Altmann (2436m) - Moor (2342m) - Schafberg (2373m)


Publiziert von Bergamotte Pro , 12. September 2012 um 15:53.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:10 September 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI   CH-SG 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1750 m
Abstieg: 1750 m
Kartennummer:1115 Säntis

Die Voralpen sind mein Revier. Aber wie kann es denn sein, dass gerade mal drei meiner hundert hikr-Einträge den Alpstein abdecken? Das vermeintlich "schönste Gebirge der Welt" ist Terra Incognita für mich - höchste Zeit also, in einer Rundtour drei Alpstein Klassiker kennenzulernen.

Die Strecke von Wildhaus (1090m) hoch durchs Flürentobel und weiter via Alp Tesel (1433m) und Chreialp (1817m) zum Zwinglipass (2011m) braucht keine weitere Erläuterung, sie ist bestens signalisiert. Ursprünglich hatte ich geplant, unterwegs den berüchtigten Girenspitz "mitzunehmen". Doch am Vorabend verliess mich der Mut.

Statt die Rässegg (2292m) wie üblich in einem Bogen westwärts zu umgehen, kraxle ich relativ direkt den steilen Rücken hoch. Das ist an einer kurzen Stelle etwas luftig, aber sonst einfach anstrengend. Von der Rässegg geniesst man einen exzellenten Blick in den Schaffhauser Kamin und der Gipfel des Altmann scheint zum Greifen nahe. Der kurze Abstieg von der Rässegg in den gleichnamigen Sattel ist etwas heikel da (wohl meistens) feucht, kratzt an der T5.

Nun folgt das erste Sahnehäubchen der Tour, der Schaffhauser Kamin. Bereits nach wenigen Metern erreicht man die viel diskutierten Schlüsselstellen. Nach kurzer Überlegung erklettere ich den ersten Absatz auf der rechten Seite, den zweiten etwas anspruchsvoller auf der linken. Den Felsklotz beim Ausgang des Zweiten überwinde ich, indem ich den Rucksack abziehe und mich durchs enge Loch quetsche. Ich bin zufrieden, ohne Benutzung der Ringe hochgekommen zu sein. Nun zieht man geradeaus weiter (links geht nicht, rechts gäbe es hingegen weitere Rinnen). Bald zieht links eine gelbliche Rinne ab, die man nicht benutzt (danke xaendi). Stattdessen zieht man weiter gerade (oder auch leicht rechts) hoch. Die Rinne verliert nun an Kontur und es sind mehrere Linien möglich. Man kann auch ohne grössere Schwierigkeiten horizontal queren. Man kann hier nicht mehr von Klettern sprechen, sondern eher Kraxeln. Besonders angenehm: Die Rinnenstruktur vermittelt ein Gefühl von Sicherheit, man fühlt sich nie gross exponiert. Einige Minuten später treff ich auf den Ostgrat und erspähe die roten Pfeile. Westwärts ziehe ich nun eine weitere (offensichtliche) Rinne hoch, das erreicht vorübergehend nochmals unteres II-Niveau. Auf dem Gipfel des Altmann (2436m) muss ich dann tatsächlich einen Superlativ bemühen: mein bisher schönstes Kraxel-/Klettererlebnis! Am liebsten würde ich gleich noch den Südkamin anhängen.

Über den Normalweg steig ich zum Sattel ab. Diese Variante empfinde ich nach dem aufregenden Schaffhauser Kamin als so enttäuschend und mühsam, dass ich mich beim nächsten Mal wohl an die Variante ossi halte: Südkamin rauf, Schaffhauser runter. In wenigen Minuten steige ich zum Nädliger (2321m) ab. Als der Weg anschliessend den Grat verlässt, bleibe ich oben. Das geht zunächst gut, wird aber immer ausgesetzter und vor allem brüchiger. Der Ab- und Wiederaufstieg aus einer Scharte erreicht bereits ein gutes T5. Da wird's mir zu bunt und ich steig bei nächster Gelegenheit zurück auf den Weg.

Einen Kurzbesuch auf dem Jöchli (2335m) später - drei Jäger liegen hier auf der Lauer - wage ich mich an den Moor (2342m). Der kurze Aufstieg nach dem Vorgipfel über den Grat präsentiert sich ganz schön giftig. Den Felsklotz in dessen Mitte kann man links oder rechts umgehen. Gemäss verschiedenen hikr-Berichten ist's rechts rum etwas schwieriger, dafür weniger exponiert - was ich im Moment vorziehe. Der Gipfel selber bietet keine besonderen Aussichten (oder Einsichten...), weshalb ich ohne Pause weiterziehe.

Der NW-Abstieg vom Jöchlisattel wird etwas mühsamer als erwartet - Geröll sei dank. Gut 100Hm steige ich nun wieder Richtung Schafbergsattel hoch, zum Einstieg der Ostwandrinne (gleich neben dem Wanderweg). Diese ist so prägnant, dass man sie bereits vom Altmann erkennt. Die Rinne erachte ich insgesamt als anspruchsvoller als den Schaffhauser Kamin. Es fehlen zwar klettertechnische Schlüsselstellen, dafür ist das Gelände nach einer kurzen Aufwärmphase durchgehend fordernd (II-) und nicht überall von bester Qualität. Die Rinne ist relativ breit, was einerseits verschiedene Möglichkeiten offenlässt, andererseits mehr Tiefblicke und Exponiertheit zulässt. In der Scharte angekommen stehe ich zwei Minuten später auf dem Gipfel des Schafbergs (2373m). Ich träume von weiteren Alpstein-Projekten und beobachte das Wolkenspiel am Säntis.

Nun folgt nur noch der (eher mühselige) Abstieg via Mietplätz und Schäferhütte (1552m) zurück nach Wildhaus. Im Garten des unscheinbaren, aber äusserst empfehlenswerten "Freihof" - an der Hauptstrasse zwischen Nesslau und Stein gelegen - lasse ich den erlebnisreichen Tag ausklingen.


Zeiten
3:30  Altmann
1:30  Nädliger - Jöchli - Moor
1:30  Schafberg
1:30  Wildhaus

Epilog: Wie ich erst im Nachhinein entdecke, hat KraxelDani letzten Dezember eine beinahe identische *Runde absolviert.

Tourengänger: Bergamotte


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»