Vrenelisgärtli, 2904m via Guppengrat


Published by Linard03 Pro , 25 June 2014, 06h34.

Region: World » Switzerland » Glarus
Date of the hike: 9 June 2014
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Mountaineering grading: PD
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GL   Glärnischgruppe 
Time: 9:00
Height gain: 2250 m 7380 ft.
Height loss: 1650 m 5412 ft.
Route:Schwändi - Oberstafel - Chanzle - Vrenelisgärtli - Schwandergrat - Glärnischhütte - Chäseren
Access to start point:cff logo Schwändi b. Schwanden, Post
Access to end point:ab Glarus Bahnhof mit Postauto nach cff logo Plätz
Accommodation:Hütte Guppenalp Oberstafel

Endlich, endlich … - es ist vollbracht …! Es ist der Gipfel, welcher mit Abstand am längsten auf der Projektliste stand. Wie oft sah ich doch an klaren Tagen auf meinem Arbeitsweg sehnsüchtig zum Vrenelisgärtli hinüber … Aber es sollte während 6 Jahren einfach nie sein: meistens war an den geplanten Tourentagen schlechtes Wetter angesagt, eine kurzfristig anberaumte Geschäftsreise kam in die Quere, eine Verletzung behinderte, etc., etc.
 
Mit der Zeit der Nicht-Realisation reifte dann der Gedanke, es wäre schön, das Gipfelziel über den Guppengrat zu erreichen – eine spektakuläre Route. Allerdings verschwendete ich noch vor 4-5 Jahren keinen Gedanken daran; diese Tour schien ausserhalb meiner Reichweite zu sein.
 
Nun, heute sollte dieser Wunsch endlich in Erfüllung gehen, doch der Reihe nach:
 
Sonntag, 8. Juni
Eigentlich war die Tour in einem Tag geplant, doch der (aufgrund der aktuell warmen Bedingungen) nochmals vorgeschobener Treffpunkt liess mich umplanen – eine Abfahrt von zu Hause um spätestens 2 Uhr morgens war nicht nach meinem Geschmack ... Zudem kann man mit einer Übernachtung die doch happigen 2200 Hm beinahe hälftig unterteilen.
 
Also fuhr ich bereits am Vortag gemütlich nach Schwandenund weiter mit dem Postauto nach Schwändi. Das Ziel hiess Oberstafel, eine Alpwirtschaft auf der Guppenalp. Von der Post-Haltestelle führt der Weg noch ein paar Hundert Meter über Asphalt zum Dorfende. Danach geht’s bergauf in Richtung Unterstafel (916m).
 
Glücklicherweise liegt noch ein Grossteil des Weges im Schatten, denn es ist ziemlich heiss … Es wird nun steiler und beim Mittler Guppen (1233m) lege ich eine Rast ein. Hier geniesst man bereits einen schönen Blick ins Tal hinunter, auf den gegenüberliegenden Schilt und Fronalpstock sowie im Rücken die steilen Wände am Glärnisch.
 
Ab diesem Punkt geht es Baumlos weiter; allerdings ist ein spät-Nachmittagsaufstieg dankbar, denn der Wanderweg liegt vom Mittler Guppen bis zur Oberstafel komplett im Schatten. Oberhalb Stelli (P.1449)begegne ich einer Frau mit Hund im Abstieg. Wie ich später erfuhr, ist sie die Hüttenwartin (sie gab sich jedoch nicht zu erkennen).

Nach gut 2 Std. ist der Sattel erreicht und wenige Schritte später die Alpwirtschaft Oberstafel (1658m). Hier lag bereits eine Teilnehmerin am sonnenbaden, ansonsten war hier niemand zu sehen. Im Verlaufe der nächsten Stunde trafen noch 3 weitere Teilnehmer ein, sodass wir letztendlich zu fünft auf der Oberstafel waren.
 
Die Hüttenwartin hatte bereits alles vorbereitet: sowohl für das Nachtessen als auch für das Morgenessen hat sie liebevoll aufgetischt. Allein, das Wetter war einfach zu schön, um drinnen zu essen. Also zügelten wir kurzerhand alles ins Freie, wo wir das feine Nachtessen zu einem Glas Guppenwein mit Blick auf Tödi & Co. genossen; herrlich und unbezahlbar!
 
Derzeit wird diskutiert, ob Mutterkühe auf die Guppenalp sollen. Dies wäre sehr schade, denn so gingen nicht nur Arbeitsplätze verloren, auch die Käserei müsste aufgegeben werden. Bleibt zu hoffen, dass diese (Fremd-)Bestimmung nicht umgesetzt wird!
 
Nach dem gemütlichen Abwasch am Brunnentrog ging’s dann bald mal ab ins Bett …
 
Pfingstmontag, 9. Juni
Nach einer ruhigen Nacht standen wir um 4.45 Uhr auf, assen gemütlich Zmorge und bereits um 5.30 Uhr traf der Bergführer meines Vertrauens sowie weitere Teilnehmer ein. Letztendlich waren wir 1 Bergführer, 1 Wanderleiterin, 1 SAC-Tourenleiterin sowie 8 Teilnehmer. Tönt nach sehr viel, besonders für diese doch anspruchsvolle Route, wo auch Steinschlag immer ein Thema ist. Doch etwelche Befürchtungen wurden bald zerstreut.
 
Vor uns starteten noch 4 Einheimische auf der gleichen Route, ansonsten sollten wir alleine am Berg sein. Start bereits im T-Shirt, so warm war es. Auf den ersten 15-30 Min. geht man noch auf einem Wanderweg, welcher jedoch bald mal zu Ende ist. Danach gibt es nur noch Pfadspuren.
 
Bis vor ca. 5 Jahren wurde diese Route kaum mehr begangen. In den letzten Jahren wurde dieser Aufstieg jedoch wieder neu entdeckt und erfreut sich seither einiger Beliebtheit. Dies hat auch den Vorteil, dass sehr viel lockeres Gestein „ausgeräumt“ wurde …
 
Leider musste sich eine Teilnehmerin, welche am Morgen vom Tal aus aufgestiegen war, schon bald verabschieden – ihre Beine wollten heute nicht …
Nun ging’s also langsam zur Sache; von der Schwierigkeit her ist es von der Oberstafel bis zum Gipfel „ein schöner Steigerungslauf“, wie der Bergführer meinte … Erste Kraxelpassagen, Steilgras, luftige Kletterei (II) und die Schlüsselstelle, eine griffarme Platte (III). Bei diesen guten Verhältnissen kein grosses Problem, bei Nässe oder Schnee möchte ich da jedoch nicht ungesichert drüber …

Von der Wärme war meine Kehle derart ausgetrocknet, dass ich froh war, als wir die kleine Hochebene erreichten und eine Rast einlegen konnten. Hier öffnet sich einem der Blick auf den weiteren Verlauf der Tour: die Chanzleund der eigentliche Guppengrat. Ziemlich spektakulär von unten …!
 
Der Schnee war zwar bereits jetzt aufgeweicht (ca. 08.30 Uhr!) und man sank zuweilen ziemlich ein. Insgesamt war der Aufstieg zur Chanzle (2604m)jedoch unschwierig. Bald gelangten wir zum Einstieg des Guppengrates, wo wir uns dann anseilten. Weiter ging’s in steilem, teils exponierten Gelände aufwärts.
 
Langsam musste ich etwas „beissen“, als das Gelände wieder etwas abflachte. Noch ein letzter Aufstieg über die Wechte – und wir standen (zu meiner Überraschung) unmittelbar am Gipfelkreuz. Ich stand jetzt also tatsächlich oben, auf dem Gipfel des Vrenelisgärtli (2904m)!! Was für ein schönes Gefühl, einfach unbeschreiblich! Zwar kein Mont Blanc, Dufourspitze oder ein anderer 4000er, aber für mich ein Gipfel mit besonderer Bedeutung und damit einem 4000er gleichzustellen …!
 
Trotz unserer grossen Gruppe genoss ich den kurzen Augenblick für mich ganz alleine; der Blick schweifte über das grandiose Panorama (auch wenn etwas Dunst die grosse Weitsicht verhinderte). Dann folgten obligate Gipfelfotos und eine Rast auf bzw. neben dem Bänkli, welches ja nicht soviel Platz bietet …
 
Nun folgte der Abstieg auf den Schwandergrat, alles problemlos zu meistern, auch der viel zitierte und beschriebene Aufstieg über die Ketten. Etwas mühsam gestaltete sich der endlos scheinende Abstieg auf dem Schwanderfirn: der total aufgeweichte Schnee fühlte sich letztlich anstrengender an als der ganze Aufstieg …
 
Nach ca. 2 Std. erreichten wir die Glärnischhütte (1990m), wo wir eine ausgiebige Rast hielten. Natürlich mussten die feinen Kuchen probiert werden, aber v.a. war in dieser Hitze Flüssigkeit gefragt. Nach mehr als 1 Std. Pause machten wir uns an den Schlussabstieg nach Chäseren.
 
Die Mehrheit war für eine Taxifahrt, denn einige Teilnehmer kannten die (offensichtlich langweilige) Strecke bereits. Bereits wenige Minuten nach unserer Ankunft in Chäseren war das Taxi auch schon abfahrbereit, welches wir mit unserer Gruppe füllten. Nach kurzer Fahrt war Plätz erreicht, wo auch schon der Bus bereitstand. So genossen wir eine nahtlose Verbindung bis zum Bahnhof Glarus, wo wir uns verabschiedeten.

Fazit:
Eine herausfordernde, spannende und spektakuläre Tour!
Super war auch die Gruppe; nicht selbstverständlich, dass 8 Teilnehmer so homogen funktionieren; in etwa alle gleich schnell ...!
 
Bedingungen:
perfekte Bedingungen im Aufstieg; d.h. v.a. trocken. Da der Schnee schon früh aufgeweicht war, blieben die Steigeisen den ganzen Tag im Rucksack

Schwierigkeit:
meine erste T6-Tour! Allerdings: bei diesen Verhältnissen einerseits und wenn ich lese, was gewisse Hikrs wie z.B. ein gewisser Herr Maveric so machen andererseits, ist diese Tour wohl eher als T6- zu werten ...

Bemerkungen:
Auch nicht (mehr) selbstverständlich, dass man uns die Hütte ganz allein überliess; danke für das Vertrauen!

Zeiten:
Schwändi (16.00) - Oberstafel (18.10): 2 Std. 10 Min.
Oberstafel (05.45) - Vrenelisgärtli (09.30): 3 3/4 Std.
Vrenelisgärtli (09.45) - Glärnischhütte (11.45): 2 Std.
Glärnischhütte (13.00) - Chäseren (13.55): 1 Std.

Hike partners: Linard03


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Geodata
 21056.gpx Oberstafel
 21057.gpx Guppengrat

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Comments (4)


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Bombo says:
Sent 25 June 2014, 08h05
Gratuliere zum Guppen - super Bericht mit tollen Fotos! Auch bei uns steht diese Tour bald wieder auf dem Programm, die Vorfreude ist schon sehr gross!

Beste Grüsse
Bombo

Linard03 Pro says: RE:
Sent 25 June 2014, 19h10
Danke für Dein feedback!

Habe gesehen, dass Du ja den Guppen bereits bestens kennst ... Es ist wirklich eine super-Tour und deshalb nachvollziehbar, wenn Du sie nochmals angehen willst; ich wünsche Dir/Euch jetzt schon viel Spass!

Gruess,
Linard

Vauacht says:
Sent 27 June 2014, 18h26
Gratulation zum Vreneli und insbesondere zum Guppengrat!

Warst Du mit Gabi unterwegs? :) Ich bin leider im Ausland ansonsten haetten wir uns auf dieser Tour getroffen...war bei mir im Kalender bereits vermerkt :)

Gruesse!

Linard03 Pro says: RE:
Sent 27 June 2014, 20h35
merci ... und ja, u.a. war ich mit Gabi unterwegs ... ;-))

Schade, dass es für Dich nicht gereicht hat; da hätten wir uns ja mal "auf Tour" getroffen!
Bin in den letzten Wochen auch viel (geschäftlich) unterwegs; derzeit grad an der Ostküste Indiens ...

Gruss zurück!


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