Überschreitung des Rapplers über NW-Grat und Rapplerscharte - ein Highlight in den Villgratenern


Published by Nik Brückner , 26 September 2018, 18h55.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Villgratner Berge
Date of the hike:16 September 2018
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Time: 5:15
Height gain: 1450 m 4756 ft.
Height loss: 1450 m 4756 ft.
Route:11km
Access to start point:Ins Winkeltal kann man mit dem Auto fahren. Dicke Reifen sind angeraten.
Access to end point:Aus dem Winkeltal kann man mit dem Auto fahren. Dicke Reifen sind auch in dieser Richtung angeraten.
Accommodation:Volkzeiner Hütte, oder Unterkünfte in Außer- und Innervillgraten.

Der Rappler!

Nie gehört?

Rappler! 2812m.

Nein?

Nicht bedeutend, aber nach Manfred Poleschinski "eine der wildesten Berggestalten der Villgratner Berge". Und die haben viele Grate - wie der Name schon sagt. Ähem. Nur drei Grate führen zu diesem kühnen Felsturm, der von keiner Seite leicht zu erreichen ist: Ost- und Südwestgrat sind für mich zu schwer, der Nordwestgrat aber, der zu den grandiosesten Linien der Villgratener Berge gezählt werden darf, ist genau mein Ding: Sechshundert Meter zieht sie sich vom Bürgler, einem unbedeutenden Gupf weit unten hinauf zu den bizarren Felstürmen des Rapplergipfels. Links senkrecht, rechts riesige, steile Grashänge.

Diese Linie hatte ich vom Nord-/Nordostgrat der Hochgrabe aus gesehen - und sofort war ich fasziniert. Da es keinen AVF von der Gegend gibt, habe ich schnell in Poleschinskis in verdienstvoller Eigenarbeit erstelltem Gebietsführer nachgeschlagen, und dort gelesen, dass der Weg "leichter ist als er aussieht".

Bassd! Also: Überschreitung des Rapplers, über den Nordwestgrat, Abstieg auf dem Normalweg, immerhin auch nochmal eine IIer-Kletterei.



Ich parkte im Winkeltal, noch ein Stück vor der Niederbruggeralm, folgte dem Fahrweg noch ein Weilchen in ihre Richtung, und wandte mich dann rechts hinauf, auf dem Wanderweg, der über die Straßalm weiter zum Gölbner führt. An der Straßalm (1987m) angekommen, folgte ich dem Weg noch ein kurzes Stück, vorbei an deren Seilbahnstation, hinauf bis zu einer Geländestufe oberhalb der Hütte, wo der Weg sich deutlich nach rechts wendet. Dort verließ ich den Wanderweg.

Niederbruggeralm - (oberhalb der) Straßalm: Markierter Wanderweg, T2, 1h


Hier oben sind Hochweiden. Man wandert hier einfach weiter hinauf, bis man an eine Geländekante gelangt. Drüben geht es steil hinunter, aber es gibt einen Durchschlupf, gar nicht mal so schlecht, einen guten Weg, der hinunter in eine breite Rinne führt, die vom Rappler herunterzieht.

Ist man in dieser angelangt, führen Wegspuren in der Rinne weiter hinauf. Man könnte nun in der Rinne bleiben, bis diese weiter oben flacher wird, und weniger ausgeprägt ist, da aber an mehreren Stellen Wegspuren auf ihre im Aufstiegssinn linke Begrenzungsrippe hinaufführen, habe ich mich dafür entschieden, einen davon zu nehmen, und auf dieser Rippe weiter aufzusteigen. Ich vermutete, dort eine bessere Geländeübersicht zu haben.

So war's dann auch, und ich gelangte hinauf und hinaus in freieres, nur noch von wenigen Lärchen bestandenes Gelände. Dort standen ein paar Kühe unschlüssig herum. Nicht viele steigen auf dieser Route auf den Rappler. Also, Menschen meine ich.

Straßalm - Hochweide: Unmarkierte (Kuh-)Wege, T2, 20 Minuten


Ich stieg nun noch etwas höher und hielt mich dann links, um zum Nordwestgrat des Rapplers zu gelangen. Man könnte hier zunächst zum Bürgler queren, den ignorierte ich jedoch, und stieg direkter zum Grat hinauf.

Der Hang ist nicht allzu steil, mit 40°, 45°, jedoch recht mühsam. Man zickzackt sich halt so hinauf. Irgendwann stand ich dann auf der Kante des Nordwestgrats.

Anstieg zum Grat: Wegloser Steilgrasanstieg, T4, 45 Minuten


"Wesentlich lohnender als der Normalweg!" schreibt Poleschinski. But hello! Das kannst laut schreiben, Manfred. Schon hier vielen Dank für diesen großartigen Tourentipp und die wertvollen Informationen. Was für ein Grat!

Wie gesagt, sechshundert Meter zieht er sich vom Bürgler hinauf zu den bizarren Felstürmen des Gipfels, 1200 Meter insgesamt. Links geht es stets senkrecht hinunter, teils sogar überhängend, wie ich bald feststellen konnte. Fest hinstellen musste ich mich dafür. Rechts ziehen riesige, steile Grashänge hinunter - dazwischen die schmale Linie, auf der es nun hinauf ging - mit grandiosen Aussichten nach Norden und Süden, und nach Westen, wenn man sich - vorsichtig - mal umdreht.

Naja. Man kann in vielen Passagen auch ein wenig rechts vom Grat bleiben, wenn's einen gruselt. Echte Probleme gibt's keine, balancieren sollte man halt können. Schwieriger sind einige Felsstufen am Grat. Nicht alle kann man umgehen. Vor allem eine, etwa eine Dreiviertelstunde unter dem Gipfel, hat es in sich. Wer diese nicht sehr weit unten umgehen möchte, bekommt es mit kleinen, grasigen Tritten in plattigem Fels zu tun, die einen zudem in einen ausgesetzten Winkel direkt an der hier sehr schmalen Gratschneide führen. Hier ist es defi schwerer, als es aussieht, und zumindest für diese Stelle muss ich die II ziehen.

Danach wird der Grat wieder deutlich leichter. Auf Gras steigt man weiter steil hinauf, nur an zwei Stellen kann man sich kurz erholen, weil es ein paar Meter bergab geht.

Nähert man sich dem Gipfel, wird es zunehmend felsig. Gleich im unteren Felsabschnitt wich ich einmal kurz nach rechts aus (vermutlich unnötig), und stieg in einem Kamin wieder zum Grat hinauf (II). Dann wechselt sich Gehgelände mit Ier-Stellen ab, große Blöcke werden rechts umgangen. Ist man schon kurz vor dem Gipfel (dessen Kreuz man lange zuvor schon gut erkennen kann), folgt hinter einem Turm eine weitere, nicht allzu scharfe Einschartung. In diese gelangt man am Besten über ein grasiges Band, das schräg rechts hinauf und um den Turm herumführt. Danach geht es über losen Bruch (Vorsicht!) in einem kleinen Links-, dann Rechtsbogen zum - recht kleinräumigen - Gipfel des Rapplers (2812m).

Vom Grat zum Gipfel: Wegloser Grat- und Felsgrat, T6/II (einige Stellen, meist leichter), 1:15


Hier pauste ich erst einmal wohlverdient ein wenig herum. Der Blick reicht einmal ganz im Kreis herum - na, nicht ganz, der nahe Gölbner steht im Weg. Zu sehen sind, rechts von ihm (im Süden) in den Dolos die Sextener Sonnenuhr mit Zehner, Elfer, Zwölfer und Einser, Sorapiss, zumindest die Drei Zinnen, Monte Cristallo, die Tofanen, die Marmolada, die Fanesgruppe, Piz Boe, dahinter Rosengarten, Langkofel, und in 150 Kilometern Entfernung Königspitze, Zebru und Ortler, der Hohe Angelus und die Tschenglser Hochwand. Im Westen die Wildspitze, der Hochgall, und ganz nah die Hochgrabe. Überhaupt die Villgratener Berge! Wagenstein, Kugelspitze und Regenstein, alle ganz nah. Großartig! Und dahinter der Alpenhauptkamm mit Steingrubenkogel, der Sajatkrone, Großvenediger, dem Eicham, Säulkopf und Säulspitze, im Nordsten der Großglockner. Davor der Lasörling und der lange Grat von der Hofspitze über den Donnerstein bis zum Roten Kögele. Aber weil man auf einem Gipfel mit derart wenig Platz nicht viel machen kann, habe ich meine Pause bald wieder in den Rucksack gepackt, und mich an den Abstieg gemacht.

Zunächst geht's ostseitig vom Gipfel hinunter, und dann in einem kleinen Rechtsbogen zum Einstieg eines kaminartigen Risses südlich des Gipfels, der von oben schon zu sehen war. Positive Überraschung: Hier sind Seile angebracht! Textile zwar nur, aber das reicht. Und die obersten braucht man nicht einmal unbedingt: Hände in die Wände, und runter. Der Ausstieg ist allerdings ein bissl blöd (das Fachwort lautet "abdrängend"), aber das unterste Seil hilft, den Schritt hinüber in die Rapplerscharte (2770m) zu machen.
 
Abstieg vom Gipfel in die Rapplerscharte: Trittspuren, oben T4, im Riss II, paminuttn


Aus der Rapplerscharte geht es dann ostwärts über Schrofen steil, aber nicht mehr ganz so schwierig - und vor allem kletterfrei - hinunter in die Schießbodenlenke (2700m), ein breites Joch zwischen Rappler und Nördlicher Wetterspitze.

Rapplerscharte - Schießbodenlenke: Trittspuren, T4, weiter unten leichter, paminutttn


Hat man es bis hierher geschafft, sind die Schwierigkeiten überwunden: Aus der Schießbodenlenke wandert man nun weglos zum Gölbnerboden hinunter, einer riesigen flachen Mulde zwischen Rappler und Gölbner. Dort stößt man auf den markierten Wanderweg, der aus dem Winkeltal über die Straßalm heraufführt.

Schießbodenlenke - Wanderweg: Trittspuren, T3 und leichter, 30 Minuten


Augen auf - denn der markierte Weg ist, von oben kommend, weder leicht zu finden, noch in der Folge leicht zu verfolgen. Nach oben gut markiert, hat man wohl nicht daran gedacht, dass Wanderer auf ihm auch wieder ins Tal zurückkehren wollen. Und so ist der Abstieg ein kleines Suchspiel - und zwar bis ganz hinunter ins Winkeltal. Besonders aufpassen muss an an einer Stelle, an der ein markierter Weg zur Dreiheggenspitze links abzweigt (der ist nämlich nicht in allen Karten verzeichnet), der Abstiegsweg aber noch ein Stück geradeaus weiterführt, dann an einer Stelle unterhalb der Straßalm, wo man, den Fahrweg verlassend, den Weg im Wald nur anhand der Markierungen verfolgen kann (weil es keine ausgeprägte Spur gibt), und schließlich weiter unten, wenn der Wanderweg mehrfach die Schotterstraße kreuzt, mal ein Stück auf ihr verläuft - und dann plötzlich verschwindet. Ich hab mich an dieser Stelle für die Schotterpiste entschieden, irgendwann ist's dann auch genug mit der Sucherei. Die Piste brachte mich auch ins Tal - vielleicht ein wenig langsamer, dafür ohne Orientierungsprobleme.

Auf dem Wanderweg zur Niederbruggeralm: T2 (auf dem Fahrweg T1), 1h
 

Fazit:

Nach dem etwas mühsamen Anstieg hinauf zum Grat eine großartige Grattour, die zu meinen Highlights im Sommer 2018 gehörte. Nicht besonders ausgesetzt, wartet der Grat dennoch mit großartigen Landschaftseindrücken und abwechslungsreicher Route auf. Die Kraxeleien sind einfach, und machen viel Spaß. Und so sollte auch am nächsten Tag eine lange Grattour anstehen: Die Überschreitung von Kugelwand und Hochstein.


Ausrüstung:

Mit Helm und Stecken bin ich ausgekommen.

Hike partners: Nik Brückner


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