Neue Variante auf die Cristallina


Published by TeamMoomin Pro , 31 May 2011, 14h17.

Region: World » Switzerland » Tessin » Bellinzonese
Date of the hike:28 May 2011
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Mountaineering grading: PD+
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Cristallina 
Time: 8:00
Height gain: 1600 m 5248 ft.
Height loss: 1600 m 5248 ft.
Route:Bis CAP Cristallina wie üblich- rechter Grat- rechter Nebengipfel-Cristallina- zurück über Normalweg

Ich möchte gleich vorneweg nehmen, dass sich die Hochtourenbewertung sowie die Kletterschwierigkeit nur auf den Varianten Teil beziehen und nicht auf den Rest der Tour. Ich habe nach bestem Gewissen und Wissen diese Bewertung vorgenohmen, wäre aber froh um Feedback von ein paar alten Hasen wie Sie das einschätzen würden.

Am Samstag gings bei perfektem Wetter auf die Cristallina und die sogar über, so denke ich da ich hier noch nie davon gelesen habe, neuen Route bzw. Variante.
Also hies es in Basel die erste Verbindung zu nehmen welche es überhupt gibt, mit dieser kommt man dann 9.20 Uhr in Ossasco an. Das Problem an der Sache hier mit der ÖV ist, dass das letzte Postauto wieder um 17.40 Uhr fährt man sollte sich also schon an die Wanderzeiten der Wegweiser halten und nicht allzu grosse Pausen einlegen damit man dies in diesem eher engen Zeitrahmen hinkriegt.

Daher dampfte ich gleich nach Ankunft in zügigem Schritt los, weil ich lieer auf dem obern Teil der Wanderung etwas mehr Zeit haben wollte. Aber trotzdem war der Aufstieg durch die fürs Tessin und Wallis typischen Nadelwälder mit ihrem charakteristischen Geruch herrlich! Nach 45 Minuten stand ich dann auf der Alp Cristallina  nicht gerade ein Anwärter für den Schönheitswettbewerb, vorallem der viele Müll der überall rumlag fand ich echt unnötig. Daher ging ich dann auch nach einem Schluck Wasser weiter.

Kurz darauf tut sich erstmals ein Teil des Tals auf und man sieht wie wunderschön diese Gegend ist! So wandere ich zwische kleineren Bergen welche links und rechts das Tal säumen stetig leicht empor und staune wie sehr der Sommer hier schon Einzug gehalten hat; dies sieht man überigens auch sehr gut an dem vielen Wasser welches die Bäche führen.

Teilweise sehen diese leicht überfluteten Waderwege aus wie in Norwegen und ich komme richtig ins schwärmen und bemerke erst im letzten Moment, dass ich gerade an einem weiteren Wegweiser vorbei gelaufen bin welcher mich informiert das ich bei Torta angekommen bin. Bis zum Punkt 2349 verläuft der Weg noch ohne Schneefelder aber dann als die Capanna Cristallina (Sieht aus wie ein Ikea-Ding) in Sicht kommt verschwindet der Weg unter Schneefeldern. Also zihe ich meine Schneeschuhe, welche ich heute nicht vergebens mitgenohmen habe, an und gehe eher geradeaus als wie der Sommerweg welcher sich ja an der Bergflanke entlang windet.
Um 12.03 Uhr stehe ich bereits auf dem Critsallina Pass, ich bin glücklich eine gute Zeit da ich gut vorankam und trotzdem habe ich die Landschaft geniessen können. Ausserdem kann ich mir jetzt Zeitlich eine schöne Puase leisten und dan gemütlich zur Cristallina aufsteigen, in deren Flanken noch eine gute Schneeschicht vorhanden ist. So jedenfalls waren meine ersten Gedanken, aber es kam anders.

Nach einem sehr leckern MIttagessen laufe ich mit den Schneeschuhen gemütlich Richtung Cristallina los. Schon nach kurzer Zeit stehe ich im Becken und schuae mir die Wand bzw. die Route zum Gipfel an eine logische Linie welche sich zwischen den einzelnen Steinsegmenten hindurchwindet, aber halt was ist denn das? Im Grat welcher von unten gesehen zum Rechten Nebengipfel der Cristallina führt sehe ich ein kleines Schneecouloir, und dann kam mir eine Idee! Ich beschloss über dieses Couloir auf den Grat zu gelangen entlang diesem empor zu steigen und dann über den kleinen Sattel zuerst absteigend und dann wieder aufsteigend rüber zum Cristallina zu queren. Meine Uhr zeigte 12.30 Uhr an also hatte ich noch etwas mehr als 5 Stundne dies sollte schon reichen.

Nach einem kurzen ziemlich steilen Aufsteig stand ich also dann unter dem couloir welches ca. 50 Grad aufwies, da ich gleich daneben ein paar schöne Felsgrife sah kletterte ich auf den Grat anstatt mich im Couloir empor zu wühlen. Nunband ich die Schneeshuhe, welche ich vorhin nur schnell ausgezogen hatte, richtig am Rucksack fest und zog stattdessen meine Steigeisen an. Wenn ich diese nicht dabei gehabt hätte wäre es wohl für mich nicht möglich gewesen diesen Grat zu machen. Und der Pickel war auch hilfreich, sollte man also beides mitnehmen, wenn man es um diese Jahreszeit macht, im Sommer brauchts keines von beiden denke ich.

Nun gehts zuerst in leichter Blockkletterei mit grossen Felsen und guten Griffen ein Stück empor (Klettern I), bevor der Grat kurz unter dem Schnee verschwindet und man einige Meter vorsichtig auf einer Schnee/Firnschicht  aufsteigt welche nach Iinks stark abfällt. Dann kommt wieder etwa 40 Meter Blockkletterei mit ein zwei Passagen welche eher II als I sind. Danach folgt die erste heiklere Stelle, ein grösserer Fels versperrt den Grat, man kann diesen rechts um- bzw direkt überklettern was mir aber schwieriger erschien als unter im nach links zu traversieren und dann von der linken Seite her zu überklettern. Es ist eine eher heikle Stelle da das Firnband unter dem Steinbrocken sehr abschüssig ist und der Fels nur zwei drei vernüftige Griffe bietet aber mit etwas Umsicht und ohne Stress ist diese Stelle gut zu bewältigen (Siehe auch Fotos).
Anschliessend gehts abwechselnd über Firngratstücke und immer wieder leichtere Blockkletterei (I); ich habe immer die Grossen Blöcke wenn möglich genohmen da der einte oder andere kleine doch lose war. Dann kommt die Schlüsselstelle welche ich mit III bewerten würde da Sie mir doch ziemlich tricky vorkam. Es ist eine mehrere Meter hohe Felswand welche aus Platten besteht die mit kleineren und grösseren Rissen durchzogen sind. Die unterste Platte hält auch nicht mehr so gut. Ich war jedenfalls verdammt froh nach ein paar Minuten höchster Konzentration oben zu sein!
Eventuell könnte man unter einem Felsband hindurch die Platte auch links umgehen, wäre aber auch ziemlich ausgesetztes abschüssiges Gelände.

Von oben betrachtet sieht die Stelle ganz anders aus, irgendwie komisch wie sich die Optik verändern kann. Danach gehts nochmals zwischen mehreren Blöcken hindurch zum Gipfel teilweise hats hier nochmals Stellen im II Bereich  und die letzten Meter zum gipfel geht man am besten empor indem man sich leicht rechts hält.

Oben angekommen war ich überglücklich, welch ein Erlebis! Dies war eine der schönsten Gratbesteigungen welche ich bisher in meiner kurzen Bersteigerzeit erleben durfte, ein Traum von festen Griffen gutem Schnee und absolut königlicher Blockkletterei. Einzig die Platten waren irgendwie ungeheuer.
Und die Aussicht, welch ein Panorama in alle Himmelrichtungen sieht man wunderschöne Berge der einte oder andere Bekannte ragt aus einer Kette, und auch Berge welche ich schon bestiegen habe wie zb. das Rheinwaldhorn winken mir zu. Wirklich ein Wahsinns Ausblick!
Kurz trinke ich was und dann mache ich mich über die schrägen nicht ganz unheiklen Platten absteigend zum kleinen Sattel hinunter welcher diesen Nachbarsgipfel mit dem Cristallina verbindet ( Ich denke er ist ca 2m höher als der Cristallina selbst). Beim Aufsteig überwinde ih nochmals ein paar Höhenmeter in eher einfacher Blockkletterei (I vielleicht eine kleine Stelle II) und schon stehe ich auf dem Cristallina, herrlich! Von ier kann ich den Lago del Naret noch besser sehen als vom Nachbarsgipfel. In dieser weissen Landschaft wirken diese blauen Stauseen irgendwie fast schon komisch.
Bei etwas zu knappern und viel Trinken geniesse ich die Aussicht und kann mich kaum satt sehen so toll ist es. Und keine Wolke am Himmel erst drüben bei den Bernern Gipfel hat es Wolken und Richtung Uri. Frisch gestärkt schaue ich mal auf die Uhr  es ist 14.50 Uhr! Vor lauter konzetriertem klettern und Aussicht geniessen habe ich ganz die Zeit vergessen, jetzt bleiben mir noch 2 Stunden und 50 Minuten für runter bis zum Postauto das könnte knapp werden. Ein letzter Rundumblick und dann nichts wie runter.

Der Abstieg bis zum Postauto wird am Schluss leider zu einem ziemlichen Stress und bei der Alp di Cristallina melden mir meine Beine das Sie diese rupige Gangart nicht gerade begrüssen. Ziemelich ausgepowert komme ich dann um 17.36 Uhr unten an und bevor ich richtig verschnaufen kann steht das Postauto schon da. Nun gehts nach Hause. Dort habe ich dann 4 Stück Pizza verschlungen welche meine Freundin mir netterweise gebacken hat mjam!

Fazit: Eine super Tour mit einem sehr tollen Graterlebnis, genialer Aussicht und vielen schönen Momenten. Für nicht schwindelfreie oder ungeübtere Personen aber auf keinen Fall zu empfehlen. Bei schlechten Verhältnissen denke ich können vorallem die Platten sicherlich heikel bzw. gefährlich sein.

Nachtrag: Ich komme sicherlich wieder den ich möchte noch auf dem Cima di Lago rauf der sieht super aus!


Hike partners: TeamMoomin

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Comments (4)


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xaendi Pro says:
Sent 31 May 2011, 15h08
Schöne Solotour hast du gemacht - gratuliere!
xaendi

TeamMoomin Pro says: RE:Merci
Sent 1 June 2011, 11h30
Ja war echt ein super Grat und hat unglaublich Lust auf mehr gemacht, sowas Solo zu machen ist schon ein spezielles Gefühl, obwohl ich auch gerne mit anderen unterwegs bin.

Grüsse Oli und Moomin

Taka says: RE:Merci
Sent 1 June 2011, 19h43
Wunderschöne Tour, gratuliere!

Ich habe damals mit Solotouren begonnen, weil mich meine damalige Freundin aus gesundheitlichen Gründen nicht begleiten konnte und ich aus beruflichen Gründen meistens nur spontan und unter der Woche Zeit für Touren hatte. Ich fand sofort Gefallen an den Vorteilen von Solotouren (eigenes Tempo, eigene Routenplanung, eigene Risikobereitschaft, unplanmässige Änderungen etc.) und bin bis heute mehrheitlich auch noch Solo unterwegs bis T6/III-IV, obwohl sich die privaten Umstände/Rahmenbedingungen in der Zwischenzeit geändert haben. Hochalpine Touren (Gletscher, Alpinklettern, Mehrseillängenrouten) aber nur noch zu zweit...

Mein einziger Wehrmutstropfen auf jeder Solobegehung, dass ich die Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen nicht mit jemandem in Echtzeit und live teilen kann ): Wie oft stehst du da irgendwo einsam auf einem Bilderbuchgrat oder Traumgipfel, hart umkämpft verdient und niemand da mit dem man dieses Gefühl teilen und darüber reden oder sich zu der erbrachten Leistung gratulieren und anerkennen kann...

Gruss Taka


Zaza says:
Sent 1 June 2011, 19h06
hübsche Fotos, eine richtige Zebralandschaft in grau und weiss!

Der Grat ist im SAC-Führer mit WS bewertet, das hast du also sicher gut getroffen. Vielleicht ists mit Altschnee sogar noch etwas anspruchsvoller.

Gruess, zaza


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