Über den Rüchigrat zum Bösbächistock


Publiziert von justus Pro , 27. September 2015 um 12:56.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:12 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Glärnischgruppe 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 2000 m

Der Rüchigrat zieht sich vom Bös Fulen bis zur Zeinenfurggle und hat seinen höchsten Punkt im Bösbächistock. Für Normalsterbliche ist die Überschreitung schon eine länger Tour, wer es deftig mag, kann sich bei Dolmar hier inspirieren lassen :)

tl;dr
1. von Plätz via Zeinenmatt zur Gassenfurggel
2. Rüchigrat immer an der Gratkante halten
3. Abstieg mit Hilfe des Topos von PStraub oder diesem und evtl diesem.



Seit ich vor einigen Jahren diesen schönen Grat vom Bös Fulen oder den Eggstöcken aus gesehen habe -- so genau weiss ich das nicht mehr -- wollte ich gerne einmal auf den Bösbächistock. Da die Beschreibung im SAC-Führer doch respekteinflössend klingt, habe ich die Tour schon einmal wegen einem bisschen Nebel abgebrochen. Wie schon öfter wollte ich an diesem schönen Herbsttag eigentlich eine andere Tour unternehmen, doch im Rossmattertal entscheide ich mich angesichts der guten Verhältnisse um. Auch schien mir die Wahrscheinlickeit dort oben einen Jäger zu verärgern kleiner.

Via Zeinenmatt und endlosen Schutt gelange ich zum Begin des Rüchigrats. Im Aufstieg unter der kurzen Felsstelle finde ich eine zerdrückte Plastikdose mit den Überresten eines Gipfelbuchs. Ich nehme sie mit, um daheim zu schauen welchem der Gipfel nun das Buch fehlt. Erstaunlicherweise gelingt es daheim mit viel Wasserdampf die erste Seite abzulösen. Anscheinend ist das Buch gleich nach der Placierung auf dem Hinter Gassenstock im Jahr 1999 heruntergefallen. Leider habe ich dieses mal auf einen Abstecher auf den Hinter Gassenstock verzichtet, da man da nochmal eine grössere Portion Schutt hinauf muss.

Zu Beginn ist der Rüchigrat ein breiter Rücken der später nach Osten über steile Platten abfällt. Nach einer Weile spitzt der Grat sich zu und brüchig ist es eh. Aber doch kann man den übelsten Bruchstellen immer gut im Osten ausweichen. Nur an einer Stelle fand ich es mal heikel, denn im Rückblick sieht die Gratstelle so aus, als hielte sie vor allem durch ihr eigenes Gewicht. Aber die Stelle hätte man auch umgehen können. Für den Grat bis zum Gipfel finde ich die ZS Bewertung aus dem Führer etwas zu hoch, eher oberes T5.

Auf dem Gipfel geniesse ich lange das warme Herbstwetter und die Aussicht auf die Föhnwalze über Tödi und Hausstock (schön, wenn man nicht drinsteckt, wie andere). Eine Statistik der Besteigungen ist aus dem Gipfelbuch schnell extrahiert. Seit 1996 im total 18 Einträge, also im Schnitt weniger als eine Besteigung pro Jahr. Da ist das Jahr 2015 mit nun 3 Einträgen schon ein Ausreisser.

Für den Abstieg hätte ich mich ruhig besser vorbereiten können. Ich habe nur noch die aufmunternden Zeilen von Dolmar hier, und den Bericht von PStraub in Erinnerung, in dem es heisst, dass man nach dem grossen Schuttfeld eher nach Westen muss. Auf früheren Wanderungen über die Zeinenfurggle sah mir das Band, das bei der Schnecke beginnt, zwar einladend aus, doch im Abstieg will ich das nicht suchen.

So wird der Abstieg nochmal spannend. Man muss doch ziemlich weit queren, so dass ich zweimal zu weit absteige und über senkrechten Wänden umkehren muss. Dort geht es zum Teil eindrücklich hinunter, was aus dem Tal garnicht so auffällt. Wenn man weit genug gequert ist bekommt man dann einen besseren Überblick und der Abstieg erschliesst sich. Ich nehme an, dass das auch im Aufstieg nicht trivial ist, so dass für den Abschnitt Zeinentäli-Gipfel ein T6 gerechtfertigt scheint.

Für den Auf- oder Abstieg durch diese Wand studiert man besten das Photo mit Topo  von PStraub und für den unteren Teil dieses. (Update 2015-10-11: habe auch nochmal versucht selber die Route einzuzeichnen)

Diese doch eher selten begangene Tour lohnt sich für Schutt- und Bruchliebhaber auf jeden Fall. Auch die Aussicht ist nicht zu verachten. Ich könnte mir vorstellen, dass in der umgekehrten Richtung der Weg einfacher zu finden ist.

Tourengänger: justus


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Kommentare (6)


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Bergamotte Pro hat gesagt:
Gesendet am 27. September 2015 um 13:40
Gratulation und danke für diesen detaillierten Bericht, du nimmst der Angelegenheit etwas den Schrecken (Rüchigrat = T5+). Schätzt Du den Rüchigrat in beide Richtungen etwa gleich schwierig ein? Falls ja wäre die umgekehrte Variante für mich wohl angebrachter.

justus Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. September 2015 um 07:28
Das hätte ich jetzt nicht sagen können, aber mit Dolmars Kommentar unten würde ich auch die andere Richtung wählen. Ich hatte mehr Sorge um den Grat und wollte den zuerst hinter mir haben. Vielleicht wird der Bösbächistock ja doch noch eine Modetour :) Momentan hat es leider schon etwas Schnee drin, da brauchte es nochmal ein paar Föhntage.

ciao
/justus

Dolmar hat gesagt:
Gesendet am 28. September 2015 um 21:38
Gratuliere justus,
Puhh, mit diesem Schinderaufstieg durch das Geröll von Zeinenmatt hoch zur Gassenfurggel, sicher sehr anstrengend.
Ich glaube auch das die Begehung des Rüchigrats vom Bösbächistock kommend einfacher ist, auch der Aufstieg zum Bösbächistock aus dem Zeinental/Furggel dürfte entspannter sein, als dort abzusteigen.
Wieviele Jahre es wohl dauern wird, bis der Bösbächistock wieder 3 Begehungen in einem Jahr zählen kann. ?

Gruß
Markus

justus Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. September 2015 um 07:50
Danke! Mit Deinen Berichten könntest Du einen "Run" auf diesen Grat ausgelöst haben. :) Vorher gab es eigentlich nur das Picasa Album vom Bergführer Fridolin Hauser und den SAC-Führer. Der dritte Eintrag von 2015 ist auch nicht von einem Local.

ciao
/justus

Dolmar hat gesagt: RE:
Gesendet am 29. September 2015 um 20:46
Hoi, Justus,
Danke für den link.
der Berggänger welcher zwischen unseren beiden Einträgen steht,
ist mir an der Gassenfurggel begegnet.

Ich denke einenRun wird`s wohl nicht geben, ist halt doch sehr speziell.

Gruss
Markus

justus Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 5. Oktober 2015 um 07:04
Dass zwei Berggänger am selben Tag auf diesem Grat unterwegs sind, wird sich wohl auch nicht so schnell wiederholen!

ciao
/justus


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