Rophaien-Wildheuerlauf


Publiziert von fuemm63 Pro , 8. August 2010 um 19:23. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum: 7 August 2010
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR   Zürcher Hausberge 
Zeitbedarf: 3:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 800 m
Strecke:13,5 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Per öV bis cff logo Flüelen. Regiobus von Göschenen ab Flüelen Hauptplatz bis Endstation Gruonbach. Seilbahn Oberaxen.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Seilbahn Eggbergen bis Flüelen. Zu Fuss in 10 Min. bis cff logo Flüelen.
Kartennummer:1172 Muotathal.

Auf dem Heimweg vom Seewligrat letzten August ist sursass58 und mir beim Warten auf den Interregio am Bahnhof Flüelen eine Felsnase ins Auge gestochen – der Rophaien (2078 m). Dort wollen wir auch mal hoch, beschlossen wir. Letzten Samstag hat's geklappt: Von Ober Axen (1008 m) laufen wir auf den Rophaien (2078 m) hoch und von dort über einen wunderschönen Grat-Trail am Äbneter Stöckli und dem Diepen vorbei bis nach Eggbergen (1446 m) hinab. Die Strecke beginnt und endet auf einem rotweissen Bergwanderweg. Der mittlere Abschnitt von der Franzenalp auf den Rophaien und über den Grat-Trail bis zum Firtiggrätli verläuft auf einem blauweiss markierten Alpinwanderweg. Sowohl beim steilen Schluss-Aufstieg zum Rophaien als auch abschnittweise auf dem Grat-Trail zwischen Rophaien und Diepen ist kein Laufen möglich resp. zu empfehlen. Bergdämonen, kopflose Männer oder grosse, schwarze Hunde mit Menschengesicht sind uns keine begegnet, dafür viel Wandervolk, da es ein wunderbarer, sonniger Samstag war. Für Berglauf ist der umgekehrte Weg (wie wir es eigentlich mal geplant hatten) nicht zu empfehlen, da der steile Abstieg vom Rophaien zur Franzenalp nur vorsichtig begangen werden kann – insbesondere bei Nässe.

Mit der Seilbahn ab Flüelen-Gruonbach erreichen wir innert wenigen Minuten unseren Startpunkt, die Bergstation auf Ober Axen (1008 m). Das Wetter ist schön, bereits in leichter Bekleidung nehmen wir den ersten Aufstieg in Angriff. Der Weg ist zuerst einfach und schlängelt sich über Weiden und durch lichten Föhrenwald. Nach Ober Frimseli (1176 m), kurz nach der wbw-Abzweigung zur Axenrüti und dem Buggigrat (auch eine Option), verschmälert sich der Weg zu einem Pfad, der durch mehrere Rinnen in südöstlicher Richtung führt. Wir verpassen die Abzweigung in den Steilaufstieg auf etwa 1340 m ü. M. und erreichen die Franzenalp (1454 m), wo wir mit dem alten Senn über seine frisch geborenen Kälber und das Wildheuen plaudern. Am Rophaien wird noch immer Wildheuen betrieben. Früher mähten noch alle Flüeler Bauern an den steilen Planggen des Rophaien Wildheu. Der Grund war ökonomische Notwendigkeit. Man konnte das Vieh im Winter besser durchbringen. Auch der alte Senn auf der Franzenalp meint, es sei halt günstiges Heu. Am Rophaien sind über 20 Stahlseile gespannt, mit denen die Pinggel (Heubündel) ins Tal hinab befördert werden. An einem habe ich mir beim Aufstieg den Kopf angeschlagen ;) Aber anscheinend wird für den Taltransport heute eher der Helikopter verwendet... Im Juni 2010 ist am Rophaien ein offizieller Wildheupfad eröffnet worden.

Der Pfad biegt nach der Franzenalp scharf links (N) ab, wir laufen falsch auf dem Weg Richtung Unter Ricki und Unter Hüttenboden. Aber der alte Senn ruft uns nach und weist uns die richtige Richtung. Wir danken, fädeln auf den richtigen Pfad ein, der ab der Alp blauweiss markiert ist, und erreichen nach wenigen Minuten auf 1500 m ü. M. die Abzweigung in die längere (über den Buggigrat) oder kürzere Aufstiegs-Variante zum Rophaien. Wir nehmen die kürzere, steilere Variante, die bald nur noch schnelles Wandern, aber kein Laufen mehr ermöglicht. Wir steigen über eine frisch gemähte Plangge bis in die Schwalmis auf, wo wir retour hinab auf die Franzenalp blicken. Von dort zieht sich der Pfad bis hinauf auf den Grat zwischen Blutt Stöckli (1884 m) und Rophaien. Es folgt der letzte und steile Aufstieg zum Rophaien (2078 m). Dort rastet bereits viel Wanderervolk – es ist eben Samstag und Sommerferien :)

Nach kurzer Rast zieht es uns weiter, wir rennen gämsig über den Grat in Richtung Äbneter Stöckli und Diepen. Einige steile und ausgesetzte Stellen sowie mit Drahtseilen abgesicherte Wegabschnitte passieren wir vorsichtig und erreichen bald die Roten Chöpf (P. 1999). Zwischen den Roten Chöpf und dem Äbneter Stöckli, das wir kurzzeitig mit dem Diepen verwechseln, interpretieren wir die Streckenführung falsch und biegen auf einen (ebenfalls wbw-markierten) Pfad ab, der aber immer tiefer in die südliche Flanke des Äbneter Stöckli führt. Der richtige Pfad würde direkt übers Äbneter Stöckli (2087 m) führen. Als wir eine steil nach unten weisende wbw-Markierung erreichen, realisieren wir, das wir auf dem Holzweg resp. Gämspfad sind und kraxeln ca. 40 Höhenmeter die Matte direkt hoch, bis wir wieder auf den richtigen Weg kommen (siehe Fotos). Wir kommen so richtig ins "Wildheuer-Feeling" - nur die Griff-Holzschuhe fehlen uns... Vom Grat aus beobachten wir eine Wildheuet unterhalb von Schön Chulm (siehe Fotos) und erinnern uns an den schönen Film von Erich Langjahr Das Erbe der Bergler (2006). Wir umrunden den Diepen auf seiner nördlichen Flanke, passieren das Firtiggrätli (1961 m), wo der wbw-Abschnitt definitiv endet, überqueren zwei namenlose Kuhweiden bei P. 2011 und P. 2024 und steigen ab Schön Chulm (P. 2023) und dem vielbevölkerten Fleschsee (1812 m) über immer breitere Wege bis zur Bergstation nach Eggbergen (1445 m) ab.

Zu beachten: Zeitangaben beziehen sich auf Lauftempo. Sie können mit dem Faktor 2 auf Wandertempo hochgerechnet werden.

Tourengänger: fuemm63, sursass58


Galerie


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