Rinderhorn 3448m Normalweg und Bonus: luftige Chindbettihornüberschreitung 2691m


Publiziert von alpensucht , 4. August 2013 um 21:06.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Frutigland
Tour Datum: 5 Oktober 2012
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 12:30
Aufstieg: 2100 m
Abstieg: 2100 m
Strecke:Tällisee-Rote Chumme-Daubensee-Rindersattel-Rinderhorn-retour-Chindbettihorn-Tällisee - insg. ca. 16km

Nach dem Balmhornversuch vorgestern, gab es gestern einen hässlichen Regentag, den wir am Biwakplatz verbracht haben. Abends hatte es sogar etwas geschneit. Dennoch schaffen wir an diesem Morgen meines letzten richtigen Tourentages mit meinen Freunden im Herbst 2012 immerhin einen frühen Start vom Biwakplatz. Es gibt ja wieder einige zusätzliche Höhenmeter in Form von Gegenanstiegen zu bewältigen.

 

Tällisee - Rote Chumme – Daubensee, T3

Also geht es um kurz nach 5 Uhr am Tällisee los hinauf zum Rote Chumme Pass. Von da führt der uns schon vom Gegenanstieg im Dunkeln am Ende der harten Steghorntour bekannte Steig durch die Rote Chumme (kurze Stellen gesichert, markiert ab Pass) hinab bis zum Daubensee, wo wir unsere Wasserflaschen einfüllen und kurz pausieren um zu frühstücken. 7 Uhr.

 

Daubensee – Rindersattel, T4

Dann gehen wir kurz auf der Straße, die vom Gemmi hinab zum Berghotel Schwarenbach führt bis ein kleiner, unauffälliger Pfad nach rechts (östl.) abzweigt. Über Pfadspuren und langsam karger werdendes Gelände (teils auf alten Moränen, weglos) gelangen wir bald in die sich aufsteilende Flanke, die vom Rindersattel hinab zieht. Langsam wird es auch hell, der Boden und der Schutt unter unseren Füßen ist noch sehr fest gefroren, deshalb kommen wir gut voran. Bei ca. 2800m wird es recht steil und die manchmal sichtbaren Pfadspuren sind nun leicht eingepudert mit den paar Schneeflocken von gestern Abend.

 

Rindersattel – Rinderhorngipfel, WS-

9:30 Uhr. Im Rindersattel pausieren wir nochmals etwas ausgiebiger, genießen den Ausblick zum Mont Blanc und beraten über den weiteren Aufstieg, der von hier wirklich unschwierig aussieht. Langsam erreichen uns die ersten Sonnenstrahlen, wodurch wir gleich ermahnt werden weiter zu gehen. Zunächst geht es noch ohne Steigeisen. Der Fels ist nur an einigen Stellen mit Schneefeldern bedeckt. Auch bleiben wir erst noch länger am recht breiten, schuttigen Grat (T4, L). Sobald wir eine kompaktere Schneedecke unter die Bergstiefel bekommen, legen wir Steigeisen an und setzen die Helme auf. Das Seil bleibt im Rucksack. Später müssen wir ein wenig rechts in die Flanke queren, welche aber mit gutem Trittfirn durchsetzt ist. Die Flanke zurück zum Grat wird dann sogar bis 40° steil. Da ich mich so gut fühle, lege ich die ganze Zeit die Spur. Auch der restliche Grat hinauf bis zum Gipfelgrat bleibt noch recht steil. Und viel schneller als gedacht erreichen wir letzteren und schreiten genussvoll zum Gipfelkreuz. Eigentlich kommt nur hier das typische Hochtourengefühl durch den überfirnten Grat auf. 10:50 Uhr.

 

Die Blicke auf Balmhorn und Altels sind gewaltig schön, sie scheinen so nahe! Vom letzten feucht-kalten Abend zeugt das verreifte Gipfelkreuz. Auch die gesamten Walliser Alpen zeigen sich in prächtigem Licht. Nach Norden hin erahnt man sogar den Jura.

 

Um 11:30 Uhr gehen wir den Abstieg an. Auch hier gehen wir wieder ohne Seil, nur mit Steigeisen und Pickel. Kurz vor dem Rindersattel üben wir noch etwas einen „Toten Mann“ zu bauen. Um 12:40 Uhr sind wir wieder zurück im Rindersattel und 13:45 Uhr am Daubensee, wo wir sehr lange pausieren und etwas baden. Zurück zum Rote Chumme Pass und unserem Biwakplatz gehen wir dann einzeln, wann es jedem beliebt. Jeder hängt so seinen Gedanken nach. Meine gehen dabei dahin, vielleicht noch eine kleine Extrarunde anzuhängen, da ich noch genügend Zeit und Kraft habe. Außerdem ist heute mein letzter Tag, so muss ich ihn bis zum Ende nutzen.

 

Daubensee – Chindbettihornüberschreitung, T6-, II

Kurz vor halb vier nachmittags breche ich also vom Daubensee auf zum Pass hinauf. Von da oben sieht der Engstligengrat recht hübsch aus. 16:20 Uhr. So entschließe ich mich, das Chindbettihorn zu erkunden. Weglos begebe ich mich hinab zum Tällisee und wieder hinauf zum Chindbettipass. Der Aufstieg auf den Vorgipfel sieht hier noch recht unproblematisch aus (T4, I). Der Übergang zum Hauptgipfel jedoch ist sehr scharf und ausgesetzt (T6-, II). Das reizt mich schon noch sehr. Auch habe ich noch genügend Konzentration übrig, da es heute eigentlich keine ausgesetzte Stellen gab. Erst kann ich noch aufrecht gehen und ausbalancieren, später greife ich mit beiden Händen über die Gratkante und setze südlich unterhalb auf kleine Tritte die Füße. Ein Stück wird noch im Reitsitz überwunden und zum Schluss geht es nochmal aufrecht. Insgesamt dauert das alles nicht länger als 15min. Das war wirklich spannend! Der Abstieg über den Normalweg zurück dauerts, den ich dann zügig unter die Füße nehme, ist wieder unschwierig. Zum Biwakplatz zurück dauert's dann nicht mehr lang. 17:30 Uhr. Das Abendlicht ist nochmal wunderschön.

 

Die Tour auf das Rinderhorn ist sicherlich sehr gut für Anfänger geeignet, da es keine Spaltengefahr oder wirklich ausgesetzte Stellen gibt. Uns hat sie als Abschluss einer gemeinsamen Tourenwoche große Freude bereitet, trotz der Gegenanstiege. Auch Jonas hat noch eine kleine Extratour (Felsenhorn) hinten dran gehangen. Für Einsteiger macht es sicher Sinn am Chindbettihorn zu sichern, wenn man es überschreitet. Der SAC-Führer gibt hier ZS- an. 


Tourengänger: alpensucht


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