Rundtour durch das Val di Lodrino und auf die Cima di Visghéd


Publiziert von bulbiferum Pro , 29. Juni 2009 um 22:37.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:28 Juni 2009
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Gruppo Poncione Rosso   CH-TI 
Zeitbedarf: 13:30
Aufstieg: 1850 m
Abstieg: 1850 m
Strecke:16 Km, Lodrino - Pönn - Dureda - 1024 Sprügh di Sprüera - A. Nuovo - 1142 Steinbrücke - A. Drosina di Sotto - A. Drosina di Soprra - Cima di Sbordan - Cima di Visghéd - Pianascio - Bergnauri - Namenlose Schlucht westlich von Bergnauri - in der Aufstiegsroute zurück nach Lodrino
Kartennummer:1293 Osogna

Die Cima di Visghéd hatte ich schon auf der Menukarte seit ich im letzten Jahr die Cima di Negrös besuchte. Die beiden Gipfel stehen wie zwei Torwächter, die Negrös nördlich und die Visghéd südlich, am Eingang des Tales. Im Val Lodrina gibt es noch ein nach Süden reichendes Seitental, das Valle di Drosina.
Um möglichst viel von diesem einsamen Gebiet zu sehen, planten wir eine lange Tour. Sie führte zuerst in das Val di Lodrino hinein, dann ganz nach hinten in das Valle di Drosina und von da auf die Cima di Visghéd und zurück nach Lodrino. Gemäss Profil auf Toposchweiz betrug die Gehzeit ca. 10 Std. Man ist aber gut Beraten, wenn man auch eine Zeitreserve für mögliche Verhauer und die Wegsuche einplant. Wir sollten schlussendlich inkl. Pausen rund 13,5 Std. brauchen.
Die Tour ist eigentlich nirgends schwieriger als T3. Bei Verhauern kann sich das aber schnell ändern. Schwierigkeiten wird aber sicher die Orientierung bereiten. Markierungen und Wegweiser gibt es keine. Erst beim Abstieg auf der Ostseite der Cima di Visghéd hatte es vereinzelte verwaschene rotweisse Markierungen und einen Wegweiser. Ein GPS, das vor der Tour gut vorbereitet wurde, ist sehr hilfreich.

Wir starten um 5:30 in Lodrino. An einem Sonntag kann man gut auf dem Parkplatz der Dennerfiliale parkieren. Von da geht es südlich über die Brücke und dann nach rechts zum Waldrand wo man auf einen Weg trifft, der den Hang hinauf führt. Wenn man ein paar Minuten später eine lange Steintreppe passiert die mit einem grünen Geländer gesichert ist, ist man richtig. Nach der Treppe kommt man an einem eingezäunten Areal vorbei und weiter hinten donnert ein fotogener Wasserfall. Hier verläuft der Pfad ca. 500m nach Süden dem Hang entlang bis er dann bei einer Mauer mit einer Mariastatue drin, in einer grossen Schleife hinauf nach Pönn führt. Die Maria ist auf der Karte mit einem Kreuz markiert.

Kurz vor Pönn, an der oberen linken Ecke der grossen Wiese hat es eine neue Steinbank. Hier aufpassen. Der schöne Weg mit dem Zaun führt in die Irre. Er geht zum Fluss hinunter. Der kleine unscheinbare Pfad, der unter den Ruinen von Pönn vorbeizieht ist der Richtige.Nun geht es weiter nach wie vor unschwierig nach Dureda und weiter immer dem Pfad folgend in das Valle di Drosina hinein. Bei der A. Nuovo hätte es bereits eine Möglichkeit zum Abbiegen gegeben. Wir wählten aber die Variante über die Alpe Drosina di Sotto. Beim Punkt 1142 gibt es eine massive Steinbrücke. Ein Indiz dafür wie wichtig diese Alpen, die heute zu einem grossen Teil nicht mehr der Wirtschaft dienen, für die Bevölkerung waren. Bei der A. Drosina di Sotto muss die Riale di Drosina überquert werden. Eine Brücke gibt es dort nicht. Am einfachsten geht das ein paar Meter flussaufwärts des Kabels und des Wasserschlauchs, die über den Bach gehängt sind. Zur A. Alpe Drosina di Sopra geht es dann wieder steil aber unschwer hinauf. Unterwegs musste ich Helene zwei Zecken entfernen. Die eine hatte sich schon gut festgekrallt wehrte sich nach Kräften. Vermutlich stammten sie von den Farnen, die wir unten beim Bach durchqueren mussten.

Nach der Alp bei Punkt 1605 produzierte ich dann den einzigen Verhauer. Auf dem GPS war zwar alles richtig eingetragen aber der falsche, vermutlich von Jägern ausgetretene Pfad, hatte uns erwischt. Also aufgepasst, nach dem kleinen Häuschen das vermutlich die Wasserfassung beherbergt, den Bach nicht überqueren. Als ich das Problem bemerkte stellte sich die immer gleiche Frage. Zurückgehen und die richtige Route suchen oder "on the fly" korrigieren. Da die Erlen und Alpenrosen zwischen den Föhren nicht ganz undurchdringlich schienen wählte ich die zweite Variante. In der Nähe des Punktes 1815, nördlich der Alpe di Pianascio erreichten wir wieder unsere geplante Route. An dieser Stelle möchte ich Helene ein Kompliment machen. Trotz meines Fehlers und des anschliessenden Krampfes durch die Stauden gab es keine nervenden Vorwürfe und kein Gejammer. Das war beileibe nicht mein erster Verhauer auf unseren gemeinsamen Touren und ich habe mir von ihr noch nie besserwisserischen Vorhaltungen und Kommentare anhören müssen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Bald darauf erreichten wir die Cima di Sbordan und ein wenig später die Cima di Visghéd. Die Visghéd hat zwei Gipfel. Wir schenkten uns den Östlichen und sparten so ca 30 Minuten. Auf dem westlichen 13m höheren Gipfel hat es in einer Gamelle ein 5x10cm kleines Gipfelbüchlein. Obwohl der erste Eintrag aus dem Jahr 1997 stammt ist es nicht mal zu 20% voll. Pro Jahr gibt es im Schnitt nur ca. 7 Einträge.

Nachdem ich das letzte Bild für das Panoramafoto im Kasten hatte machten wir uns an den langen Abstieg. Via Alpe di Visghéd führte der Pfad in nördlicher Richtung dem Hang entlang und erreichte via die Alpe Pianascio Bergnauri. Hier es gibt mehrere Möglichkeiten für den weiteren Abstieg. Wir wählten den Pfad durch das steile Tälchen oder Rinne die westlich von Bergnauri von Pianascio herunter kommt. Diese Route ist zwar auf der Karte eingezeichnet aber schwer zu finden. Hat man ihn gefunden droht man immer wieder ihn zu verlieren. Er ist fast überall  von Farnen und anderem schnell wuchernden Zeugs verdeckt. Im unteren Drittel haben wir ihn dann auch verloren. Das GPS hatte in diesem Gelände (nahe Felswände an beiden Seiten und sehr dichtes Laubdach) Mühe. In der Nähe des Punktes 721 trafen wir wieder auf unsere Aufstiegsroute vom Morgen und kehrten auf dieser nach Lodrino zurück.

Zu beachten sind die vielen Zecken in diesem Gebiet. Kurze Hosen, wie wir sie trugen, sind nicht empfehlenswert. Bei der Zeckenschlusskontrolle musste ich an Armen und Beinen 8 von diesen Viechern entfernen und auch an Helene fanden sich wieder welche.

Die Tour ist aber trotzdem lohnenswert. Man ist weit weg vom Alltag. Andere Menschen haben wir nur vereinzelt auf den Alpen angetroffen.




Tourengänger: bulbiferum

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Kommentare (4)


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Henrik hat gesagt: Aufschlussreich, auch was die
Gesendet am 29. Juni 2009 um 23:44
Ausrüstung anbelangt - und präzise geschrieben.

Toll.

Gruss

Henrik


bulbiferum Pro hat gesagt: RE:Aufschlussreich, auch was die
Gesendet am 30. Juni 2009 um 20:36
Hallo Henrik
Vielen Dank, ja ich lerne immer noc hauf jeder Tour etwas ;-)

Viele Grüsse, Markus

MasterFu hat gesagt: Alternativer Parkplatz
Gesendet am 7. Mai 2011 um 11:26
Ausgezeichneter Bericht, danke!

Alternativer Anfangspunkt mit Auto:  Legri, Parkplatz 580 m, direkt nördlich von Pönn auf der andern Talseite des Val di Lodrino. Man muss allerdings zuerst 50m hinunter, um auf der Stahlbrücke den Bach zu überqueren, und kommt dann auf dem erwähnten Weg mit dem Zaun bei der Steinbank kurz vor Pönn an. Höhenmeter spart man nicht viel, entflieht der Geräuschkulisse von Autobahn und Sprengungen aber doch rascher ins Reich der Vögel und Wasserfälle.

Mit deiner Wegbeschreibung bin ich gestern problemlos bis zur  Alpe Drosina di Sopra 1605 m (4h, mit Pausen) gelangt. Lieber einen solchen Hikr-Bericht im Sack als die rot-weissen Markierungen. Wo du dich verhauen hast, beim Häuschen, aus dem eine Quelle entspringt (!), ist der richtige Weg einfach zu finden - aber nur, wenn man es weiss. Der falsche ist sehr einladend.

100m über dieser Alp bin ich in Schneefelder geraten und umgekehrt. Abgenommene Zecken: null; getroffene Menschen: null. Eine paradiesische Gegend.

bulbiferum Pro hat gesagt: RE:Alternativer Parkplatz
Gesendet am 9. Mai 2011 um 20:38
Vielen Dank für das Kompliment und Hinweis zum PP bei Legri. In dieses Tal werde ich sicher wieder einmal zurückkehren. Paradiesisch ist der richtige Ausdruck


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