Vrenelisgärtli via Guppengrat - light


Publiziert von Schlomsch , 31. Oktober 2015 um 19:53.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:27 Oktober 2015
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Glärnischgruppe 
Zeitbedarf: 8:45
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m

Light-Variante des Guppengrates: Dank Südexposition bis weit in den Herbst hinein gut machbar.

Im Herbst, wenn die Tage schwächeln und die Unterkunft auf der Guppenalp nicht mehr bewartet ist, herrscht kaum mehr Verkehr am Guppengrat. Das Steinschlag-Risiko also minimal. Für mich die ideale Jahreszeit, um diesen wunderbaren Grat zu begehen. Nach den Touren von *2011 und dem 3.10. ist es heute das achte Mal.
 
Das "Light" im Titel bezieht sich übrigens nicht auf die Schwierigkeiten, sondern auf die gewählte Route: Erstens gehe ich den Guppengrat auch im Abstieg, womit mir schon mal der langwierige Abstieg ins Klöntal erspart bleibt, und zweitens fahre ich mit der Luftseilbahn bis Brunnenberg. Kräftemässig wohl die leichteste Route aufs Vreneli.
 
Zustieg zur Guppengrat-Normalroute

Mit dem ÖV nach Luchsingen und mit der Luftseilbahn nach Brunnenberg. Start um 8:40. Via Sewer die Kehren der Alpstrasse abkürzend zum Oberblegisee, dann auf der Alpstrasse nach Ober Stafel 1427m und hinein in den Talkessel. Zum Schluss auf Wegspuren über Alpweiden und durch den Erlentros in den Sattel 1674m zwischen Leuggelstock und Nidfurner First. Das geht in einer guten Stunde.

(Vom Oberblegisee zum Sattel kann alternativ auch der offizielle Wanderweg benutzt werden. Dieser ist aber äusserst ineffizient angelegt: Im Abstieg via Wanderweg benötige ich deutlich mehr Zeit als im Aufstieg.)

Vom Sattel 1674m weiter auf Wegspuren nordwärts bis auf etwa 1900m, dann Querung über die "Heuberg Risi" und Anstieg zum Grat oberhalb des Mittelstocks, welcher auf etwa 2000m erreicht wird (T5).

Mittelstock - Ober Firnband

Ab 2000m auf der mit Steinmännern markierten Guppenroute zunächst über Schrofen (T5), dann in Gehgelände gespickt mit zwei Kletterstellen im II. Grad hinauf zum "Oberen Firnband".

Ober Firnband - Guppenfirnplateau

Heute bin ich durch die Schlucht links des markanten Felsturms - den ersten Drittel in den Felsen links, dann rechts der Schlucht, und zum Schluss über die mittleren Felsen kletternd (II). Und das, ohne einen einzigen Stein loszutreten!

Alternativ dazu kann westlich der Schlucht über Steilgras mit guten Tritten aufgestiegen werden (T6). So bin ich vor 3 Wochen im Abstieg gegangen. Zuoberst führen die Wegspuren zu einer zurückgeneigten aber exponierten "griffarmen Platte". Diese Stufe habe ich direkter durch den griffigen Klemmblock-Kamin unmittelbar westlich davon "umgangen" (II).   

Guppenfirnplateau - Chanzle 

Vom Guppenfirnplateau auf die Chanzle  führt die Normalroute über den Guppenfirn und dann von Norden über die vertikal gestellten zwischen Kalk und weichem Schiefer wechselnden Schichten. Es ist da nirgends richtig steil, der Schiefer ist aber rutschig. Vor 3 Wochen lag da zudem noch 10cm Nassschnee, da war das auch mit Steigeisen noch recht unangenehm (T6). Heute habe ich wegen des kurzen Wintereinbruchs mit guten Verhältnissen gerechnet. Leider liegt im Schatten nur 40cm Pulverschnee, von nicht-tragendem Harst bedeckt.

Wie vor 3 Wochen im Abstieg wähle ich deshalb in beiden Richtungen den Südost-Kamin zur Chanzle. Zu Beginn ist das Kletterei im III. Grad, dann wird es einfacher. Der Kamin ist steinschlägig und ohne jede Möglichkeit, allfälligem Steinschlag auszuweichen. Also nur benutzen, wenn niemand anders da unterwegs ist.

Chanzle - Vrenelisgärtli 

Vom Einstieg etwa 8m rechts des Guppengrates quert man zunächst zum Grat und hält dann auf den markanten Felsblock zu. Im Aufstieg klettere ich links des Felsblocks auf das nächste Schuttband. Einfacher geht es aber, wenn man etwa 6m unterhalb des Felsblocks auf die Ostseite des Grates wechselt. Auch die zweite Felsstufe klettere ich wieder westlich des Grates - die Ostseite ist aber deutlich einfacher. Im Abstieg nehme ich beide Male die einfachere Variante. Der Rest zum Gipfel ist Gehgelände.

Die Bedingungen am Guppengrat sind gut: Der Grat ist schneefrei, nur der Gipfel ist schneebedeckt. Heute auch mit guter Fernsicht - im Gegensatz zum letzten Mal, als gerade auf dem Gipfel Föhnwolken vom Ortstock her durchdrücken und ein paar Schneeflocken mit sich brachten. Abstieg ebenfalls über den Guppengrat zur Bergstation der Brunnenbergbahn, wo es auf die letzte Bahn 17:30 noch locker reicht.

Schwierigkeiten

Schon früher wurde der Guppengrat oft begangen. Seit die Route aber als T6-Referenz herhalten darf, hat da ein richtiger Run eingesetzt. Das hat auch sein Gutes: Durch die häufigen Begehungen haben sich schöne Pfade gebildet, was die Tour einfacher macht.
 
Auf der oben beschriebenen Light-Variante fällt schon mal das T6- zum Mittelstock weg. Durch die Schlucht wird ein weiteres T6 umgangen. Liegt jetzt auch noch tragender Schnee auf der Nordseite zur Chanzle, dann bleibt nur noch die teils exponierte Kletterei im II. Grad über den Guppengrat. Streng genommen ist das kein T6, sondern WS.

Wie auch immer. So oder so hat die Guppengrat-Route T6-Charakter und ist - bei guten Verhältnissen im Frühsommer - auch für T6-Anfänger durchaus geeignet.
 
In der 11. Auflage des Führers wird der Guppengrat übrigens nicht mehr als Beispiel für T6 aufgeführt, sondern zwei relativ unbekannte Routen (Knobelroute und Jegerweg, Klettern IV bzw. III+). Relativ unbekannte Routen und erst noch mit Kletterei über dem III. Grad als Beispiele für T6. Was man damit wohl bezwecken möchte?

Fazit: Die Guppengrat-Route ist variantenreich. Auch wenn man, wie ich, aus Bequemlichkeit die Route im Auf- und Abstieg geht, kommt bei geeigneter Variantenwahl keine Langeweile auf. Im Abstieg etwa besticht die Steilgras-Variante westlich der Schlucht durch schöne Tiefblicke.

Tourengänger: Schlomsch


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Kommentare (1)


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justus Pro hat gesagt: top topos
Gesendet am 1. November 2015 um 14:56
schöner bericht, wie immer mit top topos. das sollte auf hikr mehr schule machen. so lassen sich routen viel besser nachvollziehen (und wer es schon mal versucht hat weiss, dass es nach einer tour garnicht so einfach ist so eine route einzuzeichnen). und ich glaube trotz den hundert guppengrat-berichten wird die route sonst nicht so klar.

ciao
/justus


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