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Vom Karlsruher Grat nach Allerheiligen: Felsen und Schluchten im Nordschwarzwald


Published by Nik Brückner , 24 July 2013, 12h01.

Region: World » Germany » Südwestliche Mittelgebirge » Schwarzwald
Date of the hike:31 August 2008
Hiking grading: T4- - High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: D 
Time: 7:00
Height gain: 900 m 2952 ft.
Height loss: 900 m 2952 ft.
Route:18km

Eine der absoluten Highlighttouren im nördlichen Schwarzwald. Sie verbindet eine Waldschlucht (mit der Höhle Edelfrauengrab), den Karlsruher Grat, die Klosterruine Allerheiligen und die Wasserfälle Allerheiligen in der dortigen Schlucht miteinander. Eine großartige Runde!

Da der Schwarzwaldverein vor einigen Jahren in einem Anfall von Corporate Identititis sämtliche seiner Wanderwege mit dem gleichen Symbol ausgestattet hat, ist es sehr viel schwieriger geworden, Touren im Schwarzwald zu beschreiben. Ich hoffe, man kann mit dem folgenden Text trotzdem etwas anfangen.



Man startet diese Tour am Besten in Ottenhöfen (327m) oder auf dem Parkplatz am Steinbruch im Gottschlägbachtal. Dort starte ich jedenfalls immer - damals mit Eatliz' fantastischem "Violently Delicate" und 'nem Album von Hieronymus Bosch (der Band) im Auto. Der Weg führt nach dem Kieswerk in die Schlucht des Gottschlägbachs, vorbei an der Auskolkungshöhle Edelfrauengrab (420m), zu der es eine schöne Sage zu lesen gibt:

"Ritter Wolf von Bosenstein war während der Zeit der Kreuzzüge zusammen mit dem kaiserlichen Heer ins Heilige Land gezogen, um dieses aus der Hand der Sarazenen zu befreien. Seine Frau, die er zurücklassen musste, nahm es allerdings mit der ehelichen Treue nicht so genau und lebte mit ihrem Liebhaber in Saus und Braus. Also, eigentlich lebte sie im Schloss Bosenstein...

Eines Tages klopfte eine Bettlerin mit sieben halbverhungerten Kindern am Schloss Bosenstein an und bat um eine milde Gabe. Angesichts ihrer sieben Kinder wurde sie von der hochmütigen Schlossherrin verspottet und schroff vertrieben, so dass sie Frau von Bosenstein mit folgendem Fluch bedachte: "Sieben Kinder sollst du auf einmal zur Welt bringen, alle so elend wie die, welche du verhöhnst." Der Fluch wurde wahr. Eine Tages brachte die Schlossherrin sieben Kinder zur Welt. In ihrer Not sah sie keinen anderen Ausweg, als ihre Dienerin zu beauftragen, die Kinder in einen Sack zu stecken und im Schlossweiher zu ertränken.

Gerade zu diesem Zeitpunkt traf die Dienerin den vom Kreuzzug zurückkehrenden Schlossherrn. Der stellte sie zur Rede, und nachdem ihm die Dienerin glaubhaft machen wollte, kleine Hunde ertränken zu wollen, nahm der Schlossherr den Inhalt des Sacks in Augenschein. Wutentbrannt befahl der Ritter die Dienerin zurück ins Schloss und trug ihr auf, der Herrin die Ausführung ihres Befehls zu berichten. Wolf selbst brachte die Kinder zu Verwandten auf die Burg Hohenfels im Elsass und ließ sie dort unter anderem im Harfespiel erziehen.

Sieben Jahre später ließ Wolf die sieben Kinder zu einem Fest auf die Burg Bosenstein bringen. In ärmlicher Kleidung spielten sie auf ihren Harfen und sangen von ihrem traurigen Schicksal. Auf die Frage aus den Reihen der Gäste, was solch eine unmenschliche Mutter wohl verdiene, antwortete die Schlossherrin: "Diese sollte bei einem Laib Brot und einem Krug Wasser lebendig eingemauert werden." Daraufhin erwiderte ihr von Zorn erfüllter Gatte: "So sei's, du hast dein eigenes Urteil gesprochen. Es soll an dir vollzogen werden!" Und so geschah es. Wolf ließ seine Gattin bei Wasser und Brot in eine von Wasser bespülte Höhle im Gottschlägtal lebendig einmauern. Letztendlich befahl er, den Bach in die Höhle hineinzuleiten, um seine Frau von ihren Qualen zu erlösen. Seit dieser Zeit heißt die Felsenhöhle das "Edelfrauengrab"."


Heimatland! Rauhe Sitten, da im Nordschwarzwald...

Dann geht es weiter hinauf, an zahlreichen Wasserfällen vorbei, immer auf der im Sinne des Aufstiegs linken Hangseite. Weiter hinten im Gottschlägbachtal zweigt man dann von einem breiten Holzabfuhrweg in spitzem Winkel nach links ab und steigt zum Grat hinauf. Oben folgt man am besten dem Schild "Kletterpartie" (wunderschönes Wort!). Für Ungeübte bietet sich hier ein schmaler Waldpfad auf der Nordseite des Grates zur, je nach Laune und Können, vollständigen oder teilweisen Umgehung der Kletterpassagen an.

Beim Karlsruher Grat handelt es sich nicht um einen Klettersteig. Auf dem Grat selbst verlaufen keine Drahtseile, Leitern oder Farbmarkierungen, weswegen die genaue Route jeweils frei gewählt werden kann. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowie gutes Schuhwerk sollten unbedingt vorhanden sein. Auch sollte man den Grat nach Regen aufgrund der Rutschgefahr meiden. Die Kletterei an dem etwa 400 Meter langen Porphyrgrat (II) nimmt je nach Können etwa eine halbe bis eine Stunde in Anspruch. Die Schlüsselstelle bildet ein kleines Wandl, das dem Begeher Kletterfertigkeiten im zweiten Grad abverlangt. Wer ein aufschlussreiches Video vom Karlsruher Grat sucht, kann sich das hier mal anschauen.

Am Ende des Grates steigt man in den Wald hinunter, und gegenüber am Rücken wieder hinauf, bis man einen asphaltierten Weg erreicht. Dem folgt man nach rechts, ansteigen, bis zur Straße (K5370).

Hier ein paar Meter nach rechts und dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite hinauf in die Hänge des Melkereikopfes. Der Gipfel (1024m) kann mitgenommen werden, muss aber nicht. Beim Abstieg nach Süden, Richtung Klosterruine Allerheiligen, überqueren wir an einem kleinen Parkplatz in einer Kurve die K5370 erneut. Hier steht auch die kleine Karl-Friedrich-Hütte, die bei schlechtem Wetter Schutz bieten könnte.

Von der Straße aus weiter nach Süden und hinunter zum Kloster Allerheiligen (620m), dass wir nicht erreichen, ohne vorher noch zwei mal die K5370 zu überqueren.

Allerheiligen ist ein heute noch als Ruine erhaltenes ehemaliges Prämonstratenser-Chorherrenstift, das um 1195 gegründet wurde. Die Reste der gotischen Kirche sind bis heute ein Anziehungspunkt für Kunstinteressierte und Ausflügler. Dementsprechend gibt es hier die übliche Infrastruktur: Parkplätze, Schautafeln, Einkehrmöglichkeiten.

Wir verlassen das Kloster mit oder ohne Einkehr und gehen den Talweg entlang hinunter zu den Allerheiligen-Wasserfällen.

Diese wurden um 1840 durch einen Steig mit vielen Treppen begehbar gemacht. Berühmt geworden sind sie unter anderem durch Mark Twain, der auf seiner Europareise 1878 Schlucht, Wasserfälle und Kloster besuchte, und seine Eindrucke in seinem Buch "A Tramp Abroad" festhielt.

Am Ende der Schlucht angekommen (hier ist ein kleiner Parkplatz an der - Überraschung - K5370) wenden wir uns nach rechts und steigen wieder hinauf in den Wald. Oben wieder rechts und hoch über den Wasserfällen, mit spektakulären Tiefblicken wieder zurück zum Kloster.

Hinter dem Kloster geht es nun über eine Wiese hinauf zum Wald, wo wir uns nach links wenden. Dort treffen sich an einer Y-Kreuzung im Wald, wo auch ein Parkplatz ist, die Straßen K5370 und K5371. Wir queren hier die K5370 und wählen den unteren der beiden Wege, die uns ins Kolbenloch, den Talschluss der Unterwasser, führen. Über einen breiten Waldweg (die einzige unschöne Passage der Tour), geht es hinauf zu den Häusern am hübschen Blöchereck, von wo aus wir entweder über Rabenfels und Eichkopf nach Ottenhöfen, oder, schöner, auf kleinen Pfaden nach rechts ins Gottschlägbachtal absteigen. Dort angekommen, geht es durch die Schlucht und am Edelfrauengrab vorbei zum Ausgangpunkt zurück.

P. S.: Auch wenn viele das tun, würde ich den Karlsruher Grat nicht zu den Klettersteigen zählen. Er ist zwar ein Steig, und man muss da auch klettern, aber es handelt sich nicht um eine eisengesicherte Via Ferrata im eigentlichen Sinne. Eine Tourenbeschreibung zu den Schwarzwälder Klettersteigen findet sich unter Alle Schwarzwälder Klettersteige - an einem Tag!


Hike partners: Nik Brückner


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