Ein Stock, ein Fulen...


Publiziert von ossi , 15. September 2009 um 12:00.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:13 September 2009
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Schilt-Mürtschengruppe 
Zeitbedarf: 14:00
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Strecke:Talsee-Stocklochwand-Bös Band-Stock-Bös Band-Jägernase-Fulen-Gchasseten-Robmen-Mürtschfurggel-Hummel-Talsee
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Fahrstrasse bis zum Talsee, 5.- Gebühr am Automaten an der Strasse zu bezahlen.
Kartennummer:1:25000 Spitzmeilen

Wunderbare Tour durch eine Welt der Bänder und Felsen...

Geplant war die Überschreitung des Mürtschenstocks, wobei der Stock über den Fingerrriss erklommen werden wollte und der Ruchen über die steinschlägige Flanke oberhalb Gchasseten. Den Fingerriss haben wir erst im Abstieg entdeckt, dafür aber gibt's jetzt eine "Hikr-Zweitbeschreibung der Route übers Bös Band". Ja und den Ruchen, den suchen wir jetzt noch im Nebel.

Stock über Bös Band-Bös Nase (ZS, ca. II): Die Wegspur hinauf an den Fuss der Stocklochwand beginnt gleich hinter dem "Gaden" beim Hof unmittelbar beim Park- und Fahrverbot am Ende der Alpstrasse zum Talsee. Einigermassen effizient führt er ohne nennenswerte Probleme auf den Sattel unter der Stocklochwand, wo man dasselbe auch bereits deutlich sehen kann. Auf Wegspuren folgt man dem begrasten Grat links (östlich) der Stocklochwand aufwärts, anfangs leicht links haltend, bis man nach einer Weile rechts unterhalb die Schutzhütte entdeckt: Hier beginnen die roten Markierungen, die bis zum Gipfel den weiteren Wegverlauf anzeigen.

Wegspuren und die sparsam vorgenommenen Markierungen leiten kurz vor dem Schussplatz  zu einem auf den ersten Blick wenig einladenden, schiefrigen Kessel, der leichter als vermutet gequert wird. Ein riesiger Steinmann krönt den Schussplatz. Vom Schussplatz aus gelangt man auf Spuren weiter südwärts in eine breite, offene Runse. Wer der Route übers Bös Band folgen will, der ersteigt diese Runse dem roten Pfeil folgend am äusseren linken Rand und gelangt so -zuletzt eine kurze IIer-Stufe überwindend- auf besagtes Band. Wer über den Fingerriss aufsteigen will, ersteigt die Runse am rechten Rand (im Aufstieg gesehen), erreicht so die Jägernase und erklettert zuerst das Bös Band (III, ein Bohrhaken) und dann den Fingerriss (IV).

Auf dem Bös Band angelangt, ersteigt man dasselbe leicht ansteigend, wobei wenige Bohrhaken Sicherung möglich machen. Nach dieser aussichtsreichen Querung wird die Bös Nase erreicht, ein herrlicher Aussichtsplatz mit Schaufel. Ein roter Pfeil lenkt um diese böse Nase herum und man steigt unmittelbar dahinter über ein System von Rinnen und Kaminen über sehr viel schuttigen Fels bis zum Gipfel des Stocks. Wer sich konsequent an die Markierungen hält, sollte mit einem gekletterten IIer hochkommen. Das Gelände ist sehr steinschlägig und es empfiehlt sich, die Rinnen jeweils einzeln anzugehen. Bei mehreren Seilschaften wird's schnell gefährlich, ohne Helm geht man besser einen Saft trinken. Kurz vor dem Gipfel zwängt man sich zwischen zwei riesigen Felsplatten durch, der ultimative Weight-Watchers-Test.

Nach einer kurzen Rast mit einer fabelhaften Aussicht von etwa 15 Metern steigen wir auf der gleichen Route ab, wobei wir das Bös Band bis fast zum Ende absteigen: Hier befindet sich der Einstieg zum Fingerriss und man seilt vom Einstieg aus 20m ab auf die Jägernase. Ich fand den Aufstieg eher einfacher als ZS (WS+), wegen der Steinschlaggefahr aber objektiv recht gefährlich.

Querung Jägernase-Fulen (im Führer T5, für mich T6): Von der Jägernase wird zuerst kurz ab- dann wieder aufsteigend Richtung Fulen gequert. Man halte sich konsequent an die wenigen, aber sehr gut platzierten und gut sichtbaren Steinmänner und vertraue darauf, dass sie tatsächlich durch die grossartige Mürtschenwildnis führen. Erst unmittelbar vor dem Kartoffelacker (Gipfelplateau des Fulens) wird die Grathöhe erreicht. Die lange Querung führt auf schuttigen, mit unendlich viel losem Gestein besetzten Bändern Richtung Fulen, wobei unzählige Sporne überstiegen, manche Runsen durchgequert werden. Im Wesentlichen handelt es sich um schwieriges, teilweise ausgesetztes Gehgelände, dann und wann mit einer oberen IIer-Stelle gewürzt. Irgendwann wird der Kegelkönig (ein auffälliger, abstehender schlanker Felsturm) erreicht, den man im Aufstieg auf seiner linken Seite durch eine sehr schuttige, schmale Rinne passiert (Stelle II). Im Anschluss daran führt die Querung im gleichen Stil weiter, bis man schliesslich durch einen langen, schmalen Kamin mit einigen IIer-Stellen auf den Grat und zuletzt auf den Kartoffelacker aussteigen kann. Landschafltich bietet dieser Wegabschnitt grossartiges, wildes Mürtschenkino!

Abstieg vom Fulen über Gchasseten nach Robmen ( moderates T5, Trittspuren): Die Sichtweite ist mittlerweile auf sagenhafte 10m geschrumpft, vom sagenhaften Kartoffelacker haben wir gar nichts gesehen und auch nirgends eine Kartoffel gefunden. In unserer Literatur stand etwas von wegen "Abstieg durch die Südostflanke", wobei wir in diesem Nebel ausser dem Gipfelbuch weder eine Flanke, einen Acker und schon gar keine Spuren ausmachen konnten. Zum Glück war kurz vor uns eine Gruppe mit Kindern oben, so haben wir uns dem übermütigen Kindergeschrei angeschlossen und auch tatsächlich besagte Flanke gefunden. Die Spuren führen zuerst abwärts auf eine kleine Furggel, dann weiter hinunter nach Gchasseten. Ab Gchasseten führt die Tour durch den riesigen Geröllkessel, im Abstieg gesehen eher in der linken Hälfte, bis man endlich Grasgelände erreicht. Eine letzte Felsstufe oberhalb Robmen knackt man im Abstieg gesehen auf der rechten Seite -nahe am sich steil zum Esel aufschwingenden Ostgrat- durch eine grasige Schwachstelle (Trittspuren).

Im grossen Geröllkessel von Gchasseten war uns schnell klar, dass wir den Ruchen in diesem Nebel nicht würden besteigen können. Weder meine Wenigkeit noch einer der beiden freundlichen Herren Begleitpersonen hatten die geringste Ahnung, wo sich der Einstieg in die Route zum Ruchen auch nur annährend befinden könnte. Wir stiegen also nach Robmen ab und hatten anschliessend das Vergnügen, nach Stunden im Mürtschengelände noch das halbe Massiv bis zum Talsee zu umrunden. Dies gab uns immerhin Gelegenheit, den einen oder andern Schwank, diese und jene Indiskretion aus unseren Biografien auszutauschen.

Danke Euch für die Begleitung!!
Herzlichen Dank an die unbekannte(n) Person(en) für die Errichtung der Steinmänner.

Tourengänger: ossi, Bombo, 2bd

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Kommentare (9)


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Delta Pro hat gesagt: Bös Band
Gesendet am 15. September 2009 um 14:22
"Hikr-Erstbeschreibung der Route übers Bös Band", schreibt man hier selbstbewusst. Da gibts bald mal ein Bös Delta! ;-)

Die Hikr-Erstbegehung des Bös Bandes passierte am 31.7.2001! Schau mal auf Hikr.org.

Nichts für ungut. Gratuliere euch zur coolen Tour!
Gruss Delta

ossi hat gesagt: RE:Bös Band
Gesendet am 15. September 2009 um 16:37
Oh, ich bin untröstlich!! Dann nehm ich das mit der Erstbegehung natürlich hochoffiziell zurück und hoffe nun auf einen "lieb Delta"...;)

Gruss
ossi

Delta Pro hat gesagt: RE:Bös Band
Gesendet am 15. September 2009 um 17:14
Lieb Delta ist ganz beschwichtigt, zwinkerzwinker ;-) Auch die Bös Nase, die nach dem Irrtum gelaufen ist wie wild, ist wieder OK.
So was bringt einen doch nicht aus der Fassung.
Gruss

ossi hat gesagt: RE:Bös Band
Gesendet am 15. September 2009 um 18:05
Was meinst denn Du zur Bewertung ZS? Ist schon eine Spur einfacher, gell (mal abgesehen von der Strecke Jägernase-Bös Band)?

Delta Pro hat gesagt: RE:Bös Band
Gesendet am 15. September 2009 um 21:23
ZS- (gemäss Bombo) triffts wohl recht gut. Da man das Bös Band ja sichern kann (Bohrhaken) ist das für diese Passage besser als T6. Aber wirklich schwierig ists ja nicht, bis auf die viele Luft unter den Füssen.
Gruss

Alpin_Rise Pro hat gesagt: StockFuleRuchen
Gesendet am 15. September 2009 um 19:32
Tolle Tour, Nebelkatzen!
Da ihr den Ruchen nicht gemacht habt, war ich statt euer vor einer Woche dort, über den Südgrat. Bericht und Neubewertung ;-) folgt bald.
Wünsche beste VerFassung,
Rise

alpstein Pro hat gesagt: Da kriegt man
Gesendet am 15. September 2009 um 21:17
ja schon beim Bilder anschauen Gänsehaut.

Coole Tour von Euch, gratuliere !!

Grüßé
alpstein

3614adrian hat gesagt: Gratulation
Gesendet am 16. September 2009 um 08:33
Euch drei zu dieser herrlichen Kraxeltour par excellence!
Die Markierungen und neuen Bohrhaken sind ziemlich neu, bei uns gab's ausser seltenen Steinmännern keine Markierungen und die Stände beim Fingerriss bestanden aud üblen Rostgurken an welchen wir abgeseilt haben...
Auch auf R1032 (Kletterroute auf den Ruchen) gibt es gemäss einem Bericht auch neue Stände.

Gruss Adrian

2bd Pro hat gesagt: Alles richtig
Gesendet am 28. September 2009 um 17:58
… sagt ein Teilnehmer. Die Aussicht auf den Mürtschenstock von unserem Garten sowie auf dessen Überschreitung bewegt mich schon seit vielen Jahren. Fast plötzlich, dank einem Kletterausflug mit Ossi nach Solothurn (!) ist sie Realität geworden. Da hat man ja viel Zeit zum Reden und zum Planen. Es war lässig mit euch beiden! Siehe im Weiteren meinen Kommentar zu Bombos Tourenbericht. Zu guter Letzt hat meine Frau - nach meiner abenteuerlichen Schilderung! - mich überrascht: "Dann holen wir zwei halt den Ruchen demnächst noch nach." Ups!


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