So ein Myst: Ein Menhir und ein Steinring auf den Hügelgräberhöhen


Publiziert von Nik Brückner , 1. November 2018 um 14:07. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Deutschland » Westliche Mittelgebirge » Pfälzerwald
Tour Datum:21 Oktober 2018
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Zeitbedarf: 4:30
Aufstieg: 350 m
Abstieg: 350 m
Strecke:17km

Hügelgräber, Henges, Menhire - solcherlei Urtümlichkeiten erwartet man eigentlich in Frankreich oder in England, aber auch bei uns gibt es vorgeschichtliche Steinbauten, Steinsetzungen und, natürlich, Friedhöfe. Merke: Ein Hügelgrab ist nur ein Grab mippm Hügel obendrauf.

Aber nicht für alle: Neulich erst waren die Waldelfe und ich an einem Hügelgrab, um das mehrere ansonsten vollkommen normal wirkende Frauen mit Klangschalen in Händen herumschlichen. Offenbar wollten sie dem Toten - der da schon lang nicht mehr liegt - einfach keine Ruhe gönnen. Sind wohl doch nicht alle so karg, diese Deutschen.

Also auf nach Wattenheim! Dort gibt's einen Menhir, den "Fliegenstein", mehrere Hügelgräber, und einen Steinring. Dazu später mehr. Wir starteten nämlich nicht dort, sondern in Stauf, einem winzigen Örtchen auf dem Hügel, nach dem es heißt.


Ein Stauf ist nämlich vor Urzeiten ein Becher gewesen. Und weil Berge, na, manche jedenfalls, umgedrehten Bechern ähneln, heißen später und seither auch manche Berge Stauf. Die Staufer zum Beispiel, das waren so Bergler. Früher mal.


Also Stauf (315m). Dort trafen die Waldelfe und ich auf Anette, Roland und Topi, die wir einsackten, und mit denen wir nordwärts aus dem Ort hinausliefen, auf der Hohen Straße, so heißt die. Der Pfälzerwaldverein (PWV, das Wort ist mir aufdauerzulang) hat hier einen Roten Balken hingemalt.

Raus aus dem Ort und die erste Möglichkeit rechts (eigentlich isses gradaus), hinauf und hinaus auf eine Streuobstwiese. Hier wird im nahen Winter, wenn es glatt ist, Obst gestreut. Denn wie unsere Großeltern noch wussten: Obst gestreut hat nie gereut.

Geradewegs über die Wiese und drüben in den Wald hinein. Das Kesselkreuz, das von den Keßlers (vermutlich Zwillinge) auch Keßlers Kreuz genannt wird (333m), lassen wir links liegen. Stehen.

Das Kesselkreuz steht an der Kirchsteig, dem alten Verbindungsweg zwischen der Burg Stauf und dem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Rosenthal. Über seine Errichtung gibt es gleich mehrere Sagen. Meist ist hier ein Kessler, also ein Kesselschmied oder ein Kesselflicker, aber auch mal jemand, der so hieß, erschlagen worden. In Stauf erzählt man sich jedenfalls, dass fromme Leute zur Geisterstunde in der Walpurgisnacht hier am Kreuz den Chor der Rosenthaler Nonnen hören können. Die dortige Abtei wurde allerdings bereits 1572 aufgehoben...

Ein paar Schritte weiter stößt man auf den Rosenwanderweg, der von Rosenthal heraufkommt.

Dort: Ruinen besagter Zisterzienserinnenabtei (sind's dann nicht eigentlich Sisterzienserinnen? Sisterzienser?) - schön, unbedingt mal hin.

Wir aber wanderten rechts ab, auf besagtem Rosenwanderweg. Immerhin hatten Roland und ich zwei Rosen dabei. Und eine Fellnas.

An der nächsten Gabelung, am Waldrand, wechselten wir auf den Adolf-von-Nassau-Wanderweg, der hier abrechtst. Er führt in der Folge mehr oder weniger genau ostwärts, nördlich an Steinborn vorbei. Es geht über die K76 und drüben im Wald weiter. Kurz darauf standen wir an der Helincheneiche (284m).
 
Die Helincheneiche ist eine Drillingseiche! Etwa 12 Meter hoch, und 500 Jahre alt. Seit 1972 ist sie ein Naturdenkmal. Ich auch. Aber zu mir gibt's keine Sage:

Seinen Namen erhielt der Baum vom Helinchen, dem Töchterchen eines Bauern in Unterkerzenheim. Sie sollte mit dem Sohn eines reichen Bauern verheiratet werden (jaja, arrangierte Ehen gab's schon auch hier bei uns, ist noch gar nicht so lang her). Helinchen hatte darauf aber so gar keine Lust, weil sie in den Anselm mit den sexy Namen verliebt war, den Oberjäger des Grafen Eberhard von Eberstein. Der wohnte auf unserer Burg Stauf.

Als sich das herumsprach, wie das auf dem Land auch heute noch unvermeidlich ist, schickte der Graf auf Bitten der Eltern Helinchens den Anselm in eine einsame Klause im Kerzenheimer Hinterwald. Ein Hinterwäldler sozusagen. Das Helinchen reagierte darauf, indem sie vor Kummer starb.

Jetzt wird's unheimlich: Die Leichenträger hörten, als das Helinchen bestattet werden sollte, ein irres Lachen. Und sie sahen das Gesicht des Mädchens hinterm Fenster des Bauernhofs. Der Anselm hatte mehr Pech: Er fiel im Kampf gegen den Rau- und Wildgrafen im unteren Alsenztal. Aber er war ein guter Kerl: Sterbend vergab er seinem Herrn, dem Grafen Eberhard.

Und wie das immer so ist: Das Helinchen und der Anselm sollen in Vollmondnächten unter der Helincheneiche zu sehen sein....

Eine extended Version der Geschichte hat der einstige Bürgermeister von Eisenberg, Rudolf Ludwig verfasst. Hier nachzulesen. Vielleicht klärt die ja, warum es in der Geschichte nur um zwei Liebende geht. Bei einer Drillingseiche? Da fehlt doch eine.... Oder einer...


Jetzt Obacht! In Ortsnähe gibt's in der Pfalz nämlich immer siemerzwanzg Wege. Ran an die Helincheneiche, direkt davor nach links, und nun, alle Abzweigungen ignorierend, knapp unterhalb des Gipfels des Lorenzer Bergs immer so geradeaus wie möglich hinüber zur Kreuzeiche (299m).

Keine Sage hier. Sorry.

Von hier aus folgten wir der Markierung hinunter zur Virchowstraße, die den Ortsrand von Eisenberg markiert. Kurz nach rechts, den Schwefelbrunnen (275m) besucht, und, zurück auf der Virchowstraße nun nach Süden, ab jetzt dem Gelben Kreuz vom PWV folgend. Bald geht's von der Straße weich links ab, über einen Parkplatz, dann stößt man auf die Friedrich-Ebert-Straße (kriegt der nicht normalerweise Ringe?), dort nach rechts und, weiterhin dem Gelben Kreuz folgend, in den Wald hinein und hinunter zur Ramsener Straße.

Hier steht Oerlikon angeschrieben, das hat sogar eine eigenen Bushalte, aber keine Angst, so weit simmer nicht gelaufen. Noch nicht.

Okay, jetzt wird's kurz kompliziert. Der Ramsener Straße folgt man etwa 130 Meter nach links, dann quert man an besagter Bushalte das Gelände der Firma Oerlikon (Aha!) und folgt dann der Industriestraße (romantisch) nach rechts, bis sie die Bahngleise überquert. Hier wieder nach rechts, zunächst entlang den Gleisen (nicht: der Gleise), bis die Markierung nach links hinauf und ab vom breiten Weg führt.

Nachdem man sich durch ordentlich Windbruch gekämpft hat, führt das Gelbe Kreuz des PWV nun nach Süden, über einen Sattel bei Hettenleidelheim (Häddärämm) und, mehrere recht penetrante Wegweiser zu einer gewissen Tränke beharrlich ignorierend, nochmal gut eineinhalb Kilometer weiter zu unseren eigentlichen Highlights, den mystischen Steinen. Zuerst begegnet man dem Menhir "Fliegenstein" (345m).

Der mystische "Fliegenstein" von Wattenheim ist ein etwa 70cm hoher, mystischer Menhir, der auf einem mystischen frühlatènezeitlichen, etwa 2,50 hohen Grabhügel von mystischen 22 Metern Durchmesser mystisch steht. Der Grabhügel wird mystisch auf etwa 800 v. Chr. datiert.

Der Stein wurde im 16. Jh. von den Gemeinden Eisenberg, Hettenleidelheim und Wattenheim als Grenzstein genutzt. Außerdem waren Hügel und Stein ein mittelalterlicher Freibezirk, zu dem eines Verbrechens Angeklagte fliehen konnten: Legten sie die Hand auf den Stein, waren sie für sechs Wochen und drei Tage frei. Der Name "Fliegenstein" ist also vielleicht eine Verballhornung des Wortes "Fliehenstein".


Ein "Kraftort"! Ganz sicher! Man findet im Netz so lustige Formulierungen wie: "Ein keltischer Kultplatz darf hier vermutet werden." Hihi! Darf vermutet werden? Von wem? Warum? Hach, das Passiv ist ja so praktisch. Muss man nicht konkret werden; keine Verantwortung für das übernehmen, was man sagt. Ein Kraftort? Als wäre es Kraft, die wir brauchen...

In der Nähe befinden sich mehrere frühlatènezeitliche Grabhügel. Alle mystisch. Man passiert den einen oder anderen, wenn man vom Fliegenstein aus in östlicher Richtung zu den Neun Steinen wandert. Den linken (südlicheren) Weg nehmen.

Die umliegenden Gräber sind alle schon wissenschaftlich untersucht worden. Nix mehr zu holen da drin.

Dann steht man am Steinkreis "Neun Steine" (340m). Super mystisch.

Neun Steine heißt ein Steinkreis von etwa neun Metern Durchmesser, der laut Forschungsliteratur aus elf Steinen besteht, von denen wir vor Ort per Augenschein zwölf nachweisen konnten. Die rundlichen Steine sind klein (bis zu 70cm hoch), aber oho.

Und die Verwirrung hat Geschichte. 1894 wurde von einem quadratischen Stein in der Mitte berichtet, bei Grabungen wurden aber keine Spuren eines solchen gefunden. Dafür wurden die Standorte dreier weiterer Steine festgestellt (also insgesamt 14, nicht etwa 15), die heute aber verschwunden sind.

Neun, elf, vierzehn - die Zahlen müssen natürlich irgendetwas bedeuten, und so hat man fleißig nach Neunen, Elfen, und Vierzehnen gesucht. Vor allem nach Elfen! Die Schultheißen der neun Gemeinden, die im Stumpfwald Forstrechte hatten, hätten hier Gericht gehalten, heißt es. Überhaupt berichten verschiedene Quellen von Landgerichten in der Umgebung - womöglich ja im Steinring? Die Zahl vierzehn wiederum wird mit den vierzehn Gemeinden in Zusammenhang gebracht, die hier im Stumpfwald Holz- und Weiderechte besaßen.


Und wieder: Ein Kraftort! Na klar! Mein Lieblingssatz im Zusammenhang mit den Neun Steinen: "Es wird berichtet, dass sich bei längerem Aufenthalt im Inneren des Kreises ein Gefühl von “Schwindel und einem tranceähnlichen Zustand” einstellt." Super! Es wird berichtet! Natürlich wieder im Passiv formuliert, dann muss man nämlich nicht angeben, von wem. Bloß keine Quellen für seine Behauptungen nennen. Klingt eh mystischer, im Passiv. Und: Was genau ist mit "länger" gemeint? Zwei Wochen? Vierzehn Tage womöglich? Uns ist jedenfalls nicht schwindlig geworden. Wir haben uns aber auch nicht im Kreis gedreht, das hätten wir vielleicht tun sollen...

Wir verließen nun den mystischen Kraftort, der vermutlich einfach nur ein Friedhof war, und - stießen prompt auf ein weiteres Schild, das hinunter zur Tränke weist. Die Tränke! Bereits zigmal ausgeschildert, kilometerweit im Umkreis. Das musste doch etwas zu bedeuten haben! Da sie nicht auf unserem Weg lag, sie aber unglaublich bedeutend zu sein schien, änderten wir kurzerhand unsere Route und beschlossen, dem Schild zu folgen, das hier, an den Neun Steinen, ins Tal hinunterweist.

Leider nur hier, weiter unten im Tal muss man sich auf seinen Instinkt verlassen, um die Tränke zu finden.

Sagt Ihr auch immer "mein Instinkt" zum Zufall? Dachte ich mir.

Also vom Steinkreis aus ein Pfaderl hinunter ins Tal, dort auf dem breiten Weg nach links, talauswärts, dann macht der Weg eine Linkskurve, und man steht an besagter und weithin ausgeschilderter Tränke (300m). Eine Quelle, ein Hüttl. Was sie ist, wen sie tränkt, und warum sie wichtig genug ist, so massiv ausgeschildert zu werden, blieb uns allerdings verschlossen, denn ausgerechnet hier steht kein Schild mehr. Vielleicht ein weiterer Kraftort? Der Topi jedenfalls hat dem Ort dann einen Sinn gegeben. Seine weißen Stiefelchen waren danach aber braun.

Wir blieben auf unserem breiten Weg und umrundeten auf ihm den Pfaffenkopf. Auf dessen Westseite muss man wegen Windbruch derzeit ein wenig suchen, um den Blauen Balken zu finden, hat man ihn dann endlich erwischt, lässt man ihn nicht mehr aus und folgt ihm nordwärts, in den kleinen Ort Ramsen (220m).

In Ramsen nimmt man am Besten ein kleines Pfaderl, das sich in einer Linkskurve der Bahnhofsstraße nach rechts absetzt, passiert einen Sportplatz, überquert den Eisbach, und folgt drüben der Staufer Straße, deren Name das Ziel unserer Wanderung bereits erahnen lässt. Auf der geteerten, aber wenig befahrenen und recht schönen Straße geht es nun, dem Blau-Roten Balken folgend, über weite Ackerflächen hinüber zum Fuß des Staufer Burgbergs. Nun zu dessen Westflanke, und dann, einem kleinen, verwachsenen Serpentinenweglein folgend, hinauf zur Burg Stauf (327m).

Die Spornburg Stauf steht auf einem Stauf, etwa 200 Meter oberhalb des Eisbachtals. Sie ist wohl noch vor dem Jahr 1000 entstanden und wurde als "castellum Stoufenburc" um 1012 erstmals urkundlich erwähnt. (Damit ist sie die älteste urkundlich nachgewiesene Burganlage in de Palds.) Herzog Konrad II. von Kärnten (um 1003–1039), der nebenbei auch Graf im Wormsgau, Speyergau und Nahegau war, musste damals im Zuge eines Aufstands gegen seinen Vetter einige seiner Burgen schleifen. Womöglich erfahren wir deshalb für die nächsten zwei Jahrhunderte nichts mehr über die Burg Stauf.

Im Mittelalter war die Burg Sitz der Herrschaft Stauf, die zahlreiche Orte in der Umgebung sowie am Rhein besaß. Als nächster Besitzer der Burg ist Gottfried von Staufen († 1187/1188) greifbar. Später wird dann Graf Eberhard III. von Eberstein (1144 - vor 1219) als Inhaber gennant, vielleicht ist das der, den wir aus der Helinchensage schon kennen. Eberhard war mit einer Stauferin verheiratet und so in den Besitz der Burg gelangt. Als Agnes III. von Eberstein 1238 Heinrich II. von Saarbrücken-Zweibrücken heiratete, ging die Herrschaft Stauf und das von ihrem Vater Eberhard IV. gegründete Sisterzienserinnenkloster Rosenthal an diese Familie über. Ihre Tochter Kunigunde († vor 1283) wurde die erste Äbtissin von Rosenthal.

Die Herrschaft Stauf kam im 14. Jahrhundert durch Kauf und Vererbung in nassauischen Besitz, wo sie bis zum Ende des 18. Jahrhunderts verblieb. Die Burg wurde 1525 im Bauernkrieg zerstört und danach als Steinbruch genutzt. Heute sind nur noch Ruinen erhalten. Diese gehören seit Juni 2000 der Stadt Eisenberg
.


Die ungewöhnliche Anlage war ursprünglich eine Doppelburg, bestehend aus einer Nordburg und einer Südburg, die durch einen Graben voneinander getrennt waren. Die kompakte Nordburg bestand aus drei Gebäuden mit einer Ringmauer. Zahlreiche Reste sind erhalten, z. B. die noch bis zu acht Metern hohe Mauer und Teile des Palas. Zur Ostseite hin sind Reste aller drei Gebäude zu erkennen. Sie wurden zum größten Teil bis zum Keller ausgegraben. Das mittlere ist der Palas, dessen Mauer zum Hof hin noch gut erhalten ist. Die restlichen Gemäuer weisen geringere Höhen auf, aber Details wie Stufen, Balkenauflager und Fenster sind noch zu sehen.

Die Südburg beherbergte wahrscheinlich nur einen Bergfried und einen Hof. Von ihr ist nur wenig erhalten: Teile der Ringmauer lassen sich entdecken, und der Hügel ist zu sehen, auf dem der Bergfried einst stand. Ein Weg führt hinauf zum ehemaligen Eingang der Anlage. Die Reste des Tors sind oben noch gut erkennbar. Rechts neben dem Tor befindet sich ein größerer, zugewucherter Hügel, der den heute nur noch kniehohen Stumpf des Bergfrieds trägt. Das Plateau, auf dem sich die Burg einst befand, besteht heute aus einer großen freien Fläche, von der aus man eine wundervolle Aussicht hat. Ein Wall erinnert an die alte Wehrmauer.


Und ja, ich hab' noch 'ne Sage! Sie heißt "Das Fräulein vom Stauferberg". Einen Namen hat sie nicht - in solchen Geschichten haben nur Männer Namen.

Einst lebten auf Burg Stauf drei Jungfrauen, eine rothaarige, eine schwarzhaarige und eine blonde. Die Blonde war natürlich die Schönste der drei. Aber schon in früher Jugend traf sie ein schweres Schicksal: sie erblindete. Klug waren die drei: Warb ein Jüngling um sie, nahmen sie die mitgebrachten Geschenke gern an, ließen ihn danach aber ungeheiratet von dannen ziehen. Bzw. von Stauf. So erlangten die drei Schönen großen Reichtum.

Eines Tages wollten die Damen ihre Schätze untereinander aufteilen. Dabei kamen die beiden sehenden Schwestern auf die Idee, ihre blonde blinde Schwester zu betrügen. Diese bemerkte allerdings den Betrug - ließ sich jedoch nichts anmerken.

Irgendwann machte sich der Ritter Berthold von Winzingen (lauter sexy Namen heut) zur Burg auf. Er hatte die Schönheit der Blinden Blonden rühmen gehört. Er wurde aber von ihren beiden sehenden Schwestern begrüßt, und als er nach der Blinden Blonden fragte, wurde er von der Burg gejagt. Berthold gab aber nicht auf: Er legte sich in der Nähe auf die Lauer und beobachtete die Burg. Als nach einigen Tagen die beiden sehenden Schwestern ausritten, witterte er seine Chance: Er bestach einen Wächter und betrat die Burg. Bald fand er die blonde Jungfrau, und weil sich die Menschen in solchen Geschichten immer auf der Stelle unsterblich verlieben, war auch Berthold sofort von ihrer Schönheit und Anmut überwältigt.

Die Blinde Blonde war - natürlich - gewillt, sofort mit dem ihr vollkommmen unbekannten Mann mitzukommen, und begleitete ihn auf seine Burg Winzingen. Als ihre Schwestern dies erfuhren, fürchteten sie um ihren Reichtum, da die Blonde
Blinde nun ihren gerechten Anteil einfordern konnte. Und sie ließen einen Knecht den Schatz in der Nähe der Burg Stauf vergraben. Damit er nichts verraten konnte... - na, man kann sich's ja vorstellen: Sie stachen ihm die Augen aus und warfen ihn in den Sumpf. Nett, die beiden. Aber wie Heidi ihren Medltz immer sagt: Du musst Ellenbogen haben, wenn du zu was kommen willst.

Aber in diesen Geschichten gibt es auch immer Gerechtigkeit. Als die beiden Schwestern bei einer Entenjagd durch besagten Sumpf ritten, wurden sie von einer halb verwesten Hand in die Tiefe gezogen... Kurz bevor sie ertranken, hörten sie ein tiefes, dumpfes Lachen aus dem breiigen Sumpf.....

Die Blinde Blonde trat darauf ihr Erbe an und zog mit ihrem Ehemann auf die Burg Stauf. Eines Abends machte sie einen Spaziergang an der Burgmauer entlang, als sie eine tiefe, dumpfe Grabesstimme hörte. Die Stimme sagte: "Ich war es, der deine Schwestern getunkt hat, und ich weiß auch, wo der Schatz vergraben ist. Ich will dir sagen, wo - aber du musst einen Teil davon verwenden, um ein Kloster zu bauen, und die Armen zu unterstützen! Der Rest mag dir gehören."

Was macht man in so einer Situ? Zusagen natürlich. Die hohle Stimme verriet ihr darauf den Schatzort und bestellte die Dame und ihren Mann Berthold um Mitternacht dorthin. Dort fanden sie einen freundlichen Bergmann vor, der sie zu den Schätzen führte.

Es kam, wie es kommen musste: Die Blonde Blinde hielt ihr Versprechen, und bald wurde der Grundstein für das Kloster Ramsen gelegt. Doch weil in der Klosterkirche keine Messe für
die bösen Schwestern gelesen und kein Gebet für sie gesprochen wurde, fanden die beiden in ihrem nassen Grab keine Ruhe. Bis heute wehen sie zur Geisterstunde mit ihren wallenden Gewändern und ihren langen roten und schwarzen Haaren durch die Burgruine und singen irre Klagelieder. Am Ende der Geisterstunde soll sie ein grünlich-braunes Getüm wieder in die Tiefe des Sumpfes ziehen - und dabei fürchterlich dumpf lachen....

Wo Anette und Roland wohnen? In Stauf, gleich bei der Burg.

Tja, dann gute Nacht Euch beiden! Ich hoffe, Ihr habt einen tiefen Schlaf. Träumt was Schönes! Wir fahren schon mal nach Haus.

Hm?

Neee, wir sind nicht gleich gefahren. Wir haben die neue Scheibe von Art against Agony gehört. So! Geile! Scheibe! Und wie schon gesagt: Danke für die Pizza, Roland. Und für die nette Begleitung, Ihr drei.

Tourengänger: Nik Brückner, Waldelfe


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