Piz Grevasalvas 2932 m über den Südwestgrat mit dem Oberengadin zu Füssen


Publiziert von Ivo66 Pro , 28. August 2011 um 17:13.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Oberhalbstein
Tour Datum:28 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Zeitbedarf: 5:30
Aufstieg: 1040 m
Abstieg: 1040 m
Strecke:Foppa (Bivio) - Alp Tgavretga - Alp da Sett - Pass Lunghin - Südwestgrat - Piz Grevasalvas
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Bivio kann man mit dem PW noch dem Fahrsträsschen (recht ruppig) folgen, welches ausgangs Dorf (Richtung Julierpass) nach rechts abzweigt (viele Wanderwegweiser). So spart man sich je 2,5 km langweiliges Gehen. Einige Parkmöglichkeiten vor dem Fahrverbot bei der Brücke Foppa.
Kartennummer:1:25'000 Val Bregaglia

Der Piz Grevasalvas bietet eine prächtige Aussicht über das ganze Oberengadin. Die Normalroute aus dem Engadin verläuft sogar über einen markierten Bergwanderweg; einer der wenigen, der im Engadin auf einen Berggipfel führt. Wir wählten für den Zustieg aus dem Oberhalbstein den Südwestgrat, der etwas anspruchsvoller als der Normalweg, aber eine attraktive Variante ist. Ab dem Pass Lunghin verläuft der Aufstieg weglos, ist nur durch einige Steinmännchen markiert und oft über grössere Geröllblöcke und Schutt zu begehen. Der Südwestgrat selbst ist nur an wenigen Stellen ausgeprägt, weshalb nur wenige Teile der Route etwas exponiert sind.

Die Frage war nach den gestrigen Schneefällen bis hinunter auf 1400 m. ü. M. zunächst, ob die Tour überhaupt machbar sein würde. Ein kurzer Augenschein gestern Nachmittag in Bivio gab zu Optimismus Anlass, war doch klar ersichtlich, dass, je weiter man gegen Süden fuhr, desto weniger Schnee auf den Bergen lag. Am frühen Morgen waren einige Bergflanken noch etwas gezuckert; die Kette des Piz Grevasalvas jedoch weitgehend schneefrei. Die August-Sonne tat ihren Beitrag im Verlaufe des Tages hinzu, so dass wir trockene und apere Verhältnisse vorfanden.

Bei bitterkalten 0° C entstiegen wir im noch schattigen Val Tgavretga dem Auto, konnten uns aber bald an den ersten zaghaften Sonnenstrahlen erwärmen. Eine herbstliche Stimmung begleitete uns den ganzen Tag, angefangen bei den immer gelber werdenden Alpen, aber auch mit glasklarer, frischer Luft, welche später für ein lupenreines Gipfelpanorama mit fantastischer Fernsicht sorgte.

Der Aufstieg verläuft abwechslungsreich; immer mehr Berge kommen beim sanften Aufstieg zum Pass Lunghin hinter den das Tal umgebenden Bergflanken hervor. Richtig aussichtsreich beginnt es dann aber vor allem auf dem Südwestgrat zu werden. Diese Aufstiegsvariante hat gegenüber dem Normalweg aus dem Engadin den Vorteil, dass die grossen Höhepunkte - die Berninaalpen und der eindrückliche Tiefblick auf die Oberengadiner Seenplatte - bis zum Schluss warten. Ausserdem ist dieser Aufstieg aus dem Oberhalbstein weit weniger begangen als der Normalweg; zu unserem Erstaunen waren wir dennoch alleine auf dem Gipfel; kurz zuvor sind zwei Bergwanderer ins Engadin abgestiegen.

Das Gipfelpanorama kann bei den heutigen klaren Luftverhältnissen mit Worten nicht beschrieben werden; es sei auf die Gipfelfotos verwiesen; ein herrlicher Abschluss von zwei unglaublich schönen Ferienwochen bei meist bestem Sommerwetter.

Routenbeschreibung:

Foppa - Pass Lunghin (T1 - T2)

Gleich nach dem Fahrverbot wandert man dem Fahrsträsschen entlang Richtung Septimerpass. In der markanten Hochebene ist eine Abzweigung nach links ausgeschildert ("Bergwanderweg"); diesem folgt man mit Ziel Pass Lunghin, wobei der Weg zunächst zum Septimerpass hinauf führt.

Um den kleinen Umweg über den Septimerpass einzusparen, verliessen wir den Bergweg auf etwa 2240 m. ü. M. und folgten weglos einem ausgetrockneten Bächlein entlang, ziemlich sanft ansteigend über Alpweiden, bis wir den vom Septimerpass Richtung Pass Lunghin führenden Wanderweg erreichten; diesem folgten wir bis zum Pass Lunghin.

Pass Lunghin - Piz Grevasalvas (Südwestgrat) T4

Vom Pass Lunghin folgten wir dem ausgeprägten Kamm in nördlicher Richtung. Den markanten Felsaufschwung (P. 2724 m) umgingen wir auf der Ostseite in steilem, schuttigen Gelände. Diese Passage ist etwas unangenehm zu begehen, aber verhältnismässig kurz. Man hält sich am besten leicht aufsteigend und erreicht bald weniger steiles, grasiges Gelände und steigt bis zur Grathöhe auf.

Der Grat wird an einer kurzen Stelle schmal, ist aber meist einfach begehbar, ab und zu kann man leicht in die Südostflanke queren (teilweise Pfadspuren).

Bald gelangt man in Gelände mit grossen Geröllblöcken, wo man zunächst etwas Richtung P. 2794 m aufsteigt, wobei man bei weitem nicht bis zum erwähnten Punkt hochgehen muss: Steinmänner weisen die beste Route zu dessen Querung durch die Ostflanke, wobei hin und wieder der eine oder andere einfache Kletterschritt von Nöten ist. Am Ende der Querung steigt man auf einem breiten gerölligen Band etwas ab und steigt dann sanft weiter hoch immer noch meist über grössere Geröllblöcke (ab und zu Steinmänner). In der Routenwahl ist man nun ziemlich frei, wählt einfach die scheinbar bequemste Variante und peilt allmählich, aber nicht zu früh, den Südwestgrat an.

Der Südwestgrat wird Richtung Gipfel ab und zu etwas luftig, ist aber kaum schmaler als 70 cm. Einige Stellen könnten auch in der Nordflanke zur Not umgangen werden; der Grat ist aber bis zum Gipfel grundsätzlich ohne technische Schwierigkeiten begehbar. Kommt der Gipfel in Sichtweite, wird der Grat wieder breiter.

Tourengänger: Ivo66, Lena

Galerie


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Kommentare (2)


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alpstein Pro hat gesagt: Top-Verhältnisse
Gesendet am 28. August 2011 um 17:29
Hallo Ivo und Lena

Sag nur, Ihr möchtet bei solchen Verhältnissen wieder an den Arbeitsplatz zurück kehren? Zwei Wochen tolles Wetter und tolle Touren, wir gratulieren.

Wir haben die Alpen heute bei glasklarer Luft vom Bodenseeufer aus genossen. Morgen werden wir auf Eueren Spuren im Alpstein unterwegs sein.

Herzliche Grüße
Hanspeter und Esther


Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Top-Verhältnisse
Gesendet am 28. August 2011 um 20:34
Hallo Hanspeter und Esther

Soeben sind wir wieder auf dem Boden der Realität zurück: Flachland, und die S-Bahn sowie der ICN warten morgen schon für den Transport zur Arbeit...

Aber so tolle Ferien sollten eigentlich Energie geben für die nächsten Wochen. Auf jeden Fall wünschen wir Euch morgen eine tolle Tour, hoffentlich immer noch bei glasklarer Luft; das war ja heute der Hammer mit der Fernsicht!

Wir sind gespannt auf Euren Bericht und wohin es geht.

Herzliche Grüsse

Ivo und Lena


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