Nadlenwegli, Schafbergspitz, Fählenbettertürm, und Versuch am Westlichen Löchli-... Freiheitturm!


Publiziert von Nik Brückner , 26. Juli 2016 um 22:40. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:17 Juli 2016
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-AI   Alpstein 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Strecke:12km
Unterkunftmöglichkeiten:Hundsteinhütte, Bollenwees, Fählenalp

Selten begangen und doch ein Klassiker - gibt's das? Unter T6lern schon! Neulich war ich im Alpstein und habe mich dort mit Kaj verabredet. Unser Plan: Übers Mörderwegli auf den Fä(h)lenschafberg, den Westlichen Freiheitturm versuchen, dann auf den Nadlenspitz, und die ganze Kette hinter bis zum Löchlibettersattel, nicht unbedingt oben rüber, aber unter Mitnahme sämtlicher Gipfel.

Selten begangen und doch ein Klassiker. Drei, vier Leute im Jahr tragen sich ins Gipfelbuch des Nadlenspitz ein. Warum? Weil er so aussieht, wie er heißt. Und genau aus dem gleichen Grund ist's auch ein Klassiker. Für T6ler halt.

Stationiert waren wir in der Hundsteinhütte. Von dort aus wollte ich ein paar wilde Sachen machen - geklappt hat nur diese Tour, denn mir ging's nicht besonders gut. Danke für die Energie an diesem Tag, Kaj!

Überhaupt Kaj: Der Mann ist am frühen Morgen noch mit dem Auto angereist und über die Saxer Lücke zur Bollenwees gestiefelt. Dort waren wir zu unserer Kennenlerntour verabredet. Respekt! Der Mann ist ein Viech.

Nach einem Käffle ging's dann los, vorbei am Fählensee (1452m) und an der Fählenalp (1457m), bis man rechter Hand zwischen Nadlenspitz und Rot Turm die markante Schlucht sieht. Da das nur selten präzise beschrieben ist, hatten wir nochmal genau recherchiert: Das Mörderwegli führt links von dem braunen Turm in die Schlucht hinein. Also irgendwie über die Wiese hinauf, in die Schlucht, und steil auf geröllübersätem Fels oben am Turm hinauf in die Sonne und ins Gras.

Das Mörderwegli führt nun fast durchgängig auf Gras hinauf in den Schafbergsattel zwischen Fählenschafberg und Westlichem Freiheitturm. Es ist nicht immer gut zu sehen, und das steile Gelände ist ein wahres Labyrinth, aber mit ein bissl Spürsinn verliert man das Weglein nicht. Ohnehin ist es logisch in die vermutlich einzig begehbaren Passagen des Hangs hineingezirkelt. Genial!

Vom Ausgang der Schlucht rechts hinauf zu einem Grasband in einer senkrechten Wand, das man rechtswärts quert. Hier stehen krumm und schief ein paar Geländerstangen, an denen man sich orientieren kann. Oben geht es links hinaus auf eine Grasrippe, auf der man weiter ansteigt. Dann öffnet sich der Blick auf die berühmte Rinne am Nadlenspitz! Hier geht es noch ein wenig in den Trichter hinein, dann wendet sich das Wegli nach rechts, den Hang hinauf. Bald steht man Aug in Aug mit Nadlenspitz und Rot Turm, und ein Geröllfeld unterhalb der senkrechten Wände der Freiheittürm wird sichtbar. Nun wird vorgeschlagen, bis an die Wand hinaufzugehen und oberhalb des Gerölls nach links zu queren. Kaj und ich beschlossen, von unterhalb des Geröllfelds zu der steinigen Rinne hinüberzuqueren, in der man dann zum Sattel aufsteigt. Das hat gut geklappt. Nun hinein in die überraschend gut begehbare Rinne und weiter oben über Gras in den Schafbergsattel (2070m).

Mörderwegli: T4+, 1:45h

Hier haben wir erstmal ausgiebig abgepaust. Nachdem wir eingebrotet hatten, ging Kaj weiter zu der eleganten Graspyramide des Fählenschafbergs/Pt. 2094, während ich das anging, weswegen ich gekommen war: Ich wollte auf dem Grat zwischen westlichem und östlichem Freiheitturm spazieren. Dieses Foto hatte ich gesehen - und wer könnte da widerstehen! Also ein paar Meter auf dem Anstiegsweg hinunter, bis die wurstigen Felsen links leicht zu überklettern sind. Auf der anderen Seite geht es einen 50, 55 Grad steilen Grasschrofenhang hinauf, leichter als gedacht. Nach oben wird er sogar etwas flacher, und ich wurde richtiggehend optimistisch. Oben raus auf den Grat und ran an die erste von drei (vom hier aus sieht man nur die beiden ersten) Felsstufen des Westlichen Freiheitturms. Der Grat ist schmal, und um mir den Anstieg durch einen brüchigen Riss genauer anzusehen, setzte ich mich im Reitsitz hin.

Knack!

Und ich saß plötzlich ein paar Zentimeter tiefer...

Nichts wie weg hier! Ich hätte es echt gern gemacht, und es sah auch wirklich machbar aus. Aber da oben auf dem brüchigen Grat sollen andere ihren A.... riskieren. Bissl enttäuscht, aber überzeugt, das Richtige getan zu haben, stieg ich ab und schloss mich Kaj auf dem Fählenschafberg/Pt. 2094 an.

Versuch am Westlichen Freiheitturm: T6, der Weiterweg wäre II, 30 Min.

Wiedergutmachung am Nadlenspitz! Der musste jetzt natürlich klappen. Also irgendwie runter in den Sattel zwischen Hauptkamm und Nadlenspitz-Vorgipfel. Eine messerscharfe Schneide, das Ding! Sehr geil! Wir wussten, dass die Route - leider -  nicht oben rüber führt. Stattdessen steigt man vom Sattel aus über Gras noch weiter hinunter und umgeht den Vorgipfel südseitig im Gras. Je weiter unten, desto flacher. Vom Sattel zwischen Vor- und Hauptgipfel sind es dann nur noch 5 Minuten, die haben's aber in sich: Ein wunderbarer Grasgrat, der nach oben hin immer schmaler und steiler wird, links senkrecht, rechts 90°. So bassd des! Der Anstieg ist höllisch ausgesetzt, aber technisch unschwierig. Einer steileren Felsstufe weicht man nach rechts auf gute Grastritte aus, zum Gipfel geht es durch eine erdige Rinne, die subjektive Sicherheit suggeriert. Dann steht man oben!

Viel Platz ist nicht. Der Berg macht seinem Namen alle Ehre. Wir gruben das Gipfelbuch hervor (es ist noch da, Marmotta, und es geht ihm gut!) und trugen uns ein, ich bezweilfelte, dass hier mehr als zwei, drei Engel draufpassen, schon wegen der Flügel und so, dann ging's - vorsichtig - zurück.

Nadlenspitz: Gipfelaufstieg ist T6/I, der Rest ist leichter, 30 Min.

Wir stiegen wieder hoch zum Hauptkamm. Nächstes Ziel: - Tja, und jetzt geht's los. Die haben hier oben nämlich mehr Namen als Berge - schon wegen der Hs. Und so ist ab jetzt unklar, wie die Zacken genau heißen, auf denen wir standen. Die drei nächsten haben wir bestiegen: Laut Hikr: Fählenschafberg (2103m), Fählenschafbergturm (2128m) und Östlicher Fählenturm (2208m). Schätze, anhand der Bilder sind die Zacken eh leichter zu identifizieren.

Und die Wege, auf denen wir gingen! Laibliweg, Löchlibetterweg, Laiblibetterweg, Borstentierlücke - Mann, Mann, Mann. Da soll man den Überblick behalten....

Auf dem Kamm nun nach links an den nächsten Gipfel heran. Direkt am Gipfelaufbau quert man durch Kraut und Brennesseln (fies!) nach links hinunter zu einem Grätli, das man an der niedrigsten Stelle ersteigt. Auf dem Grat und links davon nach oben und über Gras zum Gipfel des Fählenschafbergs (2103m).

Fählenschafberg: T4: 30 Min.

Man könnte auf der anderen Seite absteigen, das ist aber unangenehm hart und bröselig. Wir sind auf dem gleichen Weg zurück, auf den Hauptkamm und haben den eben bestiegenen Gipfel dann im Sinne der Tour rechts auf Grasrampen umgangen. Alles sehr easy. Es geht hinunter zum - öhrm - Fählenschafbergturm.

Dazu muss man nun auf dem Grat noch über eine recht gemächliche Erhebung, bis man an der tiefsten Stelle vor dem Fählenschafbergturm steht (höchstens T3). Der untere Teil des Anstiegs ist klar: Auf der grünen Rampe geht's hinauf. Oben aber geht es rechts um den finalen Gipfelaufbau herum auf dessen andere Seite. Dort über Gras grad wieder runter. Auf dieser Seite führen zwei Steilrinnen zum Gipfel, die im Aufstiegssinn rechte, weniger scharf geschnittene, ist die richtige (i. S. v. leichtere). Über Schotter und festen Fels geht es hinauf (maximal II), oben hinaus und im Gehgelände zum 2128m hohen Gipfel.

Fählenschafbergturm: T5/I-II, je nach Routenwahl in der Rinne: 1:15h

Wieder ein wunderbarer Aussichtsberg, Richtung Fählensee und auf die bisher begangene Route. Ich konnte nicht genug kriegen von den ganzen Zacken und bin weiter zum Östlichen Fählenturm. Kaj dagegen, der ja locker 800 Meter mehr in den Beinen hatte, hat im Sattel zwischen Turm und Turm ein bissl ausgechillt.

Auch am Östlichen Fählenturm geht es zunächst wieder über eine Grasrampe hinauf. Oben in den Fels und links hinauf auf einen verwinkelten, teils gruselig schmalen Grat. Nicht auspsychen! Sonst verpasst man einen weiteren wunderbaren Aussichtsgipfel. Es geht mehr oder weniger genau am Grat bis zum finalen Gipfelaufbau, den man dann über oder neben einer Rippe erkraxelt. 2208m!

Östlicher Fählenturm: T6/II: 35 Min.

...und alles wieder runter. Wir hatten unsere Rucksäcke vor dem Fählenschafbergturm platziert, um von dort in die Löchlibetterquerung einzusteigen. Gemeint ist der Weg, der von dieser Stelle aus nördlich unter den Felswänden der Fählentürme hinüber zum Löchlibettersattel führt, wo man auf den Wanderweg trifft, der vom Altmannsattel herunterkommt. Der Laiblibetterlöchliweg halt.

Von unserem Rucksackdepot aus ging es also nun im Routensinn rechts in den Hang. Wir hielten uns immer nah an der Wand, nur wenn Spuren oder das Gelände es nahelegten, querten wir ein bisschen weiter unten. Zunächst geht es über Schrofen zu einigen markanten braunen Rinnen, durch diese dann weiter hinauf zu einer Stelle, an die man auch vom Sattel zwischen Fählenschafbergturm und Östlichem Fählenturm gelangen könnte. Hier über eine letzte Grasrippe, dann geht es in graue, schotterige Schrofen hinein. Leider lag von dieser Stelle an noch ordentlich Schnee in der Route, fieser, weicher Neuschnee auf hartem Altschnee. Und so bewegten wir uns sehr langsam und vorsichtig, um in diesem Gelände nicht ins Rutschen zu kommen. Teils auf dem Schnee, teils in der Randspalte, möglichst immer an der Felswand entlang, mal mit mehr, mal mit weniger Schnee. Gegen Ende gerieten wir ein wenig zu tief, meine Schuld, und mussten uns dann zum Löchlibettersattel wieder hinaufwühlen. Allerdings war der Aufstieg noch der einfachste Teil der Querung.

Die Querung ist bei besseren Bedingungen sicher fantastisch, wer solches Gelände mag, sollte sich das nicht entgehen lassen. Aber mit so viel Schnee drin war's einfach mühsam (und riskant).

Laiblibetterlöchliweg: Bei diesen Bedingungen defi T6, sonst vermutlich nicht schwerer als T4/I, 1,5h

Also durch steile Schrofen hinauf ein den Löchlibettersattel (2162m). Der jetzt mal wirklich so heißt - aber dafür in meiner Karte gar keinen Namen trägt... Eigentlich wollten wir noch auf den Westlichen Fählenturm, die schlechten Bedingungen in der Querung hatten uns aber so viel Zeit gekostet, dass wir diesen Gipfel aussparten, um angesichts der fortgeschrittenen Zeit nicht zu spät zum Abendessen zu kommen. Würde es möglich sein, in einer Stunde vom Löchlibettersattel zur Hundsteinhütte zu gelangen?

Joa, wenn die Schweizer ihre Wege ordentlich markieren würden... Ich liebe ja die Schweiz! Wenn man dort am Boden eines Parkhauses leckt, wachsen einem Blumen auf der Zunge. Und dann die Bärli-Biber! Und die Physiotherapeutinnen aus Grindelwald! Aber das ist eine andere Geschichte. Dieser Weg... ist defi die Ausnahme. Mehrfach verloren wir die ohnehin nicht gut ausgeprägte Spur. Erst ab der Alp Häderen (1738m.) ging es wieder besser. Wir waren zwar nicht nach einer Stunde in der Hütte, aber auch nicht viel später. Bassd!

Zurück zur Hütte: T2, 1,5h


Fazit:

Ganz wunderbare Tour! Unsere Kennenlerntour. Eine wunderbare Tour in echt schmalem Gelände. Und ganz persönlich: Nochmal ganz herzlichen Dank für dein Verständnis am nächsten Tag, Kaj! Den girigen Spitz holen wir nach...

Dem tüchtigen Nik einen dicken Dank für die Einladung, die gute Vorbereitung & die Unterstützung (z. B. am NadlenSpitz) - wir bleiben dran, ciao Kaj

Tourengänger: Nik Brückner, Kaj


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Kommentare (8)


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tricky Pro hat gesagt: Gratuliere
Gesendet am 27. Juli 2016 um 09:21
Dann habe ich euch gesehen/gehört. War an diesem Tag am Klettern an der Freiheit und habe zwei Bergsteiger beobachtet die auf dem Nadlenspitz einen Juchzer riefen. Gratuliere zu dieser schönen Tour

Nik Brückner hat gesagt: RE:Gratuliere
Gesendet am 27. Juli 2016 um 09:28
Hi Tricky!

Ja, das müssen wir gewesen sein, wir waren die einzigen an dem Tag dort oben.

Gruß, Nik

paul_sch hat gesagt: Gratuliere zum Nadlenspitz!
Gesendet am 27. Juli 2016 um 16:40
Wir haben euren Gipfelbuch-Eintrag gleich am Tag danach schon bewundert! Ich kann also hiermit bestätigen: Der Bericht scheint echt zu sein, nicht nur aufwändige Foto-Retuschen! ;-)

LG, Paul

Nik Brückner hat gesagt: RE:Gratuliere zum Nadlenspitz!
Gesendet am 27. Juli 2016 um 20:10
Hahaha! Na klar ist der echt, Paul! Mensch, da gehen ja doch ein paar mehr Leute rauf als wir dachten. Wie schön, dann ist das Nadelchen nicht so einsam....

Lieben Gruß,

Nik

Kaj hat gesagt: Gratuliere zum Nadlenspitz!
Gesendet am 27. Juli 2016 um 23:00
ihr seid da ja auch raufgeschlappt. Ohne Pickel ging es auch. Für die Querung nördlich der FählenTürme hätte ich gerne das Pickelchen zur Hand gehabt; ich hatte es dummerweise in der Bollenwees vergessen.
Retuschieren geht inzwischen zackzack & als Ghostwriter für Gipfelbücher gibt´s die hikr-Freunde;-)
ciao Kaj

MatthiasG hat gesagt: RE:Gratuliere zum Nadlenspitz!
Gesendet am 28. Juli 2016 um 09:05
LOL

gratuliere auch allen hier nochmal, der Nadlensiptz ist schon eine Leistung (vor allem psychisch :)

Als ich im Gipfelbuch gesehen habe, dass ihr genau einen Tag vor uns oben wart, habe ich dort gleich eine schriftliche Beschwerde ob der Überbevölkerung eingetragen.

Nik Brückner hat gesagt: RE:Gratuliere zum Nadlenspitz!
Gesendet am 28. Juli 2016 um 09:07
Hr hr hr....

Selber Schuld, wenn Du dem Massentourismus auf den Nadlenspitz folgst. Von mir gibt's kein Mitleid.

;o}

Chrichen Pro hat gesagt:
Gesendet am 17. September 2018 um 18:58
Geiler Titel!! Und vielen Dank für den Bericht! Hat bei der Planung geholfen. Nur die nadligen und haarigen habe ich ausgelassen ;-).


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