Stauberenkanzel 1860m / Marwees 2056m / Marwees Ostgipfel 1991m


Publiziert von Bolivar Pro , 25. Juni 2013 um 12:21.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:16 Juni 2013
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI   CH-SG 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 980 m
Abstieg: 1850 m
Strecke:Hoher Kasten (Bergstation) - P. 1590 - Stelli - Stauberenfirst - Restaurant Stauberen - Stauberenkanzel - Saxer Lücke - Berggasthaus Bollenwees - P. 1410 (Stifel) - P. 1451 - Widderalp - Grueb - Widderalpsattel - Marwees - P. 1993 - Marwees Ostgipfel - P. 1317 - Rheintaler Sämtis - Kalthütte - Töbelihütte - Sämtisersee - Plattenbödeli - Brüeltobel - Pfannenstil - Brülisau
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Wil - Gossau - Herisau - Hundwil - Appenzell - Brülisau; anschliessend mit der Luftseilbahn zur Bergstation Hoher Kasten
Unterkunftmöglichkeiten:z.B. Berggasthaus Bollenwees
Kartennummer:1115 Säntis 1:25000

Als ich Mitte Mai im Berggasthaus Bollenwees eine Reservation vornahm, war noch nicht ganz klar, welche Touren aufgrund des strengen Winters bereits möglich sein würden. Nach der Besteigung von Säntis und Zuestoll im letzten Jahr, wollte ich meinen Freunden Andreas und Flashman unbedingt auch mal etwas von der südlichen und mittleren Kette des Alpstein zeigen. Ohnehin habe ich vor Kurzem mit Schrecken festgestellt, dass ich diesen Abschnitt des Alpstein seit dem 02.09.2011 nicht mehr besucht habe. Erst war eigentlich eine Besteigung des Hundstein geplant, doch spätestens seit den erneuten Schneefällen mussten wir auch andere Möglichkeiten in Erwägung ziehen. Mit der Stauberenkanzel und der Marwees waren schnell ebenbürtige und genau so interessante Alternativen gefunden.

Samstag, 15.06.2013:
Nachdem wir am Samstag kurz vor Mittag vom Flughafen Zürich direkt nach Brülisau gefahren sind, haben wir mit der Luftseilbahn zum Hohen Kasten unseren Ausgangspunkt bei der Bergstation erreicht. Das Wetter war nicht ganz so gut wie prognostiziert, doch die Temperaturen waren sehr angenehm und der Regen setzte erst ein, als wir Stunden später unser heutiges Ziel, das Berggasthaus Bollenwees, schon erreicht hatten. Der aussichtsreiche Höhenweg Hoher Kasten - Stauberen - Saxer Lücke (T2-T3) ist eine der bekannteren Wanderungen im Alpstein und sehr beliebt. Die Höhenunterschiede sind trotz ständigem leichten Auf und Ab gering und schwierigere Abschnitte sind mit Drahtseilen versehen. Entlang der Route sind Tafeln aufgestellt (geologischer Wanderweg), die auf Einzelheiten des Gebirgsaufbaus im Alpstein aufmerksam machen. Der tiefste Punkt (ca. 1590m) wird gleich nach dem Abstieg vom Hohen Kasten zum Rohrsattel erreicht, anschliessend folgt der Pfad der Nordwestflanke oder gleich dem Grat entlang (insbesondere vor Erreichen des Restaurant Stauberen). Das Highlight vom heutigen Tag war aber zweifelsohne die Besteigung der Stauberenkanzel welche nicht mehr Bestandteil des Höhenweges ist. Auch dieser Aufstieg ist auf hikr.org bereits bestens dokumentiert. Die von mir in diesem Bericht erwähnte Schwierigkeit von T5 II bezieht sich somit auch lediglich auf das Wändchen, welches am Schluss zum Aufstieg auf die Kanzel überwunden werden muss. Wobei "klettern" im eigentlichen Sinne wohl bei den wenigsten der Fall sein düfte, die Überwindung des Wändchens ist eher ein sich an den Drahtseilen "hochziehen".

Wieder zurück beim Wanderweg angelangt, folgten wir wieder dem Höhenweg entlang des Furgglenfirsts und erreichten über die Saxer Lücke unser Tagesziel das Berggasthaus Bollenwees. Nachdem wir unsere Plätze im Matratzenlager bezogen hatten, genossen wir ein währschaftes Essen im ausgebuchten Restaurant. Zeitig ging es zu Bett um für den nächsten Tag wieder früh auf den Beinen zu sein.

Sonntag, 16.06.2013:
Nach einer eher unruhigen Nacht haben wir um 07:00 Uhr gefrühstückt und liefen noch vor 08:00 Uhr am Morgen los. Einige Höhenmeter absteigend erreichten wir bei P. 1410 (Stifel) die Verzweigung Richtung Widderalpsattel. Von dort gelangt man über die Hütten der Widderalp und Grueb auf die 1856m hohe Passhöhe (T2). An sonnigen Tagen macht es durchaus Sinn frühzeitig aufzubrechen, ist man doch auf diesem Abschnitt der Sonne gnadenlos ausgesetzt. Das Schneefeld kurz vor dem Sattel dürfte unterdessen wohl zum grössten Teil geschmolzen sein. Von hier aus konnten wir nun auch gut den Aufstieg zum Hundstein durch die Felsschlucht einsehen. Der berühmte Hundsteinkamin war noch ordentlich mit Schnee gefüllt und unter diesen Umständen wollten wir nichts riskieren, schliesslich hatten wir zwar Steigeisen, aber keine Pickel dabei und für alle war es die erste Alpinwandertour im Sommer 2013. marmotta konnte den Hundsteingipfel an diesem Tag mit der entsprechenden Erfahrung und Ausrüstung erfolgreich besteigen.

Nach einer ausgiebigen Rast am Widderalpsattel nahmen wir nun den Weg zur Marwees über den Südhang unter die Füsse. Über den weiss-blau-weiss markierten Bergweg wird eine Felsstufe auf der Meglisalp-Seite umgangen bevor man anschliessend in die Südflanke quert. Zu meiner Überraschung konnten wir hier noch über längere Zeit eine Gruppe Steingeissen beobachten, normalerweise sind in dieser Gegend lediglich Schafe anzutreffen. Weglos und steil erreichten wir kurz darauf über Schafweiden den höchsten Punkt (T3). Ein Steinmann mit einem von Ivo66 gespendeten Gipfelbuch ziert den Gipfel. Somit auch von meiner Seite besten Dank für dieses Buch. Der Gipfel der Marwees zählt für mich zu einem der schönsten Orte im Alpstein überhaupt. Der mitten im Herzen des Alpstein gelegene 2056m hohe Gipfel bietet ein Panorama das kaum zu überbieten ist. Nach einer weiteren Rast und unzähligen Fotos folgten wir dem stellenweise schmalen Grat über P. 1993 und Marwees Ostgipfel (T4) bis zum eigentlichen Einstieg unterhalb der Bogartenlücke. Dabei mussten wir über die noch mit Schnee gefüllte Rinne absteigen was in der Tat nicht ganz ohne war, definitiv die Schlüsselstelle des heutigen Tages. Unterdessen dürfte aber auch dieses Schneefeld geschmolzen sein. Der Rest unserer Tour ist schnell erzählt. Abstieg über den Rheintaler Sämtis, das Plattenbödeli und Brüeltobel zurück zur Talstation Hoher Kasten in Brülisau. Ein gemütliches Wochenende in den Bergen ging leider einmal mehr viel zu früh zu Ende. Die schönen Eindrücke bleiben und die Vorfreude auf das nächste gemeinsame Unternehmen keimt bereits auf.

Tourengänger: Bolivar, Flashman


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