In dichtem Nebel über den Hüenerberg zum Säntis


Publiziert von Ivo66 Pro , 19. September 2015 um 18:01.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:19 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-AI   Alpstein   CH-AR   CH-SG 
Zeitbedarf: 4:15
Aufstieg: 1340 m
Abstieg: 150 m
Strecke:Schwägalp - Potersalp - Nasenlöcher - Hinter Öhrligrub - Höch Nideri - Hüenerberg - Girensattel - Säntis
Kartennummer:1:25'000 Säntis

Die herrliche Gratroute über den Hüenerberg zum Säntis über einen schönen Teil der nördlichen Alpsteinkette verdiente nun wirklich schöneres Wetter, als wir es heute antrafen. Nach ziemlich freundlichem und viel versprechendem Auftakt auf der Schwägalp wurde der Alpstein heute schon früh am Tag im oberen Bereich von einer stockdichten Nebeldecke eingehüllt, die in der Folge nicht mehr locker liess. Teilweise betrug die Sichtweite deutlich weniger als 10 Meter.

Unserer guten Laune tat dies keinen Abbruch. Wir genossen die ungewöhnliche Stille (bis zum Girensattel...) und Einsamkeit im Alpstein. Bis auf einen Geissenhirten sind wir bis zum Erreichen des Säntiswegs nach der Hüenerbergüberschreitung heute keinem Menschen begegnet. Am Girensattel änderte sich dies schlagartig: Dort herrschte wie immer, wenn es nicht gerade Katzen hagelt, regelrechte Partystimmung mit überlauten Menschenstimmen, Jauchzern, Gesang und Zigarrenrauch. Es galt dort für uns nur noch, so schnell wie möglich, den Gipfel zu erreichen und rasch mit der Luftseilbahn wieder ins Tal hinunter zu gleiten. Schöne Bergerlebnisse sehen anders aus.

Und diese hatten wir - fast unmittelbar zuvor - wenn auch wie erwähnt in sehr dichtem Nebel. Nach dem attraktiven Aufstieg über die Nasenlöcherroute, welche sich im grasigen Teil ziemlich schmierig und feucht präsentierte, beschlossen wir aufgrund der völlig fehlenden Sicht, das Öhrli für einmal links liegen zu lassen und direkt zum Höch Nideri aufzusteigen, solange dort die Felsen noch trocken waren.

Auf der Gratüberschreitung zum Hüenerberg wählten wir heute die ganz direkte Variante über den Grat, ohne jedes nennenswerte Ausweichen in die Flanken. Dabei überkletterten wir erstmals auf dieser Route einen recht zügigen Felsaufschwung direkt und sahen uns in der Fortsetzung mit einem sehr ausgesetzten Gratabschnitt konfrontiert. Mit der entsprechenden Vorsicht meisterten wir diese fast grenzwertige Stelle und erreichten in der Folge den Hüenerberg, wobei wir aufgrund des dichten Nebels nicht mal ganz sicher waren, wann wir tatsächlich auf dessem höchsten Punkt gestanden sind. Aber verfehlt haben wir ihn sicher nicht, lässt doch das Gelände kaum eine andere Wahl - der Nebel war deshalb auch in keiner Weise hinderlich oder gar gefährlich.

Routenbeschreibung:

Schwägalp - Nasenlöcher - Höchnideri Sattel (T4):

Von der Schwägalp wandert man auf Fahrsträsschen in einigem Auf und Ab ziemlich lange am Fuss der mächtigen Wände der nördlichen Alpsteinkette entlang. Der Aufstieg setzt etwas südlich der Hütte bei Oberer Borstböhl ein und ist von dort aus weiss-blau-weiss markiert. Es bieten sich keine Routenfindungsschwierigkeiten. Einige Stellen sind recht ausgesetzt. Die Schlüsselstelle, ein glattes Wändchen ist durch Eisentritte und Drahtseile etwas entschärft. Auch in der Folge findet man an zwei Stellen solche technischen Hilfsmittel.

Nach einem flacheren Teil bei Hinter Öhrligrueb erreicht man den weiss-rot-weiss markierten Bergwanderweg, der zum Säntis führt und nach wenigen Minuten steht man auf dem Höchnideri Sattel.

Höchnideri Sattel - Höch Nideri (T3+)

Beim Wegweiser verlässt man den markierten Weg und steigt über kombiniertes Gelände (Gras, Schrofen, einfache Felsen) beliebig zum Gipfel der Höch Nideri auf.

Hüenerbergüberschreitung bis Hüenerbergsattel (T5)

Nun wird der Grat ausgesetzt. Der Fels ist aber meist von sehr guter Qualität und bietet stets gute Tritte und Griffe. Einen ersten grösseren Aufschwung erklettert man leicht über einen schmalen Gratabschnitt und einen nächsten scharfen Abschnitt umgeht man ausgesetzt in der Nordseite. Man erklettert bald einen mächtigen Aufschwung (diesen könnte man auch einfacher links umgehen und so die ausgesetzteste Passage vermeiden), der etwas Krafteinsatz erfordert. In der Folge wird der Grat für einige Meter sehr ausgesetzt und erfordert auch in der Folge nochmals kurze Kletterei. Anschliessend trifft man wieder auf Gehgelände. 

Der Schlussaufstieg zum Hüenerberg sieht dann von weitem furchteinflössender aus, als er in Wirklichkeit ist. Auf gut gestuften Schrofen erreicht man, zuletzt durch eine wenig ausgeprägte Rinne und wiederum kurz in die Nordlfanke ausweichend den letzten Gratabschnitt mit einer kurzen ausgesetzten Stelle. In wenigen Schritten steht man danach auf dem Gipfel des Hüenerberg.

Der folgende Gratabschnitt bis zum Hüenerbergsattel (Einmündung der Chammhaldenroute) bietet nun kaum noch Schwierigkeiten und verläuft vorwiegend in Gehgelände, mit einigem Auf und Ab. Vom Hüenerbergsattel steigt man durch eine Geröllhalde auf guten Wegspuren (orange Markierungen) zum Säntisweg ab.

Schlussaufstieg zum Säntis (T3)

Über den Blau Schnee oder je nach Verhältnissen den Markierungen entlang (im oberen Teil Drahtseilsicherungen) geht es nun hinauf zum Girensattel und anschliessend über die Himmelsleiter, welche beidseits mit Drahtseilen und vielen Eisentritten gut begehbar ist, zum riesigen Gipfelgebäude.
 

Tourengänger: Ivo66, Lena


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (2)


Kommentar hinzufügen

Peter23 hat gesagt: Hüenernebel
Gesendet am 20. September 2015 um 11:23
Hallo Ivo und Lena
Die Nebelgespenster lassen die Schlüsselstellen statt als T5 zumindest optisch als T6 erscheinen. Und Deine Fotos
sind nicht weniger eindrücklich als gewohnt.
Beste Grüsse
Peter

Ivo66 Pro hat gesagt: RE:Hüenernebel
Gesendet am 20. September 2015 um 20:06
Hallo Peter

Vielen Dank. Der Vorteil des Nebels bestand vielleicht auch darin, dass man nicht 100, sondern nur 10 Meter tief runter sehen konnte;-). Hoffen wir auf schöne Herbsttage.

Viele Grüsse

Ivo und Lena


Kommentar hinzufügen»