Auf die beiden Ifinger!


Published by Nik Brückner , 14 April 2019, 20h50.

Region: World » Italy » Trentino-South Tirol
Date of the hike:25 October 1993
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Via ferrata grading: PD+
Waypoints:
Geo-Tags: I 
Time: 3:00
Height gain: 750 m 2460 ft.
Height loss: 750 m 2460 ft.
Route:7km

Der 2581 Meter hohe Große Ifinger/Monte Ivigna ist einer der Hausberge von Meran. Schon lange hatten wir ihn und die benachbarte Plattenspitze als schönes Paar vom Tal aus bewundert, nun beschlossen wir, dort mal hinaufzusteigen.

Lange her....

Aber trotzdem schön, und daher einen Vintage-Tourenbericht wert.


Damals, ohne Internet, wussten wir nur, dass man dort hinauf kann. Dass die Tour unter dem Gipfel Klettersteigcharakter annehmen würde, hatten wir nicht gewusst. Vermutlich hätten wir sonst ein Kletttersteigset mitgenommen... So musste es halt ohne gehen. Es ging. Eine Calz geht ja auch ohne.


Mit der Seilbahn baumelten wir hinauf zur Bergstation Piffing (1900m). Auf breitem Weg ging's hinauf Richtung Kuhleiten/Ifinger, in's Naifjoch (2025m).

Damals waren wir schockiert über die grauenvolle Skiindustrie, die rücksichtslos die Landschaft hier oben praktisch völlig zerstört hatte: Die Hänge waren verdichtet, rutschten immer wieder ab, und wurden daraufhin betoniert. Wie überrascht war ich Jahre später, als sich herausgestellte, dass die Menschen dazugelernt hatten, und sich um eine Vereinbarkeit von Skivergnügen und Landschaftspflege bemühten!

Hier linkst man auf einen kleinen, markierten Pfad ab, der nun den Hang hinauf Richtung Kleinem Ifinger führt, dem Vorgipfel des eigentlichen, Großen Ifingers.

Der Hang wird bald schmaler und steiler, und prägt nach und nach dem Ostgrat des Kleinen Ifingers aus. Eine Viertelstunde nach dem Naifjoch gelangt man dann auf eine Schulter unterhalb des Kleinen Ifingers.

Hier teilt sich der Weg: Geradeaus geht's rauf auf den Kleinen Ifinger, rechts zum großen Bruder. Wir entscheiden uns, den kleinen mitzunehmen, schließlich ist er von der Schulter aus in wenigen Minuten zu erreichen. Außerdem gewährt er einen aufschlussreichen Blick hinüber zum weiteren Aufstiegsgelände am Großen Ifinger.

Schnell ist man oben auf dem Kleinen Ifinger (2554m).

Zum Kleinen Ifinger: Wanderwege, maximal T2


Wieder zurück auf der Schulter wandten wir uns (im Abstiegssinn) nach links. Dort zweigt der Hauptweg in die Nordflanke des Kleinen Ifingers. Man quert eine Rinne, dann gelangten wir an eine Kette. Kette und Seilsicherungen helfen, sicher durch die ziemlich ausgesetzte Nordflanke in eine kleine Scharte hinüber und hinunter zu gelangen, wo der Steig, weiterhin seilversichert, in die Südflanke des Gipfelaufbaus wechselt.

Hier überraschte uns der besagte Klettersteig, der nun die letzten fünfzig Höhenmeter über steile Platten hinauf zum Gipfel führt.

Man steigt ein paar Meter hinunter, und quert dann zu einem kurzen, aber senkrechten Kamin. Wer seine langen Beine mitgebracht hat, ist im Vorteil: mit ein paar Spreizschritten ist der Kamin schnell überwunden. Dann quert man kurz nach links, zu den schrägen Platten hinüber, über die man mit Hilfe des Seils gut hinaufkommt. Macht viel Spaß - besonders dann, wenn man, wie wir, von einem erfahreneren Kraxler im freien Gelände überholt wird, weil es dem zu langsam geht. Es war viel los am Ifinger, an diesem Tag. Kurz unter dem höchsten Punkt kommt noch eine kleine Felsstufe, die ist aber nicht mehr der Rede wert. Dann standen wir auf dem Großen Ifinger (2581m).

Von der Schulter zum Großen Ifinger: Ausgesetzte Querung, T4, und 50Hm Klettersteig, bis II-, B/C


Eine herrliche Aussicht hat man hier! Der Hirzer in unmittelbarer Nachbarschaft, den ich Jahre später bei einer Alpenüberquerung besteigen sollte, weiter hinten das Dreigestirn von Königspitze, Zebrù und Ortler, die Brenta, dann der Mendelkamm, über den eine weitere meiner Alpendurchquerungen führte. Schwarz- und Weißhorn über der Bletterbachschlucht, Latemar, Rosengarten - herrlich! Und der Tiefblick hinunter nach Meran ist natürlich auch nicht zu vergessen.

Nach diesem Genuss machten wir uns schließlich an den Abstieg. Die Kuhleitenhütte haben wir ignoriert, und sind auf dem gleichen Weg zurück zur Seilbahn am Piffingerkopf (1900m) gewandert.


Fazit:

Exponiertes Gelände, Klettersteig  - es braucht ein bisschen Schwindelfreiheit und Kraft, um auf den Ifinger zu steigen. Ein Klettersteigset ist zumindest für weniger Erfahrene zu empfehlen. Abgesehen davon ist's einfach eine herrliche, kurze Tour.

Hike partners: Nik Brückner, H. Brückner


Minimap
0Km
Click to draw, click on the last point to end drawing

Gallery


Slideshow Open in a new window · Open in this window


Post a comment»