WÄGITAL RUNDTOUR „SPEED“


Written by Delta Pro , 24 June 2008, 12h40.

Region: Monde » Switzerland » Schwyz
Date of the hike:22 June 2008
Waypoints: Brüschstockbügel 1489m. 4884 ft. (3) Bockmattli 1932m. 6337 ft. (16) Schiberg 2044m. 6704 ft. (11) Plattenberg 2082m. 6829 ft. (9) Brünnelistock 2133m. 6996 ft. (13) Rossalpelispitz 2075m. 6806 ft. (15) Zindlenspitz 2097m. 6878 ft. (22) Lachenstock 2027m. 6649 ft. (4) Redertenstock 2292m. 7518 ft. (6) Redertengrat 2215m. 7265 ft. (2) Mutteristock 2294m. 7524 ft. (19) Ochsenchopf 2179m. 7147 ft. (5) Wannenstöckli 1988m. 6521 ft. (3) Gantspitz 1970m. 6462 ft. (4) Turner 2069m. 6786 ft. (13) Fluebrig 2093m. 6865 ft. (10) Chli Mutzenstein 1504m. 4933 ft. (4) Nüssen 1529m. 5015 ft. (3) Gross Aubrig 1695m. 5560 ft. (11)
Geo-Tags: CH-SZ   CH-GL 
Time:13:15
Height gain: 4790 m. 15711 ft.
Height loss: 4790 m. 15711 ft.
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Route:41.5 km

Wiederholung der Wägital Rundtour mit einem neuen Geschwindigkeitsrekord: 13 Stunden 13 Minuten – 4800 Höhenmeter und 41 Kilometer, grösstenteils T4-T6 Gelände!

 

Die Wägital Rundtour ist eines der ganz grossen Alpin-Wanderprojekte der Voralpen! Seit 1958 sind insgesamt (inkl. dieser) 7 Begehungen der Tour bekannt. Zwischen Beginn der 90er Jahre und 2006 wird von keinen Wiederholungen berichtet. Meine Wägital Rundtour vom 15.6.2006 inspirierte 3614adrian, sich ebenfalls ans Projekt zu wagen. Am 1.7.2007 gelang ihm die Überschreitung mit teilweise interessanten und anspruchsvollen Direktaufstiegen. Als ich im Verlauf dieses Frühlings die Durchgangszeiten der früheren bekannten Wägital-Begehungen analysierte, wuchs in mir die Idee, das Projekt von der „Speed“-Seite her anzugehen: Leichtes Gepäck, optimierte Routen, Beschränkung auf das Wesentliche. Am 22.6.2008 ist es mir gelungen, diesen Traum zu verwirklichen und die Wägitaler-Runde in gut 13 Stunden durchzuziehen – ein unvergesslicher Tag!


Die meisten der bisherigen Rundtouren schlossen Chöpfenberg und Tierberg mitein. Ich entschloss mich, diese beiden Gipfel, die ausserhalb der Bergketten liegen, die den Wägitaler See umgeben, nicht zu berücksichtigen – und mich damit auf die „wesentlichen“ Gipfel zu beschränken. Im Vergleich zu 2006 trug ich viel weniger Gepäck mit (dünne Windstopper-Jacke, 2 Liter Getränk und Esswaren). Dazu legte ich an der Strecke verschiedene Depots an – Wasser am Schiberg und die Turnschuhe am Fuss des Fluebrigs. Zumindest das zweite Depot erwies sich als sehr nützlich. Insgesamt gelang es mir, die Zeiten meiner 2006-Begehung um knapp 20% zu drücken und zusätzlich dank besserer Routenwahl eine totale Zeitersparnis von fast 9 (!) Stunden herauszuholen.


Das Resultat ist die erste Wägital Rundtour SPEED (13 Stunden, 4800 Höhenmeter, 42 Kilometer). Dabei muss folgendes betont werden: Auch bei schnellen Begehungen muss die Sicherheit immer an oberster Stelle stehen! Die Wägital-Rundtour weist verschiedene Passagen im T6-Bereich auf, die heikel sind, volle Konzentration erfordern und Gewandtheit und Erfahrung im voralpinen Gelände voraussetzen. Die Kombination von schnellem und sicherem Gehen auf diesen Routen ist die eigentliche Herausforderung einer solchen Unternehmung!

 

Streckenprofil und Marschroute sind dargestellt. Die Geschwindigkeit in den einzelnen Abschnitten ist in Leistungskilometer pro Stunde angegeben (Leistungskilometer (LK) berechne ich folgendermassen: 1 km Strecke = 1 LK; 100 Höhenmeter Aufstieg = 1 LK; 250 Höhenmeter Abstieg = 1 LK). Insgesamt konnte ich die Geschwindigkeit von etwas über 8 LK/h über die ganzen 13 Stunden halten. In technisch schwierigeren Abschnitten (z.B. Mutteristock, Ochsenchopf) ist sie etwas geringer. Die Geschwindigkeiten beinhalten die Pausen (20min bei der Oberalp, je 10min auf Mutteristock und Fläschlihöchi, und einige kürzere).

 

Die einzelnen Abschnitte und die Schlüsselstellen der Wägital Rundtour sind in meinem [ letzten Bericht] vollständig beschrieben. Hier möchte ich noch einmal vier Passagen aufgreifen, die potentiellen Nachahmern der Tour bekannt sein sollten:
 

  • Redertenstock – Mutteristock: Am einfachsten geht’s durch die Rinne. Kurze ausgesetzte Kletterstelle (II), dann einfacher (I) bis zum Gipfel. Im Frühsommer teils schneegefüllt. Über den Grat kann ebenfalls aufgestiegen werden (Stelle IV).

  • Ochsenchopf Ostgrat: Aufgrund eines Tipps von 3614adrian wagte ich mich erstmals an den Ochsenchopf Ostgrat – und wurde überrascht. Der SAC-Führer rät zu Unrecht von einer Begehung ab! Ein richtiger Wägital-Geheimtip! Der Grat weist drei Aufschwünge auf, die alle direkt auf der Kante erklettert werden können (T6, II). Die Aufstiege sind ausgesetzt und steil (vor allem der letzte Aufschwung), werden aber durch einen guten Gämswechsel erleichtert. Die heikelste Stelle ist die Traverse einer Scharte zwischen zweitem und drittem Aufschwung. Rund 10 Meter vor der Scharte führt ein Gämspfad auf einem nordseitigen Band in diese herab.

  • Schwialppass – Gantspitz: In der letzten Beschreibung habe ich den Aufstieg noch als T5/T6 bewertet. Meiner Einschätzung nach ist dieser Abschnitt, wenn auch vielleicht nicht der schwierigste, dann doch der heikelste Teil der Wägital Rundtour und eindeutig T6. Die ungemütliche, ca. 45° steile Flanke besteht aus einem undefinierbaren Gemisch aus Gras, Erde und abwärts geschichteten Platten. Am besten folgt man immer dem Fels. Der erste Aufschwung ist am steilsten und wird am einfachsten auf einem schwach ausgeprägten Sporn überwunden. Die Griffe sind fein und müssen geprüft werden. Das Gras ist durch abrutschenden Schnee nach unten gepresst und bietet kaum Halt.

  • Gantspitz – Turner: Die Überschreitung ist ein Genuss. Über den ganzen Grat führt ein passabler Gemspfad. Am ersten Gipfel nach dem Turner gibt es zwei ungemütliche und ausgesetzte Traversen in erdigem und brüchigem Gelände. Dort ist besonders Vorsicht geboten!

 

Ganz ohne Pannen lief die Tour natürlich nicht ab: Als ich mich am Fuss des Schibergs auf eine Getränk-Sintflut freute (Wasserdepot eingerichtet am 8.6.2008), musste ich feststellen, dass meine Flaschen nicht mehr auffindbar waren – entweder zu gut versteckt, oder zu schlecht, so dass sie jemand anders mitgenommen hat… Jetzt heisst es durchbeissen bis zur Oberalp, wo es einen Brunnen gibt! Der weitere Verlauf der Tour lief bis fast am Schluss bestens ab. Am Gantspitz musste ich gegen die Hitze kämpfen – doch das ist normal. Leider gönnte ich mir nach dem Fluebrig zu wenige Pausen, weshalb ich am Gross Aubrig arg unterzuckert ankam. Man merke sich also: Auch wenn es einem nicht nach essen zumute ist, „hau rein“! Im Vergleich zu 2006 bin ich diesmal einiges weniger lädiert aus der Wägital Rundtour gekommen. Dank geschicktem Wechsel von Socken und Schuhen hatte ich keine Blattern zu beklagen und der Muskelkater – und selbst die müden Beine am nächsten Tag – blieben aus. Trotz sehr hohen Temperaturen waren die Verhältnisse ideal für eine schnelle Begehung. Schneefelder sind unabdingbar für schnelle Abstiege vom Mutteristock, dem Wannenstöckli und dem Fluebrig, erlauben wohl eine Zeitersparnis von rund einer halben Stunde und bewirken gute Moral und geschonte Gelenke.

 

Wägital Rundtour „Speed“ – ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist!


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Comments (9)


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Stani™ says: Incroyable!
Sent 24 June 2008, 13h02
Félicitations!
Impressionnant tour et en plus des jolis photos... Très fort!!!

Baldy says: Unglaubliche
Sent 24 June 2008, 13h46
Tour. Gratuliere. Mit Super-Fotos
Gruss Angelo

Sputnik Pro says: *staun*
Sent 24 June 2008, 18h12
Gratuliere zu dieser Hammerleistung, jetzt bist du endgültig der "hikr-Ueli" ;-)

Nach den Zeiten musst du ja an fast allen Stellen gerannt haben - sei es auf zwei Beinen oder animalisch Vierbeinig!

Nochmals Hut ab, meine Knie hätten schon nach 2000Hm Abstieg so einige Probleme!

Viele Grüsse aus dem Baselbiet

Andrej

Alpin_Rise Pro says: Gut geplant ist halb gerannt!
Sent 24 June 2008, 19h33
Ebenfalls die meinige Gratulation!
Training gewirkt und durchgezogen - auch dank der guten Planung. Jetzt fehlt nur noch die ÖV-Variante für mich - aber zuerst kommen andere Projektchen dran!

G
Fabian

3614adrian says: Gratulation!
Sent 24 June 2008, 20h50
Das ist wirklich eine Hammerleistung! Ab jetzt können es die Nachahmer ja gemütlich nehmen, denn diese Zeit wird schwer zu knacken sein. - Und das ist gut so, finde ich!

Hab' mich gefreut, dass dir der Ochsenchopf-Ostgrat auch so gut gefallen hat. Ich denke in der nächsten SAC-Ausgabe sollte die Bemerkung "kein Nachweis von Begehungen in den letzten Jahren" verschwinden...

Gruss Adrian

lorenzo Pro says: Take a walk on the wild side...
Sent 24 June 2008, 22h23
Hallo Delta

Gratuliere! Da bleibt nur noch zu sagen: It's cool man! That get's you really old!

Gruss

Lorenzo


joerg says: Gratuliere
Sent 24 June 2008, 23h42
Hallo Delta
Gratuliere. Das ist wirklich eine tolle Leistung. Respekt! Ich habe schon oft mit dem Gedanken gespielt diese Unternehmung zu wagen und habe die Route in Etappen rekognosiziert. Ich teile deine Meinung, dass Chöpfenberg und Tierberg nicht zur Wägitalerrunde gehören. Im übrigen endete die Route jener die Chöpfenberg und Tierberg machten gemäss Routenbeschreibung, die mir vorliegt nach dem Fluebrig. Den Aubrig bestiegen sie nicht und der gehört nun definitiv ins Wägital. Nochmals Gratulation zu deiner Leistung.

Gruss Jörg

Delta Pro says: RE:Gratuliere
Sent 25 June 2008, 08h33
Vielen Dank an euch alle für die Gratulationen!

Jörg, welche Routenbeschreibung liegt Dir denn vor? Vielleicht gibt es ja noch mehr Begehungen als die bekannten sieben - wir halten da immer die Augen auf ;-)
Die Wägital-Runde von 3614adrian und meine Begehung von 2006 schliessen sowohl Chöpfenberg und Tierberg, als auch den Aubrig ein.

Wenn Du es versuchst, dann viel Glück!!!
Gruss Delta

joerg says: RE:Gratuliere
Sent 27 June 2008, 00h06
Hallo Delta
Ich habe eine Kopie der Tour aus einem Führer von 1977. Der Führer heisst schlicht "Wägital". Er wurde von Christian Hauser verfasst und im Eigenverlag heraus gegeben. Gemäss deiner Bildlegende hat er die Route ins Leben gerufen. Wie gesagt führt der voralpine "Marathon", wie er ihn nennt, über die Spitzen von Chöpfenberg, Tierberg, Bockmattli, Schiberg, dann die Strecke über Brünnelistock bis Ochsenkopf, und anschliessend über Wannenstöckli, Gantspitze zum Fluebrig. Beim Fluebrig endet die Liste der Gipfel. Ob er den Aubrig als selbstverständlich mit einschloss und ihn einfach nicht erwähnte bleibt sein Geheimnis. Den Zeitbedarf beziffert er auf 22 Stunden. Ich habe auch noch mit meinem Vater gesprochen. Er sagte mir, dass in den 50-ziger und 60-ziger Jahren die Route in der damaligen Kletterszene bekannt war und auch begangen wurde. Mehr kann ich dir im Moment nicht sagen.
Gruss Jörg


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