Der Goldene Berg: Vom Gros Van zum Mont d'Or


Published by Nik Brückner , 9 October 2019, 14h18.

Region: World » Switzerland » Vaud » Waadtländer Alpen
Date of the hike:15 September 2019
Hiking grading: T6- - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VD 
Time: 4:00
Height gain: 700 m 2296 ft.
Height loss: 700 m 2296 ft.
Route:8km
Access to start point:Von La Comballaz aus mit dem Auto auf dem Chemin des Saves und dem Chemin de (la) Sonnaz bis Pt. 1702, wo sich in der Nähe einer Alp und der Bergstation eines Skilifts eine kleine Parkmöglichkeit befindet.
Accommodation:Keine Ahnung!

Im Gegensatz zum Leissiggrat, den ich am Vortag spontan begangen hatte, habe ich den eineinhalb Kilometer langen Grat zwischen Gros Van und Mont d'Or zuhause entdeckt, als ich auf der Suche nach Touren für den Spätsommer 2019 war. Dieser Grat lag von meinem Feriendomizil zwar ein ganzes Stück weg, aber die Tour ist kurz, und die Fotos ließen mich annehmen, dass es sich lohnt. Also dübelte ich eines schönes Tages vom Thunersee aus durchs Simmental, durch Saanenland, und schließlich über den Col des Mosses nach La Comballaz, wo ich am Orzausgang in den Chemin des Saves, und einen knappen Kilometer weiter rechts in den Chemin de (la) Sonnaz einbog. Von hier aus fährt man noch gut drei Kilometer hinauf bis Pt. 1702, wo sich in der Nähe einer Alp und der Bergstation eines Skilifts eine kleine Parkmöglichkeit befindet. Hier startete ich meine Tour.


Los ging's also an Pt. 1702, wo sich prompt ein Wanderwegschild befindet. Es weist hinauf zur Alp L'Ecuale, angegeben sind 30 Minuten. Zunächst wandert man den Fahrweg zu der oberhalb befindlichen Alp hinauf, dort geht es dann auf einem nicht gerade deutlich ausgeprägten Weg oder einfach irgendwie über die Wiesen hinauf zur Alp L'Ecuale (1830m). Nach gerade einmal einer Viertelstunde langte ich dort an.

Rechts am Gebäude geht es vorbei, und man folgt nun einem weiteren Lift - die Markierungen befinden sich an den Stützen. Diese führen hinauf zu Pt. 1871, wo sich der Weg, hier nun bald wieder deutlicher, nach rechts wendet. Durch mäßig steile Grashänge quert man nun hinauf Richtung Petit Van (2006m), einen Vorgipfel des Gros Van, den man optional mitnehmen kann. Dann wendet sich das Weglein nach links, und führt unterhalb des Grats, der vom kleinen zum großen Van hinaufführt, weiter bergan. Am Gros Van selbst muss man achtgeben, denn das Weglein ignoriert den Gipfel, und führt darunter einfach weiter geradeaus, bis es sich irgendwo am Grat zum Mont d'Or verliert. Man muss also an der richtigen Stelle achtgeben, um die Trittspuren, die nach rechts hinauf zum Gipfel führen, zu entdecken, dann steht man auf dem Gros Van (2189m).

Pt. 1702 - Gros Van: markierte Wanderwege, T2, 1:15


Hier pauste ich, um mich ein wenig auf die bevorstehende Gratüberschreitung einzustimmen. Dann sah ich mich um, und mir kippte die Kinnlade herunter: Vor mir ragte der gewaltige Eisgipfel des Mont Blanc auf, rechts von mir breitete sich der Genfer See aus. Im Norden lockten diverse Vanils und Dents, und im Osten, gar nicht weit weg, zeigten sich die Grasgipfel rund um den Tarent. Eine herrliche Gegend - Hier war ich sicher nicht das letzte Mal.

Dann machte ich mich auf den Weg. Das erste Drittel des Grats ist einfach zu begehen: Ein schöner, nicht allzu schmaler Grasgrat, der einem immer die Möglichkeit lässt, auch links davon im Hang zu laufen (und so vielleicht den einen oder anderen Zacken auszulassen). Bald wird der Untergrund dann felsiger, und man steigt in ein erstes ausgeprägtes Schartl hinunter. Das ist ziemlich unangenehm: Glatter Fels, darauf feiner Schotter, das muss man mögen. Wer mit so etwas nichts anfangen kann, sollte hier umkehren, es wird beileibe nicht besser - und es gibt unterwegs keine Ausstiegsmöglichkeiten.

Der jetzt deutlich felsigere Grat ist von nun an mit Schwierigkeiten nur so gespickt: Schmale Passagen, sehr schmale Passagen, Klettereien in brüchigem Fels, Fantasie in der Routenfindung. Erholungsphasen gibt es wenige, und sie sind kurz.

Unten angekommen, geht es nun auf ein ziemlich schmales Mäuerchen hinauf, das aber ganz gut zu begehen ist. Man hält auf einige Bäume zu. Unterwegs wird der Grat allerdings erst mal richtig schmal...

Hinter den Bäumen kommt eine Passage, in der Grat von plattigem, schräg abwärts geschichtetem Fels gebildet wird. Die Platten sind allerdings nicht allzu schräg, und dadurch gut zu begehen. Der Grat führt an einen Felskopf heran, der durch eine Rinne etwas links der Kante erstiegen wird. Dort, wo sich die Rinne weitet, rechts hinaus, und über Schrofen zum höchsten Punkt (II).

Über Grasschrofen wandert man nun weiter zum nächsten Hindernis: einer senkrechten Felsstufe, die von links unten heraufkommt. Auch hier wird der Grat von plattigem, schräg abwärts geschichtetem Fels gebildet, allerdings sind diese Platten nun deutlich steiler geschichtet, so dass spätestens kurz vor der Felsstufen nur auf der Kante balanciert werden kann. Mir war der Anstieg von hier aus zu heikel, und ich ging ein paar Meter zurück, um auf deutlichen Tritten im steilen Gras links vom Grat hinunterzusteigen. Dort bot sich eine Schwachstelle in der Felsstufe, die ich nutzen wollte. Diese Umgehung war ein wenig heikel, besonders an der Schwachstelle und im danach folgenden Wiederaufstieg: gute, aber feuchte, erdige Tritte, die mich am Ende auch nicht wirklich entspannt sein ließen. Aber ein Blick zurück versichterte mir: Die Umgehung war T6, mir aber weitaus lieber als das Balancieren auf dem schmalen Grätchen und die frontale Erkletterung des Mäuerchens.

Gras! Ein paar Meter Gras erwarten den Gratwanderer nun, und in  spürbar einfacherem Gelände geht es nun weiter zu einer kleinen Baumgruppe, links neben einem breiten Felskopf. Dieser wird erstiegen (I, sein oberer Teil kann auch umgangen werden), und über schotterige Schrofen geht es nun an den nächsten Kopf heran. Dieser wird überraschend einfach in seiner rechten Hälfte über eine Grasrampe erstiegen.

Ans Aufatmen ist hier aber noch nicht zu denken. Ein kurzer Grasrücken führt hinunter in ein ziemlich unübersichtliches Felslabyrinth. Hier turnt man über einige brüchige Zacken, oder umgeht sie in der rechten Flanke. Der Grat führt dann, wieder ein wenig leichter, in das Schartl Pt. 2097 hinunter, dahinter wartet ein großer, spitzer Zacken. Ein nicht zu übersehendes grünes Band führt durch seine Flanke links hinauf zu einem markanten schräggestellten Felsspitzl. Von diesem aus kann der spitze Zacken über Fels und Gras erstiegen werden.

Nun ist es nicht mehr weit. Über Blöcke geht es weiter hinauf, dann führt eine grüne, schotterige Rampe hinauf zum Gipfelaufbau des Mont d'Or.

Hier liest man, habe man die Möglichkeit, die Kante direkt zu erklettern (III), oder den Gipfel durch die (sicherlich meist feuchte) erdige Rinne links davon zu gewinnen (schätzungsweise im obersten T-Bereich). Viel einfacher ist es aber, ein breites Band zu nutzen, das rechts vom Grat wegführt, und auf dem man in grasiges Gelände gelangt. Von hier aus sind es nur ein paar Meter hinauf zum markierten Wanderweg, auf dem man nun ohne Weiteres den Gipfel des Mont d'Or (2175m) erreicht.

Gros Van - Mont d'Or: weglose Gratüberschreitung, T6/Stellen I und II, 1:15h


Ich genoss nochmal den gleichen, atemberaubenden Rundblick: Mont Blanc, Genfer See, Vanils und Dents, und im Osten der Tarent. Schöne Erinnerungen kamen auf: Den Mont Blanc hatte ich vier Jahre zuvor auf dieser Tour zum ersten Mal gesehen. Dann kamen eine Frau und ein Typ mit Pink-Floyd-Shirt herauf, grüßten mich kurz, und verschwanden wieder. Ich pauste noch ein Weilchen herum, dann machte ich mich an den Abstieg.

Vom Gipfel weg führen (angesehen von dem markierten Wanderweg) Wegspuren auf dem Südostgrat Richtung Chaudet hinunter. Ich folgte diesen Spuren, bis sie sich kurz vor Pt. 2068 im schotterigen Grashang verlieren. Hier hätte ich wohl mit Vorteil den großen Trichter nutzen sollen, um direkt zu den Alpgebäuden hinunterzusteigen, ich vermutete aber, dass sich der Weg vielleicht auf der baumbestandenen Rippe gegenüber fortsetzen könnte, wanderte hinüber zu Pt. 2068 und dort weiter auf der Rippe bergab. Doch meine Vermutung bewahrheitete sich nicht, ein Weg war nicht zu finden. Aber die Rippe ist ganz gut zu begehen, und so blieb ich hier. Unten gelangt man dann in steileres Gras, und der Abstieg zu den Hütten ist noch weit und etwas mühsam.

Oberhalb von Chaudet (1653 m), auf etwa 1700 Metern Höhe wird das Gelände dann flacher.

Achtung! Hier liest man immer wieder wilde Zahlen, die man alle besser nicht beachtet! Keine ist falscher als die Höhenangabe von 2000 Metern, die ich irgendwo las. Am Besten, man steigt wirklcih ganz hinunter zu den Hütten von Chaudet.

Mont d'Or - Chaudet: Weitgehend weglos über Grashänge, T3+, 1h


Ich traf noch ein gutes Stück oberhalb der Hütten auf die verrosteten Schienen einer Bahn. Gibt es hier vielleicht tatsächlich Gold? Jedenfalls verlor ich mich in der Folge im Wald, um dort noch ein wenig herumzustöbern. Das machte aber nur am Anfang Spaß, denn in dem - durchaus schönen - Wald muss man ziemlich viel über große Felsbrocken kraxeln, die Gros Van und Mont d'Or seit Urzeiten hier hinunterwerfen.  Ich kam nur mühsam voran, verlor bald die Lust, und fand nicht einmal den Weg von Chaudet nach Le Larzey. Und so schlug ich mich durch, und stieg am Ende erleichtert einen steilen Grashang hinauf zu einem winzigen Hüttl, das gut sichtbar auf dem Rücken östlich unterhalb von L'Ecuale steht. Nicht nachmachen.

Besser ist's, man wandert bis Chaudet (Pt. 1653), und von dort über Le Larzey (falls es diesen Weg gibt), oder auf dem breiten Fahrweg zurück zu Pt. 1702.

Unter dem Lift hindurch wanderte ich dann über schöne Matten ziemlich geradewegs zurück zu meinem Autschgerl, das bei Pt. 1702 brav auf mich wartete.

Chaudet - Pt. 1702: weglos durch den Wald, T4 (30 Minuten), oder auf dem Fahrweg, T1, ca. 45 Minuten


Fazit:


Kurze, und ziemlich wilde Tour über einen brüchigen Voralpengrat. Der erste Teil ist defi schöner, der zweite wohl Geschmackssache und nur für erfahrene Bruchpiloten empfehlenswert. Wem der plattig-schotterige Abstieg in das erste ausgeprägte Schartl schon nicht zusagt, der wird an der restlichen Tour vermutlich keinen Spaß haben. Aber gut, wer in den Nordalpen unterwegs ist, der ist an Bruch gewöhnt. Und es hält sich auch in Grenzen, echtes Blätterkrokant hat man kaum mal in der Hand (oder unten den Füßen). Trotzdem sollte man aufpassen, und jeden Tritt prüfen.

So ganz eingelöst hat der Grat nicht, was ich mir von ihm versprochen hatte. Aber es war eine nette, kurze Tour, die man gut mal machen kann, wenn man eh in der Gegend ist.



Ausrüstung:

Mit Helm und Stecken bin ich ausgekommen. C-Schuhe sind selbstverständlich.


Tja, und am nächsten Tag stand dann ein echtes Highlight an: Der Niesengrat.

Hike partners: Nik Brückner


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