Durch die ehemalige Heimat des letzten Baselbieter Bären.....


Published by Henrik , 18 August 2013, 15h30.

Region: World » Switzerland » Basel Land
Date of the hike:11 August 2013
Hiking grading: T1 - Valley hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-BL   CH-SO 
Time: 3:30
Height gain: 505 m 1656 ft.
Height loss: 490 m 1607 ft.
Route:Lauwil - Romaiwaid - Grauboden - Vogelberg GH - Bogental - Neuhüsli
Access to start point:ÖV
Access to end point:ÖV
Maps:Gourmessa mit Claudia

... irgendwann mal im vergangenen Winter habe ich Claudia davon erzählt, dass am Vogelberg dinieren sich lohnen würde! Da wir uns beide beruflich zurzeit neu orientieren, sind auch gemeinsame Unternehmungen etwas eingeschränkt möglich, zwar haben beide mehr Zeit, aber diese muss anders genutzt werden. Durch meinen Job (80%) aktuell im Knonauer Amt bin ich etwas mehr von Basel entfernt und „pendle“ an meinen freien Tagen unökologisch mit dem Auto zwischen diesen beiden Polen! Meine Kondition aus dem Tessin (2006-2008) ist schon lange wieder aus den Beinen entschwunden. Der Vorschlag, dem Vogelberg jetzt einen Besuch abzustatten, kam sozusagen wie gerufen.
 
... obwohl Lauwil am Sonntag nur wenige Kurse anbietet, fanden wir den Weg via Grellingen, Seewen, Bretzwil (mit einer halben Stunde Pause im Restaurant und Dorfmetzgerei zur Blume, das ich andernorts auch schon empfohlen habe) nach Louwel (mit dem Bus der BLT). Die Zahl der Mitpassagiere liess sich gerade an zwei Händen zusammenzählen. Die Siedlung am Fusse des Geitenberg beherbergt nicht mal 500 Einwohner, durch seine Abgeschiedenheit kann hier in der Tat von ländlicher Ruhe durchaus noch gesprochen werden. Für Wandervögel und andere Balsamsuchende der Agglomerationen also ein kleines Paradies – die Umgebung kann zu anspruchsvollen Platten- und Kretenbegehungen motivieren, man kann sich sogar verlaufen (wenn man wie Hans-Guck-in-die-Luft unterwegs ist).
 
... der hübsch angelegte Dorfplatz mit dem Brunnen und darin dem eingefassten skaldischen Dorfemblem bietet sogar Ruhebänke an. Der Vogelberg selbst fehlt auf dem Wegweiser, nicht aber der Passwang. Wir spazieren los, durch die Vorstatt (man beachte das Doppel tt) und das betagte Wegzeichen. Später wundern wir uns über diese Strassenbezeichnung, die vielleicht ein/eine hikr. erläutern kann (in der Lammet)? An den Gehöften Unterer und Mittlerer St. Romay vorbei steigt es zünftig hinan, ausgebessert und verbreitert. Wir werden durch Pferde begrüsst, die hier weiden, am Waldrand machen sich Schafe blökend bemerkbar und das Muserhüttli (Punkt 903)  sieht noch so aus wie eh und je! Kurz vor dem Grauboden ist noch etwas Passage-Fantasie gefragt, es gilt zwei Zaunreihen zu überwinden. Dann stehen wir mitten auf dem WW, der die Ulmethöchi mit dem Schattberg verbindet, die Sonne zaudert überhaupt nicht, der Schweiss rinnt mir über die Nase.
 
... ein paar weidende Pferde des Bürtenhofes zupfen hier an den Gräsern, der Felseinschnitt des Schattberges mit dem WW zum Vogelberg wird gerade von mehreren Wandergrüppchen begangen, respektvoll lässt man sich gegenseitig durch. Die Sonne bricht durchs Geäst. Wir treten aus dem Wald, ein frischer Wind weht uns entgegen. Der Vorplatz nach Westen hin ist mit Bänken und Tischen ausgestattet, an denen wir kaum Gäste wahrnehmen, drinnen auch nicht und zum Passwang hin sitzen lediglich einige an etwelchen Tischen: es ist kurz vor zwölf und ein Sommertag, zudem der letzte Ferientag in der Nordwest-Schweiz und dieses Ausflugsziel sozusagen leer? Claudia übernimmt die Wahl und den Balanceakt unser Menü an einen Tisch  zu bringen – mit Blick auf die Jurahügel und die Senke zum Bogental. Das Preisleistungsverhältnis ist zur Debatte freigegeben. Die Teller sind aus Porzellan, wir hielten sie zuerst für solche aus Karton (wie im Festbetrieb). Und wir stellten uns die Frage, was mit dem Vogelberg seit der Aufgabe durch Maya Baumann passiert ist – das Renomée scheint gelitten zu haben, wo sind die Gäste?

... nach dem Z’Mittag planten wir um, da wir so zeitig unterwegs gewesen sind; für die 500 HM nicht mal zwei Stunden brauchten, wollten wir so gleich auch wieder nicht in Basel sein. Ich schlug vor quer über die Matten den Weg ins Bogental einzuschlagen. Anfänglich war Achtsamkeit nicht geboten, wir liessen uns sozusagen auf den Hang ein, eilenden Schrittes quer durchs Gras. Durchs „Chliweidli“ hindurch wurde das Gras höher, Distelgewächse stacheliger und weitere Vegetation ebenso.  Kurz vor dem Punkt 830 stiessen wir auf zwei Wanderer, die uns vor Mutterkühen innig warnten, die am Ende der Weide am Gatter stünden und denen sie uns empfahlen, unbedingt auszuweichen (auch der Landwirt im Bogental habe ihnen dies so geheissen) – wir stiegen die Weide nach rechts hoch zur Dachsflue und fanden im Dickicht den Zaun und den Pfad von oben ins Tal führend. Dieser Umweg (Danke unbekannterweise) kostet Schweiss und zerkratzte Beine wie Unterarme – dafür vermieden wir die Konfrontation mit wachsamen Tieren!
 
... bei Punkt 774 eröffnete sich die offene Senke des Bogentals mit seinem leicht verlandeten Seeli (besser ein Weiher). Ausser ein paar Schafen rührte sich nichts, wir stiessen aber auch gar nicht zum Gehöft vor. Es ist Jahrzehnte her, dass ich hier durchgekommen bin – einmal sogar mit dem Range Rover, kurz nach dem ich diesen mir 1984 erstanden habe. Über die durchaus interessante Geschichte habe ich nun nachträglich im Netz eine Fülle von Wissen gefunden, die ich doch kurz erwähnen möchte, Extrakte daraus:
 

  • Bogental: Das ganze Tal steht unter Naturschutz und wird somit ökologisch bewirtschaftet. Der künstliche Weiher wurde für die Brennholzflösserei gebaut. Geschlagenes Brennholz wurde in den Bach geworfen, der Weiher auf einmal entleert und somit alles Holz via Lüssel in die Birs gespült
 
  • Von ca. 1737 bis 1747 bestand im Bogental (Gemeinde Lauwil BL) eine Glashütte
 
  • Die Wanderung durch das abgeschiedene Bogental ist besonders für Naturliebhaber ein Erlebnis. War dies doch die Heimat des letzten Baselbieter Bären (also auch eine Community für den Passus „Problembären“, siehe pdf im Anhang)
 
  • Neuhüsli: An der damals neuen Passwangstrasse wurde 1730 auch ein Gasthaus errichtet. Der heutige Bau stammt von 1836 und war einst  Kurhaus
 
  • Im Auftrag des Amtes für Raumplanung BL erarbeitet oekoskop Konzepte zu Tww-Vorranggebieten in den Gebieten Dittinger Weid (Gemeinde Dittingen), Bogental (Gemeinde Lauwil), Rumpel (Gemeinde Oltingen) und Wasserfallen (Gemeinde Reigoldswil)
 
... der letzte Abschnitt des WW führt konsequenterweise dem Entwässerungsbach entlang, wo, so die Geschichte, die Brennhölzer ihren Weg in die Lüssel fanden. Ein kühlender Wald und auch hier kein Gegenverkehr. Bei der Glashütte vorbei gelangten wir zum Neuhüsli und zur Haltestelle des Postautos, das nur am Sonntag den Passwang stündlich bedient. Wir sind einen grossen Bogen gewandert!


Spaziergang und Gourmessa mit Claudia


Hike partners: Henrik


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Comments (4)


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Baldy und Conny Pro says: da der Vogelberg
Sent 19 August 2013, 07h59
erst seit dem Juni wieder von neuen Pächtern geöffnet ist, brauchen die eine geraume Übergangszeit um den schlechten Ruf wieder herzustellen.
Gruess Angelo

Sent 19 August 2013, 09h01
Lauwil = Beim Gehöft des Ludo, Lullo, Lobo, Luito o.ä.

zusammensetzung aus einem Personennamen und -wil (aus lateinisch villa, Landhaus, Landgut)

älteste schriftliche erwähnung 1194: Liuwilre.

Kopfsalat Pro says: Romai
Sent 19 August 2013, 09h09
von St. Romai, von St. Remigius.

Zur 1536 abgebrannten mittelalterlichen St. Remigiuskirche gehörende Höfe. Fielen nach der Reformation an Städter, weshalb sie auch als Herrenhöfe bezeichnet werden.

aus dem BL-Flurnamenbuch

Wollte ich schon lange mal nachschlagen, woher dieser Name stammt.

Vitriarium says: Glashütten
Sent 19 September 2018, 15h12
Im Bogental müsste es 2 Glashütten gegeben haben.
Eine von 1737 bis 1747 und eine welche 1835 gegründet wurde.
Ich gehe davon aus, dass die erste Glashütte im Bogental des Kantons Baselbiet, heute Lauwil, erbaut wurde und die 2. im Kanton Solothurn heute Beinwil.
Weiss dazu jemand mehr bzw. wo die ältere Glashütte stand ?




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