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Zwölf Klettersteige an einem Tag: Alle Mittelrhein-, alle Hunsrück- und fast alle Moselklettersteige


Published by Nik Brückner , 26 June 2017, 14h12. Text and phots by the participants

Region: World » Germany » Südwestliche Mittelgebirge » Sonstige Höhenzüge und Talgebiete
Date of the hike:24 June 2017
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Via ferrata grading: PD
Waypoints:
Geo-Tags: D   Eifel 
Time: 8:30
Height gain: 1950 m 6396 ft.
Height loss: 1950 m 6396 ft.
Route:35km

Diese Tour ist die Fortsetzung meiner losen, etwas spinnerten Reihe, in der ich sämtliche Klettersteige einer Region an einem Tag begehe. 2014 hatte ich mit den Odenwälder Klettersteigen begonnen, 2016 ging es mit den Schwarzwälder Klettersteigen weiter. Nun also gleich zwölf Klettersteige auf einmal! Das geht am Mittelrhein, im Hunsrück und an der Mosel.

Also, am Mittelrhein kommen lediglich drei Klettersteige zusammen - trotz der vielen Felsen. Es bietet sich also an, noch etwas dranzuhängen. Und das waren alle Hunsrückklettersteige (ebenfalls drei) und so viele Mosel-Klettersteige wie nur irgend möglich - am Ende wurden's sechs (zwei weitere gibt's noch, siehe unten, oder gleich hier). Auf so viele Klettersteige in so kurzer Zeit kommt man allerdings nur, wenn diese kurz sind, oder einfach, oder nahe beieinanderliegen, oder einfach all das zusammen. Das trifft auf die meisten der hier versammelten Klettersteige zu. Der Calmont-Klettersteig in Bremm ist 2km lang, der Oelsbergsteig in Oberwesel und der Mittelrhein-Klettersteig in Boppard weisen beide eine Länge von ca. 1,5km auf, die meisten anderen sind aber deutlich kürzer; bei einigen kommt man, selbst wenn man sie in Runden einbindet, auf lediglich 20, 30 Gehminuten. Da ich die meisten Klettersteige aber in solche Runden einband, kam ich am Ende dann doch auf die für diese Gegend stolzen Zahlen von 35 Wanderkilometern und 1950 Höhenmetern. Musste schon sein, schließlich war diese Aktion mein Ersatz für den gewitterumtosten Jubi.


7:00 Uhr: Abfahrt

Weil's zur Zeit so heiß ist, konnte ich nicht gut schlafen. Ich wachte um fünf auf, drehte mich aber nochmal um. Um sechs ging's dann nicht mehr, ich stand auf und verließ gegen sieben das Haus. Ab auf die Autobahn und los ging's nach Oberwesel, zu Klettersteig Nummer eins. Ich parkte dort am nördlichen Orzausgang, in der Koblenzer Straße. Dort ist der Klettersteig auch angetafelt ("Begehen auf eigene Gefahr, Schwindelfreiheit erforderlich, Trittsicherheit erforderlich").


1.
8:24 Uhr: Klettersteig Oelsberg, Oberwesel


Vom Parkplatz aus hinaufte ich einen breiten Schotterweg in den Osthang des Oelsbergs. Trotz der nicht immer supperen Markierung hatte ich nach etwa 10, 15 Minuten den Einstieg erreicht.

Der Oelsbergsteig hat eine eigene Seite auf der Website von Oberwesel. Dort kann man sich auch eine Karte herunterladen.

Der Oelsberg-Klettersteig weist zahlreiche lange Gehpassagen auf - die lasse ich in der Beschreibung weg. Der Rest ist überversichert: Es geht zunächst zu einer Leiter (die man aber auch umgehen kann), nach einem Drehkreuz folgt eine weitere Leiter (die man ebenfalls umgehen kann). Dann kommt eine leichte, mit Klammern gesicherte Stelle, bevor es steil nach oben geht. Nun wieder hinunter, und über ein paar Klammern. Nach zwei weiteren kurzen Kraxelstellen führt der Weg steil nach oben zu einem Abzweig mit Holzschild. Das ist der Ausstieg. Hier linkste ich ab, kurz durch wildromantischen Wald, dann hinaus auf eine Wiese. Durch den Skulpturenpark, auf dem Rhein-Burgen-Wanderweg und auf der Straße wanderte ich zum Günderodehaus (185m), von wo aus sich der Wanderweg in steilen Kehren bergab wendet. Unten ging es rechts zurück nach Oberwesel.

Klettersteig Oelsberg, Oberwesel: Runde, 4,8km, 150Hm, 1h, T2, L


2.
10:00 Uhr: Rabenacksteig, St. Goarshausen (Oberwesel - Sangershausen: 30 Minuten)


Es gibt einen (wenig informativen) Flyer zum Rabenacksteig, in dem hartnäckig behauptet wird, er befinde sich bei Nochern. Tatsächlich ist er in St. Goarshausen. Ach, schöne Erinnerungen! Hier beendeten mein Vater und ich 2014 unseren Dreitager auf dem Rheinsteig.

Ich parkte auf dem Reweparkplatz (1 Stunde mit Parkscheibe), überbrückte die B247 auf einer Brücke (hier steht der Steig auf einem Schild schon angeschrieben), und folgte zunächst der Beschilderung des Rheinsteigs. Links vom Friedhof befindet sich der Zustieg zum Rabenacksteig. Es geht etwa 10 Minuten auf dem Rheinsteig aufwärts, bis an einer Tafel der Rabenacksteig ablinkst. Auch hier hat's wieder viel Gehgelände, zwischendurch klettert man auf Klammern und Leitern an Drahtseilen steile Stufen (oft Weinbergmauern) auf und ab.

Der Steig ist vollkommen überversichert und nur deshalb ein Klettersteig, weil die Planer es so wollten: an zahlreichen Stellen sind mittlerweile Umgehungen in die Büsche getreten worden, die weitaus vernünftiger erscheinen als die teils nur wenige Dezimeter höher im Fels angebrachten Klammern und Stifte. Ist so bissl unfreiwillig komisch.

Bald steht man am Abzweig zur Aussichtsplattform auf dem Rabenack-Felsen (117m), wo man einen schönen Blick über das Rheintal hat (man sieht die Loreley, Burg Maus, Burg Katz und Burg Rheinfels).

Ein Tiefblick gibt einem die Idee ein, dass ein Klettersteig an der Kante des Rabenackfelsens weitaus interessanter wäre - allerdings ist der Schiefer kein wirklich verlässlicher Fels. Vielleicht ging's da einfach nicht.

Nun von der Kanzel zurück und auf dem Rabenacksteig weiter aufwärts Richtung Sendemast. Nach wenigen Minuten endet der Steig auf dem Hochplateau an einer Bank. Hier quatschte ich kurz mit vier Rheinsteigbegehern. Dabei verlor eins der Mädels das Wort "Tourenbericht".... - Hikrs vielleicht? Von der Bank aus wanderte ich geradeaus, bis ich nach ca. 100 Metern auf den Rheinsteig stieß. Den stieg ich wieder hinunter zum Auto.

Rabenacksteig, St. Goarshausen: Runde, 1,6km, 210Hm, 30 Min, T3, WS-


3.
11:05 Uhr: Mittelrhein-Klettersteig, Boppard (St. Goarshausen - Boppard: 30 Minuten)


Ich parkte in Boppard an der Talstation der Sesselbahn, wo es ausreichend Parkplätze gibt. Von hier aus ist der Mittelrhein-Klettersteig unübersehbar ausgeschrieben: Es geht an einem Wirtshaus vorbei, zwischen Gebäuden hindurch und eine leichte Felspassage hinauf. Bald steht rechts am Weg das Hinweisschild zum Mittelrhein-Klettersteig.

Der Steig hat eine offizielle Website (mit downloadbaren Flyern) und ist dem entsprechend viel begangen. Auch ein Topo findet sich im Netz. Und Sacki hat hier ein aufschlussreiches Video hinterlassen.

Noch nie habe ich so viele nagelneue Klettersteigsets auf einmal gesehen. Doch ich hatte Glück: Eine Gruppe Schüler hatte ich schon am Parkplatz hinter mir gelassen, eine kleinere Gruppe überholte ich am Einstieg.


Der Klettersteig beginnt mit einem Abstieg über eine senkrechte Leiter und führt in der Folge durch den Osthang des Hirschkopfs. Dabei geht es (wenn ich richtig gezählt habe) über zehn Leitern, und (wenn ich richtig gezählt habe) zahllose Klammern und Stifte auf- und abwärts, immer wieder auch senkrecht. Felsberührung hat man praktisch nicht, der Steig ist vollkommen durchmetallisiert. Zudem kann man steile und schwierige Passagen meist umgehen (Beschilderung: "Wandervariante"/"Klettervariante"). Spaßig ist eine Querung auf Stiftln im steilen Fels. Nach längerem Gehgelände passiert man etwa auf halber Strecke eine Bank, dann gelangt man nach etwa 1,4 Kilometern in den steilen Tobel des Ewigbachs, wo man rechts hinunter zur Bundesstraße B 9 absteigen könnte. Hier befindet sich eine letzte, recht steile und ca. 60m hohe Kletterpassage, die man auf Stiften und Klammern überwindet, leider wieder nicht richtig am Fels. Immerhin ist's ausgesetzt und schön gruselig. Oben geht es dann leicht weiter zu einem Aussichtspunkt mit Tisch und Bänken, dem Ewigbachblick (200m). Hier endet der Klettersteig.

Ich machte die Tour zu einer Runde und folgte dem Wanderweg nach Norden. Es geht durch schönen Eichenwald weiter hinauf, über die Fesserhöhe (246m) mit neuer Holzbank (besetzt, hübsch) und dann oben auf der Höhe weiter. Erst nach etwa 700 Metern wendet sich der Wanderweg dann nach links, es geht bald durch einen steilen Tobel, und drüben hinauf auf den Rheinburgenweg. Hier ist dann Boppard angeschrieben, und ich folgte der Beschilderung durch den schönen Wald, vorbei am Mountain-Bike-Parcours Jacobsbergerhof, dem  Vierseenblick  (265m), dem Hamm-Blick (266m) bis zum Rest aurant am Gedeonseck (278m). Von hier geht es in wenigen Minuten zur Bergstation der Sesselbahn auf dem Hirschkopf (302m). Ich stieg dann unter den Seilen der Sesselbahn felsig auf der "Ripp" hinunter zum Ausgangspunkt (das geht schneller als mit der Seilbahn), wobei ich den Abzweig des Klettersteigs passierte.

Mittelrhein-Klettersteig, Boppard: Runde, 5,6km, 435Hm, 1,5h, T2, WS


So! Geschafft! Alle Klettersteige am Mittelrhein an einem Tag. Oder genauer: In drei Stunden, mit Fahrzeit vier. Nun stand der Flusswechsel an: Unten angekommen, stieg ich in mein Kloines Auto und fuhr durchs Mühlental auf der L207 nach Alken an der Mosel.


4.
13:00 Uhr: Sieben-Fußfälle-Klettersteig, Alken (Boppard - Alken: 20 Minuten)


Ich pork auf einem der zahlreichen Parkplätze am nördlichen Orzausgang von Alken (76m). Dann ging es am Alkener Bach entlang die fantasievoll betitelte Bachstraße hinauf. Bald passiert man das historische Stadttor aus dem 14. Jahrhundert. Kurz danach, auf der linken Straßenseite, beginnt der Klettersteig.

Der "Sieben-Fußfälle-Klettersteig" führt nun nordöstlich die rebenbewachsenen Hänge hinauf zum Plateau des Bleidenberges, wo eine Wallfahrtskirche steht. Der Weg ist ein Kreuzweg, daher der Name. Er ist steil und steinig (wie ein Kreuzweg eben sein sollte), auf eine Kletterstelle wartet man allerdings vergeblich. Kurz vor dem Plateau wird es ein Tickerl steiler, hier sind an zwei Stellen Geländer angebracht - vielleicht der Grund für die Einstufung als Klettersteig? Ich weiß es nicht. Aber die Wallfahrtskirche (235m) ist schön, und auf dem Weg ergeben sich immer wieder tolle Aussichten auf die Burg Thurant, Alken und ins Moseltal. Trotzdem: Gewollt und nicht gekonnt - ich stieg etwas enttäuscht auf dem gleichen Weg wieder ab.

Sieben-Fußfälle-Klettersteig, Alken: Hin und zurück 2,2km, 180Hm, 40 Min, T2


Weiter ging's nach Hatzenport am anderen Moselufer. Hier warteten gleich drei Klettersteige auf mich: Der Kletterpfad Rabenlay, der Kletterpfad Dolling und der Kletterpfad Burg Bischofstein (der eigentlich eher in der Nähe von Lasserg liegt).


5.
13:55 Uhr: Kletterpfad Rabenlay (Alken - Hatzenport: 10 Min)


Ich kam von Osten auf der B416, bog gleich am Ortseingang von Hatzenport (94m) in die Moselstraße ab und parkte in der Oberstraße. Von hier aus brückte ich über die Bahngleise. Drüben ist der Friedhof der gotischen Johanniskirche (Turm schon um 1280), an dessen Mauer entlang ich nun ostwärtste. Der Kletterpfad Rabenlay ist auch schon angeschrieben ("Vorsicht! Alpiner Steig. Nur für geübte Wanderer. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich."). Noch ein paar Meter auf dem breiten Weg, dann linkst man hinauf in die Weinberge. Es geht auf den in der Gegend üblichen Steintreppchen mehrere Steinrechen hinauf (das sind die aus Lesesteinen errichteten (Stütz)mauern der Weinberge), dann in einer nicht ganz anspruchslosen Felspassage an Drahtseilen entlang und über eine Leiter hinauf zur befahnten Rabenlay (140m). Das ist kurz, macht aber viel Spaß, und ist genau das Richtige nach der Enttäuschung am Bleidenberg: Echtes Kraxeln an einer Lay. Rabenlay noch dazu, super, das klingt wie ein Wort aus dem Kobaianischen: D/ëwëloï dö rabëhnlaï! Hier ist das Abenteuer allerdings schon wieder zu Ende, ich wandte mich scharf links und ging auf einem wunderschönen Wanderweg im Hang nach Westen. Sobald möglich, stieg ich dann hinunter zur Kirche und zu meinem Ausgangspunkt.

Kletterpfad Rabenlay, Hatzenport: Runde, 1,6km, 90Hm, 30 Min, T4/I, WS-


6.
14:25 Uhr: Kletterpfad Dolling, Hatzenport


Drei Minuten später startete ich am Bahnhof Hatzenport (94m) zum Kletterpfad Dolling. Der ist eine anspruchsvollere (und daher auch umgehbare) Teilstrecke des Moselsteigs ("nur für geübte Kletterer!"). Er startet direkt neben den Gleisen, dann geht es eine Treppe hinauf, und rechts zu einem Felsen. Hier gibt es zwei Leitern und auch einige drahtseilgesicherte Stellen, dieser Kletterpfad ist allerdings deutlich kürzer als der erste und auch einfacher. Bei der ersten Möglichkeit stieg ich links ab und wanderte die Straße (Bergweg/Oberstraße) entlang zum Banof zurück.

Kletterpfad Dolling, Hatzenport: Runde, 1,1km, 40Hm, 20 Min, T3, L

Ich verließ daraufhin den Ort Hotzenplotz und fuhr auf der B416 weiter nach Südwesten. Unterhalb der Burg Bischofstein, nach einem Abzweig (den man erst bemerkt, wenn es fast schon zu spät ist), kann man rechts an der Bundesstraße parken.


7.
14:50 Uhr: Kletterpfad Burg Bischofstein, Lasserg


Ich wanderte unter der Bahnlinie hindurch, und zwischen zwei Häusern die Fahrstraße hinauf. Die Burg (160m) kann man leider nicht besichtigen, da sich dort ein Schullandheim befindet. Hört man auch.

Der Klettersteig ist angeschrieben: Kurz vor der Burg geht es links und dann gleich wieder rechts hinauf. Die Route führt steil im Wald bergan auf die Höhen. Klettern allerdings wieder Fehlanzeige. Die Felsen werden tunlichst gemieden (wieso eigentlich? Könnt man was draus machen) - an einer Stelle bin ich dann sogar vom Weg ab, um meinen Schuhen wenigstens  etwas Felsberührung zu gönnen. Bis vor einer Zeit war die Strecke offenbar mit Holzgeländern gesichert, die fehlen inzwischen, aber auch das sowie die Hinzufügung einer einzigen metallenen Gehhilfe macht diese Route nicht zu einem Klettersteig. Ich stieg auf der gleichen Route ab.

Kletterpfad Burg Bischofstein, Lasserg: Hin und zurück 1,6km, 186Hm, 30 Min, T3


Nun ging's an Teilprojekt Nummer zwei: Auch alle Hunsrück-Klettersteige in diesen Tag zu packen. Das sind drei, die netterweise alle so nah beieinander liegen, dass man sie in einer einzigen Runde  begehen kann. Um si zu erreichen, fuhr ich auf der L202 von der Mosel kommend nach bzw. durch Altstrimmig, Mittelstrimmig und Liesenich. Von dort aus weiter auf der L200 ins Tal des Flaumbachs. Nach einer letzten Kehre, noch vor dem Bach, führt ein Weg links hinein, dort kann man drei, vier Autos abstellen. Ich hatte nur eins. Ging trotzdem.


16:05 Uhr: Drei Klettersteige bei Liesenich/Mittelstrimmig (Burg Bischofstein - Parkplatz: 50 Minuten)

Direkt gegenüber geht es ostwärts einen breiten Waldweg hinauf. Man passiert eine erste Kreuzung, dann stößt man auf den Wanderweg "Layensteig Strimmiger-Berg". Hier nach rechts, und nach ein paar Metern steht man am Beginn des Schinnkaulklettersteigs.

Die drei Klettersteige, Schinnkaulklettersteig, Höhlenschlucht-Klettersteig und Burgbergklettersteig, sind Teile bzw. Varianten des Layensteigs Strimmiger-Berg. Alle drei sind ein Angebot an die Wanderer und können ohne Weiteres auch umgangen werden. An Ein- und Ausstiegen (es gibt keine vorgeschriebene Begehungsrichtung) stehen Infotafeln. Gut so - denn das ist an Rhein und Mosel nicht überall der Fall. Der Layeinsteig Strimmiger-Berg wurde übrigens vom Deutschen Wanderinstitut mit 87 Erlebnispunkten bewertet. Erlebnispunkte! Na, wenn das nichts ist...

8.
Schinnkaulklettersteig

Der Schinnkaulklettersteig (benannt nach der Stelle, wo man früher verendete Tiere vergraben hat, um Seuchen vorzubeugen) ist kurz. Rechts ab vom Wanderweg geht es in wenigen Minuten ohne nennenswerte Schwierigkeiten über ein Felsripperl hinauf, wo man bald wieder auf den Wanderweg stößt. Diesem folgte ich etwa 800 Meter bis zum Aussichtspunkt "Große Kanzel" (280m), wo ein Hüttl steht. Ein paar Meter südlich zweigt der Höhlenschlucht-Klettersteig ab.

9.
Höhlenschlucht-Klettersteig

Der Höhlenschlucht-Klettersteig führt den Hang hinauf bis kurz vor den Waldrand und quert dann den Hang oberhalb des oft sichtbaren Wanderwegs (auf breitem Waldweg unterhalb). Er ist deutlich länger als der Schinnkaulklettersteig, aber auch leichter. Die einzige Herausforderung ist eine senkrechte Leiter am Schluss, die über eine Felswand in einen ehemaligen Steinbruch hinunterführt.

Der Höhlenschlucht-Klettersteig zeichnet sich besonders dadurch aus, dass er weder an einer Höhle vorbeiführt, noch durch eine Schlucht - und ein Klettersteig ist er nur mit viel Fantasie. Wer das humorig nimmt, hat aber viel Spaß bei der Begehung. Die Strecke ist schön.

Am Ende des Höhlenschlucht-Klettersteigs angekommen, zurückte ich auf dem Wanderweg zur Großen Kanzel (280m), und lief von dort aus, den Schinnkaulklettersteig umgehend, hinunter ins Tal des Flaumbachs. Es geht über den Bach und drüben nach rechts, am Waldrand entlang. Aufmerksame Geher werden hier bereits eine Leiter hoch oben am Fels bemerken.

10.
Burgbergklettersteig

Der Einstieg ist auch hier durch eine Tafel markiert. Man steilt den Berg hinauf, dann über die Leiter auf die Kante. Die kann man linksseitig leicht an Seilen umgehen, oder, wenn man es spannender machen will, direkt überschreiten. Es folgt eine ungesicherte Passage, ehe Seile zu einer schrägen Platte führen, die man auf einer langen Reihe von Klammern absteigt. Hier traf ich drei sehr nette Wanderer, die an diesem Tag gerade ihren dritten Klettersteig machten - und mir in Bezug auf den Calmont-Klettersteig den Mund wässrig. Unten bei einer weiteren Tafel ist der Klettersteig dann zu Ende.

Ich wanderte dann auf dem breiten Weg nördlich des Flaumbachs an der Weißmühle (176m) vorbei zurück zur L200, wo mein Auto stand.

Klettersteige bei Liesenich/Mittelstrimmig: Runde, 6,3km, 170Hm, 1:10h, T3, L


Das war's! Teilprojekt Nummer zwei, alle klettersteige im Hunsrück, war abgeschlossen. Nun begann die Kür: Ich wollte wieder an die Mosel zurück und moselaufwärts noch so viele Klettersteige begehen, wie möglich.

Nächstes Ziel: Bremm. Ich kam auf der B49 von Osten, bog in die Moselstraße ab und fuhr dann auf der Kirchstraße hinauf zur Kirche St. Laurentius (106m). Dort gibt es Parkplätze für Kirchen- und Friedhofbesucher - und für Wanderer. Hier befindet sich auch eine Info-Tafel zum Calmont-Klettersteig.



11.
17:45 Uhr: Calmont-Klettersteig, Bremm (Parkplatz - Bremm: 20 Minuten)


Auch dieser Klettersteig hat eine - fast schon überinformative - offizielle Website.

Vom Parkplatz vor der Kirche St. Laurentius läuft man einfach dem Wegweiser folgend nordwärts links an Kirche und Friedhof vorbei hinein in den Weinberg. Je weiter man kommt, umso steiler wird der Hang: Mit 65° Neigung zählt diese Lage zu den steilsten Weinbergen Europas! Und 65° - das ist eine Zahl, die auch das Wandererherz höher schlagen lässt! Pickel und Steigeisen braucht man allerdings nicht.

Der Weg durchquert in der Folge mehrere Kaulen, das sind steile Tobel, die abwechselnd mit Felsrippen den steilen Hang unterteilen. In ihnen laufen Feinerde und Wasser zusammen und ermöglichen so erst Weinbau in dieser Extremlage. Sie sind nummeriert, und wenn ich richtig aufgepasst habe, quert man 15 davon - und die entsprechende Anzahl an Felsrippen.

Der Weg quert also nun den steilen Hang, ab und zu geht es auf aus Felssteinen gebauten Stufen auf und ab. Dann beginnt an einem letzten Abzweig am Bellkadert (Kaule R6) der eigentliche Klettersteig. Die grandiose Route ist vom Abzweig bis zur Felskanzel an der stets gut sichtbaren Eisenbahnbrücke knapp 2km lang. Es geht ständig auf und ab durch den Steilhang, durch Kaulen und über Felsrippen. Dabei helfen Eisenbügel, Trittstifte, Leitern und 100m Sicherungsseil. An einem Gatter, das zum Schutz vor Wildschweinen da ist, hat man das Gefühl, der Klettersteig sei zu Ende, doch es geht noch ein ganzes Stück weiter: Auf Leitern steigt man weiter hinab und nach einer seilversicherten Traverse auf Eisenbügeln gelangt man zum Abzweig Richtung Eller Todesangst.

Todesangst?!? Klingt geil! Also rauf, auch wenn's zusätzlich Höhenmeter und Zeit kostet!

Die Eller Todesangst (220m) ist ein Felsvorsprung mit Fahne, über die früher der einzige hochwassersichere Weg von Bremm nach Eller führte. Ist wohl eine kleine Mutprobe für die Bürger gewesen.

Also wieder zurück, hinunter zum Klettersteig, und auf diesem weiter nach Osten. Es folgen immerhin noch etwa 500 seilversicherte und mit Leitern ausgestattete Meter, bis der Klettersteig an einem Pavillon oberhalb der Bahnlinie endet. Von hier aus stieg ich ab, und zurückte auf dem Radweg an der Mosel in wenigen Minuten nach Bremm (110m).

Im Weinberg gibt es übrigens Monorackbahnen, das sind Zahnradbahnlinien, mit denen die Trauben herunter gefahren werden. Oder auch mal ein Bergretter hinauf. Na, hoffentlich nicht.

Calmont-Klettersteig, Bremm: Runde, 6,0Km, 270Hm, 1,5h, T2, I, WS


12.
19:45 Uhr:
Klettersteig Collis-Steilpfad, Zell (Bremm - Zell: 20 Min.)

Dieser Klettersteig hat zwar auch eine Website, aber dort sind die Links dysfunktional, deshalb gibt's keinen Link von mir. Überhaupt scheint man den Steig zwar heftig zu bewerben, ihn selbst aber ein wenig stiefmütterlich zu behandeln.

Ich parkte in Zell (100m) an der Uferpromenade und wanderte die Oberstraße hinauf bis zur Abzweigung der Straße Zeller Kehr (hierher auch über die Römerstraße oder vom Brunnen "Schwarze Katz"). Auf der Straße Zeller Kehr ging es nun ostwärz bergauf. Man passiert einen ziemlich wackeligen Turm (rechter Hand) und gelangt an eine Brücke. Über die Brücke und gleich rechts, durch ein metallenes Wanderportal, hinauf in steilen Weinberg.

Nach dem Portal führt der Collis-Steilpfad entlang alten Weinbergsmauern hinauf - steil, der Name hält Wort. An einer Stelle gabelt sich der Weg: Rechts führt der Wanderweg weiter, links (unmarkiert!) der Klettersteig. Man gelangt an eine Felswand, die auf Trittbügeln und Stiften nach rechts querend gewonnen wird, dann kommt man zu einer Leiter, die schon von unten zu sehen ist. Die Leiter hinauf, dann steht man bald auf einem geschotterten Fahrweg. Auf diesem geht es kurz nach rechts, eine Teerstrecke beginnt, dann klettert man auf Eisenbügeln, zunächst ohne Sicherungsseil, links eine Schiefer-Felsplatte hinauf, die man auf dem Wanderweg rechts problemlos umgehen könnte. Weiter geht es nun auf dem mit textiler Sicherung und Steinstufen hergerichteten Weg, an einer Marienfigur im Fels vorbei. An einer Stelle, wo man links ein Felsplateau mit Bank erkennt, nach links (erneut unmarkiert) vom Wanderweg ab, und vor dem Plateau abgerechtst, eine letzte Kletterstelle auf Stiften und Bügeln hinauf. Ein paar Meter weiter oben steht man dann vor dem 1906 aus rotem Backstein gemauerten und 2007 erneuerten Collis-Turm (260m). Hier man man eine schöne Aussicht - und hinter dem Turm befindet sich ein Kiosk, wo man ein Glas „Zeller Schwarze Katz“ trinken kann... Der macht allerdings um 17:00 Uhr schon zu - mit so Dutzendkletterern wie mir rechnen die dort nicht. Und so stieg ich ungetrunkenen Glases auf dem nun schon mehrfach erwähnten Wanderweg wieder hinunter nach Zell (100m).

Klettersteig Collis-Steilpfad: Hin und zurück 3,2 km, 180Hm, 1h, WS

Gegen viertel vor neun machte ich mich dann auf den Heimweg - frustriert, weil die Eisdiele in Zell schon zuhatte. Dem Eisdieler war's wohl zu heiß, um mir noch ein Eis zu dielen.


Ausrüstung:

Handschuhe. Defi. Für so zarte Händchen wie meine. So Mittelgebirgshalbschuhe sind ausreichend, gute halt - mit steigeisenfesten C-Schuhen, wie ich sie auch gesehen habe, ist man overdressed. Ein Klettersteigset ist auf keinem der Klettersteige erforderlich, für Kinder und sonstige Anfänger auf dem Mittelrhein-Klettersteig (Boppard), dem Mosel-Klettersteig Calmont (Bremm) und dem Collis-Steilpfad (Zell) allerdings zu empfehlen. Schwierige Stellen sind aber auch meistens umgehbar.


Fazit:
Oder besser: gleich mehrere Fazitte:

Die klettersteigigsten Klettersteige sind der Mittelrhein-Klettersteig in Boppard, der Rabenlay-Klettersteig in Hatzenport, der Mosel-Klettersteig Calmont in Bremm und der Collis-Steilpfad in Zell.

Die landschaftlich schönsten Klettersteige sind der Klettersteig Oelsberg in Oberwesel, der Rabenacksteig in St. Goarshausen, der Mittelrhein-Klettersteig in Boppard, der Rabenlay-Klettersteig in Hatzenport und der Mosel-Klettersteig Calmont in Bremm.

Überhaupt keine Klettersteige sind der Sieben-Fußfälle-Klettersteig in Alken und der Burgbergklettersteig bei Lasserg. Ich hab sie trotzdem mitgezählt, denn "zwölf" klingt mehr als "zehn". Einige andere fallen nur mit etwas Fantasie in die Kategorie Klettersteig, vor allem, wenn man sie aus den Alpen kennt.

Im Ganzen muss man sagen, dass an vielen Stellen Menschen am Werk waren, die Klettersteig als einen Weg definieren, der mit möglichst viel Eisen ausgestattet ist. Das führte an manchen Stellen zu spontanen Lachern, insbesondere am Höhlenschlucht-Klettersteig, wo man stellenweise Metallklammern einfach in den Waldboden gesteckt hat. Will sagen: die meisten dieser Klettersteige sind überversichert, teils in skurrilem Maße. So ist es selbst am klettersteigigsten dieser Klettersteige, am Mittelrhein-Klettersteig in Boppard, kaum möglich, wirklich mal zu klettern, weil der Fels komplett zugeklammerlt wurde. Das ist schade, umso schader weil es leicht zu beheben wäre: Man müsste einfach jede zweite Klammer (am Besten gleich noch ein paar mehr) entfernen. Aber vermutlich sind diese Klettersteige mehr als Gimmick gedacht, und wenn man sie so betrachtet, kommt man damit auch prima klar. Gut gefallen hat mir in dieser Hinsicht der Mosel-Klettersteig Calmont in Bremm, wo man es mit dem Metall nicht gar so sehr übertrieben hat. Hier kann man an einigen Stellen sogar richtig klettern (I).

An vielen Ein- und Ausstiegen (es gibt für keinen Klettersteig eine vorgeschriebene Begehungsrichtung) stehen Infotafeln, leider aber nicht an allen (z. B. Klettersteig Oelsberg in Oberwesel). Der erste und der dritte Abschnitt des Collis-Steilpfads sind nicht markiert und werden des öfteren übersehen (und das bei der Werbung, die die machen!). Und man möchte doch eigentlich schon wissen, wo ein Klettersteig beginnt, wo er endet, und wie er genau verläuft. Ich habe im Netz nicht wenige Beschreibungen gefunden, deren Autoren die Klettersteige nicht vollständig begangen hatten - weil sie nicht bemerkten, dass es noch weiterging.

Man fragt sich außerdem angesichts der vielen vielen Felsen an Rhein und Mosel, w
arum die vielen Klettersteige eigentlich nie dort verlaufen, wo man es vermuten würde, nämlich auf diesen Felsrippen. Das wäre nicht nur spektakulär, man könnte hier auch richtige, anspruchsvolle Klettersteige bauen. Allerdings ist der Schiefer nicht gerade der zuverlässigste Stein, außerdem verlaufen im Tal Straßen, Bahnschienen und Fahrradwege - das mögen Gründe sein, warum man das nicht macht. Schade ist es trotzdem....


Was hätte ich noch dranhängen können?

Hätte der Tag 25 Stunden, hätte ich noch den Kletterweg Erdener Treppchen bei Erden (30 Minuten von Zell, wohl nicht sehr spannend) und den Klettersteig Riol-Mehring (45 Minuten von Erden) dranhängen können. Die sind weiter Richtung Trier gelegen. Aber es war Viertel nach zehn, als ich daheim ankam, ich war bei einer Gehzeit von achteinhalb Stunden insgesamt 15 Stunden unterwegs gewesen - das reicht auch. Immerhin konnte ich die beiden Klettersteige dann im Frühjahr 2018 kennenlernen, als ich alle Mosel-Klettersteige an einem Tag beging.



P. S.:

Sorry wegen der vielen Bilder - das kommt zusammen, weil ich jeden Klettersteig mit wenigstens ein paar Fotos fietschern wollte. Immerhin sind die wenigsten von ihnen bisher auf diesen Seiten vertreten.


Und die Fortführung meiner Reihe? Im Herbst 2017 ging ich sämtliche Klettersteige am Main an einem Tag. Sämtliche Mosel-Klettersteige an einem Tag beging ich dann im Frühjahr 2018, im Sommer kamen die Klettersteige auf der Fränkischen Alb dazu, und alle Klettersteige in Paris (!). Abschließen konnte ich meine ironische Reihe mit der Begehung sämtlicher Klettersteige im Urdonautal.

Hike partners: Nik Brückner


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Comments (2)


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WoPo1961 says:
Sent 28 June 2017, 10h12
Hallo Nic,
ich finde wer solch einen langen, aber vor allen Dingen informativen Bericht schreibt, der sollte auch mit einem Kommentar "belohnt" werden. Zumindest der Schweizhut-Mensch hat sich immer über Kommentare gefreut...
Bei 12 Klettersteige kommt ne Menge Text zusammen. Wegbeschreibungen, persönliche Anmerkungen plus die gemachten Erlebnisse ergeben einen sehr guten Überblick bezüglich dieser interessanten Tour. Da steckt einiges an Mühen in dem Bericht, ich hätte jedenfalls Tage fürs berichten und fertigstellen benötigt.
Von daher dickes Lob und Fleisskärtchen noch dazu.
Grüße aus Flachlandhausen vom
WoPo

Nik Brückner says: RE:
Sent 28 June 2017, 10h34
Servus WoPo!

Ja, weißt wie das ging? Ich wollte am Sonntag die erste Etappe des Felsenland-Sagenwegs gehen, und habe nach 10 Kilometern an einer Eisdiele (Zitrone und Nougatella) abgebrochen. Als ich dann wieder zuhause war, war noch so viel vom Tag übrig, dass ich diesen Tourenbericht schreiben konnte. (Und das erste, was ich gemacht habe, war, die Strecken und Höhenmeter zusammenzuzählen - da wusste ich, warum mir am Sonntag die Power gefehlt hat. Wer kommt schon auf die Idee, dass in so einem Gelände 1950 Höhenmeter zusamenkommen können?!?).

Danke für Dein Lob, das freut mich sehr. Ist mir ein Anliegen, meine Berichte immer so zu schreiben, dass man die Touren damit nachgehen kann.

Grußerl,

Nik


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