Großvenediger - in einem Tag, by fair means


Published by Nik Brückner , 10 July 2013, 14h59.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Venedigergruppe
Date of the hike:19 August 2012
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Mountaineering grading: PD-
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 9:00
Height gain: 2350 m 7708 ft.
Height loss: 2350 m 7708 ft.
Route:ca. 30km
Access to start point:Mit dem Auto über Matrei nach Hinterbichl im Virgental
Accommodation:Zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten im ganzen Virgental.

Was ist eigentlich eine Tagestour?

Dieser Frage gehe ich ab und zu mal nach. Letztes Jahr unter anderem am Großvenediger. Kann man den auch als Tagestour machen? By fair means - also ohne Aufstiegshilfen? Mal schauen...


"Letzter Parkplatz vor dem Gipfel" war für mich der in der Kurve vor dem Gasthof Islitzer in Hinterbichl/Virgental. Es gibt zwar noch einen Parkplatz weiter oben, aber ich verstehe unter "by fair means" nun mal Laufen vom Tal aus.

Von hier aus bin ich nachts um 2 losgelaufen. Ich wollte mich oben am Defreggerhaus zur Gletscherquerung einer Gruppe anschließen, und die wollten um 6 Uhr los. Ich rechnete mit 2 Stunden Gehzeit zur Johannishütte und weiteren 2 zum Defreggerhaus, was auch einigermaßen hinkam. Um halb 6 war ich oben. Die Geschwindigkeit kam wahrscheinlich daher, dass unten irgendwo 5 1/2 Stunden bis zu Defreggerhaus angeschrieben waren und ich ein bissl erschrocken bin, als ich das gelesen hab...

Schwierigkeiten gab es keine, bis zur Johannishütte (2121m) geht man auf einem breiten Fahrweg. Danach geht es über Matten, weiter oben über unangenehmes Blockwerk.

Allerdings ist nachts (es war zu allem Übel auch noch Neumond) die Orientierung in einem Steinbruch, durch den man geht, etwas schwierig, ebenso nochmal eine Viertelstunde hinter der Johannishütte, wo der Weg ziemlich zerlatscht ist. Problematischer war das Ganze aber für die Psyche, ich bin 3 Stunden lang in absoluter Finsternis gelaufen, nur dem Lichtkegel meiner Stirnlampe hinterher, da merkt man erst, wieviel Kraft einem aus der wunderschönen Landschaft zufließt, wenn man, wie vernünftige Leute, bei Tag unterwegs ist. Immerhin weiß ich jetzt, dass es Ziegen gibt, die unterschiedlich farbige Augen haben.

Die Gäste im Defreggerhaus (2962m) haben mich dann sehr sehr seltsam gefunden. Als ich dort ankam, fragte ich meinen Körper, was er brauche, horchte in mich hinein, und bekam die Antwort: "einen Liter Spezi". Den habe ich dann inmitten das Übliche Frühstückender hinuntergestürzt, was glaub' ziemlich seltsam rüberkam.

Die Gruppe, der ich mich anschloss, stellte sich als sehr nett heraus, und ich war zudem froh, dass unser Führer nicht den Berg hinaufgestürmt ist wie der Irre, den er ja bereits in seiner Gruppe hatte. Die Leute waren sogar so nett, mich aus einer Spalte zu ziehen, in die ich eingebrochen war, als ich als letzter eine Schneebrücke überquerte. Zum Glück hatte ich einen Pickel dabei, den hatte dort oben beileibe nicht jeder.

Abgesehen davon war der Aufstieg problemlos, das Eis ist nicht allzu steil, und der Gipfelgrat halb so wild wie er aussieht. Man kommt sogar bequem aneinander vorbei, wenn man schon ein bisschen Kuchen im Leben gegessen hat. Da wir nicht schon um 6 losgegangen waren und uns Zeit gelassen hatten, waren wir erst zwischen 9 und 10 am Gipfel (3662m).

Die Rundsicht war unglaublich, kein Wölkchen am Himmel über den - wieviel? Sieben? - Ländern, die man von dort oben sieht. Und so viele berühmte Gipfel! Der Großglockner! (Der geht übrigens auch als Tagestour) Die Drei Zinnen! Der Lasörling! Und auch weniger bekannte sind zu sehen, etwa die schwierige Schlüsselspitze ganz in der Nähe, die nur äußerst selten Besuch bekommt, die Gipfel an der Alpenkönigroute, die Sajatkrone, Eicham, Säulkopf und Säulspitze, die des wunderbaren langen Kamms hinter dem Lasörling. Allerdings treffen sich an solchen Tagen wahre Hundertschaften auf dem Berg... Na, warum auch nicht, die letzten Jahre, in denen es dort noch einen Gletscher gibt, soll man ausnutzen, irgendwann wandern wir dann am GV über eine Kuhwiese.

Der Abstieg war ebenso unproblematisch wie der Aufstieg, und dass ich mit der Kuhwiese nur ein bisschen übertreibe, hat unser Führer uns überaus plastisch klargemacht, indem er uns die Stelle zeigte, an der man bis vor 15 Jahren zum Gletscher hinuntergestiegen ist. Das ist schon erschreckend.

Nach einer Pause im Defreggerhaus ging es dann hinab ins Tal, wo ich zwei Stunden später ankam. Allerdings dann doch nicht ganz by fair means... Denn ungefähr 500 Meter vor dem Parkplatz, auf dem mein Auto stand, hat mich unser Bergführer mit seinem Offroader eingeholt, und als er mich auslachte, weil ich sein Angebot, mich mitzunehmen, zunächst ausgeschlagen hatte, bin ich dann doch noch schwach geworden....

Das hab' ich dann aber wieder gut gemacht, indem ich beim Islitzer sämtliche Eisvorräte dezimiert habe. Was ziemlich anstrengend war, wie man sich denken kann. Bleibt die Frage: Geht eine Überschreitung an einem Tag...?!?

Hike partners: Nik Brückner


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Comments (4)


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pame says:
Sent 23 September 2017, 19h39
Hallo Nik,
ich würde mich freuen, wenn du den Bericht der Community Austrian-7-Summits zufügen würdest. Deine Tour ist ja sozusagen die "verschäfte" Version der Normalroute :-)-
LG,
Patrick

Nik Brückner says: RE:
Sent 25 September 2017, 14h58
Hallo Patrick!

Ja sehr gern! Freut mich. Aber wie mach' ich das?

Gruß,

Nik

pame says: RE:
Sent 26 September 2017, 07h31
Wenn du auf die Community-Seite gehst (www.hikr.org/comm/austrian/), müsstest du rechts unten einen Button "Mitglied werden" sehen. Dort drauf klicken. Dann kannst du deinen eigenen Bericht mit "In einer Community eintragen" (Button rechts unten auf deiner Berichtsseite, evtl. Seite neu laden, dann entsprechende Community auswählen) dazufügen.

LG,
P

Nik Brückner says: RE:
Sent 26 September 2017, 08h19
Prima, hat geklappt! Danke für die Erklärung. Und Dir einen Glückwunsch - Du scheinst sie ja alle bestiegen zu haben!

Herzlichen Gruß,

Nik


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