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Die schönste Kurve des Bregenzerwalds


Published by Nik Brückner , 22 October 2018, 20h46.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Bregenzerwald-Gebirge
Date of the hike:11 October 2018
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 4:45
Height gain: 880 m 2886 ft.
Height loss: 1340 m 4395 ft.
Route:16km
Access to start point:Mit dem Auto zur Talstation der Ugabahn
Accommodation:In Damüls

....ist für meine Begriffe der Süd/Südostgrat des Hochblankens. Insbesondere im Herbst, wenn die Schatten scharf sind, sieht man von Süden, vom Glatthorn etwa, eine unwiderstehlich schöne Kurve vom Gipfel nach Osten, und dann hinunter nach Südosten kurven.

An einem Anreisetag gehe ich gern was Kurzes, am besten noch mit Seilbahnunterstützung. "By unfair means" lautet das in der alpinistischen Fachterminologie. Aber ich habe auf diese Weise schon tolle Sachen gemacht, den Grat vom Zeiger zum Laufbacher Eck etwa, den Nordostgrat des Diedamskopfs, oder die Überschreitung des Hochwannigs. Diesmal hatte ich mir vorgenommen, nach dem gemütlichen Heranrasen in den Bregenzerwald mit der Ugabahn (Uga! Uga! Uga!) zur Ugaalpe hinaufzubaumeln, und ebenjenen Süd/Südostgrat des Hochblankens zu begehen. Und noch ein paar Woichschommaldabin-Schmankerl drumrumzugirlandieren. Zum Beispiel war ich noch nie auf der Damülser Mittagsspitze gewesen. Die ist zwar recht prominent, weil sie schön aussieht, und der höchste Berg des Bregenzerwalds ist, und genau deshalb war sie mir auch schon vor Jahren aufgefallen, als ich von Bregenz nach Bozen unterwegs gewesen war - aber genau deshalb ist sie halt auch bei vielen anderen Leuten so beliebt. Und mit Menschen ist es so wie mit Tauben: Einzeln ganz wunderbar.

Na, vielleicht konnte ich ja den Südgrat probieren? Das macht sicher keiner. Ich wusste zwar, dass es dort eine ziemlich scharfe Scharte gibt, aber wiexakt, probieren kann man's ja mal, Jamal.



Und so dübelte ich eines späten Vormittags nach Damüls hinauf, pork an der Talstation der Ugabahn (1372m) und baumelte hinauf zur Bergstation (1794m) an der Uga-Alpe (1793m).

Die Damülser Mittagsspitze ist zu verfehlen. Was an ihrem irreführenden Namen liegt: Sie ist einer jener Berge, die als Uhr benutzt wurden, und heißt so, weil die Sonne genau zur Mittagszeit über ihrem Gipfel steht. Von Norden aus, logischerweise. Sie mag also für alle möglichen Orte in ihrem Norden eine Mittagsspitze sein, auf keinen Fall aber für Damüls, das südlich davon liegt. Das ist wie mit Wolframseschenbach, ... - aber ich schweife ab.

Die Damülser Mittagsspitze ist also zu verfehlen - allerdings nur für den, der weiß, warum sie so heißt. Damit entsprechend Gebildete sich aber nicht verlaufen, hat man speziell für sie zahllose Schilder aufgestellt, die zielsicher hinüber zu dem markanten Gipfel führen - den man ob seiner Markanz gar nicht verfehlen kann.

So. Schätze, jetzt hat auch der letzte gemerkt, dass diese Tour langweilig war, weil es so viel erzwungenen Humor braucht, um den Tourenbericht halbwegs unterhalzam zu machen...


Okay, also die Damülser Mittagsspitze. Also hinauf, bis der Wanderweg am Osthang des Gipfels die ersten Kehren macht. Aus der zweiten Rechtskehre führt ein nicht markierter Weg am Hang südwärts und in der Folge um den Gipfel herum. Diesem Weg folgte ich ein Kürzchen, dann stieg ich über ein Geröllfeld rechts hinauf zum Südostast des Südgrats.

Bergstation - Verlassen des Wegs: (teils markierte) Wanderwege, T1 und T2, 20 Minuten


Zunächst auf Gras geht es hinauf, bis sich eine schöne Schneide bildet. Dann steht man an einer Stelle, an der große Felsschuppen auf einem steilen Grataufschwung einfach aufliegen. Aber kein Problem, die sind zu schwer, um zu rutschen, eine Hand links um die Kante, die andere rechts (am besten die linke links und die rechte rechts, andersrum geht's auch, fühlt sich aber komisch an), und dann auf Reibung hinauf. Oben kurz auf dem wieder schmalen Grasgrat weiter, bis -

- man vor der besagten Scharte steht. Hier ist kein Durchkommen. Das Wandl unterhalb ist senkrecht und, um zwei bekannte Steinböcke zu zitieren, schpiäglglatt. Musst wieder zurück.

...was gar nicht so einfach ist. Die steilen Schrofen, übersät mit Schotter, die Felsschuppen, bissl eklig. Und Zuschauer hast, besagte Tauben. Einzeln ganz wunderbar.

Experiment am Südgrat der Damülser Mittagsspitze: wegloser Gras- und Felsgrat, teils heikel, T5/I, 30 Minuten


Und so trottete ich zurück zum Weg, und stieg nach langer Zeit mal wieder auf einem ganz normalen Weg auf einen Berg hinauf. Auch mal schön. Und immerhin hart an T4 (nennen wir's T3+), das ist schon ordentlich. Hat Spaß gemacht - nur gewindet hat's wiezau, am Gipfel der Damülser Mittagsspitze (2095m).

Einen wunderbaren Rundblick hat man hier - vom immerhin höchsten Gipfel des Bregenzerwalds. im Norden die Nagelfluhkette, dann Kanisfluh und Diedamskopf, die Üntschenspitze, der Heiterberg, der Ifen, davor Gungern und Klipperen, dahinter der Hochvogel, Annalper Stecken, Hochkünzelspitze, Zitterklapfen, Zafernhorn, Glatthorn, und rechts davon der lange Walserkamm.

Also schnell wieder runter, bis zur besagten zweiten Rechtskehre und auf dem unmarkierten Weg am Hang um den Gipfel herum. Weiter ging's auf's Hohe Licht (2009m), das Highlight jeder Tour in dieser Gegend. Dann näherte ich mich der schönsten Kurve des Bregenzerwalds...

Damülser Mittagsspitze und hinüber zum Hochblanken: (teils markierte) Wanderwege, an der Mittagsspitze T3+, sonst leichter, 45 Minuten


Und wie jeder schönen Kurve, so näherte ich mich auch dieser mit großer Unsicherheit und Schüchternheit. Die mögen das. Auf etwa 1960 Metern Höhe verließ ich den Weg und zirkelte hinüber zum (hier) Südgrat des Hochblankens.

...der aus der Nähe.... wie so manche Kurve...

Schieferige Platten liegen hier auf dem Grat auf, ein feines Craquelée, schön anzusehen, aber unschön zu begehen. Allenfalls auf den eingelagerten Grastritten kann man gehen, von den Schieferplatten lässt man besser die Füße, will man nicht auf ihnen zu Tal surfen. Auf den Grastritten geht es aber, und so kommt man doch überraschend gut, und überraschend nah an der Kante hinauf, wo die schöne Linkskurve ansetzt. Die steilt kurz ordentlich auf,

Hier muss ich kurz unterbrechen, die Waldelfe holt gerade die Sandwiches aus dem Maker.

dann wendet sich der Grat dem Gipfel zu, und ist hier im oberen Teil schichtungsbedingt viel besser zu begehen: Ein schmaler, weiter oben breiterer Gras- und Schrofengrat, vergnüglich wie so viele Kurven, hat man erst einmal die Schupppen überwunden.

Ja, da glüht die Hirnwindung ob meiner Metaphern!

Der Gipfel des Hochblankens (2068m) ist ein weites Plateau, auf dem auch mein Wandertempo erstmal ein Plateau erreichte. Bei Null, so sind die Pausen einfach viel gemütlicher.

Über den Süd/Südostgrat auf den Hochblanken: wegloser Gras- und Felsgrat, T4, 20 Minuten


Ich saß herum, bis Tauben kamen. Dann stand ich auf, und wanderte weiter. Auf einem Schild stand "Damülser Runde", die schien ich ohnehin schon zu machen, also konnte ich sie auch genausogut fortsetzen. Das ist eine hohe Runde im Norden und Westen des Orts, die über verschiedene Blanken führt. Gleich die nächsten beiden sind der Ragazerblanken (2051m) und der zufällig genauso hohe Ragazer Blanken (einigt Euch doch mal, Kollegen, der muss keine zwei Wegpunkte haben. Tälispitze, noch schlimmer!)  Die erwandert man auf einem wunderbaren Weg, der immer in der Nähe einer Gratkante verläuft. Vorsicht beim Rauslehnen, es geht zweihundert Meter senkrecht runter. Zwaunert, wie man neudeutsch sagt. Der Ragazerblanken? Netter Berg. Nichts Großartiges. Mehr was für weiße Mädchen.

Jetzt kommt's. Der nächste Gipfel trägt den hübschen Namen "Hübscher Bühel" (2032m). Ist das nicht hübsch? Sehr hübsch. Hier wendet sich der Grat nach Westen, die Damülser Runde aber nach Süden. Doch mir gefiel die Sünserspitze, ich dachte mir: 'aaf der Oim, do gibs koa Süns', und wanderte hinüber. Nur zunächst auf dem Wanderweg, bald schon schien mir der Grat spannender, und über mehrehrehre Köpfe, der letzte ein besonders hübscher, stieg ich hinüber und hinauf auf die Sünserpitze (2062m).

Hochblanken - Sünserpitze: markierte Wanderwege, am Ende wegloser Grasgrat, T2/T3, 1:15


Noch eine Paus. Ich hatte Zeit, und ließ mir selbige. Und meine Seele baumeln, weswegen ich sie aus dem Rucksack hervorholte. Aber bald war's ihr zu kalt, das himmlische Kind blies ihr kräftig um die Ohren, und so packte ich sie wieder ein und verschwand.

Auf dem unteren, direkten Weg ins Sünser Joch (1902m), das Hübsche Büherl diesmal links stehendlassend. Hier hatte ich die Wahl: Ent direkt runter nach Damüls, oder weder noch rauf auf's Portlahorn.

Rauf auf's Portlahorn. Der schönste Abschnitt der Tour. Gehört prompt nicht zur Damülser Runde. Es geht vorbei an einem schönen Seelein, herbstlich bunte Bäume stehen links und rechts am Weg, ein paar Felsen sind zu überkraxeln. Schönes Wegerl! Und nach wenigen Minuten saß ich am Kreuz des  Portlahorns (2010m)

Sünserpitze - Portlahorn: markierte Wanderwege, T2, 25 Minuten


"Bleib so! Das sieht grad total schön aus!" sagte eine Stimme, und wenn eine Stimme das sagt, bleib ich immer so, denn ich seh dann grad total schön aus. Leider hatte die Stimme ihren Typen dabei. Aber auch der war lustig, ebenso wie die dritte Einheimische, die gleich hinterherkam, und wir alberten ziemlich herum. Keine Ahnung, ob er wirklich Albert hieß. Aber die vierte Einheimische, die allein unterwegs war, kannte die drei, aus der Feldkircher Wandergruppe.

Ich ließ die vier dann mal unter sich, verließ den Gipfel, und machte ihn weniger schön. "Das kommentieren wir jetzt mal nicht" sagte die Stimme, was ich reichlich unhöflich fand. Als die drei mir nachkamen, lockte ich sie dafür extra über die schwierigere Variante des Wegs, direkt über die Kante hinunter zu den Sieben Hügeln (1854m, alle sieben, schätze ich). Har har har.

Hier ist es nochmal schön, bevor man bald ins Reich der Ski-Infrastruktur eintritt. Ab da ist es nicht mehr so schön. Vorbei am Berggasthof Sunnegg (1674m), der schon zugenagelt war (von Mitte Oktober bis zum Beginn der Skisaison ziehen sich die Damülser verdientermaßen von der Welt zurück), weiter bis zu einer Baustelle, wo ein Rohr verlegt wird, das vermutlich weißes Gold in die Kanonen pumpen soll, und dort dann links, durch den Wald hinunter zur Talstation der Ugabahn (1372m).

Portlahorn - Talstation der Ugabahn: markierte Wanderwege, T2, 1:10h


Fazit:

Hahaha! Nettes Töürl, nur dumm, dass der Grat an der Mittagsspitze nicht ging, und die schöne Kurve am Hochblanken aus der Nähe nicht mehr ganz so schön ist. Macht aber nichts. Als Herbstwanderung wunderbar, und als Auftakt für die weitaus schwierigeren Sachen, die mir an den darauf folgenden Tagen bevorstanden, ganz passend.

Hike partners: Nik Brückner


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