Hochwand (2719 m) - Grat vom Karkopf


Publiziert von 83_Stefan , 1. Juli 2011 um 20:40.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Wetterstein-Gebirge und Mieminger Kette
Tour Datum:26 Juni 2011
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 2000 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:In Telfs der Beschilderung nach Lehen bzw. zum Strassberghaus folgen und am Sperrschild parken.
Kartennummer:AV-Karte 4/2 Wetterstein und Mieminger Gebirge Mitte

Schon mehrfach tauchte die Frage auf, wie schwierig die Gratüberschreitung vom Karkopf (2469 m) zur Hochwand (2719 m) zu bewerten sei. Zuverlässige Informationen konnte ich dazu im Vorfeld nicht finden, die Palette der Angaben schwankt zwischen II und IV. Daher habe ich mich für meinen ersten Hikr-Bericht entschieden.
Start in Lehen, oberhalb von Telfs im Inntal. Unschwierig auf Wanderwegen über Strassberghaus und Neue Alplhütte hinauf zum Verzweigungspunkt oberhalb des Wetterkreuzes, an dem man sich entscheiden muss, ob man zum Karkopf oder zur Hochwand gehen möchte. Der Steig zum Karkopf quert ein kleines Schuttfeld und einige Rinnen, um im grasdurchsetzten Schrofengelände auf den Verbindungsgrat Niedere Munde - Karkopf östlich des Gipfels hinaufzuführen. Am breiten Rücken nach Westen, einen Steilaufschwung links umgehend, in wenigen Minuten zum Gipfel. Dort lässt sich der weitere Verlauf der Tour gut einsehen.
Jetzt beginnt der interessante Teil der Tour. Der Übergang ist im - häufig etwas unglücklichen - AV-Führer "Mieminger Kette" sehr knapp und nicht immer eindeutig beschrieben. Die ideale Routenfindung ist hier nicht unbedingt trivial. Kurz und knapp kann man sagen, dass beim Abstieg zum tiefsten Punkt zwischen Karkopf und Hochwand die Gratzacken entweder nord- oder südseitig umgangen werden (Stellen II). Eine Rinne leitet dann hinunter zum tiefsten Punkt. Kurz nach dem tiefsten Punkt kommt im Aufstieg zur Hochwand die klettertechnische Schlüsselstelle der Tour: Von links wird eine steile Felspartie erklettert (III-, Haken). Die Gratzacken im Nordostgrat der Hochwand werden, mit Ausnahme des obersten, direkt überklettert (bis II). Bevor in Gipfelnähe einfacheres Gelände erreicht wird, muss noch eine steile, griffarme Felsplatte überwunden werden (II+). Danach sind die Hauptschwierigkeiten überstanden und bald wird der Hauptgipfel erreicht.
Vom Hauptgipfel führt der schmale Grat in wenigen Minuten hinüber zum Kreuzgipfel, wo der markierte Normalweg erreicht wird (I, etwas brüchig).
Auf dem Normalweg geht es etwas unangenehm nach unten, denn der lose Schutt auf den Felsplatten erfordert Vorsicht und umsichtiges Gehen. Der Pfad leitet durch felsiges Gelände (I) hinunter auf die begrünten Schrofenabhänge, die nach unten hin senkrecht abbrechen. Der Weg darf nicht verloren werden, weil er den Übergang vom Schrofenhang in den Latschenbereich an der einzig möglichen Stelle, der Südostecke des Hangs, überwindet. Es gibt aber auch keinen Grund den Weg zu verlieren, denn er ist vorbildlich markiert. Über einige Felsstufen (I) geht es auf einen Rücken hinunter, der den Austritt in die Latschenregion vermittelt. Kurz darauf trifft man wieder auf den Aufstiegsweg, dem man wieder nach Lehen folgt.

Schwierigkeiten:
Karkopf über Normalweg: T4.
Übergang Karkopf-Hochwand: T6-, III-.
Übergang Hochwand Hauptgipfel-Kreuzgipfel: T5, I.
Hochwand Normalweg: T5-, I.

Fazit:
Eine tolle 5*-Tour. Fels zwischen Karkopf und Hochwand fest und griffig, erst im Gipfelbereich der Hochwand wird's brüchiger. Die IIIer-Schlüsselstelle lässt sich bei Bedarf mittels Haken sichern. Wenige Steinmänner.
Der Übergang zwischen Hochwand Hauptgipfel und Kreuzgipfel ist einfacher als vielfach erwähnt - definitiv kein Zweier, falls man dem Grataufschwung ausweicht. Dafür ist es hier etwas brüchig.
Der Anstieg zur Hochwand über den Normalweg ist als "rot" ("mittelschwieriger Bergweg" nach Tiroler Bergwegekonzept) ausgeschildert. Das ist völliger Nonsens! Für einen offiziellen, markierten Steig stellt er so ziemlich das Schwierigkeitsmaximum dar und ist daher eindeutig mit "schwarz" zu bewerten. Ein Sturz wäre in weiten Bereichen nicht abzufangen.

Notiz am Rande: Während wir am Karkopf-Gipfel über die Route im AV-Führer sinnierten, traf gerade der Paul aus Telfs ein. Der Paul ist einer der ganz wilden Burschen: Er war bereits über 250 mal auf der Hohen Munde und hat den beschriebenen Grat bereits zum dreißigsten Mal gemacht, davor unter anderem im Winter. Er kennt dort jeden Stein persönlich. Praktisch, denn wir mussten ihm nur nachgehen und er hat uns die ideale Route gezeigt. Vielen Dank hierfür, lieber Paul! Ohne dich hätten wir wahrscheinlich viel Zeit für die Suche aufwenden müssen.

Mit auf Tour: Hermann.

Tourengänger: 83_Stefan

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Kommentare (10)


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mabon hat gesagt: Applaus
Gesendet am 1. Juli 2011 um 23:33
Ja Respekt,

unlängst hatte ich Deine Tour auch auf dem Schirm, war mir aber eben ob der dürftigen AV-Führer-Angaben unschlüssig. Scheint auf jeden Fall machbar zu sein.

Tolle Tour!

Schöne Grüße

mabon

83_Stefan hat gesagt: RE:Applaus
Gesendet am 2. Juli 2011 um 09:54
Seawas! Danke für deinen Kommentar! Es ist eine Freude, dort hochzukraxeln, denn der Fels ist 1a. Bei den Einheimischen steht die Tour hoch im Kurs und das sagt schon was. Da wirst du sicher deinen Spaß daran haben.

ADI hat gesagt:
Gesendet am 2. Juli 2011 um 11:48
Hallo, Stefan!

Klasse Tour, Klasse Bericht, saubere Leistung!
Muß ich mir auch mal anschauen; dachte, daß das wieder der übliche brüchige Mieminger Kalk ist.
Gratulation zu dieser schönen Tour!

VLG, ADI

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 2. Juli 2011 um 15:04
Hallo ADI! Dankeschön! Die Tour wird dir sicher gefallen. Ich hab schon überlegt, ob du da auch schon unterwegs warst.

gero Pro hat gesagt: Respekt
Gesendet am 2. Juli 2011 um 23:04
vor dieser großartigen Leistung - und danke für den Bericht !

Tja, und ich komm mir nun allmählich ganz klein vor mit meinem abgebrochenen Versuch am Normalweg, dem Du ja nur ne T5- zugestanden hast.
Also (zum Vergleich) etwas leichter als der Normalweg auf den Piz Linard .... und den bin ich einfach hinuntergesaust. Meiner Ansicht 2 Stufen leichter als die Hochwand - die Unsinnigkeit der T-Skala.

Aber lassen wir das ... viele Grüße vom Georg

83_Stefan hat gesagt: RE:Respekt
Gesendet am 2. Juli 2011 um 23:16
Danke!
Klar, man kann eine Bewertung nur interpretieren, wenn man das Bezugssystem kennt, also einen bewertete Tour des Autors schon mal abgelaufen ist. Daher werde ich mich bemühen, bald nachzulegen ;-) . Auf dem Piz Linard war ich noch nicht, aber reizen tut er mich schon!

Außerdem: Alleine ist vieles schwieriger - mit Begleitung wird dir die Hochwand sicher gelingen.
...und erinnere dich an den Galtenberg, den ich mit Steigeisen hochgeeiert bin, während du lässig mit deinen Schneeschuhen hochspaziert bist!

kardirk hat gesagt:
Gesendet am 11. Juli 2011 um 10:21
Servus Stefan,

Gratuliere zu der schönen Tour. Ich selber war vor 3 Jahren dort oben, bin aber schon an dem steilen Riss kurz nach der Scharte umgekehrt, der war mir dann doch zu schwer, zumal ich nicht wußte wie es dann noch so weitergeht. Endet der Riss eigentlich oben überhängend, sieht so von unten aus.
Der Abstieg vom Karkopf in die Scharte ist im alten AV Führer übrigens ganz treffend beschrieben.
Ich bin dann von der Scharte über ganz interessantes IIer Gelände zum Karkopf-Normalweg abgestiegen - laut AV ganz leicht, es sind aber meherer IIer-Stellen dabei - und dann über den Normalweg doch noch auf die Hochwand, was ein ziemlicher Konditionshatscher war.
Nach Deiner Beschreibung muß ich die Tour doch nochmal probieren.

Viele Grüße
Dirk

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 11. Juli 2011 um 14:50
Hallo Dirk! Ich habe bemerkt, dass die Tour in den einzelnen Führern (alt-neu, Mieminger-Wetterstein/Mieminger) recht unterschiedlich gut beschrieben ist. Ein Spezl hat einen älteren Führer und da ist die Tour wirklich besser beschrieben.
Stimmt, unter der Schlüsselstelle sieht man wirklich nicht, ob es oben weitergeht. Die Stelle ist im Abstieg zumindest sicher unangenehm. Ich würde sie mit III bewerten, das tun auch die Einheimischen. Oben weiß man, dass man richtig ist, denn es steckt ein Haken (was nichts nützt, wenn man kein Seil dabei hat ;-) ).
Ich wünsche dir eine tolle Tour. Auf dass du die Route beim nächsten Mal gut findest!

Soulfly hat gesagt: Tolle Gratwanderung
Gesendet am 28. August 2014 um 22:22
Ich bin heute diese Tour gegangen und bin sehr begeistert. Die Schlüsselstelle gleich nach dem Abstieg vom Karkopf bin ich umgangen. Hatte vorher mehrere Versuche gemacht in die Scharte hinunterzukommen, war mir aber niemals komplett sicher... conlusio: ich habe die III-Stelle umgangen indem ich vom Karkopf den Normalweg ein kleines Stück zurück und dann sobald als möglich in der Südflanke auf den Grat hinaufgestiegen bin. Somit ist mir diese unangenehme Stelle erspart geblieben. Die restliche Gratwanderung ist top. Die griffarme Stelle (II+) ist dann mit etwas Ruhe auch gut gegangen. Das war ein schöner Tag!
Danke für den Bericht!

83_Stefan hat gesagt: RE:Tolle Gratwanderung
Gesendet am 28. August 2014 um 23:43
Hallo Soulfly, vielen Dank für deine Rückmeldung! Ich finde auch, dass diese Tour zu den Top-Unternehmungen gehört, die wirklich Spaß machen.

Viele Grüße!


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