Abenteuerliche Gratwanderung auf dem Raimeux mit alpiner Einlage
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Träume von einsamen T6-Touren auf garstige Gräte, von Hochtouren über silberne Gletscher ...
... aber alleine ist es mir aufgrund (noch) mangelnder Bergerfahrung und dazugehörender Angst vor Steilhängen zu riskant. Fenek und ich planten seit Längerem einen gemeinsamen Ausflug, um mich in die Hochtouren einzuführen. Nur, das Wetter schien nicht mitmachen zu wollen. Deshalb schlug er mir kurzfristig ein Ersatzprogramm vor, zu welchem ich freudig zusagte, nämlich die Westüberschreitung des Mont Raimeux. Das sei als kleine Nachmittagstour machbar, er war ja letzten Frühling schon dort gewesen (www.hikr.org/tour/post6608.html).
Nach der Fahrt über den herbstlich schönen und vernebelten Weissenstein zweifelten wir, ob es auf dem Raimeux besser aussehen würde. Um 13 Uhr standen wir am Fusse der Dinosaurierspurenplatte, wo's raufgehen sollte. Die Sicht war trotz Wolkendecke gut, kurz hat uns die Sonne zugeblinzelt, und guten Mutes gings bergauf, linkerhand durch die Rinne. Ein Viertelstündchen später standen wir am Anfang des Grates welchen wir in bester Laune erkletterten, vorbei an originellen Kletterrouten welche uns schon bald dazu veranlassten, nächstes Mal mit Kletterfinken und Seil hier herzukommen um auch die 5er Gendarmen nicht auszulassen ... so schöner Kalk ist Wonne für die Kletterseele! ... « Dièdre de Gallet », « Le Bastion » (kleiner, acht Meter hoher Pilier in 5b), das « Canapé » (Umrundung in 3c) welches für unerfahrene Kraxler wie ich es bin eine Schlüsselstelle ist – hier nimmt mich Fenek zu meiner Sicherheit zum ersten Mal ans Seil. Es folgt das « Donjon » (5a), « La Noisette » (3c), und die (für mich zweite) Schlüsselstelle: das mit Eisenstiften ausgerüstete Türmchen. Weiter geht's auf dem Grat, trotz den Wolken die uns langsam umgeben, so dass wir bald nicht mehr vom Grat sehen. Ein zweites Türmchen, welches mit einem « Schweineschwänzchen » ausgerüstet ist, versuchen wir zuerst zu übersteigen, was aber zunehmend schwieriger wird, und wir kehren um. Vielleicht kann man es rechterhand umgehen? Auch dieser Versuch endet am Fusse eines steil nach unten abfallenden Wandvorsprungs. Wo ist der Weg? Sind wir zu hoch oben? Die Wetterverhältnisse erlauben uns nicht mehr, uns zu orientieren. Auch der mitgebrachte Kartenausschnitt hilft uns deshalb nicht weiter. Wir müssen zugeben, dass wir nicht mehr wissen, wo genau wir uns auf dem Grat befinden. Die Vorsicht gebietet deshalb, nachdem wir eine Stunde versucht haben, den Weg zu finden und die Sicht immer dünner wird, umzukehren und zum Schweineschwänzchen zurückzukehren denn dort – erinnern wir uns – sahen wir den Waldboden und ein Abseilen auf die Nordseite des Grates schien möglich. In der Tat funktioniert es – wie froh sind wir nun, dass wir meiner Höhenangst ein Gschtältli, einen Abseilachter und eine 25m Reepschnur verdanken ... Auf dem Waldboden angelangt, entschliessen wir uns, einfach dem Grat zu folgen um oben anzugelangen ... aber heute ist es wie verhext! Auch bei diesem Versuch landen wir in einer Sackgasse ... Es reicht, und wir entschliessen uns zum direkten Abstieg durch den Wald. Nach viereinhalb Stunden versuchter Gratwanderung sind wir glücklich, heil unten anzukommen. Und fragen uns, wo wir wohl den Weg verpasst haben?
Zurück zu Hause lese ich in den Berichten von anderen hikr'n wie folgt: "Irgendwann teilt sich der Grat und es wird flacher und waldig. Der Hauptgrat befindet sich nun rechterhand und wird vernünftigerweise auf der Nordseite umgangen. Warum? Ihr werdet schon sehen." (Ironknee) ... Hmmm ... ich erinnere mich nicht daran, dass er sich teilte ... das wäre vielleicht, was wir verpasst haben ... Sputnik sagt: "Auf ca. 900m klettert man über ein Band nach links (nördlich) ab dem Grat, nun führen Wegspuren 80 Höhenmeter dem Fels entlang, bevor man wieder über den Grat zum P.1067,0m über leichte Felsen und Schutt aufsteigt. Nun verliert sich der Fels bald und man kann zum Mont Raimeux weiterwandern." Zaza schreibt im Kommentar dazu: "Die Stelle mit dem Seil kann auch nördlich umgangen werden. Die Stelle mit den Eisenstiften ebenfalls (aber dann "verliert" man gleich ein längeres Stück des Grates). Weiter oben wird die Sache dann meist schlecht gangbar, wenn man versucht, auf dem Grat zu bleiben..."
Wir haben keine Stelle mit Seil gesehen ... es gibt nur eine Lösung: nächstes Frühjahr wieder dorthin, mit Kletterausrüstung, erstens, um den Grat in voller Länge zu erklettern, zweitens, um die Stelle zu finden, wo wir steckengeblieben sind ...
Und die Moral von der Geschicht: auch ein harmloser und einfach scheinender Grat kann es bei sich verschlechternden Bedingungen an sich haben! Und ... bei unklaren Wetterbedingungen nicht ohne « Rückwegssicherungsmöglichkeiten » raus ...












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