Eisheilige auf der Kenzenhütte


Publiziert von schimi , 17. Juni 2014 um 22:18.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Ammergauer Alpen
Tour Datum:13 Mai 2014
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 

12. Mai 2014
Nach einer Bergabstinenz von zwei Monaten haben wir endlich wieder einmal die Gelegenheit ein paar Tage in den Bergen zu verbringen. Leider sind die Wetteraussichten aber eindeutig unterdurchschnittlich. Na wir werden sehen...

Schon mehrmals haben wir in den letzten Jahren versucht kurzfristig einen Schlafplatz in der Kenzenhütte zu bekommen, aber zumindest an den Wochenenden ist das schwierig. Jetzt klappt es aber: Montag bis Mittwoch und im Mai auch noch vor der Zeit, in der die Massen in die Berge strömen und zusätzlich außerhalb der Zeit, in welcher der Bus zur Kenzenhütte fährt, dazu Wetteraussichten mäßig. So voll kann das nicht werden.

Der Parkplatz ist groß und es stehen nur zwei Autos dort als wir kommen. Das Wetter ist mit 9 Grad kühl aber angenehm sonnig. Na bitte, wer sagts denn. Wir packen unsere sieben Sachen zusammen und gehen gemütlich am Halblech entlang in die Ammergauer Bergwelt hinein. Die Strecke zur Kenzenhütte ist ca. 12 km lang und es gibt nur gut 400 Höhenmeter zu bewältigen. Es geht also gefühlt steigungsfrei am Bach entlang und wir haben Zeit zum plaudern, schauen und genießen.

Schon früh habe ich die erste Wasseramsel entdeckt, die auf einem Fels im Wasser sitzt, dann sofort auffliegt und sich im Expresstempo knapp über dem Wasser davonmacht. In vielen Windungen und keinesfalls langweilig kommen wir gemächlich unserem Ziel entgegen. An den Stellen wo der Halblech mehr Raum einnehmen kann fühlen wir uns an Kanada erinnert aber keinesfalls an die Ammergauer Alpen. Ein wilder Bach in breitem Bett, mit vielen Kiesinseln, die zum Teil bereits mit Pionierbäumen bewachsen sind, so etwas sieht man hier selten.

An der Reiselbergbrücke angekommen gibt es erstmals eine Auswahl an Möglichkeiten zur Hütte zu gelangen. Wir wählen die Variante am Reiselsbergbach entlang, der hier von rechts kommend in den Halblech einmündet und sein Volumen stärkt. Im Verlauf des Bachs kommen wir an reichlich Wasserkraftinfrastruktur vorbei. Mehrere Turbinenhäuser, zwei Stauseen. Immer wieder hören wir den Lärm durch die Fenster dringen, wo Wasser in Strom verwandelt wird. Na gut, wir möchten ja auch nicht im Dunkeln sitzen.

Bald nach dem zweiten See teilt sich das Tal. Geradeaus das größere, ab hier Lobental genannt. Wir gehen nach links in das kleinere und am Bockstallbach entlang. Gleich wieder folgt ein See mit kleiner Staumauer, die wir nutzen um die Seeseite zu wechseln. Nun südseitig nahe am Ufer des Sees folgen wir der Beschilderung "Wankerfleck" und "Kenzenhütte". Hinter dem See öffnet sich gleich eine überschaubare Weidefläche, die mit herrlichen Solitärbäumen unsere ungeteilte Beachtung findet. Ein herrlicher Platz!

Noch einmal teilen sich die Wege in Fahrstraße und Fußweg. Wir folgen dem Fußweg, nun am Kenzenbach entlang und genießen die letzten Meter, die nun auch mit spürbaren aber nicht anstrengenden Höhenmetern aufwarten. Erstmals hier wird der breite Wanderweg auch einmal zu einem Bergpfad, der uns auf die kommenden beiden Tage einstimmt.

Wir gelangen wieder auf den Fahrweg und sehen gleich eine stattliche Hütte, die sich jedoch als Kenzen-Jagdhaus entpuppt. Hier angekommen sind es nur noch wenige Minuten und wir stehen vor der Kenzenhütte. Wir werden freundlich von den Wirtinnen empfangen, denn wie sich herausstellt wird die Hütte von drei Schwestern bewirtschaftet.

Nach dem Kartenstudium (eigentlich möchten wir morgen auf die Hochplatte) haben wir am Abend noch viel Zeit mit der Wirtin zu plaudern, denn wir sind mit einem Hamburger zusammen die einzigen Gäste. Das Abendessen ist preiswert und nicht gut – nein, es ist für Hüttenverhältnisse sensationell!
Wir fühlen uns sehr wohl hier, wenn auch die "Doppelzimmer" weniger bieten, als eines auf dem Everesttrek. Eigentlich ist es eher eine Holzschachtel als ein Zimmer, aber das macht gar nichts, denn wir wollen hier nur schlafen.


13. Mai 2014
Der Morgen empfängt und mit Schneeregen. Ein Blick aus dem Fenster in die Höhe verrät uns, dass es nur wenige Meter über uns bereits weiß und grau ist. Schon klar; weiß der Boden, grau der Himmel. Und zwar FETT grau! Da müsste schon ein Orkan kommen, damit wir heute noch Sonne zu sehen bekommen denke ich.

Wir beschließen trotzdem so weit in Richtung Hochplatte zu steigen, wie es uns sinnvoll erscheint. So haben wir wenigstens Bewegung an der frischen Luft und einen guten Grund uns auf das Abendessen zu freuen. Wir folgen der Beschilderung "Hochplatte", der Weg führt und zunächst in zwei Serpentinen durch Wald in die Höhe. Etwas weiter folgt ein breiter und weitestgehend baumfreier Talkessel zwischen Vorderscheinberg und Schlössel. Hier sind wir gerade in dem Bereich, in welchem sich langsam eine Schneedecke aufbaut.

Ein Rudel Gämsen, es mögen knapp über 10 sein, stehen hier in dem Kessel. Trotz des dichten Schneetreibens und der sehr schlechten Sicht haben sie uns gleich entdeckt. Nach kurzem Zögern und Schauen ziehen sie sich völlig lautlos und ohne übertriebene Hektik in den angrenzenden Wald zurück. Wir gehen weiter und wenig oberhalb der Stelle wo wir den Weg der Gämsen gekreuzt haben, sind wir bereits an der Weggabelung, die rechts ab in Richtung Hochplatte führt.

Wir gehen den noch sichtbaren Pfad weiter; aber jetzt schon wird absehbar, dass wir das Ziel heute nicht erreichen werden. Mehr und mehr verschwindet der Weg unter dem Neuschnee aber auch große nun zugedeckte Altschneebestände machen das Vorankommen schwieriger. Wir können zwar den weiteren Wegverlauf noch ein Stück erkennen, aber wir zweifeln bereits an der Sinnhaftigkeit unseres Weitergehens. Es bliebe, selbst wenn wir den Aufstieg gut schaffen würden, nur die Sicht in den dichten Nebel zu bestaunen.

So drehen wir um, in der Aussicht auf einen schönen Rundweg, der uns zunächst von unserer letzten Abzweigung einige Meter hinauf zum Lösertaljoch bringt. Kaum haben wir umgedreht und die 15 Minuten auf das Joch hinauf erledigt, bahnt sich die Sonne (wir glauben es kaum) ihren Weg zu uns herunter und wärmt uns den Rücken. Nur ein paar wenige Minuten, aber wir genießen das sehr! Über das Joch hinweg, steigen wir die total aufgeweichte Wiese hinunter in den Lösertalgraben.

Viel kreuz und quer bahnen wir uns den Weg um nicht im Wasser zu versinken. Frisch freigetaut und platt vom langen Winter liegt die Wiese vor uns, und wartet mit unzähligen wassergefüllten Löchern auf unseren ersten Fehltritt. Wir schlagen uns tapfer ins Tal hinab und erfreuen uns an tausenden Soldanellen, die als Frühlingspioniere schon mal die lila Köpfchen nach oben strecken.

Leider ist es mit der Sonne gleich wieder vorbei. Die nächste schwere Schneewolke entleert sich mich Wucht über uns. Wir wechseln in den Wald und folgen den schmalen Pfad hinüber in den Hasentalgraben. Hier führt uns der schmale Weg zunächst in steilstem Gelände in  den Graben hinein und hinüber auf die andere Seite, wo der Weg wieder breiter und das Gelände flacher wird. Die nächste Geländerinne führt uns wieder hinauf am Sägertalbach entlang nach oben.

Wir verlassen den Wald wieder und steigen über frisch verschneite Wiese hinauf bis zum Bäckenalmsattel. Beim Aufstieg erfreut uns wieder etwas Sonnenlicht. Extrem hell erscheint uns das Licht auf der locker beschneiten Wiese. Dazu etwas von den blauen Himmelsfetzen, gewürzt mit aufsteigender Feuchtigkeit die zu Nebel wird. Es ist eine herrliche Stimmung! Oben angekommen sehen wir zurück über unseren Aufstiegsweg bis hinüber zum Linderhof.

Der Wind kühlt uns aus, als wir unser Brot am höchsten Punkt des Jochs zu uns nehmen; wir bleiben nur kurz. Der Abstieg zur Kenzenhütte ist jetzt nur noch kurz. Mit schönen Ausblicken auf den Geiselstein (wegen immer besser werdendem Wetter) erreichen wir die Kenzenhütte. Wir freuen uns über die angenehme und freundliche Stimmung, die wir heute ganz alleine genießen dürfen.

Der Abend wartet noch mit einer tollen Lichtstimmung auf uns. Uns reichen aber einige wenige Schritte vor die Hütte und ein abschließender Blick aus dem Fenster. Das Abendessen ist außergewöhnlich gut, und lässt alle Hotels im Tal erblassen!
Nach dem Essen kommt, wie gestern schon der Hausfuchs der Kenzenhütte. Man glaubt es kaum; der schleicht hinterm Haus an die Küche ran, der Bewegungsmelder macht Licht und 30 Sekunden später macht die Hüttenwirtin die Tür auf und füttert das liebe Tierchen. Meine Frau darf auch mal Füttern, der nassen struppigen Füchsin ist's egal aus welcher Hand der Braten kommt!


14. Mai 2014
Die Bergtour bleibt uns heute definitiv verwehrt. Wir erwachen in reinem Weiß. Ca. 15 cm hat es hingeworfen, und es wirft noch feste weiter. Nach dem Frühstück gehen wir noch die 5 Minuten zum Kenzenwasserfall. Der ist wirklich schön. Aber es schneit so heftig, dass wir kaum den Kopf nach oben neigen möchten um alles zu sehen. Wir nehmen einen kurzen Blick und machen uns dann auf dem Fahrweg auf den Weg ins Tal.

Langsam, Höhenmeter für Höhenmeter wird die Schneedecke beim Abstieg kleiner. Immer mehr geht der Schnee auch in Regen über. Wir erfreuen uns während des Abstiegs an den kleinen Dingen am Wegesrand und an unserer wasserfesten Hightech-Kleidung. Viel Zeit zum plaudern bleibt uns, und kaum kommen wir in den Randbereich der Berge merken wir auch schon wie der Regen nachlässt und die Bewölkung sichtbare Struktur bekommt. Am Parkplatz angekommen hört der Regen auf. Wir verpacken alles ohne dass es auf uns herabschüttet – schön.

Drei schöne Tage neigen sich dem Ende zu. Außergewöhnliche Stimmung, hervorragendes Essen, Wetter, bei dem eigentlich keiner aus dem Haus geht. Super!

Tourengänger: schimi


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Kommentare (1)


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wholzinger hat gesagt: Kenzenhütte
Gesendet am 27. Juni 2014 um 22:25
Markus,
habe Deine Schneewanderung im Mai eben angeschaut. So ein Pech, aber schöne >Bilder hast Du gemacht.
Habt diesen Sommer noch eine Bergwanderung geplant, ich gehe im August mit Alpinschule auf die Zugspitze.
Gruß Werner
Die zweite Wanderung am 17.Juniwar wohl vom Wetter auch
nicht besser?


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