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Piz Üertsch 3267,7 m - Überschreitung Westgrat / Ostgrat


Published by Ivo66 , 21 August 2011, 19h13.

Region: World » Switzerland » Grisons » Albulatal
Date of the hike:21 August 2011
Hiking grading: T5+ - Challenging High-level Alpine hike
Mountaineering grading: PD
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 6:00
Height gain: 1050 m 3444 ft.
Height loss: 1050 m 3444 ft.
Route:Albulapass - Fuorcla Zavretta - P. 3089 m - Piz Alvra - Piz Üertsch (Aufstieg über den Westgrat, Abstieg über den Ostgrat) - P. 2965 m - Foura da l'Uertsch - Terrassas - Albulapass
Maps:1:25'000 Albulapass

Ein langjähriger Traum ist in Erfüllung gegangen! Wie lange haben wir an einer Besteigung des Piz Üertsch herumgemacht, immer wieder alle möglichen Quellen studiert. Heute war der Tag gekommen - alles sollte perfekt sein - eine unvergessliche Gipfelbesteigung sollte gelingen. Und wenn Maveric dabei ist, der von der West-Ost-Überschreitung des Piz Üertsch geschwärmt hat, können Lena und ich auch mal über uns hinauswachsen. In der Tat sollte es die wohl anspruchsvollste Bergtour werden, die wir bis zum heutigen Tag je unternommen haben.

Der Piz Üertsch ist ein mächtiger Dolomitberg, der die Landschaft am Albulapass dominiert. Der Aufstieg über den Westgrat ist anspruchsvoll, verläuft aber ab der Grathöhe in einem für diese Region aussergewöhnlich guten Fels. Die Begehung des Ostgrats ist von den technischen Schwierigkeiten her zwar einfacher, aber aufgrund des dort vorhandenen vielen Schutts und zum Teil etwas abwärts gerichteter Platten in meinen Augen heikler als der Westgrat.

Beeindruckend ist neben dem atemberaubenden und auch landschaftlich wunderschönen Aufstieg über den Westgrat zudem das Gestein an diesem Berg, den viele wohl als Schutthaufen verschreien würden. Die Geologen kämen hier aber voll auf ihre Rechnung. Das manchmal messerscharfe Dolomitgestein ist teilweise eindrücklich zu bizarren Formen übereinandergeschichtet oder insbesondere in der Verschneidung zwischen dem Piz Üertsch und dem etwas kleineren Nachbarn, dem Piz Blaisun, in Form von zum Teil sehr langen und flachen Schuttteilen über die Hänge versäht, und dies in verschiedenen Farben von weiss über gelb bis braun und fast schwarz.

Das Gipfelpanorama bietet das, was man von einem so dominierenden Berg erwarten kann, in der näheren Umgebung wird der Piz Üertsch nur noch vom Piz Kesch überragt, ansonsten der Blick über das ganze Oberengadin und die Albulaalpen frei ist. An klareren Tagen reicht die Sicht auch bis zum Alpstein.

Vom Verkehr am Albulapass, der heute beträchtlich war, bekommt man auf der gesamten Gratüberschreitung nichts mit; es herrschte absolute Ruhe vor. Der Piz Üertsch wird wenig besucht; wir waren heute die einzigen am Berg. Das Gipfelbuch befindet sich seit 2005 in der Gamelle am kleinen Steinmann auf dem Hauptgipfel und es sind darin erst wenige Seiten gefüllt. Der Vorgänger des jetzigen Büchleins stammte übrigens aus dem Jahre 1922.

Vielen Dank Maveric für Deine Unterstützung - einmal mehr haben wir einen unvergesslichen Tag in den Bergen erlebt.

Routenbeschreibung:

Albulapass - Fuorcla Zavretta (T2)

Auf dem markierten Bergwanderweg, der gleich beim Restaurant auf der Passhöhe startet, erreicht man zum Teil steil die Fuorcla Zavretta, den Sattel zwischen dem Igl Compass und dem Grat, auf welchem der Piz Üertsch trohnt.

Fuorcla Zavretta - Piz Alvra (T4)

Weiter geht es, zeitweise auf Wegspuren im Schutt, immer steiler hinauf Richtung P. 3089 m, dem tiefsten Punkt zwischen dem unscheinbaren Piz Alvra (links) und dem Piz Üertsch. Mit Vorteil hält man sich relativ nahe der Felsen linkerhand; wir benutzten zeitweise eine Rippe aus gutem Fels. Im oberen Teil geht es dann sehr kraftraubend durch den feinen Schutt in steilem Gelände hoch zu P. 3089 m. Hier kann ein kurzer Abstecher zum Piz Alvra eingebaut werden, den man in gut 5 Minuten über den zum Teil schmalen, aber gut begehbaren Grat erreicht. Anschliessend wieder zurück zu P. 3089 m.

P. 3089 m - Piz Üertsch (Westgrat) T5+, Stelle III

Von P. 3089 m geht man auf der Gratkante dem Piz Üertsch entgegen. Bei den Gipfelfelsen, die man über gut begehbaren Schutt und Geröll erreicht, hält man sich links und sieht rechts oben an den steilen Felswänden ein Fixseil herunterhängen. Dieses peilt man in gut gestuftem Fels an. Der Bereich des Fixseils ist die Schlüsselstelle im Aufstieg, die beiden zu bewältigen Absätze sind fast senkrecht (III), aber ziemlich gutgriffig und in tadellosem Fels. Es muss aber ordentlich zugepackt werden.

Nach der Schlüsselstelle hat man den Grat erreicht und folgt diesem in weiterhin gutem Fels und einfacher Kletterei (II). Stellenweise ist der Grat ausgesetzt. Vor einem markanteren Felsaufschwung quert man kurz in die Nordflanke - in Aufstiegsrichtung also nach links hinunter - und traversiert auf einem schuttigen Band weiter. Hier nicht zulange den Steinmännchen folgen, die weiterhin durch die Flanke weisen, sondern besser, baldmöglichst wieder auf den Grat zurückkehren. Der Grat ist weiterhin exponiert aber gut begehbar (meist I, ab und zu kurz II). Kurz vor dem Gipfel wird der Grat dann problemlos begehbar und flach geht es hinüber zum höchsten Punkt.

Piz Üertsch Hauptgipfel - Ostgipfel (T5+)

Zunächst geht es in schuttigem Gehgelände über den flachen Grat weiter, später weicht man etwas in die Südflanke auf. Kurz vor dem Ostgipfel gilt es, einen geeigneten Abstieg zum etwas weiteren Ausweichen in die Südflanke zu finden. Der Grat ist an dieser Stelle sehr scharf und enorm exponiert, weshalb uns eine direkte Begehung zu heikel schien. Eine abwärts geschichtete Platte, kurz vor dem erwähnten Gratabschnitt war ebenfalls nicht nach unserem Geschmack, weshalb wir etwas früher, durch einen senkrechten Riss (II+) in die Flanke abstiegen. Maveric zog hier das mitgebrachte Seil kurz aus dem Rucksack, für die Seilsicherung waren wir hier dankbar, denn die Stelle musste im abschüssigen Gelände im Hintergrund rückwärts abgeklettert werden.

Durch eine gut begehbare Rinne stiegen wir anschliessend zum Ostgipfel auf.

Ostgipfel - P. 2965 m  (T4+)

Vom Ostgipfel führen ordentlich gute Wegspuren die Ostflanke hinunter. Einen steilen, aber gut gestuften, schuttigen Kamin stiegen wir bis etwa zur Hälfte ab und querten dann auf scharfem Fels nach links auf den Ostgrat, dem wir bis zu seinem Auslaufen in der darunter liegenden Flanke folgten. Der überwiegende Teil des Ostgrats besteht hier aus geschichtetem, feinen, aber griffigen Dolomitfels. Zuletzt geht es auf guten Wegspuren durch einen Schutthang hinunter zu P. 2965 m - dem tiefsten Punkt vor dem Aufbau des Piz Blaisun.

P. 2965 m - Terrassas - Albulapass (T3)

Über Schutt stiegen wir in östlicher Richtung ab. Wo das Gelände flach wird, gilt es weiter nach Osten zu queren und nicht zu früh abzusteigen, denn das Gelände ist dort enorm steil und kaum begehbar. Durch eine Schuttrinne und später durch die Flanke erreichten wir bald flaches Rasengelände und querten hier zum Teil auf Viehpfaden unterhalb des Piz Üertsch hindurch zur Gegend bei Terrassas, wo wir den Wanderweg erreichten, über den wir zu Beginn der Tour aufgestiegen sind.

Hike partners: Ivo66, Lena, Maveric


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Comments (8)


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Linard03 says: Gratulation ...!
Sent 21 August 2011, 20h15
... schöne Tour habt ihr da hingelegt; dazu informative Bilder! (habe mich auch schon mal mit dem Piz Uertsch beschäftigt ...).
Gruess, Richard

Ivo66 says: RE:Gratulation ...!
Sent 21 August 2011, 21h25
Hoi Richard

Vielen Dank für die Gratulation..

Ja, mit dem Üertsch haben wir uns auch lange beschäftigt. Den Aufstieg über den Westgrat kann ich nur empfehlen. Man könnte über ihn auch wieder absteigen, das Fixseil böte da gute Dienste - und man könnte deshalb auf dieser Route auch umkehren, wenn es einem nicht behagt.

Der Abstieg über die Ostgratroute darf nicht unterschätzt werden, auch wenn er im SAC-Führer mit WS- bewertet ist (Westgrat WS).

Ein toller Berg und ein Hauch Engadin dazu!

Herzliche Grüsse, Ivo

Henrik says: ...ist irgendwo im grauen Fels
Sent 21 August 2011, 21h04
ein hellblauer Tupfer...dann wart ihr da!

Danke wieder mal für die aussagekräftigen Felsbilder.

Herzlich

Henrik

Ivo66 says: RE:...ist irgendwo im grauen Fels
Sent 21 August 2011, 21h28
...wobei sich das helle Blau heute fast mit dem Himmel verschmolz.

Danke Dir Henrik. Es ehrt mich immer, wenn meine Berichte bei Dir Beachtung finden.

Herzliche Grüsse

Ivo (und ein hellblauer Gruss von Lena dazu)

chamuotsch says: und wieder einmal...
Sent 21 August 2011, 22h18
... habt ihr eine tolle Tour gemacht... den Uertsch würde ich aber auch lieber in Begleitung eines "Schonbegeher" machen. Grazcha fich für die tolle Bilddoku!!
Salüds, chamuotsch

Ivo66 says: RE:und wieder einmal...
Sent 22 August 2011, 18h28
Vielen Dank! Es gibt halt gar nicht so viele "Schonbegeher" ;-). Aber die Wegfindung im Aufstieg über den Westgrat ist eigentlich problemlos, im Abstieg über den Ostgrat an der von mir erwähnten Stelle jedoch etwas unübersichtlich.

Salüds Ivo

Sent 22 August 2011, 07h20
Hallo Ivo

wieder ein toller Bericht von einem weniger bekannten Berg.

Lg Markus

Ivo66 says: RE:
Sent 22 August 2011, 18h29
Danke auch Dir Markus. In Graubünden gibt es noch viele solche unbekannter Perlen.

Gruss Ivo


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