Hochvogelüber- und Umschreitung (Bäumenheimer Weg)


Published by Nik Brückner , 6 August 2013, 10h51.

Region: World » Germany » Alpen » Allgäuer Alpen
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Via ferrata grading: PD
Waypoints:
Geo-Tags: D   A 
Time: 6:00
Height gain: 1700 m 5576 ft.
Height loss: 1700 m 5576 ft.
Route:13km
Access to start point:Nach Hinterhornbach aus dem Lechtal
Accommodation:In Hinterhornbach

Der Hochvogel!

Nicht der höchste in den Allgäuern, aber sicher einer der schönsten. Hey - ist er das nicht? Auf diesem Cover? Hohes Licht, Krottenkopf mögen höher sein, an Schönheit kommen ihm aber allenfalls Trettachspitze, Ifen oder Höfats gleich. Also rauf!

Die Idee: Besteigung aus dem Tal, Überschreitung des Gipfels, danach Umgehung des Gipfels und Talabstieg. Diese Tour hab ich irgendwo, ich glaube, es war in einem AV-Führer, mit 10 Stunden angegeben gesehen.


Warnung: Die hier beschriebene Route über den Bäumenheimer Weg ist seit einigen Jahren gesperrt, weil der Gipfel des Hochvogels demnächst auseinanderbricht. Also Finger weg von dieser Route!


Ich bin in der Früh um sechs in Hinterhornbach los - für 16 Uhr waren Gewitter angesagt.

Man parkt im engen Tal an einem Gasthaus. Von dort geht es über eine Wiese hoch zum Wald, von wo aus man teils einem Forstweg, teils einem Serpentinen abkürzenden Pfad den Hang hinauf folgt. Ein bisschen langwierig ist es hier, vor allem auf den Forstwegpassagen, aber nach einer Stunde ist man an den Schwabegghütten (1699m) angelangt. Hier öffnet sich dann auch endlich das Gelände und man sieht bald den den Hochvogel - von Hinterhornbach aus ist er nämlich unsichtbar.

Um die Hütten herum hat sich der Wald schon zurückgezogen. Hier geht es durch Latschengassen und grasige Hänge. Nach den Hütten steigt man auf einem Rücken bergan, der zum Hochvogel hinaufzieht und bald flacher wird.

Der Hochvogel präsentiert im morgendlichen Sonnenlicht seine riesige, orange leuchtende Südostflanke. Darunter das Rosskar, durch dessen Geröllfelder sich gut sichtbar der weitere Weg abzeichnet. Schnell hat man das Geröll gequert und steht nach ein paar Serpentinen am Südgrat, durch den sich der Bäumenheimer Weg zieht. Diesen Grat hat man schon die ganze Zeit vor sich gehabt, und er macht aufgrund seiner Länge nicht den Eindruck, mit größeren Schwierigkeiten aufzuwarten.

Anstieg zum Einstieg: Wanderweg, T2-T3


Tatsächlich beginnt der Klettersteig auch erst einmal mit einfachem Gehgelände. Durch das sogenannte "Tor", eine wenig steile Rinne, geht es über viel Geröll hinauf. Der Bäumenheimer Weg ist für einen Allgäuer Klettersteig, der Höhenunterschied überwindet, außergewöhnlich lang (die anderen langen sind ja eher Grattouren), und das bedeutet: viel Gehgelände. Und auch die Kletterstellen sind einfach, der erste Grad wird nie übertroffen.

Aus der Einstiegsrinne geht es links über eine Felsstufe hinauf zum Grat, wo ein kleines Gedenkkreuz steht. Dann quert man über ein versichertes Band in eine große Rinne hinein. Zunächst bleibt man in dieser Rinne, dann geht es rechts über guten Fels aus ihr heraus. Über ein weiteres Band gelang man in eine Schlucht, in der man weiter hinaufsteigt. Einige Kamine erfordern dann wieder leichte Kletterei, bis man, ein wenig überraschend, auf einem Vorsprung unter dem Gipfel herauskommt. Die kleine Schlucht, die einen noch vom Gipfelkreuz trennt, umgeht man, dann hat man den Anstieg, immerhin 1500Hm, geschafft.

Bäumenheimer Weg: Klettersteig, WS/I/bis T4


Ich war viel früher am Gipfel (2592m) als gedacht, so gegen acht, halb neun. Um die Zeit ist hier noch nicht viel los, aber man sieht schon die Kolonnen, die von Prinz-Luitpold-Haus heraufziehen. Also bin ich bald aufgebrochen, um dem Massenandrang auszuweichen. Trotzdem war genug Zeit, die fantastische Aussicht auf die Tannheimer, die Zugspitze, die Lechtaler und die Allgäuer Alpen zu genießen: Aggenstein, Gimpel, Kellenspitze, Gehrenspitze, Säuling, Danielgrat, Zugspitze, Leilach, Thaneller, Hohe Munde, Krottenkopf, Schneck, Widderstein, Ifen, Nebelhorn, Lachenspitze, Großer Daumen, Rote Spitze, Rauhhorn, Geißhorn - ein großartiger Rundblick!

Vom Gipfel geht es ein Stück nördlich über Fels hinunter, dann wendet man sich nach links und steigt über Serpentinen das Gipfeldach hinab bis zu einer engen Scharte, die einen auf die "Schnur" führt, ein spektakuläres, aber unproblematisches und nur wenig ausgesetztes Band, das um eine der Schultern des Hochvogels herumleitet. Dahinter geht es über Felsstufen hinunter in den Kalten Winkel, eine Scharte, in der sich bis in den Spätsommer hinein der Schnee hält (2281m). Beim Abstieg sind vom Gipfel bis in den Kalten Winkel drei steile, kurze Felsstufen zu überwinden, die ein bisschen Kletterfähigkeit erfordern. Aber auch hier geht es über den ersten Grad nicht hinaus.

Im Kalten Winkel ist Vorsicht geboten. Man hangelt sich an einem Seil (manchmal sind es zwei) nördlich über den Schnee steil hinunter (Grödel empfehlenswert), bis das Gelände besser begehbar ist. Leider gibt es immer ein paar Idioten, die in der Scharte nicht aufpassen und einem Steine hinterhertreten. Ein Helm ist hier also mindestens ebenso notwendig wie am Bäumenheimer Weg, weil man sich auf die Umsicht der anderen leider nicht verlassen kann.

Wer schnell ist, ist schneller aus der Gefahrenzone, und bald wendet sich der Weg nach rechts, um die riesigen Schutthalden des Hochvogels hinüber zum Fuchsensattel zu queren. Der Weg führt problemlos zum Sattel (2039m) hinauf. Dort erreicht man wieder grasiges Gelände und der Blick ins Tal und weit nach Osten lädt zu einer Rast ein, umso mehr, als hier kaum jemand unterwegs ist.

Abstieg vom Gipfel: Bis T4, Stellen I


Über Wiesen quert man nun hinüber und hinunter zu dem Rücken, unter dem die Schwabegghütten stehen. Von dort aus geht es in einer Dreiviertelstunde ins Tal.

Ich war um 12 Uhr unten, ein wenig überrascht, und habe mich gefragt, was ich mit dem geschenkten halben Tag jetzt noch anfangen sollte. Na, erst einmal habe ich mich der Krönung der österreichischen Küche gewidmet, einem Germknödel, dann bin ich ins Tannheimer Tal zurückgefahren, wo ich untergebracht war, und noch ein bissl zum Vilsalpsee geinlinert. Man will ja nicht einrosten! ;-)

Abstieg Nach Hinterhornbach: Wanderweg, T2-T3

Hike partners: Nik Brückner


Minimap
0Km
Click to draw, click on the last point to end drawing

Gallery


Slideshow Open in a new window · Open in this window


Comments (6)


Post a comment

maxl says: Aus aktuellem Anlass,
Sent 19 September 2014, 15h30
kleine Anregung zur Bewertung:

der Bäumenheimer Weg hat nichts, aber auch wirklich GAR NICHTS, mit einem Klettersteig zu tun!!!

Der Wirt vom Adler in Hinterhornbach erzählte uns gestern, wie er immer wieder kopfschüttelnd Leute beobachtet, die dort mit KS-Set lostapern....

Nur weil da an drei oder vier Stellen kurz Seile zur (eher moralischen) Absicherung installiert sind, sollte man nicht von einem Klettersteig sprechen - das lockt m.E. das falsche Klientel an!

Nix für ungut, noch viele schöne Touren! Maxl

Nik Brückner says: RE:Aus aktuellem Anlass,
Sent 19 September 2014, 15h42
Hi Maxl!

Sollten wir es nicht den einzelnen Begehrn überlassen, jeweils für sich zu entscheiden, ob sie ein Set mitnehmen wollen oder nicht? Ob sie es dann vor Ort benutzen oder nicht? Und wenn sie es dann benutzen, ob aus moralischen, psychischen oder alpinistischen Gründen? Besser dabeihaben und nicht brauchen als umgekehrt.

Jeder Mensch ist verschieden, und der Wirt vom Adler in Hinterhornbach schüttelt bestimmt noch über ganz andere Dinge den Kopf. Möchte das lieber gar nicht so genau wissen.

Zum Glück sind wir alle verschieden, hm?

Gruß,

Nik

maxl says: RE:Aus aktuellem Anlass,
Sent 19 September 2014, 16h02
um Himmels Willen, klar, jeder soll so gehen, wie er meint. Ich will wirklich keinem was vorschreiben....!

Ich meinte nur, weil es sich bei den Versicherungen am BW nur um drei wirklich kurze Stellen handelt, und min. 95% (schätze ich) des Steiges eben NICHT versichert sind, ist diese Zuordnung etwas sonderbar:-)

Nik Brückner says: RE:Aus aktuellem Anlass,
Sent 19 September 2014, 16h05
Schon klar! Der BW wird halt immer als Klettersteig gelistet, wenn ausgerechnet ich davon abweichen wollte, müsste ich dafür schon gute Gründe haben. Und sparsame Versicherungen gehören meiner Ansicht nach nicht dazu. Im Gegenteil, das ist doch eher positiv.

Gruß,

Nik


ReinerD Pro says: RE:Aus aktuellem Anlass,
Sent 19 September 2014, 16h50
Eigentlich dachte ich dass der Nic spätestens bei der Begehung festgestellt hätte, dass dies mit einem Klettersteig so gut wie gar nix zu tun hat.

Sicher arbeitert er längst mit den örtlichen Tourismusbüros zusammen - ohne Klettersteigangebot in den Werbetexten - geht heut nix mehr ;-)

In der Paxis werden dann oft Leute hochgelockt die selbst mit leichten Kletterstellen kaum Erfahrung haben - jedoch glauben:
" mit Klettersteigset kann man sich ja immer und überall einklinken"

Der Unterschied zwischen einem "versicherten Steig" und
"Klettersteig" hat sich halt noch nicht überall rumgesprochen ;-)




Nik Brückner says: RE:Aus aktuellem Anlass,
Sent 19 September 2014, 17h06
Hi Ihr zwei!

Na, Ihr seid ja ganz schön penetrant. ;-) Das mit dem Klettersteig hab ich mir doch nicht ausgedacht!

Nur zwei von zahlreichen Beispielen:

http://books.google.de/books?id=sosnh6s-Yh4C&pg=PA54&dq=%22B%C3%A4umenheimer+Weg%22&hl=de&sa=X&ei=D0QcVIikAsnZOtTRgZgH&ved=0CCIQ6AEwAA#v=onepage&q=%22B%C3%A4umenheimer%20Weg%22&f=false

http://books.google.de/books?id=g_PbtFKjFe8C&pg=PA44&dq=%22B%C3%A4umenheimer+Weg%22&hl=de&sa=X&ei=D0QcVIikAsnZOtTRgZgH&ved=0CCkQ6AEwAQ#v=onepage&q=%22B%C3%A4umenheimer%20Weg%22&f=false

Seit Jahren und Jahrzehnten wird der BW so kategorisiert. Ich habe das nur übernommen. Wenn Ihr und der Wirt vom Adler in Hinterhornbach nicht wollt, dass das ein Klettersteig ist, dann könnt Ihr drei das den Autoren und Verlagen sagen, die es behaupten. Und den Begriff mit jenen diskutieren, die ihn einst definiert haben. Wünsche Euch dabei und bei Euren Touren, ob Klettersteige oder nicht, weiterhin ganz viel Spaß! Ich selbst werde auch in Zukunft einfach gehen, wo und wie ich mag, und die Definitionen und Diskussionen anderen überlassen.

Herzlichen Gruß,

Nik


Post a comment»