Balmhorn Vorgipfel 3667m über Zackengrat mit Ausrutscher im Abstieg


Publiziert von alpensucht , 30. Mai 2013 um 18:48.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Frutigland
Tour Datum: 3 Oktober 2012
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   CH-BE 
Zeitbedarf: 13:00
Aufstieg: 2150 m
Abstieg: 2150 m
Strecke:siehe Wegpunkte und zurück bis Tällisee - insges. 9,5km

Wegen des langen Rückwegs gestern über die Lämmerenplatten, schlafen wir heute etwas zu lang, starten an diesem wunderschönen Tag viel zu spät für eine große Hochtour. Auch wenn es heute nicht so schwierig werden soll, so lässt die Länge des Anstiegs, die absolute Höhe und der Gegenanstieg beim Rückweg zum Biwak eigentlich kaum Verzögerungen zu. Dennoch probieren wir es, kommen etwa 8:15 Uhr vom Tällisee weg.

 

Zunächst müssen wir den kleinen markierten Steig im Tälli hinauf zum Schwarzgrätli finden, welches den Passübergang zum Berghotel Schwarenbach bildet. Der Steig (T3+) führt sehr schön teilweise nahe an den Quellen unter der Abbruchkante des Nordgrats vom Felsenhorn 2782m und am schön gefärbten Tschalmetenseeli vorbei, bevor der Abstieg beginnt. Nun müssen wir rund 400Hm hinab (T4, die wir am heute am Abend auch wieder hinauf müssen...)

 

9:10 Uhr. Am Hotel machen wir 15min Frühstückspause und suchen uns anschließend den Steig zum Schwarzgletscher in östlicher Richtung, der meist nur durch Wegspuren zu finden ist. Hier gibt es noch einige restliche Vegetation zu sehen, die jedoch bald verschwindet. Ein gutes Stück führen die Steigspuren über die alte westliche Seitenmoräne. Auf Höhe von etwa 2400m bemerkt man, dass man schon längst auf dem Eis ist, welches noch mit viel Geröll bedeckt ist. Hier sind die ersten Eisverwerfungen zu sehen. Etwas weiter oben sehen wir eine sehr heikle Spaltenbrücke und die ersten ungefährlichen Spalten am Rand der Route (alles noch T4). Auf etwa 2650m steilt sich das Gelände zusehends auf (oben bis 40°) und ein etwas griffiger Restschnee liegt auf dem sonst blanken oder schuttigen Eis. Wir legen die Steigeisen an, nehmen den Eispickel zu Hilfe und orientieren uns je zu zweit eher etwas links der tiefsten Einsattelung des Zackenpasses, wo auch manchmal Spuren zu finden sind. Der Aufstieg ist anstrengend. Kurz vor der Passhöhe bedeckt wieder viel Schutt das Eis. Jonas und Laura steigen weiter rechts (westlich) im steileren Gelände im Firn auf.

 

12:20 Uhr. Der Zackengrat sieht viel weniger „zackig“ als erwartet aus. Im ersten Teil geht es teils recht schmal aber unschwierig (Gehgelände) über den Grat. Später treffen wir immer mehr Firn an. Es stürmt am Grat. Die Traverse eines Zackens (kurz steil im Firn) kurz vor dem letzten steilen Aufschwung ist wohl die Schlüsselstelle bis zum Vorgipfel (WS). Bei dem Aufschwung handelt es sich um den überfirnten Rücken, der sich zum Vorgipfel hinauf zieht. Hier gehen wir je zu zweit nebeneinander, wobei wir beiden Kerle die Mädels in den Windschatten versuchen zu bringen, weil es nun so starke Böen vom Süden gibt, dass sie drohen uns vom Grat zu fegen.

 

Am Vorgipfel entscheiden wir uns wegen des Sturms und der vorangeschrittenen Zeit (14:45 Uhr), den Gipfel nicht anzugehen und umzukehren. Ich gehe noch kurz unter den Vorgipfel, wo es sogar fast windstill ist. Der Rückweg über den Grat verläuft gut. Der Sturm wird etwas schwächer. So können wir noch bei P.3211m ausgiebig pausieren, ausruhen und fotografieren. 16:20 Uhr.

 

Im weiteren noch gefährlichen Abstieg gehe ich zunächst vor und entscheide knapp unter dem Zackenpass, dass wir uns nun anseilen, weil der Abstieg über 40° steiles Blankeis führt. Bei der Zwischensicherung helfen uns (zumindest weiter unten) eingefrorene Felsblöcke. In der Seilschaft geht Jonas vorn und ich als letzter. Er erklärt und zeigt den Mädels nochmal eindringlich die Technik beim Abstieg in Blankeis: Frontzacken zum Tal und gut eintreten und leicht nach vorn gebeugt, Pickelhaue nach hinten.

 

Eins der Mädels will das nicht richtig glauben, dass es so am besten ist und benutzt häufiger die Vertikalzacken seitlich - - und rutscht im steilsten Stück natürlich ab. Sie ist direkt vor mir am Seil, also MUSS ich sie halten, sonst rutschen wir als Seilschaft zusammen ab. Das würde nicht ohne Verletzungen abgehen in dem Gelände, auch wenn es unterhalb keine Abbrüche gibt. Glücklicherweise kann ich sie halten, wobei es trotzdem einen ordentlichen Ruck gibt! Es gelingt nur, weil ich ihren Abrutsch sehen kann und mich in Sekundenbruchteilen auf den Seilzug vorbereiten kann. Noch einmal etwas weiter unten, wo es schon etwas flacher ist, rutscht sie nochmal aus. Diesmal kommt es für mich aber sehr unerwartet. Gerade erst hat Jonas das Seil als Zwischensicherung um einen Block gelegt. Mich reißt es fast von den Beinen, doch auch dieses Mal kann ich sie gerade noch halten, obwohl etwas zu viel Schlappseil in dem Moment lag. Wäre wir beide ins Rutschen gekommen, hätte uns nur die „Zwischensicherung“ gehalten...

 

Am Ende üben wir noch kurz den Einsatz der Pickelbremse, deren Anwendung vor einigen Minuten schon sehr nützlich gewesen wäre. Glücklich verlassen wir danach die Steilflanke und gehen seilfrei über den Rest des Gletschers hinab, nicht ohne die Eisbrücke nochmals zu begutachten. Sie scheint schmaler geworden zu sein.

 

Als wir das Berghotel erreichen, wird es bereits dunkel. Die anderen machen noch einmal Pause, doch ich fühle mich so gut, dass ich gleich weiter gehe und beschließe schon vorzukochen, falls ich den Weg im Dunkeln finde und deutlich eher als die anderen ankomme. Sehr zügig und deutlich einfacher als gedacht erweist sich nun der Gegenanstieg zum Schwarzgrätli hinauf im Dunkeln. Weil wir kein Wasser mehr am Zelt haben und alles bis dahin aufbrauchen, hole ich noch schnell am wunderschönen Tschalmetenseeli gut 3l gutes Wasser. Das aus dem Tällisee ist sehr trüb und schmeckt nicht soo gut. Die Quellen im Dunkeln zu finden, glaube ich nicht. Zurück am Grat sehe ich nun den Schein der Lampen von meinen Freunden. Sie sind noch weit unten. 20:45 Uhr.

 

Noch kurze Zeit bleibe ich auf dem markierten Steig, den ich kurz nach dem Abzweig ins Üschenetal verlasse, weil er danach einen größeren nördlichen Bogen macht. Ich verlasse mich ganz auf mein Gespür, den Biwakplatz zu finden. Und tatsächlich orientiere ich mich genau drauf zu, was ich natürlich erst kurz vor dem Platz selbst sicher weiß ;) Um 21:15 erreiche ich diesen glücklich. Kocher anwerfen und Tee aufsetzen!

Dass es heute so spät wird, ist nicht schlimm, da die am Berghotel erfahrenen Prognosen für morgen schlecht aussehen und wir nicht viel unternehmen können werden.

 

 

Das Balmhorn ist ein traumhafter Berg, den man über den Normalweg auch Einsteigern mit erfahrener Begleitung empfehlen könnte. Die klassische Traumtour bleibt selbstverständlich die Überschreitung zum Altels hinüber, die wir nächstes Mal angehen werden. Unser viiiel zu später Aufbruch heute kostete uns den Gipfel. Das + am WS wird wahrscheinlich erst am Gipfelgrat erreicht, deshalb diese Bewertung. Das Blankeis so spät im Jahr ist nicht ohne. Der stark abgeschmolzene Schwarzgletscher und die beiden Eiszungen, die Rinderhorn bis fast auf ersteren hinabziehen, bilden landschaftlich die schönsten Reize bei diesem Aufstieg. Spätestens jetzt sind wir bestens akklimatisiert.

 

Für die restlichen Tage haben wir uns noch Rinder- und Daubenhorn vorgenommen.


Tourengänger: alpensucht


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