Zwei tolle Säntisrouten an einem prächtigen Herbsttag - Ostgrat und Hüenerberg


Published by Ivo66 Pro , 3 October 2015, 22h59.

Region: World » Switzerland » Appenzell
Date of the hike: 3 October 2015
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-AI   Alpstein   CH-AR   CH-SG 
Time: 7:15
Height gain: 1900 m 6232 ft.
Height loss: 1900 m 6232 ft.
Route:Wasserauen - Seealpsee - Mesmer - Wagenlücke - Ostgrat - Säntis - Blau Schnee - Hüenerberg - Höch Nideri - Öhrli - Altenalp - Seealpsee - Wasserauen
Maps:1:25'000 Säntis

Gewiss: Der Säntis ist unter anderem wegen der Seilbahnerschliessung eigentlich kein lohnendes Gipfelziel. Er ist aber der höchste Berg im Alpstein und bietet verschiedene, sehr attraktive Zustiege, welche die Wege zum Ziel und damit eine Besteigung eben doch lohnend machen. Was gibt es Schöneres, als über einen aussichtsreichen Grat zu balancieren, etwas abseits der grossen Menschenmassen? Der Säntis bietet gerade zwei solche Routen, nämlich den langen Ostgrat, auch bekannt als Böseggroute und die Überschreitung des Hüenerbergs, einen ebenfalls längeren Gratabschnitt auf der nördlichen Alpsteinkette. Wer etwas Ausdauer mitbringt, kann die beiden tollen Alpinwanderrouten auch an einem Tag kombinieren, wobei ich empfehle, den Ostgrat im Aufstieg und den Hüenerberg im Abstieg zu begehen, da letzterer weniger Steilabschnitte enthält und man zudem auf dem Ostgrat ziemlich direkt zum Gipfel aufsteigen kann, ohne in den üblichen Stau an der Himmelsleiter zu geraten. Beim Abstieg fällt letztere Unannehmlichkeit weniger ins Gewicht, ist man sich doch nach dem Aufenthalt am Gipfel bereits an den plötzlich einsetzenden Rummel gewöhnt.

Der riesige Parkplatz in Wasserauen platzte bereits aus allen Nähten bei unserem Eintreffen um 10.00 Uhr morgens - nein, eine gute Idee ist es nie, an einem schönen Herbstwochenende den Alpstein aufzusuchen. Zu unserem Erstaunen war es denn aber im Aufstieg über den Seealpsee zum Mesmer und weiter zur Wagenlücke erstaunlich ruhig. Wir beschlossen spontan, wieder einmal die direkte Gratroute von der Wagenlücke aus in Angriff zu nehmen: Wir sind beide keine Liebhaber von Klettersteigen; die Schlüsselstelle kurz nach dem Einstieg entspricht eben einem solchen; man muss hier volles Vertrauen in das Fixseil haben, aber zuverlässige Felsgriffe sind mir persönlich schon lieber, zumal dies nicht eine offizielle Route ist und die Steighilfen kaum kontrolliert werden. Die Stelle war aber rasch gemeistert und danach bot der Grat nur noch Genuss pur.

Kurz vor dem alten Gasthaus am Säntis wartete ein recht junger Steinbock mitten auf dem Grat und musterte uns neugierig. Bis auf 3 Meter liess er uns heran - unglaublich. Der Gipfelaufenthalt dauerte für uns dann gerade mal eine gute Sekunde - sofort verschwanden wir, wohl durch den Kulturschock am Gipfel geprägt, im riesigen Gebäude und machten uns auf zum Abstieg.

Auf der Himmelsleiter kamen uns ganze Karawanen von Menschen entgegen; der Säntis wurde heute von vielen Hunderten zu Fuss erreicht, während die Luftseilbahn das seinige zum grossen Rummel beitrug. Nach Verlassen der ebenfalls sehr verkehrsreichen Blau Schnee-Route und dem kurzen Gegenaufstieg zum Hüenerbergsattel war der Spuk aber im Nu vorbei.

Nie hatten wir zuvor die Hüenerbergüberschreitung im Abstieg begangen. Dies ist problemlos möglich, wobei wir die ganz harte Schlüsselstelle mit einem sehr exponierten Gratabschnitt diesmal umgingen. Das Öhrli lockte ebenfalls noch; schnell ist der formschöne Berg vom Öhrlisattel in einfacher Kletterei erreichbar. Um 17.00 Uhr standen wir einsam auf dem Gipfel, wobei unser Eintrag ins Gipfelbuch heute bereits der sechste war.

Der Abstieg über den Lötzlisalpsattel zur Altenalp und hinunter zum Seealpsee zog sich dann doch noch in die Länge, war aber landschaftlich besonders schön, leuchteten die Berge doch bereits im Abendlicht. Wasserauen war danach auf dem Fahrsträsschen rasch erreicht.

Routenbeschreibung:

In diesem Bericht habe ich den direkten Einstieg zur Säntis-Ostgrat-Route von der Wagenlücke aus beschrieben.

Eine Beschreibung der Hüenerbergüberschreitung (allerdings im Aufstieg) findet sich hier .

Im übrigen sind alle offiziellen Bergwanderwege im Alpstein perfekt ausgeschildert und markiert. Wegfindungsschwierigkeiten bieten sich nirgendwo.

Hike partners: Ivo66, Lena


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Comments (2)


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habicht says:
Sent 5 October 2015, 08h30
Habe Euch beim Ausstieg aus der Böseggroute gesichtet :). Ich wollte an diesem Tag diese Route ebenfalls versuchen. Musste aber aufgrund meiner Tagesform wieder auf den Normalweg zurückkehren.

Ivo66 Pro says: RE:
Sent 5 October 2015, 18h49
...beim Überklettern des Geländers an der Hotelterrasse zieht man unvermeidlich viele Blicke auf sich :-). Wir wünsche Dir viel Erfolg und Vergnügen beim nächsten Mal am Ostgrat.

Gruss, Ivo und Lena


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