Überschreitung von Gsür und Albristhorn


Published by amphibol , 24 October 2014, 22h56.

Region: World » Switzerland » Bern » Frutigland
Date of the hike:18 October 2014
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: Niesenkette   CH-BE 
Time: 7:30
Height gain: 1560 m 5117 ft.
Height loss: 1324 m 4343 ft.
Route:rund 15Km, Tschentenalp Bergstation - Schwandfälspitz - Härdigs Höreli (Südostgrat der Gsür) - Gsür - Südwestgrat der Gsür - zwei Gendarme - Furggeli - Albristhorn - Sattligrat - Seewlehore - Tierberg - Laweygrat - Sillerenbühl
Access to start point:cff logo Adelboden, Post
Access to end point:cff logo Adelboden, Mineralquelle
Accommodation:Etliche in Adelboden
Maps:1247, 1:25'000 Adelboden

Am goldenen Herbst wollten auch wir, wie tausende anderer Berggänger teilhaben. Lange geplant, nun bereits des öfteren verschoben, klappte es nun endlich zusammen mit Tinu eine Tour unter die Füsse zu nehmen. Eigentlich wollten wir einen anderen Berg in der Region besteigen, leider hatte aber dieser bereits ziemlich Schnee an seinen ausgesetzten Graten, weswegen wir dieses Unternehmen auf ein anderes Jahr verschoben..  Doch wie wir wissen ist aufgeschoben nicht aufgehoben. Und schöne Berge wie beispielsweise das Gsür gibt es viele.. 

Die Besteigung des Gsür begann an diesem Tage in Thun am Bahnhof. Ein gewisser Kraftaufwand war nämlich bereits ab da in die je zwei Beine zu investieren. Der Zug, der nämlich im indischen Stil daher gerollt kam - nämlich was die Verspätung und allem voran die Masse an Menschen anbelangte - war so überfüllt, dass wir mitsamt unserer schweren Rucksäcke bis Frutigen im Gang standen. Man verstehe mich allerdings nicht falsch! Es ist absolut in Ordnung, dass man einen Zug in einer absoluten Pendlerspitze auslasten darf, dem ist gar nichts entgegen zusetzten.. 

In Adelboden genehmigten wir uns in der Nähe der Talstation der Tschentenalp-Bahn ein Gipfeli und nur ein paar Minuten später gelangten wir mit der Gondelbahn oben auf der Tschentenalp an. Erst gegen 10.00 Uhr starteten wir mit unserem Marsch Richtung Schwandfälspitz, nur ganz wenige Wanderer waren unterwegs. Zwei kleine Gruppen davon machten sich auf den Gsürweg, der unterhalb der Gsür im Südosthang gegen das Furggeli, den Pass zwischen Albristhorn und Gsür dreht. 

Zu unserer Tour:
Wir planten das Gsür über den Südostgrat via das Couloir auf den Sattel zwischen Gsürgipfel und Landvogtehore zu erreichen. Die Schlüsselstelle stellt die leichte aber etwas ausgesetzte Kletterei (II) vom Sattel auf den Gipfel dar. Die Passage folgt unmittelbar nach dem Sattel und führt direkt auf den Gipfel des Gsür. Allerdings ist diese Passage mit einem Seil entschärft und daher nur halb so schwierig. Auf dem Gipfel sieht man bereits den oberen Gendarm (vom Gipfel etwa 10 Minuten), von dem man auf einen kleinen Sattel abseilt (rund 12m). Dort erreicht man den zweiten Gendarm. Über diesen kann man in einer Verschneidung abseilen (rund 18-20m). Insgesamt bestehen 3 Abseilstellen, allerdings sind diese beim ersten Gendarm redundant vorhanden, d.h. man gewinnt bei der unteren der beiden rund 4m Seil. Mit einem 50m Seil können beide Gendarme ohne Probleme nach Lehrbuch abgeseilt werden. Beim unteren Gendarm muss man mit einem 30m Seil die letzten Meter abklettern (nicht zu empfehlen wegen Steinschlag ausgelöst beim Seilabzug..). Unten angekommen kann man Seil und Klettergurte einpacken. Via den Südwestgrat (der 2 T5 Stellen hat) erreicht man on the edge das Furggeli, also den Pass zwischen Albristhorn und Gsür. Der Aufstieg auf's Albristhore ist danach einfach, aber zieht sich etwas hin. Schon nur der Aussicht auf die bisherige Begehung wegen, lohnt sich der Abstecher auf's Albristhorn! Der Sattligrat über das Seewlehore und den Laveygrat sind als Bergweg markiert und laden zu einem schönen "workout" mit meist wunderbarer Aussicht ein.

Alternative Gsür: das Gsür kann auch vom Färmeltal (auch im Abstieg) erreicht werden. Via Landvogtehore erscheint es mir als die leichteste Route (allerdings viel Geröll). 


vergrössern: [http://f.hikr.org/files/1597909.jpg]

Über den Südostgrat auf das Gsür
Wir stiegen auf dem aus der Ferne etwas schwierig aussehenden Südostgrat Richtung den Querverschnitt (das Couloir), der von weitem zu sehen ist auf. Der Grat erweist sich dann aber als muntere Wanderei, nur manchmal leicht ausgesetzt aber schön zum begehen mit guten Wegspuren. Vor dem Couloir, beim Erreichen des Härdigs Höreli setzten wir unsere Helme auf den Kopf, ein meiner Meinung nach obligatorisches Ritual an dieser Stelle. Das Couloir ist nicht schwierig, aber der sich angesammelte Stein sehr instabil und brüchig. 



Immer wieder erwies sich als hifreich in den rechten, ausschneidenden Bereich des Verschnitts auszuweichen. Dort klettert man mehrheitlich auf befestigtem Untergrund, gerade der Vorsteiger macht das Leben dem Nachsteiger so einfacher. Auf Steinschlag ist hier in jedem Fall zu achten.

Auf dem Sattel offenbarte sich eine wundervolle Aussicht ins Simmental und weit ins Mittelland. Rund ab Langental lag die Schweiz unter Nebel, das Berner Oberland zeigte sich aber von seiner schönsten Seite mit einer phänomenalen Weitsicht. 

Vom Sattel zum Gipfel ist es nicht mehr weit. Wir kletterten die Schlüsselstelle über schönen Fels entlang des Grates bis zum Gipfel (1h45Min von der Tschentenalp). Auf dem Gipfel angelangt, empfanden wir puren Genuss, keine Menschenseele ausser uns zweien, genossen wir das T-Shirt Wetter und die wunderbare Weitsicht! Bald, nach dem Gipfelbucheintrag zogen wir weiter, denn unser Tag hatte noch was zu bieten, wir waren noch bei weitem nicht in der Mitte unserer Tour. :-)

Südwestgrat Gsür bis Albristhorn
Bald, also nur ein paar Minuten später waren wir an der Abseilstelle am oberen Gendarm. Es besteht eine relativ neue Einrichtung in der oberen Steinplatte. Sollte man ein zu kurzes Seil haben, kann man über eine eingeklemmte Felsplatte zur unteren Abseilstelle krakseln. Dort ist ein Eisenkabel mit Abseilring verfügbar. Wir seilten direkt über die Kante, direkt auf den kleinen Sattel ab, was sich wunderbar bewährte. Aufpassen beim Seil abziehen wegen Steinschlag! 

Nur wenige Schritte trennten uns danach zur zweiten Abseilstelle. Diese ist - auch wenn etwas länger - einfach abzuseilen, weil man in einem fast rechtwinkligen Felsverschnitt abseilen kann. Allerdings lohnt es sich vom Haken in Abseilrichtung etwas nach rechts abzuseilen. Dort ist es weniger überhängend im oberen Teil. 

Der weitere Gratverlauf ist über weite Teile anregend und wir kommen gut voran. Einige stellen sind leicht exponiert aber trotz Feuchtigkeit im Untergrund gut begehbar. Vom Furggeli unterschätzt man zuerst mal die Aufstiegsdistanz zum Albristhorn. Doch auch das Albristhorn (leicht, T3+) ist bald erreicht und der Rückblick ist wunderbar. Wir sahen die ganze bisherige Aufstiegsroute:



Abstieg über Satteligrat und Laveygrat
Der Abstieg über die Gräte Satteli und Lavey ist schön, auch wenn sich das über die Distanz noch ziemlich in die Länge zieht. Wir genossen die schöne Aussicht auf die Berner Hochalpen und die noch grünen Täler. Kurz vor dem Hahnemoospass fragten wir zwei Wanderer, wann die letzte Gondelbahn ab Sillerebühl fahren würde. Sie meinten, dass diese wohl um 16:46Uhr fahre, waren aber nicht sicher. Naja, zu dem Zeitpunkt war 16:35Uhr und es würde auch mit Rennen nicht passen. Wir entschlossen uns trotzdem schneller Schritte Richtung Sillerebühl aufzubrechen. Wir sahen immer wieder diese Trottifahrer abfahren...

Um 16:58 Uhr traten wir in die Bergstation ein und siehe da: 17:00 Uhr letzte Gondel. Obwohl wir eigentlich damit rechneten, auch bis Adelboden laufen zu müssen, waren wir jetzt ziemlich froh, durften wir mit der Gondel runter. Auch wenn ich die 22CHF für eine Einfachfahrt nach Adelboden nach wie vor überrissen (und daher nicht unterstützungswürdig) finde.. 

Fazit
Das Gsür ist eine super alpine Tour mit sehr schöner Aussicht und oftmals ist man da oben alleine unterwegs. Der Südostgrat des Gsür im Aufstieg ist lohnenswert. Das Couloir zum Sattel ist in jedem Fall mit Vorsicht zu geniessen (Steinschlag). Die Abseilstellen machen meiner Meinung nach die Tour relativ einfach, damit ist ein T5 vertretbar. Sollten die Gendarme ohne Seil im Aufstieg oder im Abstieg erklettert werden, dann ist man selber schuld! ;-) (T6 und III, brüchig).. Die damit schwierigste Passage dürfte sich daher im Gipfelbereich beim Aufstieg befinden. Das Couloir ist nicht schwierig aber wohl das gefährlichste Element der Tour. Die Erweiterung mit Albristhorn und Abstieg bis Sillerebühl oder Hahnemoospass lohnenswert aber distanzmässig nicht zu unterschätzen.

Zeit: 7h 30 Minuten 
Distanz: rund 15Km
Spezielles: Auf dem Albristhorn hat man auf dieser Tour erst etwas mehr als die Hälfte der Distanz. 

Hike partners: amphibol


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