Piz Platta 3392 m - in einem Tag von Mulegns aus


Publiziert von Ivo66 Pro , 30. August 2009 um 20:25.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum:24 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: L
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 9:45
Aufstieg: 1920 m
Abstieg: 1920 m
Strecke:Mulegns - Tga - Val Bercla - Platta - Vadret da Piz Platta - Südflanke - Piz Platta
Kartennummer:1:25'000 Bivio

Endlich wurde unser langjähriger Traum wahr! Nachdem wir vor einigen Jahren am Piz Platta an der heiklen Route aus dem Avers im Stein- und Eisschlag scheiterten, sollte es heute auf der Route aus dem Oberhalbstein aus klappen.

Diese Tour stellt allerdings grosse Anforderungen an Kondition und Trittsicherheit. Und wer wie wir Hüttenübernachtungen nicht besonders schätzt, muss einen Auf- und Abstieg von über 1900 m in Kauf nehmen. Es könnte auch in Tga (Alpsiedlung auf ca. 1900 m.ü.M.) übernachtet werden (aber eben: Matratzenlager...).

Wir starteten in Mulegns kurz vor 05.00 Uhr (Parkplätze unmittelbar vor der Barriere auf dem Fahrsträsschen von der Julierpassstrasse nach Tga). Aufgrund der Dunkelheit sind Stirnlampen unerlässlich - es war stockfinster... Auf dem Fahrsträsschen geht es gemütlich hinauf nach Tga. Dort führt - noch vor den ersten Häusern - ein Weglein links hinunter zu einer Brücke. Diesem folgt man - es handelt es um den ausgeschilderten und markierten Bergwanderweg zur Fallerfurgga. Auf ca. 2270 m überquert man den Bach nach rechts (war gar nicht so einfach, der Bach führte ziemlich viel Wasser mit) und folgt einem unmarkierten Steig unterhalb einer Felswand in nordwestlicher Richtung hinauf. Der Einstieg ist mit einem grossen Steinmann gut gekennzeichnet. Bald erreicht man sanftes Alpgelände (Platta) und wendet sich nach Südwesten hinauf gegen den bald sichtbar werdenden Gletscher (Vadret da Piz Platta). Tip für den Aufstieg zum Gletscher: So lange wie möglich rechts des Baches (von unten gesehen) aufsteigen. Es hat hier immer wieder Wegspuren und zahlreiche Steinmänner; wir bemerkten dies erst beim Abstieg. Im Bereich der ersten Schneefelder überquert man den Bach nach links und steigt über geschliffene Felsplatten und Geröll, zum Teil in einfacher Kletterei, weiter auf, bis man den untern Gletscherrand bzw. hier noch ein steiles Firnfeld erreicht. Wir betraten dieses an seinem östlichen Ende und montierten bereits hier die Steigeisen. Bald querten wir - nun im Blankeis - den Gletscher in westlicher Richtung, immer nahe am Gletscherrand und drehten weiter oben nach Norden, um P. 3140 zu erreichen. Hier legten wir die Steigeisen wieder ab (P. 3140 erreicht man übrigens auch auf der Route aus dem Avers, wenn man ihn dann wirklich erreicht....)

Ab hier folgten wir mehr oder weniger dem Grat, mal auf ein Schneefeld rechter Hand ausweichend. Nördlich von P. 3201 erreicht man den Gipfelaufbau. Zuvor fragten wir uns immer wieder: Wie um Gottes Willen sollen wir da hochkommen? Doch es wurde einfacher als erwartet (wie so oft, wenn man näher tritt). Nach einer ersten Steilstufe durch Fels und Schutt quert die Route in der Südwestflanke ziemlich lange nach rechts, sogar zum Teil mit minimem Höhenverlust. Wegspuren und Steinmänner weisen die Richtung. Die Querung ist ab und zu ausgesetzt, doch sind die Felsen hier recht solide und der Schwierigkeitsgrad I wird nirgends überschritten. Schliesslich erreicht man bald darauf eine Art Grätchen, von wo die Route nach links abknickt (diesen Punkt für die Rückkehr gut merken!). Zunächst geht es dann in leichter Kletterei recht steil weiter Richtung Norden. Man trifft aber ohne besonderen Schwierigkeiten bald in flacheres Gelände. Und dann kommt der Moment, als meine Augen feucht wurden: Das grosse Gipfelkreuz des majestätischen Piz Platta taucht auf und wir spazieren weiter zum Gipfel.

Unglaubliche Tiefblicke und ein weites Panorama entschädigt uns für die Aufstiegsstrapazen. Etwas mehr als 6 Stunden betrug unsere reine Aufstiegszeit (netto, ohne Pausen).

Empfohlene Ausrüstung: Pickel (fakultativ...), aber vor allem Steigeisen auf dem Gletscher. Anseilen ist nicht erforderlich (Gletscher aper und die wenigen Spalten sind von Weitem gut sichtbar - man braucht sich nicht in deren Nähe zu begeben. Wir hatten die Helme ab Beginn der Gletschertraversierung auf (es hat allerlei Material auf dem Gletscher, das wohl von irgendwo auch irgenwann einmal heruntergefallen sein muss...). Von Steinschlaggefahr am Gipfelaufbau muss aber nicht gesprochen werden.

Am Vadret da Piz Platta ist der klimaerwärmungsbedingte Gletscherrückgang nicht zu leugnen. Die Tour dürfte in früheren Jahren weit weniger anstrengend gewesen sein, als man noch länger vom Gletscher profitieren konnte. In Zukunft - erst recht wenn der Gletscher einmal ganz verschwunden sein wird - wird der Aufstieg aus dem Oberhalbstein über Geröll zur richtigen Tortour.... Lange wird dies wohl nicht mehr dauern: Bei unserem Abstieg über den Gletscher schmolz uns dieser praktisch unter unseren Füssen weg.

Tourengänger: Ivo66, Lena

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Kommentare (2)


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Staiibook hat gesagt: Gratuliere!
Gesendet am 30. August 2009 um 20:39
Hallo Ivo66 und Lena
Gratuliere Euch zu dieser wunderschönen Tour! Der Piz Platta steht auch schon seit langem auf meiner Wunschliste! Sehr ausführlicher Bericht und wunderbare Fotos!
Viele Grüsse Staiibook

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Gratuliere!
Gesendet am 30. August 2009 um 22:37
Hoi Staiibook

Danke vielmals für den Kommentar. Ich wünsche Dir von Herzen, ebenfalls das Glück zu haben, bald auf diesem wunderbaren Berg zu stehen - wahrlich ein Erlebnis!

Herzliche Grüsse

Ivo und Lena


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