30 Gipfel an einem Tag: Walserkamm – Freschen – Hangspitz


Publiziert von Delta Pro , 7. Juli 2017 um 10:26.

Region: Welt » Österreich » Außerhalb der Alpen » Vorarlberg » Bregenzerwald » Grosswalsertal
Tour Datum: 6 Juli 2017
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 12:30
Aufstieg: 4060 m
Abstieg: 4275 m
Strecke:46.7 km

Eine Monstertour über lange Grate und unzählige Gipfel – was für ein Erlebnis!

Vor genau einer Woche hatte ich Stijns Bericht zur Überschreitung des Walserkamms etc. entdeckt und war sofort begeistert. Wäre es möglich diese Dreitages-Tour zu einem Eintäger zu kombinieren und damit die magische Marke von 30 Gipfeln pro Tag zu knacken? Schon ab und zu hatte ich zwanzig Gipfel pro Tag bestiegen (siehe z.B. hier oder da). Aber 30? Nur schon, wenn man die typische Schartenhöhe von 50-300 Metern aufaddiert, wird klar, dass dies nur mit einer sehr langen Tour und ideal aufgereihten Gipfeln zu schaffen ist.

Solche Projekte kann ich nie auf die lange Bank schieben und machte mich sofort an die Planung – die wie an einer geschwungenen Perlenschnur aufgereihten Gipfel, verteilt über fast 40 Kilometer Gratstrecke, waren einfach zu anziehend. Die Tour gliedert sich in drei Abschnitte, welche von Stijn an drei verschiedenen Tagen begangen wurden: (1) Das Herzstück ist der Grosse Walserkamm. Auf Hikr gibt es schon verschiedene Berichte dazu: Der Walserkamm ist normalerweise eine grosse Tagestour (ca. 10 Stunden). (2) Der stark verwachsene Grat zwische Furkajoch und Gerenfalben, sowie das sanftere Gelände bis zum Hohen Freschen. (3) Der lange, alpinistisch unspannende Kamm bis zur Hangspitze.

Der Walserkamm ist sehr schönes Alpin-Wander-Gelände und hat durchaus Ähnlichkeiten mit dem Brienzer Grat, wenn auch die exponierten Stellen deutlich häufiger und länger sind. Der Grat ist erstaunlich selten begangen und verschiedene Abschnitte weisen nur eine schwache Wegspur auf, was schnelles Gehen erschwert. Die steilsten Abschnitte sind mit dünnen Fixseilen versichert. Man bleibt aber immer im unteren T5-Bereich. Den Grat vom Furkajoch über den Hochrohkopf zum Gerenfalben würde ich zum Höhepunkt der Vegetation nicht mehr begehen und ist für eine Monstertour nicht das Gelände, das man sich wünscht – ein Kampf mit dichter Vegetation. Trotzdem ist das Gelände landschaftlich reizvoll und der Abschnitt gehört zum Erlebnis dieser langen Überschreitungstour.

Kurz vor vier Uhr starte ich ausgangs Übersaxen zur langen Tour. Ich folge ziemlich direkt dem Skilift und kann bald darauf schon den ersten «Gipfelerfolg» auf dem Gröllerkopf feiern, der im Sommer (zurecht) nicht häufig besucht wird. Weiter auf einem schönen Weg durch den Muttwald und aufs Dünser Horn, wo das Tageslicht schon ausreicht. Vorbei am Dünser Älpele erreiche ich bald den eigentlichen Walserkamm, wo ich als erstes den Madonnakopf (bislang noch ohne Hikr-Wegpunkt) besteige. Dieser ist durch recht steile Grastritte (T4) erreichbar. Nach dem Rappenköpfle wird der Gratweg schon ein erstes Mal felsig und in wunderschönem Morgenlicht steige ich über den Hochgerach. Hüttenkopf, Kuhspitze (mit schönem Grat, T4) und Tälispitze sind im Nu im Sack und ich gönne mir eine erste Rast in der Morgensonne. Nachher nimmt die Gipfeldichte etwas ab und der Pfad über die Melkspitze wird verwachsener und teils exponierter (T4-T5, ein Fixseil im Abstieg). Die formschöne Kreuzspitze lasse ich mir nicht nehmen – sie ist einfach erreichbar auf einem Pfad über den Nordgrat (Stellen T4). Anschliessend über Schäfiskopf und Gerenspitze zum wohl schönsten Abschnitt des Walserkammes. Über den spannenden, abwechslungsreichen Grat, immer in leichter Kraxelei über die Mutabellaspitze. Die Schlüsselstelle der Tour kommt bald darauf: Die felsige Scharte sieht von oben recht wild und ausgesetzt aus. Die Passage ist dank eines Fixseils aber gut zu schaffen (T5). Auch nach der Löffelspitze braucht es noch Konzentration, da das Gelände nach wie vor abschüssig ist. Ich besteige den Serer Falben, lasse das Pfrondhorn abseits des Walserkamms aber rechts liegen um meinen scharfen Zeitplan einhalten zu können. In den letzten 3 Stunden habe ich 14 Gipfel bestiegen – leicht auszurechnen, dass dabei nicht viel Zeit für Pausen bleibt. Nach genau 5 Stunden (3h 45min vom Dünser Älpele) erreiche ich das Furkajoch und muss feststellen, dass Charlys Bergbeiz zwar Tische für hunderte bereit hält hat, jedoch noch geschlossen ist. Woher krieg ich nun Wasser für den nächsten Abschnitt? 50 Höhenmeter unter dem Pass werde ich in einem nicht ganz vertrauenswürdigen Bächlein fündig.

Schon bei der Planung machte ich mir etwas Sorgen bzgl. der folgenden Gratstrecke: Die wenigen Hikr-Berichte dazu deuteten eher auf ein botanisches Erlebnis. Das erfahre ich schon im Aufstieg zum Furkakopf, wo in hüfthohen Alpenrosen «gespurt» werden darf. Die schwachen Trittspuren sollte man nicht verlieren… Im Abstieg vom Furkakopf wird das grüne Gelände wider Erwarten steil und erfordert immer wieder Kletterei (T4-T5). Da man die Tritte unter der vielen Vegetation kaum erkennen kann, ist das Vorwärtskommen eine anstrengende Angelegenheit. Auch auf dem horizontalen Grat nach dem Hochrohkopf bleibt das Gelände mühsam, trotzdem ist die Überschreitung landschaftlich reizvoll. Besser hätte ich für den Abstieg vom Gerenfalben den Umweg auf dem Wanderweg akzeptiert, entscheide mich aber doch für den steilen, teils felsigen Nordgrat, in der Meinung dichter als zuvor könne die Vegetation nicht mehr werden. Gefehlt… Die Wegspuren sind noch schwächer und das Grün noch undurchdringlicher. Nach einem nicht kotierten Gipfel mit Kreuz verlasse ich schliesslich die «grüne Hölle» und kann bei der Gävisalpe meine Wasserflaschen füllen. Weiter auf sanften Wanderwegen auf die Matona, über das Weglein durch die Westflanke hinab und über die Mellenköpfe in den Sattel und auf den Hohen Freschen, wo ich die ersten anderen Wanderer heute treffe.

Nach einer kurzen Rast geht es über den landschaftlich eindrücklichen Binnelgrat (Fixseile, T3-T4) hinab auf die langen, aber runden Kämme des letzten Abschnitts der Tour. Die Motivation zum Abstecher auf den Alpkopf hält sich in Grenzen, doch die farbigen Blumenwiesen entschädigen die Mühen. Die Wanderung ist nun nicht mehr besonders spannend und die Länge der Tour schlägt sich langsam in Schmerzen in meinem kaputten Fuss und meiner Leistungsfähigkeit nieder. Nach dem letzten längeren Aufstieg zur Mörzelspitze ist das Ende absehbar. Über einen schönen, wieder schmaleren Gratweg geht es über Leuenkopf und First zur Guntenspitze, wo kurz nochmals etwas Kraxelei nötig ist (T3-T4). Genau 11 Stunden nach dem Start erreiche ich die Hangspitze und damit den 30. Gipfel – Genial! Landschaftlich schöner, aber sehr heisser Abstieg nach Mellau.

 

Durchgangszeiten (inkl Leistungskilometern pro Stunde):
Übersaxen: 3.50
Dünser Älpele: 5.05         (12.9 LK/h)
Tälispitz: 6.15         (12.3 LK/h)
Kreuzspitze: 7.20         (6.7 LK/h)
Furkajoch: 8.50         (8.2 LK/h)
Gerenfalben: 10.15         (6.0 LK/h)
Hoher Freschen: 11.45         (6.9 LK/h)
Mörzelspitze: 13.45         (7.8 LK/h)
Hangspitz: 14.50         (7.9 LK/h)
Mellau: 16.20         (7.6 LK/h)


Tourengänger: Delta

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Kommentare (5)


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Kauk0r hat gesagt: Respekt!
Gesendet am 7. Juli 2017 um 11:09
Grandiose Tour in unheimlicher Geschwindigkeit!

Stijn hat gesagt: Gratuliere
Gesendet am 7. Juli 2017 um 11:54
Gratuliere zur Erfolg bei deinem 30-Gipfel-Projekt. Deine krasse Zeit ist für mich kaum vorstellbar, auch mit leichtem Gepäck :).

Die "Grüne Hölle" war bei uns im Frühling wohl noch nicht so schlimm als für dich jetzt. Oder vielleicht stört es bei gemütlicher Trekkinggeschwindigkeit auch weniger als bei deinem Tempo ;).

Nächstes Ziel 40 Gipfel? http://www.bobgrahamclub.org.uk/

Delta Pro hat gesagt: RE:Gratuliere
Gesendet am 10. Juli 2017 um 09:18
Danke!

Gegen die Jungs vom Bob Graham Club ist meine Tour aber wirklich ein Sonntagsspaziergang: Der Rekord liegt gemäss Deinem Link bei 77 Gipfeln in 24 Stunden, was 170 km Strecke und 12'000 Höhenmeter bedingt. Ich finde es unglaublich, dass ein Mensch so was schaffen kann!

Gruss Delta

alpstein Pro hat gesagt:
Gesendet am 7. Juli 2017 um 15:21
Gratulation zu dieser Top-Leistung! Da kann man nur staunen.

Gruß
Hp

boerscht Pro hat gesagt:
Gesendet am 7. Juli 2017 um 16:41
Gratulation zu dieser wahnsinns Tour.
Ich liebäugle schon die Tour als 2 tägige Tour mitt Übernachtung auf dem Freschenhaus anzugehen.

Gruß Adrian


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