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Guiseppe Zan Zanini - Val Bavona - Alpe Foioi - Cresta del Piatto - Piano di Peccia Valle di Peccia


Published by lynx , 26 July 2013, 18h41.

Region: World » Switzerland » Tessin » Locarnese
Date of the hike:24 July 2013
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: Gruppo Pizzo Castello   CH-TI 
Time: 2 days
Height gain: 1650 m 5412 ft.
Height loss: 1400 m 4592 ft.
Maps:1271 Basòdino

Am 13. Juni 2013 habe ich im Val Bavona das erste Teilstück zur Alpe Foioi inspiziert. Am 24. Juli 2013 sind wir zu Dritt um 6.30 Uhr losmarschiert um die ganze Route bis zur obersten Ruine (Corte di Cima, 2100 m) der Alpe Foioi zu erkunden und anschliessend durch das steile Couloir zum Übergang bei Cresta del Piatto hochzukraxeln und ins Valle di Peccia abzusteigen.
 
Am Vorabend der Tour hat es im Maggiatal ein heftiges Gewitter gegeben. Wir sassen gerade beim Nachtessen in einer Pizzeria und fragten uns wo wir wohl bei diesen nassen Verhältnissen Biwakieren sollten. Wir entschieden uns, gleich nach Faed (Ausgangsort für die geplante Tour) zu fahren und uns dort nach einem geschützten Schlafplatz umzusehen. Das Val Bavona wurde von der Gewitterfront nur schwach gestreift. Es war also nicht heftig nass als wir in Faed ausstiegen. Meine beiden Tourenkameraden entschieden sich, im geräumigen Heck des Autos zu schlafen, während ich mich mit Biwaksack und Thermarestmatte unweit des Autos niederlegte. Bis auf kurze, schwache Nieselregen verlief die Nacht auch für mich einigermassen angenehm.
 
Nicht lange nach dem wir am Morgen aufbrachen, die ersten Treppenstufen, dort wo die legendäre Inschrift des Erbauers des Alpweges in Stein gemeisselt ist, emporgegangen sind, und die erste Schlüsselstelle überwunden haben setzt erneut Regen ein, der aber zum Glück nach ca. einer Stunde wieder aufhört.
Schnell haben wir die Hütte von Terasc (P. 1276) erreicht und sind weiter gestiegen bis zur Hütte Corte di Fondo (P.1718) um hier eine längere Mittagsrast zu machen. Die Wolken verziehen sich, die Sonne scheint wieder. Die nassen Kleidungsstücke trocknen schnell.
 
Mitte Nachmittag steigen wir weiter hoch zur Alpe Foioi um zu sehen was von den übrigen Stallungen noch zu sehen ist.
Bis Corte di Fondo ist die Wegfindung ein Kinderspiel, weil auf der ganzen Strecke immer wieder Markierungen den Weg weisen. Aber jetzt ist der Spaziergang definitiv zu Ende. Es ist Konzentration angesagt um den Weg zu finden respektive nicht zu verlieren. Markierungen gibt es hier nur noch äusserst selten. Der Weg existiert stellenweise nicht mehr wirklich oder ist durch den hohen Grasbewuchs verdeckt.
Immer wieder bin ich in Gedanken in die Zeit zurückversetzt wo Guiseppe Zan Zanini diesen Weg erbaut hat um sein Vieh auf die Alp zu treiben. Ich überlege an welchen Stellen wohl die insgesamt 39 Kühe abgestürzt sind die Zanini während seinen 40 Jahren Alpwirtschaftwirtschaft verloren hat. Schlimmer noch: Wo ist wohl seine 20-jährige Tochter auf diesem Alpweg in den Tod gestürzt?
Wir erreichen schliesslich die Ruine von Corte di Mezzo (ca. 1900 m) und die Trümmer von Corte di Cima (ca. 2100 m). Viel ist da nicht mehr übrig.  Mit dem Feldstecher entdeckt Widi einen kapitalen Steinbock der verwundert vom Grat bei Cresta del Piatto zu uns runter äugt. Wahrscheinlich bekommt das Wild hier oben nur äussert selten Menschen zu Gesicht. Obwohl das Maggiatal zur Zeit völlig mit Touristen überlaufen ist, sind wir in diesen zwei Tagen auf der ganzen Route keinem einzigen Menschen begegnet.

Wir steigen die steilen Grashänge in Richtung Pizzo di Foioi hoch und queren anschliessend unter den Felswänden zu der Rinne welche auf den Pass von Cresta del Piatto führt hoch. Wir kraxeln ein enges steiles Couloir hoch. Die Sache ist kräftezerrend und zeitraubend. Schwitzend und schnaubend erreichen wir den Pass. Die Zeit ist weit fortgeschritten. Wir wollen noch bis zur Baumgrenze ins Valle di Peccia absteigen um die Nacht an einem wärmenden Lagerfeuer verbringen zu können. Daraus wird schliesslich nichts mehr. Eine Felsnase auf ca. 2150 m wird unser Biwakplatz – fröstelnd und unbequem liegend verbringen wir die eigentlich wunderschöne fast Vollmondnacht mit sternenklarem Himmel. Ich konnte mich nicht einmal mehr aufraffen aus meinem Biwacksack zu kriechen um ein paar Fotos zu Schiessen.
Ich habe oben am Pass die Abstiegsmöglichkeiten betrachtet und festgestellt, dass der Abstieg immer wieder durch senkrecht abfallende Wände unterbrochen wird. Rechts vom Pass neben einem Schneefeld  auf einer flachen Felsplatte lag ein einzelner, etwas runder Stein. Ich bin davon ausgegangen, dass es sich um eine Wegmarkierung handelt. Immer rechts haltend, weiter absteigend erreichen wir – es dämmert schon ziemlich (!) – ein steiles Couloir gefüllt mit Blöcken und Schotter. Durch dieses kämpfen wir uns runter. Meine beiden Kameraden haben keine Stirnlampen dabei, alle sind auch schon ziemlich auf der Schnauze und es wird jetzt wirklich dunkel. Wir beschliessen nochmals etwas rechts zu queren und auf der besagten Felsnase zu übernachten.
 
Am nächsten morgen sind alle – vor allem Nicole und ich - etwas steif und klamm. Lynx pfuttert und flucht ob dieser verfluchten, scheisskalten und unbequem verbrachten Nacht. Dem Widi hat die Tortur offenbar nicht viel ausgemacht. Genüsslich ist er schon wieder am Frühstücken – Speck und Brot stehen auf seinem Frühstückplan. Nicole knabbert etwas Brot und Lynx mag noch gar nicht ans Essen denken.
Wir steigen dann ab zu P. 2054. Hier befinden sich zwei gut erhaltene Alphütten mit viel Brennholz vor der Hütte und flach verlegten Granit-Bruchstein-Platten als Vorplatz. Genau das wäre der ideale Ort für unser Biwak gewesen. Wie auch immer! Ab hier steigen wir auf einem nicht markierten Bergweg weiter ab. Diesen muss man erst suchen weil um die Alphütten grossflächige, hohe Placken- und Brennesselfelder jegliche Sicht auf den Boden versperren.  Hat man ihn aber gefunden kann man schnell die Höhenmeter vernichten. Bald erscheinen auf der rechten Seite die Alpgebäude von Piatto Gröis (1861 m).  Im Waldstück vor Corte di Fondo gibt es zwei oder drei Mal Stellen wo man aufpassen muss nicht vom Weg abzukommen. Hier ist der Weg stellenweisse nicht ausgetreten und das hohe Gras lässt keine Wegspur erkennen.
Bei den Hütten von Corte di Fondo (1624 m) führt der Weg rechts in den Wald. An einem Ast ist ein Plastikband befestigt und einige blau an die Rinde getupfte Punkte weisen den nicht auf anhieb ersichtlichen Einstieg auf den Weg nach Piano di Peccia.
 
In Piano di Peccia nehmen wir zur Abkühlung und Erfrischung ein Vollbad im Ri di Peccia und schlendern anschliessend Barfuss auf der Strasse ins Dorf. Jetzt kommt wieder das Problem, dass unser Wagen in Faed steht und der Postversand auf vier Rädern über zwei Täler nach Faed unendlich viel Zeit kostet. Also spreche ich Eingangs Dorf eine Frau an die im Garten sitzt ob sie nicht Lust hätte uns nach Faedo zu fahren, gegen Bezahlung natürlich. Wenn ich es recht interpretiert habe verstand sie erst Faido was ich sofort berichtigte, in dem ich erklärte, dass ich Faedo im Val Bavona meine. Fünf Minuten später werden wir von ihrem Mann und ihr nach Faed eskortiert! :-) Herzlichen Dank!
 
Wasser: Im Val Foioi soll gemäss meinen Recherchen im Internet und auf Hikr.org Wasser sehr rar sein. Jeder von uns hatte deshalb viereinhalb Liter Wasser im Rucksack.  Zur Zeit liegen im oberen Val Foioi noch Schneeresten welche spärlich fliessendes Wasser liefern. In anderen Jahren wird dies aber um diese Jahreszeit nicht immer der Fall sein. Dies ein wichtiger Faktor den es zu berücksichtigen gilt wenn man längere Touren in diesem Tal macht oder übernachten will.
 
Weg: Ich habe oben erwähnt, dass bis nach Corte di Fondo Wegmarkierungen existieren die hilfreich sind. Es handelt sich dabei aber nicht um offizielle Wanderwegmarkierungen sondern nur um kleine, mit der Spraydose gemachte Farbtupfer (ersichtlich auf einem der Bilder in diesem Tourenbericht). Obwohl dieser untere Teil dadurch einfacher zu begehen ist handelt es sich um einen alpinen Weg der Trittsicherheit und eine gewisse Erfahrung voraussetzt.

Hike partners: lynx


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Comments (6)


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Seeger says: Absolute Spitzenleistung
Sent 7 August 2013, 22h22
Hallo Lynx & Co.
Gratuliere zur Tour, dem Bericht und den informativen Fotos.
Andreas

lynx says: RE:Absolute Spitzenleistung
Sent 8 August 2013, 08h35
Hallo Andreas

Ich habe auf hikr und anderen Seiten im Internet nach Tourenberichten auf die Alp Foioi gesucht ohne wirklich befriedigende Beschreibungen gefunden zu haben. Die Beste fand ich hier: http://www.quarnei.ch/SABB/ATTUALITA/FOTO/FOTO%202011/ZANIN%2031.07.2011/ZANIN%2031.07.2011.htm#Giuseppe%20Zan%20Zanini%20e%20la%20Valle%20di%20Foi%F2i%20(Valle%20Bavona

Dieser Bericht und der Bericht von Zaza, welcher zwar nur sehr rudimentär beschrieben, die Möglichkeit von einem Abstieg ins Val di Peccia erwähnt, haben mich dann inspiriert diese Tour zu machen und die Strecke möglichst gut mit Bildern zu dokumentieren damit andere Berggänger einfacher entscheiden können ob die Tour für sie in Frage kommt.

Wir hatten jedenfalls richtig Spass an dieser abenteuerlichen Tour.

Bericht von Zaza: http://www.hikr.org/tour/post4303.html

Gruss Lynx

Seeger says: RE:Absolute Spitzenleistung
Sent 8 August 2013, 10h57
Hallo Lynx
Bin erstaunt, dass Du nicht das neue Buch von Giuseppe Brenna nennst: "Alpi di Val Bavona". Ach wenn "nur" in Italienisch, sind die Bilder mit Routenführung und auf LK-Ausschnitten eingezeichneten Route sehr informativ. Unbedingt kaufen!
Gruss
Andreas

lynx says: RE:Absolute Spitzenleistung
Sent 8 August 2013, 15h11
Hallo Andreas

Habe das Buch soeben bestellt bei der Fondazione Valle Bavona. Über den normalen Buchhandel ist es nämlich nicht zu finden.

Danke für den Tipp!

Lieber Gruss - Lynx

Seeger says: RE:Absolute Spitzenleistung
Sent 28 August 2013, 12h36
Ciao Lynx
Nun war ich auch im Foioi.
Ich habe den Wegpunkt Corte di Fondo erstellt.
Könntest Du noch alle Wegpunkte eintragen, damit der Leser einen besseren Überblick hat?
Gruss
Andreas

lynx says: RE:Absolute Spitzenleistung
Sent 6 September 2013, 20h32
Ma certo! Ich habe die Wegpunkte jetzt eingetragen.

Gruss - Lynx


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