Stierjoch (1909 m ) - eine Tour zum Kotzen!


Publiziert von 83_Stefan , 5. Oktober 2014 um 10:00.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Karwendel
Tour Datum:20 September 2014
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Mountainbike Schwierigkeit: L - Leicht fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   D 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1450 m
Abstieg: 1450 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Via B13 nach Fall; durch den kostenpflichtigen Nachtparkplatz zum kleinen, kostenfreien Bergsteigerparkplatz am Eingang des Dürrachtals.
Kartennummer: Bayerisches Landesamt für Vermessung und Geoinformation UK50-51 Karwendel.

Ein Mal im Jahr ist es so weit - man feiert den Oktober. Zwar im September, aber das ist an sich Nebensache. Die "Weltstadt mit Herz" lädt ein und diesem Ruf folgt man rund um den Globus. Da ist es egal, ob "made in England" oder "born in the USA", man findet sich ein im Mekka, in dem das Bier in Strömen fließt und in dem die Tische zum Tanzen zu schlechter Musik da sind. Dass es zu Unpässlichkeiten kommen kann, wenn ausgerechnet die letzte Mass Bier schlecht war, liegt nahe. Trotz allen Brimboriums um diese Spaßveranstaltung soll es eine Spezies Mensch geben, die weniger zum Kotzen auf die Wiesn, als vielmehr zur Wiese auf dem Kotzen geht, um sich am dritten Septemberwochenende auszutoben. Klingt komisch, ist aber so! Der Fuchs unter den Lesern wird es vielleicht schon ahnen - es gibt tatsächlich einen Berg, der "Kotzen" heißt! Dieser liegt im Karwendel und ist eher ein kleiner Fisch - macht aber nichts, denn die Aussicht ist gut und man kann ihn mit weiteren Gipfeln kombinieren. In dieser Beschreibung wird eine Rundwanderung von Fall über Kotzen, Stierjoch, Östliches Torjoch und Lerchkogel vorgestellt - eine Tour zum Kotzen also...

Am südlichen Ortsende von Fall startet die Tour. Mit dem Radl geht's auf der geteerten Fahrstraße nach Süden ins Dürrachtal hinein, das Flüsschen wird auf einer Brücke überquert. Jenseits in nur geringer Steigung weiter, bis kurz nach dem Aussichtspunkt in die Dürrachklamm eine kleine Schotterstraße nach rechts abzweigt; hier wird das Radl deponiert. Auf dem Forstweg ein Stück hinunter und dann rechts auf einem Steig weiter bergab, der mittels einer Brücke die Dürrach überquert. Jenseits leitet er in vielen Kehren durch dichten Wald angenehm steigend bergan, bis die Ruine des Kotzenalm-Niederlegers auf einer aussichtsreichen Almfläche erreicht wird. Hier zeigt sich der Kotzen recht schön.

Der Pfad leitet durch die Almfläche an den Gipfelaufbau des Kotzen heran, bis er nach links biegt und nur noch schwach steigend seine latschenbesetzte Ostflanke quert. Man folgt dem Steig, bis kurz vor dem Kotzen-Gipfel (das Kreuz ist bereits zu sehen) ein begrünter Rücken hinauf zum Kamm leitet. Auf ihm weglos hinauf, weiter oben finden sich Steinmänner und Wegspuren. Am Kamm angekommen, ist es nur noch ein Katzensprung zum ersten Gipfel des Tages. Vom Kotzen zeigt sich der Sylvensteinsee besonders schön und ruhig ist es hier oben auch.

Am Kamm geht's völlig problemlos weiter zum verfallenen Hochleger der Kotzenalm, der in einer breiten Einsattelung liegt. Seine Grundmauern stehen noch, der Anblick erinnert an vergangene Zeiten.

Der Kamm leitet weiter in Richtung Stierjoch; wer die Runde verkürzen will, der kann einer deutlichen Spur folgen, die nach einer Zwischenerhebung nach links hinüber zur Ludernalm quert. Viel schöner ist aber der Weiterweg am Kamm zum Stierjoch - der Anstieg ist weit weniger steil, als man beim Anblick des Gipfels vermutet hätte und problemlos erreicht man den höchsten Punkt der Tour, den lediglich ein alter Grenzstein ziert. Die Aussicht wird in erster Linie durch die umliegende Karwendelprominenz bestimmt, schön ist vor allem der Blick hinunter zum Delpssee, der vom schneidigen Baumgartenjoch überragt wird. Auch der Schafreuter macht Eindruck.

Am Stierjoch folgt man dem frisch markierten Weg nach links am Kamm oberhalb der Ludernwände hinüber zum Östlichen Torjoch, wo ein neues Kreuz aufgestellt ist, und von dort hinab zum ruhig gelegenen Hochleger der Lerchkogelalm. Hier bietet sich ein kleiner Abstecher zum Lerchkogel an, von dem man die bisherige Runde bestens bestaunen kann: Von der Alm folgt man Trittspuren durch Weidehänge hinauf zum bereits lange sichtbaren Gipfelchen (mit Gipfelkreuz und -buch). Hier bieten sich nochmals informative Einblicke ins Vorkarwendel und das bisherige Tagwerk lässt sich schön überblicken - ein gelungener Abschluss also.

Apropos Abschluss: da wäre ja noch der alles andere als kurze Rückweg!  Am Anstiegsweg geht es wieder hinunter zur Alm. Dort folgt man dem Steig, der durch die bewaldete Steilstufe bergab leitet (Abkürzer!). Bald wird ein Fahrweg erreicht; entweder ihm folgend oder auf dem alten, nur mehr schwer erkennbaren Steig (beginnt am Schilderbaum; schöner und kürzer) durch die Wiese querend hinunter zum Niederleger der Lerchkogelalm. Von dort auf dem Fahrweg weiter, bis nach links ein markierter Steig durch nasse Wiesen (teils über Holzstege) in den Wald hinein und bergab leitet, bis er wieder in den Fahrweg mündet. Auf ihm hinunter zur Geschiebesperre an der Dürrach, über das Flüsschen hinüber und auf der anderen Seite wieder hinauf zur Straße ins Dürrachtal. Auf ihr nach links weiter, bis das Radldepot wieder erreicht ist. Die Abfahrt auf der nie steilen Teerstraße ist ein ganz besonderes Vergnügen!

Schwierigkeiten:
Von Fall zum Kotzen: L (Radl), T2 (nur ganz kurz beim Gipfelanstieg Tendenz zu T3).
Weiter zum Stierjoch: T2 (weit weniger steil, als es vom Kotzen den Anschein hat).
Über Östliches Torjoch zum Lerchkogel-Hochleger: T2 (Abstieg vom Torjoch recht steil).
Abstecher zum Lerchkogel: T2 (ohne Probleme, aber nur schwache Trittspuren).
Vom Lerchkogel-Hochleger zurück zum Radldepot: T2 (ohne Probleme).

Fazit:
Eine wunderschöne, stets aussichtsreiche 4*-Rundtour - mit das Beste, was das Vorkarwendel zu bieten hat. Lediglich der lange, relativ monotone Abstieg vom Lerchkogel-Niederleger trübt den Gesamteindruck ein klein wenig. Große Teile der Tour sind offiziell weglos, verlaufen aber auf gut erkennbaren Steigspuren. Am schönsten ist die Tour im Herbst, wenn die Bäume beginnen, sich zu verfärben.

Mit auf Tour: Delphi.

Kategorien: Karwendel, bike and hike, 4*-Tour, 1900er, T2.

Tourengänger: 83_Stefan


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Kommentare (2)


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Erdinger hat gesagt:
Gesendet am 5. Oktober 2014 um 13:11
Sehr, sehr schöne Tour mit wunderbaren Bildern!

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 6. Oktober 2014 um 10:02
Hallo Erdinger, ich danke dir! Anfangs hat das gute Wetter schöne Bilder ermöglicht, später hat uns allerdings das Gewitter (wie so oft in dieser Saison) vom Berg gespült... viele Grüße!


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