir hinauf.

Zunächst quert man ein, zwei Felsriegel. Dazu überwindet man ein paar Stufen und läuft auf schmalen, aber vollkommen unproblematischen Bändern in die Rinne hinein. Danach wird es steil. Über erdigen, aber meist festen Schotter geht's hinauf. Probleme entstehen hier allenfalls durch die Steilheit, die ordentlich an den Kräften zehrt. Ein großer Felsblock kann mit Hilfe eines Seils und ein bissl Armkraft gut überstiegen werden (man kann auch drumherum gehen, aber der Schutt ist hier ziemlich locker und sehr nervig). Oben wird das Gelände zusehends flacher und man gelangt auf Serpentinen zum oberen Ende des Pettneuer Ferners.

Wer hier mag, kann völlig unschwierig (höchstens I, je nach Routenwahl) zum Kleinen Riffler (3014m) hinüberkraxeln. Wer zurückbleibt und am Gletscher auf die Kraxler wartet, der kann schon das Gipfelkreuz erspähen, das nun schon zum Greifen nah ist.

Ab hier geht es auf Blockwerk weiter, schön für den, der's mag... Aber lang geht es nicht mehr. Schnell gelangt man auf einen spektakulären Sporn hoch über dem Flirscher Ferner (Fotopflicht), von dort aus in ein paar Minuten zum Gipfel des Hohen Rifflers (3168m), oder in ein paar Minuten mehr zum anderen Gipfel, wenn man klettern kann (II, sehr ausgesetzt). Wir haben hierher etwa fünf Stunden gebraucht.

Pettneu - Hoher Riffler: 2130m, Wanderwege bis T4, ca. 5h


Die Aussicht ist umwerfend, besonders an so einem Tag: Es geht im Norden los, mit den Lechtalern. Dort sind zu sehen: Valluga und Roggspitze, Stanskogel, Vorderseespitze, Samspitze, Freispitze, Dawinkopf und Parseierspitze. Dahinter Bregenzerwald und Allgäuer Alpen mit Damülser Mittagspitze, Zitterklapfen, Hochkünzelspitze, Diedamskopf, Kleinem und Großem Widderstein, Hoher Ifen, Elfer, Hochhäderich, Hochrappenkopf, Hohes Licht und Mädelegabel, Fürschießer, Krottenkopf, Nebelhorn und Großer Daumen, Hochvogel, Geißhorn und Leilach. Die Gipfel um Reutte herum sind zu sehen: Gehrenspitze, Säuling und Thaneller, der Danielgrat mit dem Daniel, die Zugspitze natürlich, weiter im Nordosten die Karwendelgipfel, im Osten Schrankogel, die Watzespitze die Wildspitze, der Glockturm, die Weißkugel, im Süden Cevedale, Königspitze und Ortler, Piz Palü, Kuchenspitze, und ein paar Schweizer 4000er: Dom, Weisshorn, Finsteraarhorn. Dann Tödi, Sulzfluh, Schesaplana und Zimba, Alvier, Hinterrugg, Speer, Kuegrat, und der Alpstein mit dem berühmten Säntis und den gruseligen Girenspitz natürlich.

Unter uns war's klar, und wir hatten eine großartige Sicht ins Stanzertal. Über uns, gefühlt nur ein paar Meter höher, trieben wilde Wolken ihr Spiel. Immer wieder mal schneite es ein bisschen. Aber auch am Gipfel hatten wir nie mehr als 30, 40cm Schnee, was das Gehen im Blockwerk und in der Rinne ungemein erleichterte, vor allem bergab.


Und so ging es wieder hinunter, über den gleichen Weg, über den wir gekommen waren. Schwierigkeiten gab es auch im Abstieg keine, und wir genossen das eine oder andere Schneefeld, auf dem wir noch herumrutschen konnten.

Hinter der Edmund-Graf-Hütte (2408m) sind uns dann die ersten Zweitages-Besteiger entgegengekommen. Mittlerweile war das Wetter wunderschön geworden, und so war die Begegnung zweier warm eingemummelter und zweier Bergsteiger im T-Shirt ziemlich skurril. Bald waren aber auch wir entblättert - und natürlich saßen wir dann noch bei einer Backerbsensuppe in der Hütte auf der Malfonalpe, um Informationen auszutauschen über den Tag, den Gipfelgang, einen möglichen Anstieg von Süden, und den alten Schafsteig, der die Westhänge des Rifflers quert - oder vielmehr querte, denn es gibt ihn nicht mehr.

Hoher Riffler - Pettneu: Wanderwege bis T4, ca. 3h


Und der Riffler als Tagestour? Es ging, gut sogar. Lag vermutlich nur am Wetter, es war ja angenehm kühl. Am Gipfel waren wir uns einig, dass wir noch nicht völlig am Ende wären (tatsächlich geht sogar noch mehr). Und als wäre ihr das nicht genug gewesen, hat mich meine Begleiterin am nächsten Tag früh aus dem Bett gejagt. Ich hätte ihr besser nicht erzählen sollen, dass es auf dem Kaiserjochhaus zum Frühstück Ziegenjoghurt gibt...

Hike partners: Nik Brückner


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