Hinteres Brandjoch (2596 m) - über den Dächern von Innsbruck


Publiziert von 83_Stefan , 3. Juli 2012 um 22:21.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Karwendel
Tour Datum:30 Juni 2012
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Mountainbike Schwierigkeit: WS - Gut fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: A   Karwendel 
Zeitbedarf: 9:30
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Deutschland über die B2 oder aus dem Inntal über die B177 nach Scharnitz; einige kostenlose Parkmöglichkeiten im Ort (bevor ich 6 € für den offiziellen Parkplatz zahle, reise ich zu Fuß an). Alternativ per Bahn anreisen.
Unterkunftmöglichkeiten:Möslalm (1262 m, privat).
Kartennummer:AV-Karte 5/1 - Karwendelgebirge Westliches Blatt.

In der südlichsten der vier Karwendelketten erhebt sich das Gipfelduo der Brandjochspitzen, die vor allem vom 2000 Meter tiefer gelegenen Innsbruck durchaus Respekt einflößen. Welcher Innsbrucker möchte nicht einmal von dort oben auf seine Stadt herunter blicken?!?
Die Inntalkette ist von der Tiroler Landeshauptstadt aus natürlich bestens erschlossen - auch eine Bahn schaufelt fleißig Touristen nach oben in die Seegrube. Von dort wäre es auch nicht mehr allzu weit zu den Brandjochspitzen. Aber wie so oft gilt auch hier: wer einen Berg so richtig erleben will, beginnt die Tour im Tal. Deswegen starten wir in Scharnitz und radeln durch's Herz des Karwendels, um den beiden Zielen von Norden einen Besuch abzustatten. Auf diese Weise erlebt man eine für das Karwendel typische Bike & Hike-Tour und wird der Dimension dieses Gebirges erst wirklich gewahr.


Von Scharnitz aus geht's mit dem Radl an der jungen Isar aufwärts. An der Gleirschhöhe verlässt man den Fahrweg ins Hinterautal und folgt der Schotterstraße bergab. Die Isar wird gequert und jenseits geht's recht steil wieder aufwärts ins Gleirschtal. Die Steigung legt sich schließlich zurück und schwach fallend führt der Weg hinunter zum Gleirschbach, an dessen Ufer es weiter ins Herz des Karwendels geht. Knapp am Forsthaus Amtssäge vorbei (Abstecher in wenigen Minuten möglich), wird die Möslalm erreicht. Im Bereich der Alm verläuft der Gleirschbach unterirdisch.

An der Alm wird die breite Schotterstraße nach rechts auf einen schmaleren Wirtschaftsweg mit groberem Belag verlassen, der aber gut zu fahren ist. Er führt durch das Klein-Kristental bergauf bis zu einer großen Wiese, oberhalb derer ein Latschenhang hinauf ins Frau Hitt Kar leitet. Hier Radldepot.

Ein Steig führt durch die Latschenzone und später durch begrasten Schutt hinauf zu einem Rücken am Beginn des Frau Hitt Kars, in dessen Senke ein kleiner See liegt. Nur schwach ansteigend quert der Steig das Kar in südlicher Richtung um dann immer steiler durch Schutt zum Frau Hitt Sattel hinaufzuleiten. "Frau Hitt" ist der markante Felsturm in der Scharte, der bereits von Innsbruck deutlich erkennbar ist.

Nach rechts geht's auf dem guten Steig - kurzzeitig etwas auf die Südseite ausweichend - weiter. Nach einigen Metern Höhenverlust führt der Steigs durch schrofiges, teilweise begrastes Gelände zum Gipfelaufbau, der mittels Seilversicherungen und Stahlkrampen entschärft ist. Der Steig ist nicht zu verfehlen und so wird bald in unschwieriger Kraxelei der Gipfel erreicht (max. I, ein wenig ausgesetzt, aber stets Drahtseil vorhanden).

Bis hierher erfolgt die Wanderung auf markierten Steigen - wer noch hinüber zum etwas höheren Zwillingsgipfel der Hinteren Brandjochspitze möchte, der lässt sich auf ein wegloses Abenteuer ein. Ihr Anblick flößt vom Gipfelkreuz der Vorderen Brandjochspitze durchaus Respekt ein. Wer sich für den Abstecher begeistern kann, wird aber bald feststellen, dass alles "halb so wild" ist: über steiles Schrofengelände geht es hinunter zur trennenden Scharte; ein Felshindernis wird ohne Schwierigkeiten südseitig umgangen. Auf der anderen Seite geht es nun etwas südlich des Grats aufwärts. Auf einem Band (Steinmann) wird in eine schwach ausgeprägte Rinne gequert. Durch sie oder etwas oberhalb hinauf zum erstaunlich geräumigen Gipfel (I, steile Schrofen; großer Gipfelsteinmann, "self-made-Kreuz").

Der Rückweg führt wieder über die Vordere Brandjochspitze und den Frau Hitt Sattel hinunter zum Radldepot. Bergab radelt sich's bekanntlich leichter und so ist man recht zügig an der Möslalm, an der man sich vor der weiteren Abfahrt noch stärken kann. Dann geht's mit der lässigen Abfahrt - nur unterbrochen durch den lästigen Gegenanstieg - weiter und erstaunlich schnell ist man wieder in Scharnitz.

Schwierigkeiten:
Mit dem Radl zur Möslalm: L (alternativ zu Fuß T1).
Bis zum Radldepot: WS (etwas grobschottrig; zu Fuß T1).
Anstieg zum Frau Hitt Sattel: T3 (anstrengender Schuttaufstieg).
Zur Vorderen Brandjochspitze: T3+, I (felsdurchsetztes Schrofengelände, überversichert mit fast durchgehendem Drahtseil).
Abstecher zur Hinteren Brandjochspitze: T4+, I (steile Schrofen).

Fazit:
Eine wunderschöne, karwendeltypische 4*-Bike & Hike-Tour. Die beiden Brandjochspitzen sind wunderbare Aussichtsberge, die einen ungehinderten Blick sowohl in die Zentralalpen, wie auch ins Herz des Karwendels ermöglichen. Das Highlight ist aber der Tiefblick auf Innsbruck. Von der Hinteren Brandjochspitze zeigt sich auch der hiesige Flughafen und man kann den Flugzeugen beim Starten und Landen zusehen.
Für "eiskalte" Naturen empfiehlt sich ein Bad im kleinen See des Frau Hitt Kars.

Mit auf Tour: Andi, Bäda, Helmut, Hermann, Philipp und Walter.

Tourengänger: 83_Stefan


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Kommentare (2)


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kardirk hat gesagt:
Gesendet am 4. Juli 2012 um 14:03
Schöne Tour,

die ich vor Jahren auch mal unternommen hab, bei totalem Nebelwetter, daher nur auf die Vordere B. Schön mal zu sehen, wie es bei guten Wetter aussieht.

VG
Dirk

83_Stefan hat gesagt: RE:
Gesendet am 4. Juli 2012 um 14:09
Hallo Dirk! Danke! Na da hast du einiges verpasst bei Nebel - die Aussicht ist nämlich wirklich allererste Sahne. Beste Grüße vom Stefan!


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