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Zitterklapfen - als "Schlechtwetter-Programm"


Published by Jackthepot , 30 August 2013, 18h46.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Lechquellengebirge
Date of the hike:24 August 2013
Hiking grading: T5- - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 5:00
Height gain: 1200 m 3936 ft.
Height loss: 1200 m 3936 ft.
Route:Vorsäß Boden - Annalperau - Hochkar - AV-Führe - Ostgratscharte - Zitterklapfen und retour
Access to start point: Bodensee - Au/Lustenau - Dornbirn - Bödele - Richtung Bezau/Hochtannbergpass bis Au/Gasthaus Schiff an der Bregenzerwaldstraße (ab CH-Grenze 45 km) Bis zum Bergkristall kann man mit einem Berechtigungsschein für 10,-- Euro (erhältlich ab 7.00 Uhr im Hotel Adler) hochfahren
Accommodation:Bergkristallhütte und natürlich diverse in Au / Schoppernau ...
Maps:Kompass Nr. 2 Bregenzer Wald / Westallgäu

Der Wetterbericht verhieß ja nichts Gutes für den frühen Nachmittag .. 'ab ca. 14h-15h verbreitet Landregen'. Es mußte also ein -wenn möglich stattlicher- Gipfel her, bei dem man bei morgentlicher Anreise zu 'jackthepot-humanen' Zeiten um 14h sicher wieder unten ist - besser noch vielleicht schon ein kühles Blondes vor sich stehen hat. Garibaldi fiel meine Wahl auf den Zitterklapfen. Schließlich war zu Beginn dieser Saison die nördliche Kette des Lechquellengebirges nur an den 'Randbergen' Hochberg im Osten und im Westen mit Zafernhorn & Blasenka angearbeitet mit der Hochkünzelspitze war der 'weiße Fleck im Jackthepot-Revier' zwar schon löchriger geworden, aber der wahre "Todesstoß" würde dem Nordkamm nur mit dem mächtigen Zitterklapfen gesetzt werden können.
Der Aufstieg ist wiederholt schon bestens bei meinem Bergfreund alpstein beschrieben worden, ein paar Impressionen möchte ich dennoch loswerden.
Auch ich hab mir mit Geld [10EUR Maut abzuliefern in Au im Hotel Adler] die ersten 400mH erkauft ... natürlich nur um genügend Vorsprung vor dem einsetzenden Schlechtwetter zu erlangen. So gings knapp hinter der Alpe Bodenvorsäß in der Senke bei Abzweig zu Tobelealpe um 8:15h  los mit der Wanderung auf breitem immer steiler werdenden Almweg. Unter der Annalperaualpe zweigt der Weg komischerweise (= gefühlt die falsche Richtung) nach links ab (Wegweiser) - quert dann den grade trockenen Bachlauf und führt dann weiter Richtung Töbelealpe mäßig steil bergan.. Bald weist ein weiterer Wegweiser rechts auf einen Wasserfall samt wuchtiger Felsmauer zu - Zitterklapfen wir kommen. Über eine steilen grünen Grasbuckel gewinnt man die nächste Geländestufe: ein Hochkar zu Füßen des Zitterklapfens und des benachbarten Nägelefluhkopfs. Schon bald zieht der Steig an die erste Felsstufe heran. Von nun an bis fast zum Gipfel ist steil, steiler ...sehr steil die Devise - also für knapp 600 Höhenmeter. In der ersten, recht feuchten Felsstufe ist der ideale Weg dank etwas spärlicher weiß-blau-weißer Wegmarkierung nur oft-suchend zu finden, aber ob man mal 2m links oder rechts davon über die rutschigen Felsen kraxelt ... am Ende erreicht man immer den deutlichen Zick-Zack-Steig durch das untere, schottergefüllte Hochkar.
Eines ist jedoch sehr bewußt geworden, über diese steilen Felsen möchte ich bei  Regen nicht absteigen...der prüfende Blick zum Himmel verheißt ... naja schaun mer mal.
Gedankenverloren, irgendwas unwichtig Wichtiges grübelnd erreicht man eine weitere kleinen Felsriegel - hindurch und drüberweg- ins noch steiler obere Hochkar. Dieses gewährt erste Einblicke in die sehr steile felsige Nordflanke zwischen ZK und NFK durch die der versicherte Steig -am Schluß schier senkrecht- in die Ostgratscharte führt. Alsbald steht man vor einem Felsbuckel - Zeit die Wanderstöcke wegzupacken - der Beginn des versicherten Steiges ist erreicht ... von Sicherungsseilen ist auf den ersten 10 Höhenmetern im Fels jedoch nix zu sehen. In einem gebogenen Felsspalt gehts dann doch recht locker nach oben. Diese Stelle kam mir im Abstieg wesentlich unangenehmer vor, weil man klettert rückwarts in den bodenlosen Abgrund hinaus ohne viel zu erkennen wo man den nächsten Tritt setzten kann und die Griffe für die Hände/Finger waren nicht so deutlich, gefühlt speckig, dass es ein sicheren Eindruck hinterließ - bei regennassen Felsen äußerst heikel bis gefährlich. Das Steiglein zieht nun begleitet von einem dünnen, etwas schlapprig wirkenen Seil mal bequem mal sehr steil hinauf zur Scharte. Die Seilbefestigungen im Fels waren immer sehr solide - ich fand keine einzige lockere. An den Verbindungsstellen von zwei Stahlseilenden herrscht fast immer Verletzungsgefahr durch rostige ausgefranzte Drahtbüschel - AUFPASSEN!! 
Am Ostgrat angekommen hat man nun einen berauschenden Tiefblick hinunter ins grüne, hinterste Große Walsertal, sowie hinüber in den Hauptkamm der Lechquellenberge. Der Ostgrat wartet wenige Meter später mit einer kleinen IIer Kletterstelle auf, die mit kurzem, kräftigem Zupacken und mit Vertrauen auf die Reibung der Schuhe auf einer trittarmen, glatten Felsplatte überwunden werden kann. Auch diese Stelle ist im Abstieg etwas unangenehmer, weil hier wesentlich intensiver der Tiefblick /  die Luftigkeit des Gratesan dieser Stelle zur Wirkung kommt. Im weiteren Verlauf bietet der Ostgrat noch viel Abwechslung durch ein paar einfache Kraxelstellen und eine schräge, glatte Felsplatte und die überraschende Erkenntnis, dass am obersten Felskopf, den man in der Erwartung erklimmt, dass das Gipfelkreuz unmittelbar dahinter sein muss ... es doch noch ziemlich weit (ca 2-300m ) bis zum ersehnten Gipfel ist. Nach 2 3/4h ab Parkplatz und knapp 1200mH war es dann soweit mit den Gipfelfreuden - durchaus stolz und allein am Höchsten Punkt des Zitterklapfen.
Das Wetter schien auch zu halten, zwar ziemlich frisch und doch mit viel, dunstiger (Fern-)Sicht - was will man mehr. Nach dreiviertelstündiger, gemütlicher Rast machte ich mich wieder an den Abstieg. Anfang etwas zögerlich und vorsichtiger - aufgrund der doch recht beeindruckenden Tiefblicke v.a. südwärts in das Große Walsertal hinunter, wirkte der Steig hinab am Ostgrat entlang doch etwas ausgesetzter, als beim Aufstieg 'gefühlt'. Aber schon bald gewöhnt man sich auch daran, nach 15min  steht man an der etwas ausgesetzten, ein bisserl unangenehmen  IIer Stelle, die sich allerdings nicht wirklich als Problemzone im Abstieg herausstellte und kurz danach weisen 5 Wegmarkierung auf den Einstieg in die versicherte Wandpartie. Das mulmige Gefühl am Ausstieg aus der Wand habe ich bereits oben geschildert.
Als recht vorteilhaft erweist sich der feine, erdige Schotter in den beiden Hochkaren, mit festen Bergschuhen kann man das endlose Serpentinen-Zickzack des Steiges wiederholt meiden und flugs in der Direttissima einiges an Höhenmetern bequem abfahren.
Der Rest ist dann fast durchgehend pures Wandervergrnügen und so konnte bereits um 13:30h das erste Radler auf der Sonnenterrasse der Bergkristallhütte zur Erfrischung beitragen.

Fazit: nicht ganz einfache, anstrengende Bergtour vor allem in der versicherten Wand und einige Stellen am Ostgrat. Wird man im der oberen Hälfte von Regen überrascht wird die ganze Sache recht heikel und vermutlich lebensgefährlich. Da zähle ich dann auch die untere, felsige Steilstufe hinzu. Erst unterhalb ist man -bei nassem Fels- auf sicherem Terrain.

PS: Nach ausgedehnter, einstündiger Rast an der Bergkristallhütte vertrieben um 14:30h endgültig die dunklen Wolken den warmen Sonnenschein. Um 15h im Tal in Au ging der erste kräftige Regenguß im BreWald nieder.... was für ein schöner Tag ;-))

Hike partners: Jackthepot


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Comments (4)


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alpstein says: Herzliche Gratulation
Sent 31 August 2013, 17h29
Hallo Harald,

es freut mich, dass Du "auf unseren Spuren" auf den Zitterklapfen gestiegen bist. Dass es recht spannend zu und her geht, kommt in Deinem Bericht gut rüber.

Liebe Grüße
Hanspeter

Felix says:
Sent 16 October 2013, 17h27
spannend, in der Tat - wir hoffen, euren Spuren dereinst zu folgen ;-)

lg Felix

Jackthepot says: RE:
Sent 16 October 2013, 20h45
rechtzeitig melden, vielleicht geht ja mal wieder was Gemeinsames...
VLG Harald

Felix says: RE:
Sent 17 October 2013, 06h03
gute Idee - merk ich mir!

lg Felix


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