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Start in die Alpinwandersaison am höchsten Berg der Alvierkette (Gamsberg 2385m) [APRILSCHERZ!!!]


Published by Berglurch , 1 April 2010, 07h45. Text and phots by the participants

Region: World » Switzerland » St.Gallen
Date of the hike: 1 April 2010
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Mountaineering grading: D
Climbing grading: IV (UIAA Grading System)
Mountain-bike grading: F - Easy
Waypoints:
Geo-Tags: Alvier Gruppe   CH-SG 
Time: 6:15
Height gain: 1000 m 3280 ft.
Height loss: 1000 m 3280 ft.
Route:Berschis - Sennis - Sterenbergsattel - Gamsberg Westkante - Gamsberg - Gamsbergsattel - Zürcher Couloir - Sennis - Sargans

Eindrückliche Tour in eindrücklicher Umgebung - Eine Winterbegehung des wohl abweisendsten Berges in der Alvierkette über nicht ganz triviale Routen.

Puristen unter den hikrs mögen es mir verzeihen - doch nach dieser Diskussion musste ich mich einfach über das Wildschutzgebiet hinwegsetzen - zumal der Frühling auch in der Nordostschweiz Einzug gehalten hat, denke ich, ist die Entscheidung, eine Winterbegehung des Gamsberges zu versuchen, vertretbar. 
Die Tour in der Nacht zu begehen, stellte zudem einen weiteren reizvollen "Pluspunkt" dar, da Nachttouren immer etwas ganz besonderes sind, außerdem ist durch die nächtliche Abstrahlung die Gefahr von Nasschneelawinen in den steilen Südflanken geringer.


 

Start um 22 Uhr mit dem Bike in Berschis -  leider hatte das Gasthaus Linde heute Ruhetag, das hieß kein Abendessen - und auf guter Fahrstraße zum Kurhaus Sennis, dort Bikedepot. Da ich Gewicht und Material sparen wollte, verzichtete ich auf Bergschuhe und zog stattdessen über meine Turnschuhe, welche ich zum Fahrradfahren benutzte, Spike - Grödeln auf. Ebenso waren die Gamaschen und Neoprensocken sehr hilfreich, da ich so trockenen Fußes die Tour begehen konnte. 

Kurhaus Sennis - Sterenbergsattel: T5+

Ab Kurhaus Sennis dann über die Südrippenroute zum Sterenbergsattel. Die Rippe ist dank der Südausrichtung bereits schneefrei und kann gut begangen werden, die Neuschneemengen des heutigen Tages fielen zu gering aus, um ernsthafte Schwierigkeiten zu bereiten. Etwas rutschig war es dennoch.

Gamsberg Westkante (T6+, IV)

 Vom Sterenbergsattel ging es nun in die erste Schlüsselpassage des heutigen Tages, die Gamsberg Westkante. Vom SAC Clubführer als "unglaublich kühn"  tituliert und sicher mit nicht vielen Begehungen in den letzten Jahren beehrt ist diese Kante sicher eines der ganz großen Abenteuer in den St. Galler Voralpen. Zudem geht es gleich richtig zur Sache: Der erste, fast senkrechte Aufschwung wird mit Vorteil leicht links haltend überklettert (IV), bevor sich das Gelände nach nun Ca 30 Hm etwas zurücklegt. Hier kommt auch die vom Einstieg aus zu erahnende Ausgesetztheit ins Spiel, die allerdings mit meiner Stirnlampe kaum erkennbar war - auch eine Möglichkeit, Höhenangst "auszublenden"… ;-)

Wäre der weitere Weg nicht so brüchig, könnte man die folgende Kletterei fast schon als Plaisir bezeichnen: Im IIIer Gelände, immer direkt auf der Kante haltend, relativ steil nach oben. Immer wieder schickte ich bei der Kletterei Steinbrocken in die Tiefe. Diese Tatsache und auch die, das im grasdurchsetzten Fels der Kante Friends nur spärlich anzubringen sind, lassen die Idee einer Solobegehung fast schon vernünftig erscheinen. Seilschaften sollten sich der objektiven Gefahren der Kante bewusst sein.

Die Kletterei endet nun am westlichen Ende des fast waagrechten Gipfelgrates des Gamsbergs, auf dem man etwas ausgesetzt den kotierten Hauptgipfel mit Buch erreicht. 

Als ich nun um 01:00h auf dem Gipfel stand, konnte ich von dem vielgerühmten Panorama nicht viel sehen: Die Dunkelheit und der nun einsetzende Regen machten den Gipfel nicht unbedingt zu einem Ort, der zum Verweilen einlud. Dennoch war ich nicht allein: Mit gehöriger Verwunderung stellte ich fest, das sowohl ein Alpinist - welcher den Gipfel barfuß via Goldlochroute erreicht hatte (an dieser Stelle noch mal herzliche Gratulation) - ein weiterer Berggänger - ein Mann mit italienisch klingendem Namen, der die komplette Kette Ricken bis Rheintal in einer Direttissima-Route begehen wollte (viel Erfolg für die Schlussetappe) -  ein dritter Gipfelstürmer - ein junger Mann, der alles über die Westkante wissen wollte, sowie ein freilaufender Hund, dessen Besitzer nicht auszumachen war, auf dem Gipfel standen. Gipfelkreuz konnte ich keines ausmachen. Vielleicht wurde es abgesägt. Dennoch  trat ich möglichst schnell den Abstieg an.

Dieser erfolgte via Gamsberg - Westgipfel auf dem Normalweg (Doppelrinne) in den Gamsbergsattel (T5).

 

Am Gamsbergsattel stellte ich nun fest, dass die Akkus meiner Stirnlampe langsam aber sicher an Spannung verloren, daher sollte der Weiterweg nun im Dunklen verlaufen. Auch der Regen ließ nicht nach, wurde sogar noch etwas stärker und ging in Schneefall über. Also beschloss ich, die direkteste und schnellste Abstiegsroute zu wählen: Das Zürcher Couloir.

 

Zürcher Couloir (S)

Das Zürcher Couloir ist bisher nicht auf hikr beschrieben. Es handelt sich hierbei um eine relativ steile, im Sommer wohl stark dem Steinschlag ausgesetzte Rinne. In meinem Fall kam mir der Restschnee im Couloir sehr entgegen. Für Begehungen mit Schnee sollten Pickel und Steigeisen selbstverständlich zur Ausrüstung gehören. Sicherung sind auch hier nur sehr bedingt anzubringen. Ein weiterer unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand ist der Helm, um allfälligen Steinschlag abzuwehren.

Ohne Licht gestaltete der Abstieg im mittlerweile etwa knöcheltiefen Neuschnee der auf durchfeuchteten, aber oberflächlich verharschten Altschneedecke lag, eher streng. Griffe waren kaum auszumachen und außer den Funken, die der Eispickel schlug, wenn Steine sich in den Weg des Schlages legten, sah ich kaum etwas.
Zunächst über abschüssigen Rasen auf eine schwach ausgeprägte Rippe, der man bis zum Einstieg ins eigentliche Couloir folgt. Dieses beginnt zunächst harmlos, aber mit grasdurchsetztem Fels, um dann aber einige senkrechte, sogar bauchige Stellen aufzuweisen, die mit Pickel und Steigeisen aber gut zu bewältigen waren. Im Abstieg hält man sich mit Vorteil in den Steilstufen links. Nach der grobblockigen Passage folgt man dem Auslauf bis zum Sagenbach, an dem entlang man wieder zum Kurhaus Sennis gelangt.

 

 

Am Kurhaus Sennis angekommen, stieg ich erschöpft, aber zufrieden, auf mein Mountainbike und errreichte pünktlich zur Abfahrt des ersten Zuges den Bahnhof in Sargans.

 

Fazit: Sehr eindrückliche Tour in eindrücklicher Umgebung. Um die landschaftlichen Begebenheiten besser zu genießen, sowie für aussagekräftigere Fotos, empfehle ich von einer Nachtbegehung Abstand zu nehmen. 

Der Regen heute Nacht machte die Aktion eher heikler - dennoch herrschten heute sehr gute Bedingungen. Für eine Wiederholung der Tour empfehle ich, genau ein Jahr zu warten, denn die besten Voraussetzungen für die hier beschrieben Unternehmung herrschen jedes Jahr am ersten April!


Hike partners: Berglurch


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Comments (19)


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NiklSchr says:
Sent 1 April 2010, 08h02
ha ha ha, wirklich ein gelungener Tourenbeschrieb

3614adrian says: .........rz
Sent 1 April 2010, 08h09
Gott sei Dank bis du wieder heil runter gekommen :-)

glaub' das war der erste .........rz auf hikr!

Gruss Adrian

Berglurch says: RE:.........rz
Sent 1 April 2010, 08h20
Puhh, ja, das war heikel... und ....rz steht nicht für ("FuRZ"), denke ich ;-)

Nicole says: cool und
Sent 1 April 2010, 08h27
GELUNGEN!!!!!!! :-)

Respekt!
herzlichen April-Gruss Nicole

ossi says: Gratuliere....
Sent 1 April 2010, 08h32
zur Vollendung Deines Projektes. Das erste Foto ist leider etwas misslungen, die andern drei gefallen mir sehr gut.

Gruss
ossi

Berglurch says: Und ich dache...
Sent 1 April 2010, 08h35
... du fändest die Fotos überbelichtet....

Bombo says:
Sent 1 April 2010, 08h48
Gratuliere zum Night-Summit und zum Glück bist Du in der Dunkelheit nicht auf den Hund gestanden, sonst müsste man noch denken, Du seist "auf den Hund gegangen"... Stolze Leistung und ich schliesse mich den Vorschreibern an - ganz tolle Fotos (mir persönlich gefällt vorallem die Tiefenschärfe und die starken Kontraste, genial!)


Berglurch says: Hunde tritt man nicht!!!!
Sent 1 April 2010, 16h07
Ja, die Fotos... die sind wirklich gelungen, da ist falsche Bescheidenheit fehl am Platze...
Hab extra den Blitz ausgestellt, damit sie nicht überbelichtet werden...

Grüsse

Mathias says: Gamsberg Westkante
Sent 1 April 2010, 09h19
Ich glaube, du hast vergessen zu erwähnen, dass du die Gamsberg Westkante rückwärts - also mit den Füssen voran und dem Kopf nach unten erklettert hast. Anders wäre diese Besteigung ja schon etwas trivial, wenn nicht schon langweilig... oder?

Berglurch says: Wie konnte ich...
Sent 1 April 2010, 09h20
... das nur vergessen zu erwähnen....

Alpin_Rise says: Unerschrockene Jugend!
Sent 1 April 2010, 10h02
Da zieh ich vor lauter Hut meien Respekt und schiesse mich den Vorschreibern an!
Du darfst ruhig T6+ einsetzten, junger Mann!

Sputnik Pro says: Herzliche Gratulation...
Sent 1 April 2010, 12h43
... kommst Du am Wochenende nochmals mit, aber ich würde dann ein Nachtsichtgerät mitnehmen. Und ja nehmen wir doch noch Holz mit um auf dem Gipfel Würstchen zu brutzeln!

Gruss, Sputnik!

Berglurch says: RE:Herzliche Gratulation...
Sent 1 April 2010, 15h31
Oder wir gehen nochmal auf den Mars. Da wollt ich eh schon immer mal hin!

Sputnik Pro says: Bergsteigen auf Mimas
Sent 16 April 2010, 12h35
Der Zentralberg vom Krater Herschel auf dem Saturnmond Mimas wär doch auch etwas schönes!

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/04/15/Mimas_PIA06258-thumb-500x524.jpg

Zwieback says:
Sent 1 April 2010, 19h06
Absolut erstklassig :-)

Henrik says: Ich vermisse den Hinweis auf einen
Sent 1 April 2010, 19h38
Basler Couloirs.....Hast du nicht einen Nacktwanderer angetroffen...die Umstände wären doch gewiss ideal gewesen, da sich ja zu dieser Tageszeit das Schämen erübrigt.....

Schritt für Schritt bravourös.

Berglurch says: RE:Ich vermisse den Hinweis auf einen
Sent 1 April 2010, 22h09
Nun ja, Nacktwanderer konzentrieren sich ja auf die Appenzeller Kantone - dort erregen sie mehr Aufsehen ;-)
Wenn ich aber ein Couloir entdecke, das ich noch benennen darf, wede ich wahrscheinlich ein "Allgäuer Couloir" draus machen ;-)

Grüsse nach Basel!

dani_ says: Hoi Berglurch
Sent 15 April 2010, 19h01
Hab deinen Bericht heute entdeckt. Coole Tour, echt lässig. Respekt, Mann. Die ist nochmal ein Stück spektakulärer als meine Touren. Wobei mir schon Einiges an deinem Tourenbeschrieb bekannt vorkommt…

Im Dunkeln am Berg
http://www.hikr.org/tour/post15821.html
http://www.hikr.org/tour/post16919.html
http://www.hikr.org/tour/post16773.html

Das mit den Nachtfotos hast Du dir schon bei mir abgeschaut, oder?
http://www.hikr.org/gallery/photo84680.html?post_id=9491#1
http://www.hikr.org/gallery/photo141873.html?post_id=14467#1
http://www.hikr.org/gallery/photo149577.html?post_id=15009#1
http://www.hikr.org/gallery/photo83098.html?post_id=9390#1

Auch brüchiges Gestein und Schnee wecken so einige Erinnerungen.

Zusätzlich könnt ich noch "vom Weg abgekommen" anbieten, in der Hinsicht ist bei dir ja nichts passiert, die Tour war ja so geplant. Wobei, dafür gabs bei dir halt Regen im T6 Gelände. In der Richtung hab ich nun wieder nichts vorzuweisen.

Die Tour bringt mich gleich auf ein paar Ideen…

Aber bevor schon mal jemand vorsorglich die Bergwacht anruft: Es sind nur Ideen :-)

Und ich such mir dann doch schon einen Tag ohne Regen für die Tour aus :-))

LG dani_

Berglurch says: RE:Hoi Berglurch
Sent 16 April 2010, 01h00
Hey Dani,

ich dachte schon, dass dir das gefällt ;-)
Und, ja, ein paar Sachen kommen definitiv von dir... hihi!

Also, pass auf und viel Spass bei deinen Touren.

Viele Grüsse!

Klaus


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