Üntschenspitze Nordpfeiler, Ochsenhofer Köpfe


Publiziert von Nik Brückner , 2. Juni 2014 um 22:42. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:31 Mai 2014
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m
Strecke:23km

Dritter Tag auf dem Neuhornbachhaus. Grate, Grate, Grate! Der heutige Tag sollte Judith7 und mich über die Ochsenhofer Köpfe führen, über den Hochstarzel - und für mich mit dem Nordpfeiler der Üntschenspitze noch eine besondere Überraschung bereithalten. Doch dazu später mehr.


Ochsenhofer Köpfe

In einer Dreiviertelstunde ging's zum Starzeljoch und von dort aus in zehn Minuten hinüber zur Ochsenhofer Scharte. Angeblich braucht man von dort aus zwei Stunden bis zum Walmendinger Horn, man kann es aber auch bequem in 1:10 gehen. Der Grat ist unschwierig (deutlich leichter etwa als der zwischen Kreuzmanndl und Grünhorn), selten ausgesetzt und immer gut zu gehen. Klettereien gibt es im Grunde keine, außer man will das und überkraxelt ein paar Felsen abseits des Weges. Für Anfänger ist der Weg aber sicherlich anspruchsvoll.

Viel gesehen haben wir zunächst nicht, vor allen auf der Nordseite waren viele Wolken. Es riss später aber auf, ausgerechnet kurz vor dem Walmendinger Horn. Dort ist man nicht lange allein, und so wandten wir uns stracks wieder zurück, vorbei an der Lüchlealpe und der Strazelalpe in Richtung Starzeljoch.


Der Plan

Unser Plan war eigentlich, nach fünf Stunden wieder hier zu sein, gewesen sind's dann drei. Also wollten wir auf dem Grat nach Süden und auf dem Weg mitnehmen, was ging. Im Aufstieg zum Starzeljoch erreichte uns dann die Nachricht, dass das Wetter am nächsten Tag schlechter werden würde, als erwartet. verlässlich war diese Auskunft zwar nicht, aber es war genug, um mich ins Grübeln zu bringen. Eigentlich wollte ich am nächsten Tag den Nordpfeiler der Üntschenspitze versuchen, einen Grat, der mir bei der Überschreitung des Berges zwei Tage zuvor aufgefallen war. Bei Nässe war daran aber nicht im Traum zu denken, und so grübelte ich, den Grat schon heute zu versuchen. Ich diskutierte den Plan mit Judith7, und wunderbar wie sie ist, willigte sie ein, einen Teil der Tour getrennt zu gehen. Sie würde über die Güntlespitze noch einmal zur Üntschenspitze gehen, ich würde ihr über den Grat folgen. Gesagt - getan!


Nordpfeiler der Üntschenspitze

Der Nordpfeiler zieht sich von einem östlichen Vorgipfel der Üntschenspitze, ziemlich genau zwischen Hauptgipfel und Häfnerjoch, hinunter ins Tal des Schreckbachs. Noch hoch über dem Bach teilt er sich gegenüber der Pisialpe in zwei Rippen, die äußerst steil nach Nordwesten bzw. Nordosten hinunterziehen.

Der Grat ist im Gebietsführer des Alpenvereins nicht beschrieben. Ich musste also "auf Sicht" gehen, voraussichtlich ohne Umkehrmöglichkeit. Die östliche Rippe hatte ich mir zum Aufstieg ausgesucht. In etwa zehn Minuten war ich vom Derrajoch zu der Stelle abgestiegen, an der der Weg mit dem vom Häfnerjoch herunterführenden zusammentrifft. Gleich hier bin ich über zwei Bäche (von denen im Sommer vermutlich nur einer zu sehen ist) in den steilen, grasigen Osthang der Üntschenspitze eingestiegen. Diesen Hang habe ich aufsteigend Richtung Norden gequert. Orientierungspunkt war ein Absatz an der Nordostrippe. Von der anderen Talseite bzw. von unten sieht man hier eine braune Rinne, die an der Rippe beginnt, etwas oberhalb der Rinne gelangte ich auf die Rippe.

Vermutlich war das ein Fehler. Viel weiter oben sieht man, dass der Osthang passagenweise etwas weniger steil ist als die Rippe selbst. Jedenfalls war das mein Eindruck. Vielleicht ist daher ein Anstieg in der Flanke günstiger. Ich bin allerdings direkt auf der Rippe angestiegen, die nun reichlich steil dort hinaufführt, wo sie mit der Nordwestrippe in einem schönen, gleichmäßigen Dreieck zusammenläuft.

Die Rippe ist wirklich verdammt steil, und ich musste mich in Ermangelung jeglicher Hilfsmittel (ein Pickel wäre kein Luxus gewesen) sehr konzentrieren. Und auch so bin ich zwei, drei Mal ein bissl ausgeglitten. Also volle Konzentration und gut festhalten, dann geht das schon. Zum Glück hat es dicke Grasbüschel und passagenweise Erlen, an denen man sich festhalten kann. Aber Vorsicht - einige sind abgestorben und morsch! Abgesehen davon krallt man sich eben ins Gras und krabbelt so auf allen Vieren den Hang hoch.

Ein wenig aufpassen sollte man auf Tiere... - als plötzlich einen Meter über mir ein Schneehuhn aufflog, habe ich vor Schreck mindestens genauso laut geschrieen wie das Huhn...

Aber es ging alles gut, wir haben uns versöhnt, und von Absatz zu Absatz (es sind beileibe keine sicheren Standplätze im Sinne eines waagrechten Plateaus) ging es nun weiter hinauf zu dem Dreieck, an dem die beiden Rippen zusammenlaufen. Direkt hier beginnt die schmale und äußerst ausgesetzte Gratschneide. Hier hat man zwar die Hälfte des Anstiegs geschafft, und es geht nun erst einmal deutlich weniger steil aufwärts, aber die Schneide ist unerbittlich schmal (es ist gerade Platz für zwei Schuhe und zwei Stöcke) und zudem mit diversen Bäumen besetzt. Nur einer davon ist klein genug, dass ich ihn zwischen die Beine nehmen und übersteigen konnte. Einige stehen so ungünstig am Grat, dass man ihren Stamm packen (Handschuhe!) und in einer der fast senkrechten Flanken (meist in der rechten) um sie herumsteigen muss.

Kurze Erholung bietet eine Stelle, an der man einige wenige Meter absteigt. Die ist aber nicht minder ausgesetzt und ebenfalls von Bäumen bestanden. Danach folgt der schwierigste Teil: Es geht nun einen markanten Zacken hinauf, der den steilsten und ausgesetztesten Abschnitt der Gratschneide bildet. Hier darf man auf keinen Falls auspsychen. Es geht geradewegs die schmale Schneide empor, allenfalls mal etwas links davon. Schritt für Schritt, schön kontrolliert und in aller Ruhe. Konzentration ist hier alles. Hat man den Zacken erreicht, wird es nun spürbar einfacher: Der Grat ist immer noch genauso schmal, aber lang nicht mehr so steil. Denkt man. Denn auch hier warten noch zwei kurze Steilstücke mit Gruselgelände auf. Dann ist's allerdings wirklich vorbei: Der letzte Aufschwung bringt einen auf einen Vorsprung, von dem es ein Spaziergang hinüber zum Wanderweg ist. Das Psychogelände liegt hinter einem - ich habe für die ca. 370 Hm eine Stunde fünfzehn gebraucht.

Dort oben hat mich Judith in Empfang genommen. Mindestens ebenso erleichtert wie ich! Sogar ein Tänzchen habe ich aufgeführt - und einen Schneemann gebaut!


Der Rückweg: Güntlespitze und Hochstarzel

Die Lust ist mir aber nicht vergangen. Zwei Tage zuvor waren wir vom Häfnerjoch ab- und gegenüber wieder aufgestiegen, diesmal wollte ich über die Güntlespitze und den Hochstarzel gehen. Wenn schon Grate, denn schon Grate! Judith ließ sich netterweise überreden, auch wenn dies ihr zweiter Besuch der Güntlespitze innerhalb einen Stunde werden würde. Da ich sie aber noch nicht kannte, genoss ich den Gang über den schmalen Grat zum Gipfel. Dort sah ich mir den Nordgrat genau an, dann stiegen wir auf dem Normalweg hinunter ins Derrajoch. Von dort über den schönen Hochstarzel ins Starzeljoch und in einer halben Stunde zum Neuhornbachhaus - wo uns die Sauna und der Whirlpool schon erwarteten!


Charakter:

Der Weg vom Neuhornbachhaus zum Walmendinger Horn ist ein guter Wanderweg am Grat entlang, selten ausgesetzt und fast nie kletterig. Der Rückweg am Hang ist ein typischer Höhenweg und recht einfach. Vom Starzeljoch nach Süden führt ein teilweise seilversicherter Steig, immer genau auf der Gratschneide. An einigen Passagen ist das ziemlich ausgesetzt, es gibt aber einen guten Weg und immer genügend Felsen zum Festhalten.

Der Nordpfeiler der Üntschenspitze ist dagegen eine weglose, anspruchsvolle Steilgrastour, im unteren Teil äußerst steil, im oberen äußerst ausgesetzt. Erfahrung im T6er-Gelände, Können im Steilgras und eine starke Psyche sind absolute Voraussetzung! Man befindet sich durchgängig im Absturzgelände. Hier gibt es auch keinerlei Trittspuren, die vergleichbare Touren gemeinhin doch um einiges erleichtern. Wer die entsprechenden Fähigkeiten nicht mitbringt, lässt besser die Finger von dieser Route!

Der Rückweg ist bis zum Aufschwung zur Güntlespitze einfach, es folgt der schmale, ausgesetzte Gipfelgrat. Der Abstieg zum Derrajoch ist steil, aber unschwierig, der Rest ist wie beschrieben.

Tourengänger: Nik Brückner, Judith7


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