Hochstaufen (1771 m) - am Tatort von 1993


Published by 83_Stefan Pro , 28 April 2013, 02h17. Text and phots by the participants

Region: World » Germany » Alpen » Chiemgauer Alpen
Date of the hike:25 April 2013
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: D 
Time: 6:00
Height gain: 1200 m 3936 ft.
Height loss: 1200 m 3936 ft.
Access to start point:Nach Bad Reichenhall und weiter auf der B 21 in Richtung Schneizlreuth. Noch in Bad Reichenhall auf die St. 2101 in Richtung Westen abbiegen und die Saalach überqueren. Nach der Brücke rechts abbiegen und über den Ortsteil Nonn auf schmaler, steiler Straße hinauf zum Parkplatz der Padinger Alm.
Accommodation:Reichenhaller Haus (DAV-Sektion Bad Reichenhall, 1750 m).
Maps:AV-Karte BY19 - Chiemgauer Alpen Ost - Sonntagshorn.

"Viele Wege führen zu Gott, einer davon über die Berge"

Wir schreiben den 23. September 1993, einen Donnerstag. Gegen Abend steigen zwei jugendliche Ausbrecher einer kroatischen Erziehungsanstalt zum Reichenhaller Haus auf. Sie haben schon einige Raubüberfälle verübt und werden gesucht. Sie setzen sich in die leere Stube und bestellen sich je eine Cola. Für die Schönheit der Bergwelt haben sie keinen Sinn, auch ein Gewissen haben sie nicht. Nachdem ihnen die Wirtin ihre Getränke gebracht hat, wird die wehrlose Frau eiskalt erschossen. Der zu Hilfe eilende Ehemann wird ebenfalls niedergestreckt und liegt schwer verletzt am Boden. Eine Salve Schüsse beendet auch sein Leben. Doch warum? Wegen 1500 DM und einigen Lebensmitteln. Zwei Wochen später werden die Täter in Zagreb gefasst...
Heute steht neben dem Reichenhaller Haus eine Gedenktafel mit oben zitierter Inschrift. Sie erinnert an die Sehnsucht nach den Bergen und an das Glück, dort die große Freiheit erleben zu dürfen. Und doch zeigt sie auf, wie nahe Glück und Tragödie manchmal beieinander liegen können. Die friedliche Bergwelt hat am Hochstaufen ihre Unschuld verloren.


Der Hochstaufen erhebt sich als östlichster Berg der Chiemgauer Alpen hoch über das Salzburger Becken und ist der Hausberg von Bad Reichenhall. Seine nach Osten vorgerückte Stellung erlaubt phänomenale Ausblicke in die Ebene und ins Salzachtal, sowie zu den Berchtesgadener Charakterbergen um Watzmann, Hochkalter & Co. und weit darüber hinaus. Die Anstiege über die steile Südseite werden bereits früh im Jahr schneefrei und so eignet sich der Berg gut für eine Frühjahrstour. Bringt man etwas mehr Zeit mit, lassen sich die Routen nach Belieben kombinieren und ermöglichen auch großzügige Überschreitungen.

Start am Parkplatz der Padinger Alm, hoch über Bad Reichenhall gelegen. Auf einem Forstweg geht's bergan, bis nach links der Steig zum Hochstaufen via Bartlmahd abzweigt. Er führt zunächst im Wald aufwärts, quert äußerst aussichtsreich die Geröllflanke und leitet wieder in den Wald hinein. Dort teilt sich der Weg. Man folgt rechts dem Steig aufwärts in eine Mulde unter der Schrofenabdachung des Gipfelkamms. Durch schrofiges Gelände wird - ungehinderter Blick in die Berchtesgadener Berge inklusive - in ansteigender Querung östlich des Hendelbergkopfs der Kamm erreicht.

Aussichtsreich geht's am Kamm weiter und auf den Gipfelaufbau zu, der durch die steile Südflanke umgangen wird, bis plötzlich oberhalb das Reichenhaller Haus auftaucht. Achtung, hier gibt es im Frühjahr unter Umständen steile Altschneefelder! Der Steig leitet steil hinauf zur Hütte. Die Pause kann man sich für den Rückweg aufheben, denn es sind nur noch wenige Minuten bis zum Gipfel: es geht hinauf zur Kammhöhe und in einem Linksschwenk zum Gipfelkreuz. Der Hochstaufen entragt der Ebene als östlicher Eckpunkt der Chiemgauer Alpen wie ein Schiffsbug und ermöglicht somit phantastische Ausblicke bis zum Bayerischen Wald; auf der anderen Seite reihen sich die Berchtesgadener Alpen auf und wollen betrachtet werden.

Bergab geht's am einfachsten auf dem Anstiegsweg. Es gäbe aber auch noch die Möglichkeit, über den Ostgrat abzusteigen. Wählt man den bereits bekannten Weg für den Abstieg, sollte man es nicht verpassen, dem Hendelbergskopf ("Mittelstaufen") auf versichertem Steig einen Besuch abzustatten. Dort bietet sich ein besonders schöner Blick zum Hochstaufen. Der Abzweig findet sich dort, wo der Weg über die Bartlmahd den Kamm verlässt und ist beschildert. Wer immer noch nicht genug hat, kann noch weiter gehen - über Zennokopf und Zwiesel zum Gamsknogel. Der Rest steigt auf dem Anstiegsweg wieder zur Padinger Alm ab.

Schwierigkeiten:
Von der Padinger Alm über Bartlmahd zum Hochstaufen: T2 (im oberen Bereich ein paar Stellen mit Tendenz zu T3).
Optionaler Abstecher zum Hendelbergskopf ("Mittelstaufen"): T3, teils versichert.

Fazit:
Eine sehr aussichtsreiche 4*-Tour, die sich besonders für den Beginn der Saison eignet, wenn die steile Südflanke bereits aper ist. Das Reichenhaller Haus knapp unterhalb des Gipfels empfiehlt sich in der Hauptsaison wegen seiner aussichtsreichen Lage für eine Übernachtung. Durch Kombination mit anderen Routen lässt sich die Wanderung zur Rundtour ausweiten und weiter aufwerten.

Mit auf Tour: felixbavaria.

Anmerkungen:
Lawinenlagebericht zur Tour.
Achtung: Im oberen Bereich liegen im Frühsommer bisweilen steile Schneefelder, deren Querung je nach Bedingungen Probleme bereiten kann.
Infos zum tragischen Raubmord auf dem Hochstaufen gibt's hier.

Kategorie: Chiemgauer Alpen.

Hike partners: felixbavaria, 83_Stefan


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 15611v1.kml Tourenskizze (kein GPS)

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Comments (3)


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ADI says:
Sent 28 April 2013, 10h53
A scheene Tour an einen historisch, tragischen Ort.
Den Schnee hat's ja jetzt schnell wieder weggezogen, unglaublich.
Übrigens: 8, bzw. 14 Jahre Haft haben's gekriegt, die Mörderburschen, sind also schon lange wieder in Freiheit....während die armen Wirtsleut seit fast 20 Jahren unter der Erde sind.....ein "Hoch" auf die Justiz.....

VLG!

83_Stefan Pro says: RE:
Sent 28 April 2013, 16h21
Seawas ADI! Danke dir! Ja, der Schnee geht weg wie die warmen Semmeln beim Bäcker.
Tragisch, was damals da passiert ist. Da fehlen einem eigentlich die Worte. Beste Grüße nach "MONACO"!

Sent 29 April 2013, 21h31
Ein der schönsten Chiemgauer Gipfel, der Hochstaufen! Allerdings habt ihr den mit Abstand langweiligsten Weg gewählt.
Noch dürfte sich der Andrang in Grenzen halten, denn unter der Saison ist da meist die Hölle los.


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