West-Ost-Überschreitung des Zitterklapfens, oder: Kanis kann jeder


Publiziert von Nik Brückner , 2. November 2018 um 15:51.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Lechquellengebirge
Tour Datum:15 Oktober 2018
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Strecke:16km
Unterkunftmöglichkeiten:Im Tal - oder auf der Biberacher Hütte

Nachdem mein letzter Tourenbericht meinem obsessivsten Leser gewidmet war, hier endlich wieder ein Bericht aus dem schönsten Gebirge zwischen Deutschland und Italien!

Drei Anläufe hab' ich gebraucht. Drei! Ein Vierter im Frühjahr, den ich wegen Schnee abbrechen musste, nicht mitgerechnet. Drei Anläufe. Ich erzähle gleich, warum:

Den ersten startete ich nach meiner Begehung der schönsten Kurve des Bregenzerwalds. Los ging's in aller Früh in Buchboden, weil ich die Gehzeit hinauf zum Hochschere-Fürkele nicht einschätzen konnte. Es gibt mehrere Möglichkeiten, und keine davon ist so richtig direkt. Dazu gleich mehr. Jedenfalls kam ich irgendwann im Fürkele an - und blieb dort sitzen. Warum? Keine Ahnung. Mental nicht gut drauf, was weiß ich. Ich stand jedenfalls nicht auf. Irgendwann zwang ich mich dann, und begann, den Grat hinaufzusteigen. Doch die mens wollte einfach nicht. Nach einiger Zeit saß ich wieder herum. Und dachte mir: Gut, wenn ich nicht will, dann will ich offenbar nicht. Und stieg über steiles Gras ab zum Hochschere-Weg, über den ich gekommen war. Ich komm wieder, keine Frage.

Am nächsten Tag ging ich dann eine schwierige, schmale Tour. Alles gut. Also fasste ich den Plan, zum Hochschere-Fürkele zurückzukehren, und es erneut zu versuchen.

Drei Stunden braucht man, um dort hinauf zu kommen. Na, diesmal startete ich nicht im Fürkele, sondern weiter östlich, an der Stelle, an der ich zwei Tage zuvor abgebrochen hatte. Ich stieg den steilen Grashang hinauf zu Grat, und - wurde fast von der Kante geweht. Ein unangenehmer Südwest blies hier oben. Also abwarten, vielleicht würde sich der Wind ja beruhigen. In einem stillen Moment ging ich los, und wagte mich auf die nächste Gratstrecke. Der Wind hatte nicht aufgehört zu blasen, wehte aber etwas schwächer und ich dachte, es könnte gehen. Es ging nicht. Böen brachten mich mehrfach ins Wanken, und bei der nächsten Möglichkeit stieg ich wieder ab.

Frustriert lag ich an der Stelle herum, an der am Hochschereweg ein Notabstieg gekennzeichnet ist. Und fasste den folgenden Entschluss: Ich fahre hier nicht weg, bevor ich (nicht: "bevor ich nicht") diesen Grat geschafft habe!

Am nächsten Morgen, Buchboden, das gleiche Spiel. Und weil's immer die gleiche Tour war, und Euch die einzelnen Auf- und Abstiegsdetails sicher nicht interessieren, mache ich hier nun folgendes: Ich beschreibe die Tour so, wie ich sie geplant hatte, als Überschreitung des Zitterklapfens vom Hochschere-Fürkele über den Hauptgipfel bis zum Ostgipfel (Nägelefluhkopf). Ich bin sie zwar nicht so gegangen, in Addition aller Abschnitte über drei Tage hinweg aber schon, und wenn jemand die Tour anhand dieses Berichts nachghehen will, kann er oder sie das damit leichter tun. Ich konnte zudem an den drei Tagen die verschiedenen Auf- und Abstiegsvarianten zum Hochschere-Fürkele durchprobieren, und kann Euch die besten/schnellsten nennen.


Jetzt aber los!


Start ist also in Buchboden (910m), einem kleinen Örtchen ganz hinten im Großen Walsertal. Dort kann man an der Kirche parken.

Von hier aus fährt im Sommer einmal in der Woche ein Wandertaxi zur Oberüberlutalpe, das zu nehmen ich empfehle. Im Sommer 2018 war das immer dienstags. Zu anderen Zeiten (auch jenseits der Saison) kann man das Taxi rufen, dann kostet's aber mit 72 Euro so viel, dass man schon zu mehreren sein muss, damit sich das lohnt. Von der Oberüberlutalpe zum Hochschere-Fürkele ist man dann nur noch etwa eineinhalb Stunden unterwegs.

Hat man kein Taxi zur Verfügung, wandert man nun leicht ansteigend in östlicher Richtung aus dem Ort hinaus. Gut 200 Meter nach den letzten Häusern hat man dann zum ersten mal die Wahl: über den Wanderweg zur Unterüberlutalpe, oder über den Fahrweg? Über den Fahrweg ist's mit einer Viertelstunde Mehraufwand angegeben. Ich habe beides ausprobiert, und war über den Fahrweg genauso schnell wie über den Wanderweg. Der Fahrweg ist weniger schön, hat dafür den Vorteil, dass es flacher und gleichmäßiger ansteigt. Ich empfehle daher den Fahrweg, weil's Kräfte spart, die man weiter oben dringender braucht. Nach einer Stunde kam ich an der Alpe Unterüberlut (1351m) an.

Buchboden - Alpe Unterüberlut: Fahrweg, T1, 1h


Man erreicht die Alpe Unterüberlut, an der auch der Wanderweg heraufkommt, an einer Stelle, an der der Fahrweg eine Rechtskehre macht. Gleich, ob man über den Fahr- oder den Wanderweg heraufgekommen ist, man muss nun erst einmal dem Fahrweg folgen. Der macht gleich darauf eine Linkskurve, dann wieder eine Rechtskurve. Etwa 100 Meter weiter zweigt links ein unmarkierter Fahrweg ab. Den undbedingt nehmen, denn so kann man richtig was abkürzen (etwa 2,5 km).

Am Ende des unmarkierten Fahrwegs steht eine Hütte, und davor rechts die Station einer Materialseilbahn. Sie gehört zur Alpe Mutta, zu der wir nun aufsteigen: An der Seilbahnstation rechts, und gleich wieder halbrechts hinauf in den Wald, wo an einem Baum ein kleines Holzschild zur Alpe Mutta weist. Nun kurz durch den Wald, dann auf Trittspuren über eine Wiese, bis diese sich am Ende der Wiese verlieren. Hier hinauf zum Waldrand, wo nun deutlich eine Wegspur zu erkennen ist. An zwei hellen Baumstümpfen, die man schon von unten sehen kann, vorbei in den Wald und hinauf zur Alpe Mutta (1630m), wo die Materialseilbahn endet.

Alpe Unterüberlut - Alpe Mutta: Fahrweg, T1, dann unmarkierte Pfadspur, 40 Minuten


Hinter dem Haus sieht man auf einer Kuppe ein Kreuz. Hinter dem Kreuz steigt man nun den Hang hinauf.

Durch diesen Hang führen zahllose Spuren, die von Tieren stammen. Eine genaue Beschreibung der Route ist nicht möglich, aber das weitgehend freie Gelände macht eine Orientierung recht einfach. Der Hang, den man hinaufsteigt, ist der des Muttabühels, einer vorgeschobenen Kuppe, was man aber erst oben am Hochschereweg gut erkennen kann.

Man hält sich im Hang des Muttabühels am Besten etwas links, meidet aber zunächst die Baumgruppe dort. In etwa 1720, 1730 Metern Höhe sollte man dann eine gute Spur gefunden haben, die nach links hinaufzieht. Einen guten Orientierungspunkt bietet eine große Baumleiche, auf die man zuhalten sollte. Dort befindet sich ein Durchlass durch einen schmalen Baumriegel, dann befindet man sich in der Westflanke besagter Kuppe. Die Spur führt hier zu einer Viehtränke, die muss man aber nicht entdecken. Einfach irgendwie hinauf auf die Kuppe. Ein wenig oberhalb, in etwa 1800 Metern Höhe, stößt man auf den Hochschereweg.

Alpe Mutta - Hochschereweg ("Auf der Mutte"): Weglos, dann Pfadspuren, T2, 30 Minuten


Hier steht ein Schild ("Auf der Mutte, 1797m"), das man, je nach Anstiegsroute, schon etwa fünf bis zehn Minuten vorher sehen kann. Nach links ist das Hochschere-Fürkele angeschrieben, der Anstieg, den wir heraufgekommen sind, ist als Notabstieg nach Buchboden ausgewiesen.

Gerade in Notsituationen würde ich diesen Abstieg aber meiden. Markiert ist er nicht, eine klare Wegspur ist nicht auszumachen, und wer sich in der Gegend nicht hervorragend auskennt, dürfte schon bei klarer Sicht Schwierigkeiten haben, den Abstieg zu finden. Bei Nebel keinesfalls hier hinuntersteigen! Die Wegfindung zur Kasparsalpe bzw. zur Oberüberluthalpe ist leichter (markierter Wanderweg). Im Verletzungsfall lieber das Handy benutzen.

Auf dem ausgeschilderten und markierten Hochschereweg ist die Orientierung dann nicht mehr schwierig. Der Weg stellt allerdings mit einigen ziemlich ausgesetzten Passagen und ein, zwei Kraxelstellen einige Ansprüche an den Wanderer. Sind aber immer nur kurze Stellen, zudem ist alles mit Seilen versichert. Für den Grataspiranten eh kein Problem.

Ein letzter Anstieg zehrt dann, und länger als gedacht/erhofft braucht man, bis man endlich an dem schon von weitem zu erkennenden Schild am Hochschere-Fürkele (2013m) steht.

Hochschereweg ("Auf der Mutte") - Hochschere-Fürkele: markierter Wanderweg, teils versichert, T3/I, 50 Minuten


Zunächst ein Wort zum Hochschere-Fürkele: Der Name bezieht sich ursprünglich vermutlich auf die Scharte am niedrigsten Punkt zwischen Hochlicht und Zitterklapfen, der markierte Übergang befindet sich jedoch ein gutes Stück östlich davon. Die Scharte wird nicht betreten. Also aufgepasst, damit man von den Beschreibungen und den Bezeichnungen in der Literatur und auf Karten nicht verwirrt wird. Das Hochschere-Fürkele wird bisweilen auch einfach Hochschere genannt, bisweilen wird da ein Unterschied gemacht (wobei dann meist nicht klar ist, welcher Punkt mit "Hochschere" genau gemeint ist) - ich bleibe hier konsequent bei der Bezeichnung "Hochschere-Fürkele", und meine damit den markierten Übergang östlich der eigentlichen Scharte.

Der Zitterklapfen ist von hier an bis hinüber zu seinem Ostgipfel, dem Nägelefluhkopf, eine scharfe, etwa drei Kilometer lange Schneide (die sich danach nach Osten Richtung Kilkaschrofen et al. noch weiter fortsetzt). Diese Schneide bricht nach Norden meist senkrecht ab, nach Süden sind es steile Gras- und Felsabhänge, die oft begehbar sind - oft aber auch nicht. Gerade zu Beginn der Überschreitung bestehen immer wieder Abstiegsmöglichkeiten über steiles Gras und felsige Rinnen, im mittleren Teil kann man nicht mehr vom Grat fliehen. Weiter oben, wo er leichter wird, ist über eine lange Grasrampe noch einmal die Flucht nach Süden möglich, im Gipfelbereich sollte man es dann wieder nicht mehr versuchen. Dort ist der Fels in der Südflanke plattig, und weiter unten befinden sich Steilabbrüche. Der erste bequemere Abstieg danach führt erst auf einer Grasrippe vom Ostgipfel hinunter.


Vom Hochschere-Fürkele (2013m) aus wandert man nun weglos auf Gras hinauf zu den ersten, snaften Gratköpfen. Nun nicht ganz konsequent auf dem Grat bleiben, der bricht nämlich scharf ab, sondern bald rechts über steiles Gras hinunter in eine erste Scharte unterhalb des scharfen Felsabbruchs. Drüben dann eine Grasrippe hinauf, kurz in Felsgelände, und weiter auf den nächsten Kopf. Dahinter in die nächste Einsenkung und weiter hinauf zu drei kleinen Köpfen, die man beim Überschreiten kaum bemerkt. Den letzten umgeht man wieder rechts, hier geht es steil und äußerst unangenehm hinunter in eine scharfe Scharte. Es ist diese Scharte, die man von weitem für das Hauptproblem der Überschreitung zu halten geneigt ist. Der Abstieg ist aber technisch nicht schwierig. Nur macht ihn die Schotterauflage auf dem dürftigen Gras eben sehr unangenehm.

Ein weiterer Grasanstieg führt zu einem Absatz, von dem aus man noch einmal zum Hochschereweg hinunterkäme (über eine Nebenrippe kurz nach Süden hinaus, über Tierspuren hinunter in eine gut begehrbare Felsrinne, und in dieser hinunter). Nun folgt die anspruchsvollste und ausgesetzteste Passage. Hier hatte ich bei meinem dritten Versuch immer noch Wind, weshalb ich sehr vorsichtig gehen bzw. klettern musste. Es geht nochmal über Gras, dann an der Felskante hinauf zu vier Felsköpfen, deren erster sich ein wenig tiefer befindet als die anderen drei. Von unten ist immer schwer einzusehen, ob man dahinter wieder runterkommt, aber keine Angst, ist alles gut begehbar. Die Abstiege sind kurz, und maximal mit I zu bewerten - meist ist's nur ausgesetztes Gehgelände.

Der letzte Abstieg ist dann nochmal eine Ier-Kraxelei, aufgewürzt mit ausgesetzen Schotterpassagen, dann hat man die Felsschneide, die den mittleren Teil des Grates bildet, hinter sich. Man steht in einer Scharte, von der aus ziemlich genau südwärts nochmal ein letzter (?) Notabstieg zum Hochschereweg möglich wäre (einfach aus der Scharte über eine lange Grasrippe hinunter).

Von hier ab wird's leichter. Der Grat ist nicht mehr so steil, weniger felsig, und der restliche Anstieg zum Gipfel bewegt sich zumeist in T4-Gelände. Einige schmale Stellen muss man noch bewältigen, man kann vieles aber sogar in der Flanke gehen. Kletterstellen gibt es kaum noch, und wenn, dann im Ier-Bereich. Die schwierigste befindet sich direkt am Gipfel, dort muss ein wenig unangenehm über schräge Platten aufgestiegen werden. Dann hat man's geschafft, und man steht auf dem Zitterklapfen (2403m)

Hochschere-Fürkele - Zitterklapfen: weglose, unmarkierte Gratüberschreitung, T6/II und leichter, 2h


Einen fantastischen Blick hat man hier! Zu Zafernhorn und Blasenka, zum Hochblanken und zur Mittagsspitze, zur Kanisfluh, zu Gungern und Klipperen, zum Diedamskopf, natürlich tief nach Norden hinunter zum Annalper Stecken und den Gräshörnern, und im Süden zum schwierigen Feuerstein. Das muss ein Berg erst einmal bieten!

"Kanis kann jeder!" stand auf einem Aufkleber am Gipfelkreuz! Herrje.... Aber es stimmt schon. Man liest ja, der Abstieg nach Osten, auf dem Normalweg, sei leichter als der Westgrat. Joa, find' ich gar nicht unbedingt. Überhaupt ist der Normalweg auf den Zitterklapfen, immerhin ein Klettersteig, nicht einfach, führt er doch durch die äußerst steile, kalte und feuchte Nordwand (und nicht etwa durch die viel weniger steilen Südhänge. Tatsächlich gib es von Süden her keinen markierten Anstieg, obwohl das Gelände hier viel einfacher ist).

Vom felsigen Gipfelkopf klettert man hinunter, kurz in der Nordflanke, dann geht's in ein Schartl mit plattigem Fels. Weiter geht's über teils plattigen Fels und Schotter, immer auf der Kante entlang, manchmal rechts in der Flanke. Der Ostgrat kam mir felsiger vor als der Westgrat. Die Schlüsselstelle auf dieser Seite befindet sich kurz vor der Ostgratscharte, in die der Normalweg von Norden heraufkommt: Hier muss an einer schmalen Kante abgeklettert werden (I-II). Dann steht man in der Zitterklapfen-Ostgratscharte (2252m).

Zitterklapfen - Ostgratscharte: Markierter Wanderweg, T4/I-II, 30 Minuten


Hier verabschiedet sich die markierte Route, hinunter in die steile Nordwand des Zitterklapfens. Da der Ostgipfel, Nägelefluhkopf genannt, aber hin und wieder bestiegen wird, führen auch auf der anderen Seite der Ostgratscharte Wegspuren weiter. Diesen folgt man auf den zunächst deutlich einfacheren Grat, bis man an einen steilen Abbruch gelangt. Dieser wird - Überraschung - rechts umgangen. Danach geht es über eine Felskante, oben flach über Gras, dann ein letztes Mal kurz über Fels hinauf zum Ostgipfel des Zitterklapfens, dem Nägelefluhkopf (2314m).

Ostgratscharte - Nägelefluhkopf: unmarkierte Gratüberschreitung, teils Wegspuren, T4/I, 10 Minuten


Hier vom Nägelefluhkopf aus hat man einen schönen Blick hinüber nach Osten: Die Allgäuer sind zu sehen, mit der Üntschenspitze, der Hochkünzelspitze, Heiterberg und Widderstein, und irgendwo ist auch der Hochberg über Schröcken, mit seinem wunderbaren Ostgrat.

Der Abstieg ist nicht schwierig, aber unangenehm. Ober geht's über harte Schrofen und Schotter, weiter unten hat's mehr Gras, das ist besser. Ein Problemchen bildet eine etwas steilere Stufe, die aber, eine geschickte Routenfindung vorausgesetzt, allenfalls Ier-Kletterei erfordert. Weiter unten gerät man dann auf eine brüchige Felsrippe, die endgültig in Grasgelände führt. Hier steht man vor der ersten von mehreren Felsmauern ("Nagelflua", "Beeriegga"), die über die Rippe geknickt sind. Man könnte sie überkraxeln, landschaftlich ist das schön, ich bin aber vor der ersten rechts eine Grasrinne hinuntergestiegen. Das ist zunächst noch mäßig steil, unten raus wird's dann aber flacher. Der Hochschereweg ist von weitem schon zu sehen, auf den hält man nun zu, möglichst auf Gras, das beitet hier das bequemste Gehgelände. Irgendwann ist man dann endlich auf dem Wanderweg angekommen.

Nägelefluhkopf - Hochschereweg: unmarkierter Abstieg über Gras und Schrofen, T4/I, 50 Minuten


Man könnte von hier aus in wenigen Minuten sowohl zur Kasparsalpe im Osten (etwa gleiche Höhe) oder zur Oberüberluthalpe (etwa 100 Meter tiefer) wandern, von beiden Maisässen aus führt der bereits bekannte Fahrweg hinunter nach Buchboden. An der Kasparsalpe ist die Gehzeit mit 1:45 angegeben, ich habe 1:10 gebraucht (das war bei Versuch 2).

Die zweite Möglichkeit bestünde darin, auf dem Hochschereweg bis zum Schild "Auf der Mutte, 1797m" zu gehen, und dort den Notabstieg zu nehmen, der mein Aufstiegsweg gewesen war.


Man kann aber auch auf wenig ausgeprägten Alpwegen bzw. Kuhwegen direkt zur Alpe Mutta queren. Das war es, was ich bei meiner dritten und erfolgreichen Begehung gemacht habe. Es entpuppte sich zwar, zu meiner Überraschung, als länger, als der Abstieg über den Fahrweg mit seinen vielen Kurven (1:25 statt 1:10). Aber schöner ist's, weil man den Fahrweg weitgehend vermeidet. Wer's machen möchte: Ein Stück auf dem Hochschereweg nach Westen, so dass man die Alpe Mutta und die Weglein dorthin gut im Blick hat. Dann verlässt man den markierten Weg, und schrägt links hinunter ein einen flachen Tobel. Drüben wieder hinauf, ein paar Meter direkt bergab, und dann auf nun besseren Wegspuren hinüber zur Alpe Mutta (1630m).

Vom Hochschereweg zur Alpe Mutta: Wegspuren, unmarkiert, T2, 20 Minuten


Hier pauste ich noch ein Weilchen, wanderte dann auf dem bereits bekannten Weglein hinunter zur Talstation der Materialseilbahn, und von dort aus auf dem Fahrweg zur Alpe Unterüberlut (1351m).

Alpe Mutta - Alpe Unterüberlut: unmarkierte Pfadspur, T2, dann Fahrweg, T1, 25 Minuten


Dort verließ ich dann den Fahrweg, und nahm den direkteren Wanderweg, der, vorbei an der Alp Untere Buchen (1201m) hinunter nach Buchboden (910m) führt.

Alpe Unterüberlut - Buchboden: markierter Wanderweg, T2, am Ende Fahrweg, T1, 40 Minuten


Und so endete mein Bergjahr 2018 da, wo es im Frühjahr mit der Besteigung des Feuersteins begonnen hatte: Im schönen Großen Walsertal.


Fazit:

Grandiose Tour: Überschreitung eines äußerst schmalen Gipfels auf scharfen Fels- und Grasgraten. Eine fantastische Tour und defi ein Highlight hier in der Gegend. Es braucht eine feste Psyche, und windstill sollte es sein...


Ausrüstung:

C-Schuhe, Stecken, Helm.



Ach so, paar Daten noch:

Weil das Hochschere-Fürkele von keiner Seite aus schnell zu erreichen ist, hatte ich vorher ziemlich herumprobiert, auf der Suche nach dem schnellsten Weg dorthin. Hier meine Ergebnisse aus dem Tourenplaner des Alpenvereins:

  • Buchboden - Hochschere-Fürkele: 8,5km, 1150Hm, ca. 3:30h - zurück nach Buchboden: s. Text (6,2km, 10Hm, 1:10h - 1:20h)
  • Biberacher Hütte - Hochschere-Fürkele: 8,4km, 588Hm, ca. 3:10h - zurück über Hochschereweg: 6,3km, 390Hm, ca. 2:20h
  • Edelweißhütte - Graue Furka - Hochschere-Fürkele: 6,6km, 1200Hm, ca. 3:20h - zurück über Normalweg: 5,7km, 44Hm, 2:15h (?)
  • Untertobel - Hochschere-Fürkele: 6,3km, 930Hm, ca. 2:45 - zurück über Hochschereweg: 8,5km, 410Hm, ca. 3:05h
  • Faschina - Hochschere-Fürkele: 7,2km, 877Hm, ca. 3:05h - zurück über Hochschereweg: 9,5km, 625Hm, ca. 3:45h

Anm.: "Zurück nach Buchboden" bzw. "zurück über Hochschereweg" bedeutet: nach dem Abstieg vom Nägelefluhkopf, von dem Punkt an gerechnet, an dem man den Hochschereweg wieder erreicht.

Man sieht: Es gibt keinen wirklich kurzen Hinweg. Es bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen, ob man mehr Höhenmeter in Kauf nimmt, mehr Kilometer, größere Schwierigkeiten, oder eine Hüttenübernachtung.

Tourengänger: Nik Brückner


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Kommentare (8)


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WoPo1961 Pro hat gesagt:
Gesendet am 2. November 2018 um 16:28
Hoi Nic,
da waren wir garnicht sooo weit voneinander entfernt. Zumindest am 14. Okt. Da schawenzelten wir mit einer Drilliarden Anderen auf den Widderstein. Denke mal, Luftlinie ist das nicht allzuweit entfernt. Schade, deine Tour sieht aber mal echt viel interessanter aus als die Bröseltour auf den Widderstein. Da hätte man mal ne gemeinsame Tour machen können. Wir sind auf jeden Fall auf den Geschmack gekommen und werden wohl noch öfter ins Allgäu bzw. Umgebung düsen.

Grüße aus Flachlandhausen
WoPo

Nik Brückner hat gesagt: RE:
Gesendet am 2. November 2018 um 17:44
Hey WoPo!

Du, bröselig war's bei mir auch. Nur waren aufm Klapfen keine Menschenmassen, die mir Steine auf den kopf hätten werfen können. Auf den Widderstein kann man an einem normalen Tag ja nicht ohne Helm.

Ja klar! Mammer was zusammmen, jederzeit gern. Merken wir uns.

Einstweilen ein Gruß,

Nik

Kommunist hat gesagt: Obszessivster Leser!
Gesendet am 2. November 2018 um 18:04
Deine letzter Tourenbericht war deinem "obszessivsten Leser" gewidmet? Wer soll das sein - etwa ich (dachte ich)? Jedenfalls an dieser Stelle mal ein Lob an deine Berichte und die coole Art zu schreiben! Lese ich immer wieder gerne.

Nik Brückner hat gesagt: RE:Obszessivster Leser!
Gesendet am 2. November 2018 um 18:13
Hi Kommunist,

Hahaha! Jaja, wer weiß, wer weiß? Na, Du weißt ja selbst, wie's ist. Freu mich sehr, dass Dir meine Berichte gefallen.

Gruß,

Nik

alpstein Pro hat gesagt:
Gesendet am 2. November 2018 um 18:12
Hallo Nik,

besten Dank für den, wie immer, sehr interessanten und informativen Bericht. Die Überschreitung wird ja recht selten dokumentiert. Man muss sich den Gipfel mit den langen Zustiegen auch verdienen. Schon über den Normalweg auf den Hauptgipfel ist es ein tagesfüllendes Unternehmen.

Grüße
Hanspeter

Nik Brückner hat gesagt: RE:
Gesendet am 2. November 2018 um 18:15
Hi Hanspeter,

Danke Dir.

Ja, so ist es. Der lange Anstieg, die nicht unschwierige Route und der wie üblich brüchige Fels, der ist eh nicht nach jederfraus Geschmack. Schade eigentlich, denn das ist eine tolle Tour. So toll, dass man sich drei Tage lang dran festbeißen kann...

Gruß,

Nik

Guatzle hat gesagt:
Gesendet am 7. November 2018 um 21:49
Hallo Nik,
die Tour ist sicher nicht "jederfraus" Geschmack, aber definitiv meiner: am 16.08.2016 bin ich mit dem Fahrrad zur Hinteren Kriegbödenalpe geradelt und von dort aus auch über den Hochschereweg in die Scharte. Nach der Überschreitung - über die Graue Furka wieder zurück zum Radl. Eine tolle Runde, da muß ich dir zustimmen. Wenn ich damals deinen Bericht schon gehabt hätte, hätte ich im vorhinein gewußt, dass man von den meisten Köpfen hinten wieder runterkommt. So bin ich doch einiges in der Flanke umgangen, um mich hinterher ein wenig zu ärgern....aber ich war auch alleine unterwegs. Übrigens: das "Wilde" Gräshorn ist gar nicht so wild :)
Grüße, s`Guatzle

Nik Brückner hat gesagt: RE:
Gesendet am 8. November 2018 um 08:02
Haha! Ja, dass Du diese Tour schon gemacht hast, überrascht mich nicht.

Servus Guatzle!

Deshalb schreibe ich auch nie "Hikr-Erstbesteigung". Irgendjemand war immer schon vorher oben, und oft war's ein Hikr.

Ja, als Bike&Hike-Tour ist das Ganze natürlich viel vernünftiger. Leider ist mein Car zu kloin für ein ordentliches Bike.

So wie Du sie gemacht hast, würde mich die Runde auch nochmal interessieren. Ich kenne weder den Klapfen-Normalweg, noch den Anstieg aus der grauen Furka auf's wilde Gräshorn. Und dann könnte ich die Klapfen-ÜS auch endlich mal an einem Stück gehen...

Liab's Grüßle,

Nik


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