Zitterklapfen 2403 m - 5***** - Kraxeltour bei Kaiserwetter


Publiziert von alpstein Pro , 18. August 2012 um 21:20.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Lechquellengebirge
Tour Datum:18 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:15
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Autobahnabfahrt N13 Au/Lustenau - Dornbirn - Bödele - Bregenzerwaldbundesstraße - Au - Bodenversäß (Für die Fahrt über den Güterweg in das Bodenvorsäß haben wir im Gasthof Adler um 7.00 Uhr eine Berechtigungskarte für 10 Euro geholt)
Unterkunftmöglichkeiten:z.B. Gasthof Adler, Bergkristallhütte
Kartennummer:VoGiS oder map.geo.admin.ch

Zwei Jahre ist es her, dass wir dem Zitterklapfen (2403 m) zum ersten Hikr-Tourenbericht verholfen haben. Es war ein Unternehmen, das unserem bescheidenen Können einiges abverlangte. Letztes Jahr wiederholten wir das Ganze. Leider war das Gipfelerlebnis, wie auch im Jahr 2010, nicht von den allerbesten Wetterverhältnissen gekrönt und die Fernsicht miserabel. Für heute stand eigentlich ein Knie schonendes Unternehmen mit einem Bähnliberg auf dem Programm. Angesichts der optimalen Vorhersagen haben wir uns gestern kurzfristig gegen die Chammhalden-Route und für eine längere Tour auf den Zitterklapfen entschieden.
 
400 Hm ersparten wir uns, indem wir eine Berechtigungskarte für die Güterstraße in das Bodenvorsäß erworben haben. So sind wir um 7.30 Uhr auf 1215 m losmarschiert. Längere Zeit konnten wir im Schatten unterwegs sein und der Talwind, der durch das Dürrenbachtal fegte, machte das Ganze angenehm. Erst hinten unter dem Wasserfall am Talschluß kamen wir in die Sonne und die heizte uns über den Rücken von Neugunten ganz schön ein.
 
Mit Beginn der Felszone wurde die markierte Route anspruchsvoller (T4) und nach dem Hochkar wurde es dann wieder spannend. Von der Anspannung vor zwei Jahren war allerdings nicht mehr viel zu spüren. Schließlich haben wir den steilen, seilgesicherten AV-Steig schon zweimal bewältigt. Vor über 30 Jahren war ich schon zwei Mal mit meinem Vater auf dem Gipfel. Dennoch war es wieder ein spannendes Unternehmen, wie die Fotos dokumentieren sollen. Routendetails können dem Bericht von 2010 entnommen werden, der wohl dank Google schon über 4000 mal angeklickt wurde.
 
Als wir die Ostgrat-Scharte erreicht hatten, mussten wir erst einmal Luft holen. Hatte sich Esther58 am frühen Morgen noch gegen die Mitnahme des KS-Sets gewehrt, war sie nun froh, dies für den Abstieg quasi als eine Art Beruhigungspille im Rucksack zu haben. Auch wenn der Steig in der ausgesetzten Wand über eine lange Strecke mit einem Drahtseil versehen ist, wäre jeder Fehltritt oder Ausrutscher mit ziemlicher Sicherheit sehr unangenehm. Den Schutzengel, den mein Onkel bei einem Absturz in 70er Jahren hatte, wollte ich lieber nicht strapazieren. Wundern darf man sich aber schon, dass "mutige" Zeitgenossen in normalen Turnschuhen unterwegs waren.
 
Das Gipfelerlebnis war heute von keinem Wölkchen getrübt. Von der Zugspitze über die Bernina bis zur Jungfrau reichte das prächtige Panorama, das wir während längerer Zeit genossen. Die Zeit des Abstiegs aber kam. Nach etwas über 6 Stunden sind wir schließlich in der Bergkristallhütte eingekehrt. Der Flüssigkeits- und Kalorienspeicher wurde mit Radlern  und einer deftigen Mahlzeit gefüllt. Unterwegs konnten wir noch unter dem Wasserfall und weiter oben im Kar unsere Wasservorräte ergänzen.

Fazit: Esther und ich sind uns einig, dass der Zitterklapfen das spannendste Bergunternehmen ist, das wir bisher absolviert haben, wenn man von 10 Hm Schaffhauser Kamin absieht. Gut eine Stunde muss man konzentriert zu Werke gehen und die Ausgesetztheit ist es wohl, die der Tour einen besonderen Reiz und Nachhaltigkeit verleiht. Eine Überschreitung vom Hochscherenweg über den Westgrat/Hochscherenkopf wäre nun noch das Tüpfelchen auf dem i.
 
Route: Bodenvorsäß - Annalperau Alpe - Neugunten - AV-Steig - Ostgrat-Scharte - Zitterklapfen und retour mit kleinem Zwischenaufsteig zur Bergkristallhütte im Bodenvorsäß

Bis zur Annalperau Alpe kann man auch mit dem Bike fahren.

Video Zitterklapfen von oben: Link


Tourengänger: alpstein, Esther58

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Kommentare (8)


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Renaiolo hat gesagt: Toller Bericht!
Gesendet am 19. August 2012 um 17:01
T5 liegt definitiv jenseits unserer Möglichkeiten. Grossartig! LG Ruedi

alpstein Pro hat gesagt: RE:Toller Bericht!
Gesendet am 19. August 2012 um 17:17
Hallo Ruedi,

danke für den Kommentar. T5 ist relativ. Es gibt solches T5 und solches. Eine klassische T5/II ist z.B. die Bützi-/Stockflue, wo man im festen Fels kaum Nervenkitzel verspürt. Bei anderen T5-Routen beschränken sich die Schwierigkeiten nur auf kurze Passagen, wie z.B. Chammhalden. Hier ist es die Ausgesetztheit als psychisches Element, die einem mit Nervenkitzel doch ziemlich lange begleitet. Dem kann man mit einem KS-Set etwas begegnen, wenn man die untere Schlüsselstelle hinter sich gebracht hat.

Das örtl. Tourismusbüro bietet die Route m.W. auch wöchentlich mit einem Bergführer an. Gestern war einige Leute am Berg. Das Gipfelbuch von 2009 ist aber kaum mehr als zur Hälfte voll. Stünde der Berg in der CH, wäre er sicher ein beliebtes Hikr-Ziel.

Danke und beste Grüße
Hanspeter

monigau hat gesagt: Gratuliere ...
Gesendet am 25. August 2012 um 13:00
... zur erneuten Besteigung des Zitterklapfens. Der Berg lässt euch wohl nicht los???

lg
Monika

alpstein Pro hat gesagt: RE:Gratuliere ...
Gesendet am 25. August 2012 um 13:26
Vielen Dank, Monika

>Der Berg lässt euch wohl nicht los???

Ja, da hast Du recht, aber der Berg ist für uns auch was besonderes und die tolle Route wirkt jedesmal noch tagelang nach.

Grüße vom sonnigen Bodensee
Hanspeter

Seeger Pro hat gesagt: Euer Zitterklapfen
Gesendet am 26. August 2012 um 23:00
Hallo Hanspeter und Esther
Beim Durchlesen und vorallem Betrachten der Wahnsinns-Tele-Shots möchte man gleich schon Morgen auf "Euren Berg".
Herzliche Gratulation zu dieser einmaligen Tour.
Gruss vom Tessin
Andreas

alpstein Pro hat gesagt: RE:Euer Zitterklapfen
Gesendet am 27. August 2012 um 06:31
Hallo Andreas,

vielen Dank für Deinen netten Kommentar.

>Beim Durchlesen und vorallem Betrachten der Wahnsinns-Tele-Shots möchte man gleich schon Morgen auf "Euren Berg".

So weit entfernt von Deinem Wohnort läge der Berg ja nicht und dem Gipfelbuch nach fast so wenig besucht, wie Gipfel in Deinem Tessin.

Grüße vom Bodensee
Hanspeter und Esther

Bikehike hat gesagt:
Gesendet am 30. Mai 2015 um 10:11
> Bis zur Annalperau Alpe kann man auch mit dem Bike fahren.

Diesen "Luxus" werde ich mir dann wohl gönnen ;-)

Ich lese die Zitterklapfen-Berichte wieder und wieder... Dieses Jahr wird es sich hoffentlich ergeben. Herantasten ist angesagt.

Danke dir für die ausführlichen Dokus darüber.

Grüße
Philipp

alpstein Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 30. Mai 2015 um 12:57
Dank zurück, Philipp!

Vom Tal weg zu Fuß werden wir sicher nicht mehr hochgehen. Falls wir den Zitterklapfen dieses Jahr machen sollte, dann wieder mit Maut bis zum Bergkristall hoch.

In der Nordflanke im Bereich des Einstiegs in den Steig und im Steig selbst hält sich der Schnee teilweise sehr lange. Vor Mitte bis Ende Juli würde ich es nicht wagen hochzugehen.

Grüße
Hanspeter


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