Jungfraujoch-Konkordiahütte-Finsteraarhornhütte-Oberaarjochhütte-Oberaarsee


Published by Renaiolo Pro , 22 July 2011, 18h16.

Region: World » Switzerland » Bern » Jungfraugebiet
Date of the hike:14 July 2011
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Mountaineering grading: F
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS   CH-BE 
Time: 4 days
Height gain: 1535 m 5035 ft.
Height loss: 2693 m 8833 ft.
Route:Jungfraujoch-Konkordiahütte- Finsteraarhornhütte-Oberaarjochhütte-Oberaarsee (Berggasthaus)
Access to start point:PW Zürich Oberland-Luzern-Brünig-Meiringen-Bahn Meiringen-Interlaken Ost-Lauterbrunnen-Wengen-Jungfraujoch
Access to end point:Alpentaxi ab Bergasthaus Oberaarsee-Meiringen-PW Brünig-Luzern-Zürich Oberland
Accommodation:Konkordiahütte SAC, Finsteraarhornhütte SAC, Oberaarjochhütte SAC
Maps:map.geo.admin.ch

1. Tag, 14.07.2011, Jungfraujoch-Konkordiahütte
Strecke: 8.383 km
Aufstieg: 108 m
Abstieg: 782 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 55 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 3 Std. 59 Min.
 
Trotz etwas problematischer Wetterprognosen fuhren wir (Doris und ich) voll motiviert aufs Jungfraujoch, wo wir Bergführer Andreas (Bergschule Uri) und die anderen vier Gruppenmitglieder Emanuela, Monika, Irène und Michael erstmals begegneten. Nach einem Kennenlern-Kafi an der Bar brachen wir auf zum Ausgangspunkt unseres gemeinsamen Gletschertrekkings. Bevor uns der Weg von den „normalen“ Touristen (überwiegend asiatischer Herkunft) trennte, wichtige Hinweise unseres Guides in Sachen Handhabung Steigeisen, Klettergurt, Seil, Schlinge, Karabiner, Pickel und auch über das richtige Verhalten auf Firn und Gletscher. Wie eingangs erwähnt, war die Wetterlage ziemlich trübe, aber immerhin trocken - im Gegensatz zur Hinfahrt, wo es pausenlos herunter leerte. Um 13:15 Uhr Start auf dem wenig steilen und frisch verschneiten Jungfraufirn, wo wir auf gut sichtbarer Spur gemütlich voran kamen. Vorbei an imposanten Gletscherabbrüchen - immer den Konkordiaplatz im Blickfeld - wurde die Stimmung immer besser, was bestimmt auch dem sich aufhellenden Himmel zu verdanken war. Nach etwa 7 km erreichten wir um ca. 16:45 Uhr den (menschenleeren) Konkordiaplatz. Am Gletscherrand entledigten wir uns der Steigeisen und um zwischen grösseren Felsblocks hochzusteigen zur von weitem sichtbaren Eisentreppe, welche der Zustieg zur Konkordiahütte (2850 m) ermöglicht. Die Strecke bis zur Treppe ist nicht ganz ungefährlich, wie Irène erfahren musste; auf einem Block hat sie das Gleichgewicht verloren und ist gestürzt - zum Glück gab es ausser einer Platzwunde oberhalb des linken Auges keine gravierendere Verletzung. Nach kurzer „Verarztung“ nahmen wir uns dann die die 433(!) Stufen, resp. den Aufstieg von ca. 150 Höhenmetern vor, was uns „mühelos“ gelang (hihihi…). Etwas nach 18 Uhr Ankunft am Tagesziel, wo wir von den sehr gastfreundlichen Hüttenwarten Sarah Benz und Christian Sager mit CEO Levi (8 Wochen alt) und dem ganzen Team aufgenommen wurden. Nach einem leckeren Viergänger und nach spannender Diskussion über diesen ersten Tag war pünktlich um 22 Uhr Hüttenruhe. Die Konkordiahütte steht an unglaublicher Lage hoch über dem Aletschgletscher und ist gemütlich eingerichtet; die nicht zu grossen Schlafräume haben gute Liegebetten mit Duvets. Einzig die sanitären Anlagen (WC und Waschplätze im Nebenhaus) spüren den Zahn der Zeit. Die Hütte war zu unserer Überraschung mit ca. 20 Personen mässig belegt.
 
2. Tag, 15.07.2011, Konkordiahütte-Finsteraarhornhütte
Strecke: 6.407 km
Aufstieg: 695 m
Abstieg: 513 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 5 Std. 35 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 50 Min.
 
Tagwache um 04.30 Uhr, Abmarsch um 6 Uhr. Genug Zeit also, um richtig wach zu werden und ausgiebig zu frühstücken. Und: welch ein Wetter (siehe Bilder)! Noch eindrücklicher nun die geniale Lage dieser Hütte. Den Abstieg über die Treppe meisterten wir problemlos. Unten angekommen, bogen wir sofort nach Osten ab. Erst über Eis und Geröll stiegen wir bald mit montierten Eisen und angeseilt hoch über den Grüneggfirn Richtung Grünhornlücke - angenehm geblendet von der am wolkenlosen Himmel stehenden Morgensonne (Welness pur!). Anfänglich recht gemächlich (weil mässig steiles Gelände) gerieten wir zusehends etwas ausser Atem - der etwas steilere Grüneggfirn forderte uns. Auf der Grünhornlücke (3286 m) angekommen, bot sich uns urplötzlich ein sensationelles Bild, der Blick zum imposanten Finsteraarhorn (4274 m). Die von hier aus normalerweise sichtbare Finsteraarhornhütte lag (noch) im Nebel. Nach einem kurzen Abstieg nutzten wir die windgeschützte Lage für eine ausgiebige Rast - satt sehen und satt essen waren angesagt. Nach einem Abstieg und der Querung des Walliser Fiescherfirns über eine Strecke von 6 km standen wir bei etwa 2950 m Höhe am Gletscherrand und die Finsteraarhornhütte (3048 m) war zum Greifen nah. Nur: die knapp 90 Anstiegsmeter über eine Strecke von ca. 400 m bis zur Hütte waren gut zu meistern (mittlere Neigung 26 %). Der Hüttenzustieg ist gut gesichert mit Ketten und Fixseilen, welche für den Aufstieg überflüssig sind, im Abstieg aber, vor allem bei Nässe und vereistem Fels Sicherheit bieten. Den Schwierigkeitsgrad sehen wir bei T3. Um etwas nach 12:30 Uhr oben angekommen, vereinnahmten wir sofort die voll besonnte Terrasse und wir konnten uns am unbeschreiblichen Panorama kaum satt sehen (siehe Bilder). Mittlerweile hatten wir auch Bilderbuch-Wetter! Die Hütte ist sehr komfortabel; die Nassräume und die Trocken-WC’s auf Etagenebene sind das Nonplusultra - fast schon luxuriös ausgestattet. Die Schlafräume mit Einzelbetten und Duvets sind nicht nur gemütlich sondern vor allem auch sehr gepflegt. Die Hüttenwarte Vreni und Hans Winterberger sind ausgezeichnete Gastgeber, das bekommt man auch im gemütlichen Essraum zu erleben: vorzügliches Essen und eine gastfreundschaftlich aufgestelltes Team. Da unser Guide uns Tagwache um 5 Uhr „vorgab“, war frühe Nachtruhe angesagt. So um halb Zehn war dann schon Ruhe.
 
3. Tag, 16.07.2011, Finsteraarhornhütte-Oberaarjochhütte
Strecke: 9.092 km
Aufstieg: 587 m
Abstieg: 382 m
Benötigte Zeit inkl. Pausen: 4 Std. 29 Min.
Benötigte Zeit ohne Pausen: 4 Std. 09 Min.
 
 
Abstieg pünktlich um 6 Uhr, bei wiederum phantastischer Wetterlage. Unten am Gletscherrand Montage der Steigeisen. Die Strecke über ca. 4.5 km bis auf Höhe Rotloch (ca. 2700 m) führte über den spaltenreichen Fieschergletscher hinunter. Unangeseilt (weil Blankeis und Spalten deshalb sichtbar) konnten wir unsere Gleichgewichtsgefühl trainieren. An der Ecke, wo Galmigletscher und Studergletscher in den Fieschergletscher „fliessen“, genossen wir eine erste Pause - noch immer bei bester Sicht und Wetterlage. Ein Blick Richtung Süden bestätigte uns allerdings die Befürchtung, dass die von MeteoSchweiz für heute Abend angekündigte Störung wohl ernst zu nehmen ist. Die Suche nach einem geeigneten Übergang auf den Studergletscher auf ca. 2700 m gestaltete sich einfach - Spuren wiesen uns den Weg über die Moräne. Ab jetzt begann es wieder zu steigen; über die Reststrecke (ca. 4.5 km) bis zum Tagesziel waren etwa 580 Steigungsmeter angesagt. Hier  waren wenige sichtbare Spalten, was uns veranlasste, wieder angeseilt zu steigen. Vorbei am Galmigletscher, stiegen wir auf ein Hochplateau, welches im Bereich von etwa 3000 m verfirnt war. Der Schlussanstieg über ca. 1.1 km und ca. 300 Höhenmeter war dann wieder etwas steiler. Jetzt trübte das Wetter ziemlich ein, und wir waren froh (und müde genug), auf dem Oberaarjoch anzukommen. Steigeisen demontieren, und die letzte „Herausforderung“ stellte sich uns - eine in den senkrechten Fels montierte Eisenleiter hoch - völlig problemlos und interessant. Die Oberaarjochhütte (3256 m) erreichten wir wie geplant um ca. 12:15 Uhr. Auf den geplanten Gipfel (Besteigung des „einfachen“ Oberaarhorns, Schwierigkeit L/I. Grad) mussten wir verzichten; einerseits weil einige von uns die Strapazen spürten, andererseits wegen einer Schwäche des Verfassers; irgendwie hat das viele Magnesiumpulver meine Verdauung etwas zu stark angeregt und resp. einen Teil meiner Kräfte weggezehrt. Mittlerweile war die Sicht sehr schlecht und es hatte stark eingetrübt. Von anderen Berggängern haben wir dann (leicht befriedigt) gehört, dass die Sicht auf dem Gipfel nicht besser war. Aber: Oberaarhorn (3637 m) - wir kommen wieder! Übrigens: die Hütte klebt absolut sensationell an der Wand (siehe Bilder-Galerie). Die Infrastruktur ist stark in die Jahre gekommen wenn nicht marode; vor unserer Ankunft Wasser- und Stromunterbruch während mehrerer Tage. Der SAC Biel als Eigentümer ist nicht zu beneiden - der Hüttenwart Reto Flepp allerdings auch nicht. Erst seit 4 Wochen dort oben, ist er (ohne Hilfe!) überfordert. Die Schlafstellen und auch die WC-Anlage machten einen etwas schmuddeligen Eindruck; aber wir hatten ja Seidenschlafsäcke dabei. Zum Glück halfen Gäste tatkräftig mit; Doris zum Beispiel half im Verkauf und beim Abwasch. Die Hütte war an diesem Abend sehr gut besucht (fast 40 Gäste bei 50 Schlafstellen). Und eins muss gesagt werden: Reto Flepp hat uns sehr gut bekocht! Und der Aufenthaltsraum ist (hütten-)romantisch und reizvoll.
 
4. Tag, 17.07.2011, Oberaarjochhütte-Oberaarsee (Berggasthaus)

Strecke: 9.697 km
Aufstieg: 145 m
Abstieg: 1016 m
 
Nach sehr unruhiger Nacht (Wind, Regen) war Tagwache geplant für 5 Uhr und Abmarsch vor  6 Uhr. Das ging gründlich daneben, weil um fünf kein Frühstück möglich war. Kein Wasser, kein Strom - nun denn, jede(r) hat ja noch was im Rucksack, so dass keim romantischem Kerzenlicht und mit Stirnlampe „bewaffnet“ niemand ohne die wichtigen Vitamine starten musste. Einmal mehr war Hüttenwart Beat nicht zu beneiden - schade eigentlich! Also starteten wir um ca. 06:30 Uhr im Morgengrauen (bei leichtem Nieselregen). Der Abstieg zum Oberaarsee führte uns über den Oberaargletscher - Quellgebiet der Aare - auf ca. 2300 m hinunter. Im oberen Teil verfirnt, dann Blankeis mit vielen Spalten. Jetzt spürten wir die Anstrengungen der letzten Tage, jedenfalls gab es den einen oder anderen harmlosen Spaltensturz. Hoffentlich hat sich Emanuela wieder erholt; die Verletzung am Kopf und an den Händen waren zwar nicht gefährlich, immerhin aber schmerzhaft. Endlich angekommen am oberen Ende des Oberaarsees entledigten wir uns der Eisen und jetzt waren noch ca. 4 km klassisches Wandern angesagt - leider goss es mittlerweile richtig. Aber wie sagt man richtig: es gibt kein schlechtes Wetter - nur schlechte Kleidung. Etwas nach 11 Uhr beim Berggasthaus Oberaar angekommen, hatten wir keinen Mumm mehr, die Strecke bis zum Grimselpass zu Fuss zurück zu legen. Alle liessen sich gerne zu einer leckeren Rösti oder Käseschnitte verführen. Andreas, unser Guide, organisierte den Alpentaxi,  der uns um 13:30 bequem und im trockenen (für Fr. 25 pro Person) nach Meiringen hinunter kutschierte. Der Abschied fiel uns mit einem weinenden und einem lachenden Auge insofern leicht, als dass die zu erwartende Dusche zuhause lockte. Aber: es war eine aufgestellte Gruppe, und wir werden dieses Gletschertrekking bestimmt in bester Erinnerung behalten. Danke allen und vor allem natürlich unserem Guide Andreas, der uns jederzeit sicher führte!

Hike partners: Renaiolo, passiun_ch

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Geodata
 6848.gpx TRACK 14.07.2011 - Jungfraujoch-Konkordiahütte
 6849.gpx TRACK 15.07.2011 - Konkordiahütte-Finsteraarhornhütte
 6850.gpx
 6851.gpx TRACK 17.07.2011 - Oberaarjochhütte-Oberaarsee (Berggasthaus)

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Comments (5)


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Sent 22 July 2011, 21h16
Gratuliere zu dieser schönen Tour!

Renaiolo Pro says: RE: Dankeschön Carpediem...
Sent 23 July 2011, 07h53
..hab soeben noch die Bildlegenden geschrieben

CarpeDiem Pro says: RE: Bildlegenden
Sent 23 July 2011, 12h53
Das war eine gute Idee. So konnte ich die Bilder nochmals anschauen und bekam ein besseres Bild von der Tour...

toggeburg says:
Sent 23 July 2011, 09h59
Hallo Renaiolos
Herzlichen Dank für Euren hochalpinen und sehr interessanten Bericht über die verschiedenen Gletscher.
Wir wünschen weiterhin unfallfreie und von vielen positiven Erlebnissen geprägte Bergtouren.
In Freundschaft
Die beiden aus dem Toggenburg

Renaiolo Pro says: RE: Danke...
Sent 1 August 2011, 10h35
...und schön zu wissen, dass wir Euch als Freund (und Fans) haben. Eure Renaiolo's...


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