Wegen COVID-19 keine Wanderungen, bleib bitte zu Hause!
A causa del Corona Virus nessuna escursione, resta per favore a casa!
A cause du COVID-19 pas de rando, reste s'il te plait à la maison!

https://bag-coronavirus.ch/

Bei Nässe und Nebel über schmale Grate


Published by Nik Brückner , 24 March 2020, 14h56. Text and phots by the participants

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Date of the hike:30 May 2014
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 6:00
Height gain: 1100 m 3608 ft.
Height loss: 1100 m 3608 ft.
Route:17km
Access to start point:Wir sind am Neuhornbachhaus aus gestartet, das nur zu Fuß erreicht werden kann. Man kann die Tour aber auch mit Seilbahnunterstützung machen, vom Diedamskopf aus.
Accommodation:Im Neuhornbachhaus

Am Vortag hatten wir als Hüttenaufstiegsroute den Westgrat der Üntschenspitze gewählt, und auch am darauffolgenden Tag fummelte ich wieder an der Üntsche herum, diesmal an ihrem Nordpfeiler, einem richtig geilen Ding, das mich die ganze Zeit über in seinen Bann schlug. Doch die gestrige Tour war uns zu gestrig, und die morgige zu morgig. An diesem heutigen Tag sollte es eine besonders heutige Tour sein. Und weil's der schlechteste Tag unseres Aufenthalts war, sollte die Tour auch bisschen gemäßigter werden. Na, wie man's nimmt...


Start am Neuhornbachhaus

Puh! Regen! So ein Mist. Was mammer jetzt?

Rumsitzen, lesen. Gegen hab zwölf war das Wetter dann so weit stabil, dass wir versuchen konnten, zumindest (das Wort "zumindestens" gibt es nicht) auf den Diedamskopf zu steigen. Wir verließen das Neuhornbachhaus, und machten uns auf den breiten Weg, der bis zur Breitenalpe recht breit ist (T1), und dann in Punkto technische Schwierigkeiten ordentlich anzieht (T2). Eineinhalbhalb Stunden später hatten wir durch dichten Nebel und zwischen Schneefeldern hindurch auf den Diedamskopf (2090m) gefunden.

Neuhornbachhaus - Diedamskopf: markierte Wanderwege, T1, T2, 1,5h


Liefe die Zeit rückwärts, hätte ich am Diedamskopf in schönen Erinnerungen an meine Begehungen des Nordostgrats schwelgen können. Und wäre das Wetter besser gewesen, hätten wir ihn sogar/wenigstens sehen können. Ebenso wie Kanisfluh, Üntschenspitze, Heiterberg, Ifen, Gungern und Klipperen, Annalper Stecken, Hochkünzelspitze, Zitterklapfen, Zafernhorn und Glatthorn. Aber nix war's.

Vom Gipfel aus folgten wir dem Pfaderl, das an den Nordostabbrüchen entlang in den Diedamssattel (1790m) hinabführt. Hier überlegten wir kurz, ob wir über den Nordwestgrat (hier beschrieben von Andy84) auf den Falzerkopf steigen sollten, verwarfen diese Idee jedoch angesichts der Nässe. Ob der schmierig-glitschige Wanderweg hinauf auf den Falzerkopf (1968m) die bessere Wahl war?

Diedamskopf - Falzerkopf: markierte Wanderwege, T2 und leichter, 1:20h


Am Gipfel des Falzerkopfs selbst stehen nur ein samer Wegweiser und ein Stangerl. Zweisam einsam. Ein Kreuz haben wir nicht gesehen. Bedingt durch den Nebel haben wir überhaupt nichts gesehen. Weswegen wir auch nicht gemütlich umherpausten, sondern nur kurz einbroteten, und gleich weiterzogen.

Der Übergang zum Kreuzmandl ist unproblematisch und nur mäßig steil. Ein guter Weg führt zunächst hinunter ins Neuhornbachjoch (1843m).

Von hier aus wäre das Neuhornbachhaus in 20 Minuten, und die Schwarzwasserhütte in einer Stunde zu erreichen.

Auch danach bleibt's zunächst noch ein bequemer Wanderweg: Aus dem Joch geht es auf einem schönen Pfad drüben wieder hinauf zum Kreuzmandl (1974m). Bei schönem Wetter ein netter Wanderabschnitt mit ordentlich Aussicht!

Falzer Kopf - Kreuzmandl: markierte Wanderwege, T2 - T3-, 20 Min.


Der Name ist ein leeres Versprechen. Auf dem Kreuzmandl steht ebenfalls nur ein Wegweiser, Und Mandeln gibt's auch keine. Dieser Wegweise sagt allerdings für den weiteren Wegverlauf einen „alpinen Steig! Nur für Geübte!“ voraus. Geil! Wir übten also ein bisschen, denn tatsächlich wartet der Grat zwischen Kreuzmandl und Grünhorn mit Stellen bis T4 und luftigen Kraxeleien bis I+ auf, die weitgehend unversichert sind. Die Begehung empfiehlt sich daher nur bei trockener Witterung. Ähem.

Die nächste Station ist das Steinmandl. Auf dem herrlichen Grat zwischen den beiden Mandls gibts schon einige Kraxelstellen, die teilweise versichert sind. Schon der seilversicherte Abstieg (eine gesicherte Felsstufe, ca. sechs Meter) erfordert leichte Kraxelei (I).

An einigen Stellen schnürt sich der Grat ganz schön zusammen und weil der Nebel keine weiten Blicke erlaubte, war das Ganze für uns ziemlich spannend. Was kommt als nächstes? Reichte unsere kurze Übung auf dem Kreuzmandl? Wird das bei den Bedingungen machbar sein? Na, zumindest schaut's düster, wild und geheimnisvoll aus....

Aber so richtig schwierig ist der Übergang zum Steinmandl nicht. Angesichts einiger schmaler und ausgesetzter Passagen braucht's halt ein wenig Trittsicherheit. Im Grashang muss mal plattiger Fels überquert werden, das ist bei Nässe nicht so angenehm. Hier helfen Stecken. An zwei Stellen (eine wie gesagt ca. sechs Meter hoch, die andere etwa drei) gibt es Seilversicherungen, hier sichert festes Zupacken den Übergang. Dann geht's 70 Meter rauf, und man steht auf dem Steinmandl (1982m).

Der Übergang Kreuzmandl - Steinmandl wird hier teilweise mit T4 bewertet, ich schließe mich aber Ossi an, der in seinem Tourenbericht T3 angesetzt hat. In der Schweiz Touren zu gehen, rückt einem die T-Skala ein bisschen zurecht.

Kreuzmandl - Steinmandl: markierte Wanderwege, T3+/I, 50 min


Wir haben vom Kreuzmandl hierher deutlich länger gebraucht als üblich, wegen der Nässe, um sicherzugehen, dass nichts passiert. Am Gipfel des Steinmandls gibt's nochmal einen Abzweig zum Neuhornbachhaus, und auch zur Schwarzwasserhütte kann man von hier aus gelangen (jeweils ca. eine Dreiviertelstunde), Für uns ging's aber weiter Richtung Grünhorn!

Zwischen Steinmandl und Grünhorn erwartet die Geher*innen nun eine deutliche Verschärfung: Der alpine Steig ist z. T. schmal, wartet mit felsigen Kraxelstellen auf, und ist mitunter auch ausgesetzt. Auspsychen ist keine gute Idee.


Im ersten Siebtel des Übergangs dominiert der Abstieg (ca. 60 Hm bis zum niedrigsten Punkt), dann geht es über kleine Felstürme und Zacken weiter. Einige Felsaufschwünge werden umgangen, andere müssen überkraxelt werden. Der spannendste Abschnitt der Tour! Es geht über eine schmale, schrofige Kante, teils blockig, teils plattig, immer wieder leicht ausgesetzt. Sicherungen sind keine da, dafür sind stets gute Tritte und Griffe vorhanden, markiert ist es sowieso, so dass wir auch bei Nässe und schlechter Sicht gut zurechtkamen. So kraxelten wir bis zu dem ordentlich steilen Aufschwung des Grünhorn-Nordgipfels. Hier müssen die Augen aufgemacht werden (Ori!), und ein letztes Mal die Hände aus dem Sack. Danach folgt ein einfach zu begehendes Ab und Auf des Grats bis hinüber zum Gipfel des Greenhorns (2039).

Steinmandl - Grünhorn: markierte Wanderwege, T4/I, 1h


Vom Grünhorn sind wir dann in wenigen Minuten zum Starzeljoch (1867m) hinuntergestiegen, wo wir abrechtsten, und auf dem schönen, nebelverhüllten Panoramaweg zum Neuhornbachhaus(1650m) wanderten. Dort endete unsere kleine Nachmittagsrunde.

Grünhorn - Neuhornbachhaus: markierte Wanderwege, T2 und leichter, 1h



Fazit:

Eine herrliche Runde - und wild, wenn man so ein Wetter hat wie wir. Man wandert durchwegs auf schönen, markierten Wegen. Die es passagenweise aber in sich haben: Der Übergang vom Kreuzmandl zum Steinmandl ist schon anspruchsvoll, am schwierigsten ist der vom Steinmandl zum Grünhorn. Die schwierigste Passage ist vielleicht der Anstieg auf den namenlosen Vorgipfel des Grünhorns. Wie auch immer: Der Hinweis "nur für Geübte" darf ernst genommen werden. Also: üben!

...und am nächsten Tag ging's dann endlich an den Nordpfeiler der Üntschenspitze - eine Steilgrastour der Extraklasse!

Hike partners: Nik Brückner, Judith7


Minimap
0Km
Click to draw, click on the last point to end drawing

Gallery


Slideshow Open in a new window · Open in this window


Post a comment»