Krapfenkarspitze (2110m) von O über Galgenstangenkamm, eine 5-Sterne-Frühlingstour im Vorkarwendel


Publiziert von felixbavaria , 23. April 2011 um 21:47. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Karwendel
Tour Datum:22 April 2011
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 9:00
Aufstieg: 1715 m
Abstieg: 1715 m
Strecke:P - Paindlalm - Grafenherberge - Galgenstangenkopf - Fermerskopf - Baierkarspitze - Dreierspitze - Krapfenkarspitze - Gumpenkarspitze (25 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:kostenloser P an der Straße Vorderriß-Hinterriß, ca. 800m vor der Jausenstation Oswaldhütte
Kartennummer:Kompass 26 (Karwendel)

Die Krapfenkarspitze (2110m) ist ein abgelegener, nicht allzu oft besuchter Berg im Vorkarwendel mit schöner Rundumsicht auf die Soierngruppe, den Karwendelhauptkamm und ins Voralpenland. Es gibt keinen kurzen Zustieg zu diesem Berg; der landschaftlich schönste dürfte die Überschreitung des Galgenstangenkamms sein. Gipfelsammler können nach dieser Tour sechs kaum bekannte Karwendelgipfel ihrem Tourenbuch hinzufügen.

Perfekte frühsommerliche Verhältnisse und absolutes Kaiserwetter sorgten heute für einen Traumtag. Um kurz vor 7 starteten gero und ich am P kurz vor der Oswaldhütte. Über eine relativ hässliche neue Forststraße an der Paindl-Alm (Betreten verboten) vorbei, wobei eine weit ausholende Linkskehre im Wald auf einem Karrenweg abgekürzt werden kann.

Bald geht die Straße in einen Steig (Paindl-Steig) über; dieser wird, bevor er einen markanten Graben weit nach rechts ausholend quert, scharf rechts verlassen. Ein deutlich erkennbarer Jagdsteig leitet nun in sehr gemütlicher Steigung zur Grafenherberge-Jagdhütte mit schönem Blick zur Östlichen Karwendel- und Vogelkarspitze.

Nach der Hütte geht es etwas steiler zum Galgenstangenkopf hinauf. gero, mit GPS und dem (mittlerweile aus unbekannten Gründen gelöschten) hikr-Tourenbericht von kogo ausgerüstet, erreichte diesen Gipfel zuerst, da der vorauseilende FelixW84 zunächst am Gipfel vorbeilief (auf den Gipfel führen nur schlecht erkennbare Pfadspuren, während in der Flanke ein guter Steig verläuft). Auf dem Gipfel gibt es keine Galgenstange, nicht mal ein Gipfelkreuz.

Auf dem Rest der Überschreitung gibt es bei guter Sicht keine Orientierungsprobleme. Zunächst geht es durch dichte Latschen hinab zum Querweg (hier trafen wir auf eine tiefschwarze Schlange, siehe Bild) und weiter zum ebenfalls kreuzlosen Fermerskopf. Der nächste Gipfel, die Baierkarspitze, ist mit einem kurzen Gegenanstieg zu erreichen. Bis hier ist es eine einfache Bergwanderung (T2).

Von der Baierkarspitze geht es nun im Wesentlichen pfadlos weiter. Über einen steilen Schrofenhang hinab in eine leicht ausgesetzte Scharte und gegenüber auf einem Latschengrat zu einem Vorgipfel der Dreierspitze. Deren höchster Punkt wird in leichter, aber brüchiger Kraxelei (I) erreicht.

Von der Dreierspitze auf einem völlig unschwierigen Schrofengrat, der nach Süden allerdings sehr steil abbricht, in einen Sattel und gegenüber zum NO-Grat der Krapfenkarspitze (Steinmänner). Ein frühsommerliches Schneefeld machte hier keine Probleme. Der Grat selbst war komplett schneefrei; wir sind diesem bis zum Gipfel gefolgt. Die Schlüsselstelle befindet sich in diesem Fall kurz vor dem Gipfel, hier ist ein Felsriegel mittels einer kurzen Rinne im oberen I. Grad zu überwinden (fester Fels).

Am Gipfel der Krapfenkarspitze machten wir nun eine gute Stunde Pause bei absolutem Kaiserwetter, bevor wir uns an den langen Abstieg und Rückweg machten. Zunächst nahmen wir noch die Gumpenkarspitze mit, die einen schönen Blick zum noch vereisten Soiernsee bot.

Danach ging es über den Sattel "Jägersruh" auf dem gut befestigten königlichen Steig hinab. Aus den Südosthängen der Soiernspitze konnten wir einen größeren Schneerutsch beobachten - der Anstieg von Westen zur Jägersruh ist noch nicht gefahrlos möglich. Wir allerdings drehten nach Osten auf einen bereits von oben deutlich sichtbaren Querweg ab, der die steilen Südhänge des Galgenstangenkamms quert und noch einmal schöne Blicke ins Karwendel ermöglicht.

Bald geht es in den Wald hinein und auf einem zusehends schlechteren, teilweise kaum erkennbaren Steig an einer Jagdhütte vorbei in zahllosen Serpentinen zu einer Forststraße. Dort drehen wir links ab und erreichen nun nach etwa 8 Stunden zum ersten Mal einen Bachgraben, um die Wasservorräte aufzufüllen.

Auch der Rückmarsch auf dem Paindlsteig kann sich noch sehen lassen: Nach einem kurzen Gegenanstieg (120 Hm) in schönem, lichtem Wald geht es in leichtem Auf und Ab an mehreren Gräben vorbei. Manch einer fühlt sich wegen der teils schmalen Felsbänder hier an Klettersteige in den Dolomiten erinnert.

Als wir dann die Abzweigung des Steigs zur Grafenherberge erreichen, sind wir doch froh, dass das Auto nun in Reichweite ist - wir erreichen es nach 10 1/2 Stunden, von denen knapp 9 reine Gehzeit sein dürften.

Hinweise zur Tour:
  • Lange Tour, die fast ganztägig der Sonne ausgesetzt ist. Frühzeitiger Abmarsch sehr empfehlenswert.
  • Abgesehen von zwei Kraxelstellen ohne Schwierigkeit, aber konditionell anspruchsvoll. Die sehr steilen Südhänge des Galgenstangenkammes sind notfalls als Fluchtweg völlig ungeeignet, deshalb nur bei sicherem Wetter empfehlenswert. Sie lassen gelegentlich das Gefühl einer gewissen Ausgesetztheit aufkommen.
  • Wasser kann erst auf dem Rückweg im "Dreiergraben" (unter der Baierkarspitze) nachgefüllt werden, daher genügend Trinkbares mitnehmen.

Tourengänger: gero, felixbavaria


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Geodaten
 5724.gpx Überschreitung des Galgenstangenkammes

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