Niesengrat TOTAL – leider NEIN
|
||||||||||||||||||||||||||
![]() |
![]() |
Ein lange gehegtes Projekt soll endlich Wirklichkeit werden: die Überschreitung des gesamten Grates vom Niesen bis zum Hahnenmoospass. Der ideale Zeitpunkt ist nun gekommen: eine Vollmondnacht und ein langer Tag so kurz nach der Sonnenwende. Doch leider spielte das Wetter wieder mal nicht mit…
Mit der letzten ÖV-Verbindung fahre ich nach
Mülenen (692m). Nach einem Boxenstopp bei der Talstation der Niesenbahn beginne ich um Viertel vor Eins mit dem Aufstieg zum Niesen. In drei Stunden möchte ich oben sein, deshalb marschiere ich zügig, aber nicht hastig los. Schliesslich soll auch noch die eine oder andere Fotopause drin liegen. Die wolkenlose Vollmondnacht verspricht tolle Sujets.
Aber nicht nur aus fototechnischer Sicht erweist sich die natürliche Beleuchtung als nützlich, sondern auch für den Aufstieg. Nur im Wald wird die Stirnlampe benötigt. Ich folge der direktesten rot-weiss markierten Route. Diese führt mich in unzähligen Kurven auf den Niesen (2362.4m). Vor dem Besuch des eigentlichen Gipfels gönne ich mir noch eine kurze Pause im Wartesaal der Niesenbahn. Dieser ist auch nachts geöffnet. Am dortigen Brunnen kann ich auch die Wasserreserven nochmals volltanken. Bei leichter Morgenröte geniesse ich anschliessend mutterseelenalleine die prächtige Aussicht von der Gipfelterrasse.
Um Viertel nach Vier beginne ich mit dem gemütlichen Abstieg nach Süd-Westen. Die Dämmerung lässt noch auf sich warten. Erst eine halbe Stunde später beginnt es zu tagen, gerade rechtzeitig zum Einstieg auf den NE-Grat des Fromberghore. Die „Wysse Zend“ am Anfang sind durch Seile und Eisentritte massiv entschärft worden. Sind diese gemeistert, stellt der restliche Aufstieg keine grössere Herausforderung mehr dar. Es sind fast durchgehend Pfadspuren vorhanden. Doch der Aufstieg zieht sich in die Länge, jeder vermeintliche Gipfel entpuppt sich bei der Besteigung nur als weiterer Gratzacken. Auf einem dieser kann ich zum Glück knapp den Sonnenaufgang geniessen. Fast hätte sich dieser hinter dem Niesen abgespielt. Dieses Schauspiel gibt mir wieder einen Energieschub, so dass ich kurze Zeit später endlich den richtigen Gipfel des Fromberghore (2394m) erreiche. Das Gipfelbuch ist voll und auch nicht in einem guten Zustand. Auf diesem Gipfel habe ich bereits die Hälfte des geplanten Tagespensums bezüglich Aufstiegsmeter gemeistert.
Der Übergang zum Drunegalm (2408m) ist im Vergleich zum NE-Grat um einiges einfacher, auch hier sind Pfadspuren vorhanden. Was mir mehr Probleme und auch Sorgen macht, sind meine nassen Füsse. Meine Bergschuhe sind wohl in die Jahre gekommen und lassen sich vom nassen Gras durchnässen wie ein Schwamm. Böse Erinnerungen an die offenen Füsse am
Brienzer Grat werden wieder wach. Trockene Socken hätte ich diesmal zwar dabei, doch nützen diese bei einem triefend nassen Schuh nichts. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als von nun an auf fast jedem Gipfel die Schuhe auszuziehen und die Socken auszuwinden. Doch die Sonne scheint zu wenig kräftig, dass weder Schuhe noch Socken wirklich trocknen könnten. Nur die blassen und nassen Füsse werden trocken und bekommen wieder etwas Farbe. Nicht wirklich ein angenehmes Gefühl, wieder in diese feuchten Socken und Schuhe zu schlüpfen. Zumal meist schon nach einigen Metern wieder nasses Gras durchquert werden muss und meine Füsse wieder vom Wasser umgeben sind…
Der folgende Gratabschnitt vom Drunegalm über Standhore (2339m), Steischlaghore (2321m), Tschipparällehore (2398m) und Mäggisserehore (2348m) verläuft eher ruhig, Zeit zum Durchatmen. Die Schwierigkeiten bewegen sich in diesem Bereich zwischen T2 und T4.
Das Schmelihore (2312m) besteige bzw. erklettere ich wieder direkt der Gratkante entlang. Es könnte auch in die Südflanke ausgewichen werden, doch bildet diese Kletterei (II) im eigenartig geschichteten Fels eine hübsche Einstimmung auf die noch folgenden Abschnitte…
Nach dem eher wenig ausgeprägten auf und ab, folgt nun mit über 300 Höhenmetern wieder ein etwas härterer Aufstieg zum Hohniese (2454m). Der Fels von Pt 2297 wird üblicherweise wohl südseitig in der Grasflanke umgangen, für mich sieht der felsige Grat ziemlich einladend aus. Von der Art her mit dem Schmelihore vergleichbar. Einzig gegen Ende wartet eine Felsnase aus anderem Gestein. Hier vermisse ich die unzähligen und grossen Griffe und Tritte des bisher angetroffenen geschichteten Felsens. Das Gestein hat zwar genügend Grip, doch die Griffe sind eher spärlich und relativ fein (III). Mit einiger Kraftanstrengung kann ich mich darüber hieven. Beim Pt 2297 überrasche ich ein Rudel Gämsen, nicht die ersten, welchen ich heute begegnet bin. Über den grasigen Rücken überwinde ich die restlichen Höhenmeter zum Gipfel. Damit ist nun auch die Hälfte der Distanz der für heute geplanten Tour gemeistert.
Unterdessen befinde ich mich fast komplett im Nebel. Aber bei einer Gratwanderung sorgt dieser für eine spezielle Atmosphäre. Leider bekomme ich nur einmal eine Glorie zu sehen. Da der Nebel nicht extrem dicht ist, gestaltet sich auch die Orientierung nicht sonderlich schwierig: einfach dem Grat entlang. Allerdings weiss ich nie so genau, wo ich mich aktuell befinde. So wähne ich mich schon bei Pt 2358 auf der Wyssi Flue (2354m), doch diesen Gipfel habe ich erst nach einem folgenden Gegenanstieg geschafft. Auf dem folgenden Gratabschnitt wartet übrigens nochmals ein Gipfel mit gleichem Namen auf mich.
Vom Chratzchumisattel (2083m) zieht sich der Grat steil zum Turm Pt 2228 hoch. Schönes T6-Gelände, ein Gemisch aus Fels und Steilgras. Wildspuren weisen den richtigen Pfad nach oben. Den obersten Teil des Turms umgehe ich linkerhand. Der Grat wird nun etwas flacher und nach einigen Gratzacken erreiche ich endlich das Linterhore (2326m).
Auf diesem Gipfel wartet
Axi wohl schon seit gefühlten Stunden auf mich. Er hat sich bereit erklärt, mich zu unterstützen und mit Wasser zu versorgen. Trotz der milden Temperaturen habe ich vom Niesen bis hierhin schon drei Liter verbraucht, die ich nun nachfüllen kann.
Der weitere Gratverlauf nach Südwesten sieht zum Fürchten auf. Zunächst wandere ich wieder einige Meter zurück, um die steile Felsplatte in der Nordwestflanke zu umgehen und in den Sattel bei Pt 2258 zu gelangen. Gemäss Führer soll hier direkt der Felssporn erklettert werden, um weiter dem Grat zu folgen. Doch diese Felsstufe ist mir definitiv zu brüchig. Da sieht mir ein etwa zehn Meter tiefer gelegenes Felsband vertrauenswürdiger aus. Allerdings erweist sich sowohl der Abstieg nach Süden im feucht rutschigen Graben wie auch das Band selber als äusserst heikel. Zwar ist das Felsband genügend breit, doch ist es stark abweisend geneigt. Dank dem guten Grip und einigen kleineren Griffen erreiche ich darauf aber doch den grasigen Südhang und über diesen wieder den Grat. Auf diesem steige ich zu Pt 2428 hoch und von dort endlich wieder mal in angenehmerem Gehgelände über die Schutthalde zum Gipfel des Ladholzhore (2495m).
Den Abstieg zum Ladholzsattel (2395m) nehme ich direkt über das Geröllfeld gegen Süden in Angriff, statt mich über die einzelnen Gratzacken zu quälen. Schliesslich ist der Weg noch weit. Für die Besteigung des Winterhore (2609m) orientiere ich mich wieder am Grat, muss dann aber doch in die steile Ostflanke ausweichen.
Kaum oben, beginne ich schon wieder mit dem Abstieg nach Süden. Die folgenden Felsab- und -aufschwünge werden in der Westflanke umgangen. Und schon stehe ich vor der Gratschneide zum Erbithore (2508m). Diese sieht von hier unter zum Fürchten aus. Doch wenn man drin ist, macht die Kletterei (II-III) im für diese Gegend typischen Schichtgestein Spass. Bei einer Stelle habe ich wohl eine Umgehung verpasst und muss mit einigem Kraftaufwand einen etwa zwei Meter hohen Absatz überwinden. Da stosse ich klettertechnisch an meine Grenzen, diese Stelle ist wohl fast über einem III-er einzuordnen.
Auch im Abstieg vom Erbithore weiche ich oft in die Westflanke aus. Ein weiterer schwieriger Gipfel ist geschafft. Ich bin optimistisch, dass ich den Rest auch noch packe. Doch leider beginnt es nun zu tröpfeln. Ich suche unter einem Felsblock ein trockenes Plätzchen. In Fildrich scheint noch die Sonne, wird wohl nur eine kurze Störung sein. Doch das MMS von meiner Frau mit dem aktuellen Niederschlagsbild vom Wetterradar verheisst etwas anderes. Da ist etwas Grösseres im Anzug. Das zu hörende Donnergrollen stimmt mich auch nicht zuversichtlicher. Besonders im Nebel ist dies eine unangenehme Situation, da man nicht sieht, ob ein Gewitter im Anmarsch ist. Ich erspähe den Stall bei Pt 2170 und erwäge in diesem Unterschlupf zu suchen.
Bei leichtem Regen mache ich mich an den weiteren Abstieg zum Otterepass (2278m). Dabei wird mir klar, dass ich das Projekt endgültig abbrechen muss. Die Felsen sind bereits nach diesem kurzen Schauer sehr rutschig geworden. Bei diesen Bedingungen ist eine Fortsetzung mehr als nur heikel!
Im trockenen Stall lasse ich den heftigsten Regen vorbeiziehen. Als der Niederschlag etwas nachlässt, steige ich begleitet von Donnergrollen zur Alp Oberberg (1929m) ab. Hier nimmt mich ein freundlicher Herr, der gerade seine Schafe zum Sömmern hierher gebracht hat, mit. Und dies nicht nur bis zur nächsten Postautohaltestelle, sondern gleich bis nach Thun, da dies (fast) an seinem Heimweg liegt. Herzlichen Dank! Damit hat die Tour doch noch einen freundlichen Abschluss gefunden…
An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an
Axi, der mir bei der Vorbereitung und Durchführung dieses Projekts sehr geholfen hat. Ohne deine Dienste als Wasserträger wäre diese Tour unmöglich gewesen. So musste ich nie mit dem Wasser sparsam umgehen und konnte immer genügend Trinken. Dadurch blieb ich auch von Muskelkrämpfen verschont.
Fazit: Der Niesengrat TOTAL ist durchaus machbar. Das Gelände ist allerdings fast durchgängig anspruchsvoll und verlangt vollste Konzentration! Bei einem zügigen Tempo ist wohl etwa mit 20 Stunden Wanderzeit zu rechnen. Grosse Pausen oder Trödeln liegt nicht drin.
Von der Herangehensweise würde ich nochmals alles gleich machen, ausser vielleicht einen Tag mit stabilerem Wetter wählen. Doch leider werden nun die Tage kürzer und somit müsste wohl der Aufstieg zum Fromberghore vor der Dämmerung in Angriff genommen werden. Da sollte man aber die Aufstiegsroute kennen!
Einen Wasserträger oder alternativ ein Wasserdepot kann ich nur empfehlen. Ansonsten müssten etwa 6 Liter Flüssigkeit mitgeschleppt werden, bei heisserem Wetter noch mehr. Allerdings müssen diese nicht auf den Niesen getragen werden, sie können auch erst am Brunnen bei der Bergstation gefüllt werden.
Mit der letzten ÖV-Verbindung fahre ich nach

Aber nicht nur aus fototechnischer Sicht erweist sich die natürliche Beleuchtung als nützlich, sondern auch für den Aufstieg. Nur im Wald wird die Stirnlampe benötigt. Ich folge der direktesten rot-weiss markierten Route. Diese führt mich in unzähligen Kurven auf den Niesen (2362.4m). Vor dem Besuch des eigentlichen Gipfels gönne ich mir noch eine kurze Pause im Wartesaal der Niesenbahn. Dieser ist auch nachts geöffnet. Am dortigen Brunnen kann ich auch die Wasserreserven nochmals volltanken. Bei leichter Morgenröte geniesse ich anschliessend mutterseelenalleine die prächtige Aussicht von der Gipfelterrasse.
Um Viertel nach Vier beginne ich mit dem gemütlichen Abstieg nach Süd-Westen. Die Dämmerung lässt noch auf sich warten. Erst eine halbe Stunde später beginnt es zu tagen, gerade rechtzeitig zum Einstieg auf den NE-Grat des Fromberghore. Die „Wysse Zend“ am Anfang sind durch Seile und Eisentritte massiv entschärft worden. Sind diese gemeistert, stellt der restliche Aufstieg keine grössere Herausforderung mehr dar. Es sind fast durchgehend Pfadspuren vorhanden. Doch der Aufstieg zieht sich in die Länge, jeder vermeintliche Gipfel entpuppt sich bei der Besteigung nur als weiterer Gratzacken. Auf einem dieser kann ich zum Glück knapp den Sonnenaufgang geniessen. Fast hätte sich dieser hinter dem Niesen abgespielt. Dieses Schauspiel gibt mir wieder einen Energieschub, so dass ich kurze Zeit später endlich den richtigen Gipfel des Fromberghore (2394m) erreiche. Das Gipfelbuch ist voll und auch nicht in einem guten Zustand. Auf diesem Gipfel habe ich bereits die Hälfte des geplanten Tagespensums bezüglich Aufstiegsmeter gemeistert.
Der Übergang zum Drunegalm (2408m) ist im Vergleich zum NE-Grat um einiges einfacher, auch hier sind Pfadspuren vorhanden. Was mir mehr Probleme und auch Sorgen macht, sind meine nassen Füsse. Meine Bergschuhe sind wohl in die Jahre gekommen und lassen sich vom nassen Gras durchnässen wie ein Schwamm. Böse Erinnerungen an die offenen Füsse am

Der folgende Gratabschnitt vom Drunegalm über Standhore (2339m), Steischlaghore (2321m), Tschipparällehore (2398m) und Mäggisserehore (2348m) verläuft eher ruhig, Zeit zum Durchatmen. Die Schwierigkeiten bewegen sich in diesem Bereich zwischen T2 und T4.
Das Schmelihore (2312m) besteige bzw. erklettere ich wieder direkt der Gratkante entlang. Es könnte auch in die Südflanke ausgewichen werden, doch bildet diese Kletterei (II) im eigenartig geschichteten Fels eine hübsche Einstimmung auf die noch folgenden Abschnitte…
Nach dem eher wenig ausgeprägten auf und ab, folgt nun mit über 300 Höhenmetern wieder ein etwas härterer Aufstieg zum Hohniese (2454m). Der Fels von Pt 2297 wird üblicherweise wohl südseitig in der Grasflanke umgangen, für mich sieht der felsige Grat ziemlich einladend aus. Von der Art her mit dem Schmelihore vergleichbar. Einzig gegen Ende wartet eine Felsnase aus anderem Gestein. Hier vermisse ich die unzähligen und grossen Griffe und Tritte des bisher angetroffenen geschichteten Felsens. Das Gestein hat zwar genügend Grip, doch die Griffe sind eher spärlich und relativ fein (III). Mit einiger Kraftanstrengung kann ich mich darüber hieven. Beim Pt 2297 überrasche ich ein Rudel Gämsen, nicht die ersten, welchen ich heute begegnet bin. Über den grasigen Rücken überwinde ich die restlichen Höhenmeter zum Gipfel. Damit ist nun auch die Hälfte der Distanz der für heute geplanten Tour gemeistert.
Unterdessen befinde ich mich fast komplett im Nebel. Aber bei einer Gratwanderung sorgt dieser für eine spezielle Atmosphäre. Leider bekomme ich nur einmal eine Glorie zu sehen. Da der Nebel nicht extrem dicht ist, gestaltet sich auch die Orientierung nicht sonderlich schwierig: einfach dem Grat entlang. Allerdings weiss ich nie so genau, wo ich mich aktuell befinde. So wähne ich mich schon bei Pt 2358 auf der Wyssi Flue (2354m), doch diesen Gipfel habe ich erst nach einem folgenden Gegenanstieg geschafft. Auf dem folgenden Gratabschnitt wartet übrigens nochmals ein Gipfel mit gleichem Namen auf mich.
Vom Chratzchumisattel (2083m) zieht sich der Grat steil zum Turm Pt 2228 hoch. Schönes T6-Gelände, ein Gemisch aus Fels und Steilgras. Wildspuren weisen den richtigen Pfad nach oben. Den obersten Teil des Turms umgehe ich linkerhand. Der Grat wird nun etwas flacher und nach einigen Gratzacken erreiche ich endlich das Linterhore (2326m).
Auf diesem Gipfel wartet

Der weitere Gratverlauf nach Südwesten sieht zum Fürchten auf. Zunächst wandere ich wieder einige Meter zurück, um die steile Felsplatte in der Nordwestflanke zu umgehen und in den Sattel bei Pt 2258 zu gelangen. Gemäss Führer soll hier direkt der Felssporn erklettert werden, um weiter dem Grat zu folgen. Doch diese Felsstufe ist mir definitiv zu brüchig. Da sieht mir ein etwa zehn Meter tiefer gelegenes Felsband vertrauenswürdiger aus. Allerdings erweist sich sowohl der Abstieg nach Süden im feucht rutschigen Graben wie auch das Band selber als äusserst heikel. Zwar ist das Felsband genügend breit, doch ist es stark abweisend geneigt. Dank dem guten Grip und einigen kleineren Griffen erreiche ich darauf aber doch den grasigen Südhang und über diesen wieder den Grat. Auf diesem steige ich zu Pt 2428 hoch und von dort endlich wieder mal in angenehmerem Gehgelände über die Schutthalde zum Gipfel des Ladholzhore (2495m).
Den Abstieg zum Ladholzsattel (2395m) nehme ich direkt über das Geröllfeld gegen Süden in Angriff, statt mich über die einzelnen Gratzacken zu quälen. Schliesslich ist der Weg noch weit. Für die Besteigung des Winterhore (2609m) orientiere ich mich wieder am Grat, muss dann aber doch in die steile Ostflanke ausweichen.
Kaum oben, beginne ich schon wieder mit dem Abstieg nach Süden. Die folgenden Felsab- und -aufschwünge werden in der Westflanke umgangen. Und schon stehe ich vor der Gratschneide zum Erbithore (2508m). Diese sieht von hier unter zum Fürchten aus. Doch wenn man drin ist, macht die Kletterei (II-III) im für diese Gegend typischen Schichtgestein Spass. Bei einer Stelle habe ich wohl eine Umgehung verpasst und muss mit einigem Kraftaufwand einen etwa zwei Meter hohen Absatz überwinden. Da stosse ich klettertechnisch an meine Grenzen, diese Stelle ist wohl fast über einem III-er einzuordnen.
Auch im Abstieg vom Erbithore weiche ich oft in die Westflanke aus. Ein weiterer schwieriger Gipfel ist geschafft. Ich bin optimistisch, dass ich den Rest auch noch packe. Doch leider beginnt es nun zu tröpfeln. Ich suche unter einem Felsblock ein trockenes Plätzchen. In Fildrich scheint noch die Sonne, wird wohl nur eine kurze Störung sein. Doch das MMS von meiner Frau mit dem aktuellen Niederschlagsbild vom Wetterradar verheisst etwas anderes. Da ist etwas Grösseres im Anzug. Das zu hörende Donnergrollen stimmt mich auch nicht zuversichtlicher. Besonders im Nebel ist dies eine unangenehme Situation, da man nicht sieht, ob ein Gewitter im Anmarsch ist. Ich erspähe den Stall bei Pt 2170 und erwäge in diesem Unterschlupf zu suchen.
Bei leichtem Regen mache ich mich an den weiteren Abstieg zum Otterepass (2278m). Dabei wird mir klar, dass ich das Projekt endgültig abbrechen muss. Die Felsen sind bereits nach diesem kurzen Schauer sehr rutschig geworden. Bei diesen Bedingungen ist eine Fortsetzung mehr als nur heikel!
Im trockenen Stall lasse ich den heftigsten Regen vorbeiziehen. Als der Niederschlag etwas nachlässt, steige ich begleitet von Donnergrollen zur Alp Oberberg (1929m) ab. Hier nimmt mich ein freundlicher Herr, der gerade seine Schafe zum Sömmern hierher gebracht hat, mit. Und dies nicht nur bis zur nächsten Postautohaltestelle, sondern gleich bis nach Thun, da dies (fast) an seinem Heimweg liegt. Herzlichen Dank! Damit hat die Tour doch noch einen freundlichen Abschluss gefunden…
An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an

Fazit: Der Niesengrat TOTAL ist durchaus machbar. Das Gelände ist allerdings fast durchgängig anspruchsvoll und verlangt vollste Konzentration! Bei einem zügigen Tempo ist wohl etwa mit 20 Stunden Wanderzeit zu rechnen. Grosse Pausen oder Trödeln liegt nicht drin.
Von der Herangehensweise würde ich nochmals alles gleich machen, ausser vielleicht einen Tag mit stabilerem Wetter wählen. Doch leider werden nun die Tage kürzer und somit müsste wohl der Aufstieg zum Fromberghore vor der Dämmerung in Angriff genommen werden. Da sollte man aber die Aufstiegsroute kennen!
Einen Wasserträger oder alternativ ein Wasserdepot kann ich nur empfehlen. Ansonsten müssten etwa 6 Liter Flüssigkeit mitgeschleppt werden, bei heisserem Wetter noch mehr. Allerdings müssen diese nicht auf den Niesen getragen werden, sie können auch erst am Brunnen bei der Bergstation gefüllt werden.
Tourengänger:
Tobi

Communities: T6
Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden
Kommentare (17)