Gitschen (2513m)


Publiziert von أجنبي , 13. August 2012 um 10:31.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:10 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1280 m
Strecke:Gietisflue – P. 1552 – Weidegg – Oberberg – Chüeband – Gitschen – P. 2167 – P. 1989 – Obere Stelli – P. 1707 – Firnboden – Musenalp – LSB bis Neihüttli – P. 1117 – P. 1030
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto bis P. 1030, LSB bis Gietisflue (Anmeldung empfohlen)
Zufahrt zum Ankunftspunkt:LSB ab Musenalp, Auto ab P. 1030
Kartennummer:LK 1:25.000: 1171 Beckenried, 1191 Engelberg

Endlich, endlich, endlich: Petrus erbarmte sich unser und sorgte für ein schönes Wochenende. Zwei Pläne, die ich schon lange hegte, waren schnell zur Hand: 1. Gitschen, 2. Bristen. Beides T5-Touren, an die ich mich letzten Sommer noch nicht gewagt hatte, für dich ich mich nun aber bereit fühlte. Das Ergebnis vorweg: Beide Gipfel habe ich mit viel Freude bestiegen!

Nun, der Gitschen schaut von Flüelen aus recht abschreckend, gleichzeitig aber reizend aus. Mir vorzustellen, hoch oben in dieser Wand zu queren und dann noch diesen komischen, sehr steil und ausgesetzt wirkenden Gipfel zu besteigen, fiel mir meist etwas schwer. Mehrere Freunde schwärmten aber immer wieder vom Gitschen und meinten, der sei einfacher als er ausschaue und überhaupt würde ich diesen Berg locker machen. So passierte es also, dass der Gitschen Eingang in meine Projektliste fand und für diesen Sommer eines meiner Hauptziele darstellte.

Zu zweit starteten wir am Freitagmorgen kurz nach 7 Uhr auf der Gietisflue, wohin uns eine luftige Seilbahn beförderte. Noch war es kühl und der Himmel blau. Auf recht gemütlichem Pfad ging's via Weidegg zum Oberberg hoch, wo uns der Wachhund knurrend, doch defensiv, nach 40min in Empfang nahm.

Der Gitschen verhüllte sich nun zusehends in einem grauen Kleid. Nicht nur der Gipfel war unser Ziel, sondern auch der phänomenale Tiefblick auf das Reussdelta vom Gipfel und bei der Traverse durch die Ostwand. Daraus drohte nichts zu werden – und wurde es auch. Die Steilheit der Flanke liess sich bei der Querung am Fuss der Gipfelwand trotzdem erahnen. Technisch schwierig ist's jedoch nirgends, die Route klar und der Pfad gut ausgetreten. Bei allzu grosser Nässe oder gar Schnee ist die Angelegenheit wohl aber sehr heikel.

Um 8.45 Uhr erreichten wir die Biwakplätze am Ende der Querung – und staunten ob deren Anzahl und Komfort nicht schlecht. Ohne Wolken muss das ein herrlicher Ort sein! Fortan sinnierten wir darüber, irgendwann mal dort zu biwakieren, um dann am Folgetag nacheinander Gitschen und Uri-Rotstock zu besteigen... Item. Nach den Biwakplätzen kraxelten wir die steile, schrofige Mulde zum Sattel hoch, wo wir seit langer Zeit den ersten Wegweiser auf der Tour erblickten (Markiert ist die Route allerdings durchwegs bestens.).

Im Sattel angelangt offenbarten sich mir meine antizipierten Schlüsselstellen. Aus diesem Blickwinkel sieht der Gipfelaufbau sehr, sehr steil aus. Der Weg dorthin führt zunächst über einen halbwegs luftigen, einfach zu begehenden Grat. Von diesem muss anschliessend etwas abgeklettert werden, wobei die Passage sehr gut mit Fixseilen abgesichert ist und der Fels gute Griffe und Tritte bietet. Danach geht's – weitaus einfacher und etwas weniger steil als es von Weitem wirkte – über plattigen Fels in eine Schuttrinne, auf welcher man direkt hoch zum Gipfel steigt. Letzterer ist geräumiger als ich angenommen hatte.

Kurz nach 9 Uhr erreichten wir – zu meiner Freude ohne zittrige Hände oder Knie – den Gitschen. Für den Aufstieg ab Gietisflue benötigten wir bloss 2h, also deutlich weniger als im Führer angegeben. Gerannt sind wir nicht, aber einigermassen zügig gelaufen schon. Wir bedauerten den fehlenden Tiefblick auf den Vierwaldstättersee und noch heute frage ich mich, ob mir dessen Fehlen in den ausgesetzten Passagen entgegen gekommen ist bzw. ob der Tiefblick meine Nerven etwas mehr strapaziert hätte oder nicht. Immerhin: die ganze Zeit über war ein Gipfel stets wolkenfrei, nämlich der Uri-Rotstock. Und Sonne hatten wir auch ab und zu.

Nach der Gipfelrast (mit Gipfelei, versteht sich) kraxelten wir zurück auf den Vorgipfel und schritten hinunter zum Sattel. Von diesem ging's sehr steil und luftig, doch durch Fixseile entschärft, hoch zum Übergang auf eine wenig steile, grosse Steinwüste, die sich wohl bis zum Chlitaler Firn erstreckt. Wenn ich die Karte richtig interpretiere, könnte man auf rund 2400m wohl einfach hinüber queren und dann eingangs Chlitaler Firn auf die Normalroute zum Uri-Rotstock treffen. (Geht das wirklich bzw. hat das jemand schon gemacht?)

Als ich im Frühsommer jeweils die Verhältnisse am Gitschen checkte, war für mich v.a. die Schneesituation im Abstieg relevant. Dieser führt unter P. 2540, P. 2513 etc. hindurch durch eine abschüssige Flanke, wo oft noch bis in den Frühsommer Schnee liegt, was recht heikel sein kann. Nun, im August, ist aller Schnee weg und die Route kein Problem. Nach P. 2167 ist wohl die heikelste Stelle zu finden: Hier führt der Abstieg durch ein enges, steiles Tälchen auf nassem, plattigem Fels. Wir konnten auf die Hilfe der Fixseile verzichten, begriffen deren Sinn aber recht gut...

Nach dem Tälchen geht's einfach zu P. 1989 hinunter, wo man auf die Route zum Uri-Rotstock via Chlitaler Firn trifft. Spannender wird's schliesslich nochmals im Gebiet Obere Stelli, wo's erneut durch steile, nasse Bachrunsen geht. Auch hier sind an den heikelsten Stellen Fixseile angebracht. Der Wasserfall gegen Ende der Querung war problemlos zu passieren – nass wurden wir dabei nicht.

Nach ca. 2h Abstieg vom Gitschen erreichten wir die Musenalp. Nach kurzer Rast entschieden wir uns für die hübsche, luftige Luftseilbahn hinunter zum Neihüttli. Diese führt nun meine Seilbahnen-Hitliste definitiv an. Der Fussabstieg wäre keine grosse Sache gewesen, doch hatte ich für's Wochenende noch 2300hm *auf den Bristen bzw. hinunter nach Bristen auf dem Plan...


Tourengänger: أجنبي

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